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Funkstreife im Schnee

ABS P.Ride Lawinenairbag mit Fernauslösung im Test

6 Minuten Lesezeit
Bereits letzten Winter konnte Bergzeit-Autor Daniel Penn den neuen P.Ride Lawinenairbag von ABS unter die Lupe nehmen. Es ist das erste Lawinenrettungssystem, das mittels Funk auch eine Partner- und Gruppenauslösung möglich macht.

Fast die komplette letzte Wintersaison hatten wir drei ABS P.Ride-Rucksäcke am Rücken, um sie in den unterschiedlichsten Situationen zu testen. Die uns zur Verfügung gestellten Systeme waren Vorserienmodelle. So konnten unsere Testergebnisse direkt in die Produktentwicklung bei ABS einfließen.

Unser Input wurde bei der Optimierung der Serienmodelle berücksichtigt. ABS hat so lange am P.Ride gefeilt, bis eine optimale Bedienfreundlichkeit erreicht wurde. Denn was hilft ein hochintelligentes Fernauslösungssystem, wenn es Neukunden nicht bedienen können!

ABS P.Ride – Base Unit und Zip-Ons

Der Lawinenrucksack besteht wie alle ABS-Modelle aus einer Base Unit – also dem Tragesystem mit der kompletten Auslösetechnik. Auf diese Base Unit lassen sich sowohl die Zip-Ons von ABS als auch die Modelle aller anderen zertifizierten ABS-Partner (ABS Zip-On Partner) aufsetzen. Mit diesem Modularsystem erhält jeder Nutzer die für ihn perfekte Lösung –  egal ob Hobbyfahrer, Fotograf oder Bergführer, egal ob Feierabendrunde oder Alpendurchquerung.

Von ABS werden in der P.Ride-Serie Zip-Ons mit 18, 32 oder mit 45+5 Liter Packvolumen angeboten. Wir hatten beim Test die P.Ride 32 Zip-Ons im Einsatz. Mit einer geschickten Packweise kommt man auch auf einer mehrtägigen Hüttentour damit aus, zumal sich auch außen am Rucksack durch zahlreiche Materialschlaufen Gepäck befestigen lässt.

Wer schon einen ABS-Rucksack sein Eigen nennt, dem sei Folgendes gesagt: Ja, die neuen Modelle bieten einen wesentlich höheren Tragekomfort. Die Rückenplatte ist zwar relativ hart, die Schulterriemen sind hingegen gut gepolstert und die ebenfalls gepolsterte Hüftflosse ist höhenverstellbar.

Die Base Unit des ABS P.Ride | Foto: Daniel Penn
Die Base Unit des ABS P.Ride Lawinenairbags. | Foto: Daniel Penn

Die Technik des ABS P.Ride

In der Base Unit der P.Ride-Serie steckt serienmäßig ein Steuerungsmodul – das Kontrollzentrum für die Selbst- und Partnerrettung. Hier kommen die Signale des eigenen Auslösegriffes sowie die der verbundenen Partner an. Die Kopplung erfolgt mittels Bluetooth™. Alle Systeme im Umkreis von circa zehn Metern werden bei gleichzeitiger Aktivierung der Auslöseeinheit zu einer Gruppe zusammengeführt. Die Fernauslösung erfolgt dann per Funk durch Ziehen des Auslösegriffs bei einem beliebigen Teilnehmer in der Gruppe. Die Reichweite beträgt bis zu 300 Meter.

Bei der einzelnen Befahrung von Hängen ist die gezielte Auslösung eines Airbags möglich. Dabei kann der Einzelfahrer die Auslösung seines Airbags selbst herbeiführen – oder auch das Mitglied der Gruppe, das den Hang im Überblick hat, für den Einfahrenden. Hierfür muss der Einfahrende die Einzelfahrertaste drücken und der (oder die) Partner im Ernstfall ebenfalls die Einzelfahrertaste drücken und am Auslösegriff ziehen. Jetzt wird nur der Airbag des Einzelfahrers ausgelöst. Drückt der Einzelfahrer erneut die Taste, befindet er sich wieder im Gruppenmodus. Im Gruppenmodus reicht dann wieder die Auslösung eines Einzelnen, um alle Airbags der Gruppe zu aktivieren.

TwinBag-System: Airbag-Duo für mehr Sicherheit

Das ABS-eigene TwinBag-System besteht aus zwei unabhängigen Airbags, die im Falle eines Defekts die Chancen erhöhen, bei einer Verschüttung an der Schneeoberfläche zu bleiben. Im Ernstfall ist das ein Vorteil, der über Leben und Tod entscheiden kann. Die TwinBags sind so an der Rückenplatte angebracht, dass sie seitlich stabil am Rucksack abstehen, um das Lawinenopfer in eine waagrechte Position zu bringen und somit ein Einsinken zu verhindern. Durch eine spezielle Webart ist die Fläche der Airbags beