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Berg-
und Wanderschuhe
 
Eine komfortable Passform und Langlebigkeit werden von einem Wanderschuh bzw. Bergschuh erwartet. Aber neben diesen beiden Anforderungen gibt es noch eine Menge Dinge die bei einem Schuhwerk zu berücksichtigen sind, Dinge die sich aus der Jahreszeit des geplanten Einsatzes, den Anforderungen und dem Nutzer selbst ergeben.
 
Wanderschuhe von Meindl
Quelle: Meindl
 
Egal ob Alpinstiefel oder Wanderschuhe, vor einer Neu-Anschaffung sollte man sich fragen, wie und wo setz ich ihn ein?
  • Gelände: befestigte Wege, Schotter-/Waldwege, abseits der Wege, Geröll, Schnee/Eis
  • Einsatz: Ausdauersport, Wanderung, Trekking, schweres Gepäck, Hochtour, Expedition
  • Klima: Hitze, Kälte, Wasserdichtigkeit, Wasserbeständigkeit
 
DIE PASSENDE GRÖSSE
 
Für die Bestimmung der richtigen Größe der Schuhe sollte man immer im Hinterkopf behalten:
 
Zu große Schuhe kann man immer kleiner machen, einen zu kleinen Schuh niemals größer!
 
Die angegebene Zahl im Schuh, genannt Größe sollte nur eine Orientierung sein. Zum einen fällt jede Schuhmarke anders aus, zum anderen hat der Fuß beim Wandern andere Bedürfnisse als im Alltag.
 
So benötigen Sie beim (manchmal stundenlangen) Bergabgehen Spielraum nach vorne (Blaue Zehen sind unangenehm und heilen nur langsam). Eine gute Socke benötigt mehr Platz als die dünne Businesssocke.
 
Unterschätzen sollten Sie auch den Fuß selbst nicht. Die Belastung eines Wandertags lassen ihn manchmal ein Volumen annehmen, das man nicht für möglich gehalten hat.
 
Am besten achten sie darauf, dass Sie nach vorne für das Bergabgehen am Nachmittag noch einen Spielraum von min. 0.5 cm haben. Das bedeutet allerdings, dass Sie am Vormittag ohne Belastung sich 1 cm gönnen sollten. Wer weiß das seine Füße im Laufe des Tages stark anschwellen, muss dementsprechend mehr einkalkulieren.
 
DER PASSENDE SCHUH
 
Vorab das Ausräumen eines Trugschlusses. Nämlich, dass die Zwischen- bzw. Brandsohle nur den positiven Nebeneffekt hat, dass man keine Steine hindurchspürt ist falsch. Richtig ist vielmehr, dass die Zwischensohle das Rückgrat des Schuhes ist und dem Fuß den nötigen Halt gibt und bestimmt, wo und wie der Fuß abrollt.
 
Schuhaufbau im Querschnitt
Quelle Meindl
 
SOHLENAUFBAU
 
Anforderung Abrollwiderstand
(Zwischen-/Brandsohle)
  • Auf befestigten Wegen (Wandern) gering, denn auf kurzen Distanzen darf der Fuß ruhig mal etwas mehr Arbeiten.
  • Auf Bergwanderungen oder bei Trekking, sollte dieser größer sein (mehr Entlastung).
  • Beim Bergsteigen und auf Hochtouren hat ein hoher Widerstand Vorteile beim treten kleiner Tritte, Stufenschlagen im Schnee und ist Grundvoraussetzung zur Verwendung mit Steigeisen.
Anforderung Torsionssteifigkeit
(Zwischen-/Brandsohle)
  • Auf befestigten Wegen (Wandern) soll sie eine gute Führung bieten.
  • Auf Bergwanderungen oder bei Trekking, kann man schon mehr Steifigkeit vertragen um sich sicher zu fühlen.
  • Beim Bergsteigen und auf Hochtouren hilft uns eine verwindungssteife Sohle beim Klettern und Arbeiten mit Steigeisen.
Anforderung Dämpfung
(Mittelsohle)
  • Auf befestigten Wegen (Wandern) ist eine gute (subjektiv auch weiche) Dämpfung gefragt.
  • Auf Bergwanderungen oder bei Trekking, benötigen wir eine gute Dämpfung, doch auch Stütze, deshalb eher fester und mit Abrollhilfe unterm Ballen.
  • Beim Bergsteigen und auf Hochtouren, festere Dämpfungselemente wählen oder Dämpfung auf die Ferse reduziert, im Frontbereich sonst sehr störendes schwammiges Trittgefühl.
 
Anforderung Profil

Bergschuh Sohlenprofil

  • Auf befestigten Wegen (Wandern) muss es nicht grob sein, achten Sie auf eine selbst reinigende Anordnung des Profils.
  • Auf Bergwanderungen oder bei Trekking, brauchen wir ein gröberes Profil das nach allen Richtungen Halt bietet (keine Führungsrinnen, steilere Zähne) und einen ausgeprägten Absatz.
  • Beim Bergsteigen, ein ähnliches Profil wie beim Trekking, doch etwas offener eventuell im Frontbereich verbundene Zonen zum Klettern.
  • Auf Hochtouren, wie das Bergprofil nur sehr grob und tief um auch im Schnee guten Halt zu haben.
 
OBERAUFBAU
 
Obermaterial und Zwischenschicht
  • Auf befestigten Wegen (Wandern) bietet ein halbhoher Schuh eine gute Führung, leichte Materialien (Kunstfaser, synthetisches Leder, Wildleder) sind ausreichend.
  • Für Bergwanderungen und bei Trekking auf guten Knöchelhalt achten und robuste Materialien (Nubukleder, wenig Einsätze aus Kunstfasern und kaum Nähte) auswählen.
  • Beim Bergsteigen und auf Hochtouren brauchen wir guten Knöchelhalt allerdings auch Bewegungsfreiheit (Klettern), Leder (Nubuk, gewendetes Leder, ... ) bietet hier den besten Schutz. In modernen Schuhen geht man einen Kompromiss ein, mit Einsätzen aus verstärkten Kunstfasern (z. B. Kevlar) für mehr Komfort und weniger Gewicht.

Futter
  • Für Tagestouren empfiehlt sich Leder, es ist bei jeder Temperatur atmungsaktiv, langlebig und trägt durch sein hohes Feuchtigkeitsaufnahmevermögen zum Fußkomfort bei.
  • In der Kälte haben Kunstfasern den Vorteil, dass sie schneller trocknen als Leder und somit der (im Sommer erwünschte) kühlende Effekt ausbleibt.
  • Membranen oder Beschichtungen schützen vor Nässe, die von außen in den Schuh eindringen kann. Da sie allerdings die Atmungsaktivität herabsetzen, sind sie eher auf Mehrtagestouren im Vorteil, da das Innenmaterial (Kunstfaser oder perforiertes Leder) nur den Schweiß aufnehmen muss und somit gewöhnlich einen trockenen Schuh am nächsten Morgen beschert.
Faustformel: Je unerfahrener oder unsicherer desto mehr sollten die Wanderschuhe oder Bergschuhe Sie unterstützen. Also Festigkeit in Sohle und Oberaufbau. Das gleiche gilt bei mehr Körpergewicht und größerer Unwegsamkeit des Geländes.
 
TIPP
Die neuen Schuhe immer gleich mit den Socken anprobieren, mit denen Sie dann unterwegs sein werden.
 
Verwenden Sie Steigeisen? Dann sofort testen ob die alten noch passen. Und mit der richtigen Pflege haben Sie lange etwas von ihren neuen Begleitern.
 
DIE PASSENDE SOCKE
 
Die Socke trägt viel zum Komfort im Schuh bei. Sie polstert und puffert Feuchtigkeit, die das Futter nicht mehr aufnehmen kann (besonders bei wasserdichten Schuhen) und hält somit den Fuß trocken. Grundvoraussetzung für einen blasenfreien Wandertag.
 
Die Stärke und das verwendete Material beeinflussen weniger die Wärme (in einem guten Schuh stehen Sie auf mindestens vier Sohlen, das isoliert perfekt), eher die Fähigkeit zu Polstern und Feuchtigkeit zwischenzuspeichern.
 
Wolle kann sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen, bleibt formstabil und hält Geruchsbildung in Grenzen.
 
Kunstfasern trocknen sehr schnell, können allerdings wenig zwischenspeichern und sind in der Geruchsentwicklung nicht die angenehmsten Begleiter. Moderne Mischungen haben dies mittlerweile recht gut im Griff.
 
Die beliebte Tennissocke mit 100% Baumwolle, hat in einem Wander- oder Bergstiefel nichts zu suchen. Baumwolle behält im feuchten Zustand nicht mehr ihre Form und klebt auf der Haut. Blasen sind vorprogrammiert.
 
 
Von Markus Schindler, Bergzeit Experte und Einkäufer für Bergschuhe und Wanderschuhe.
 
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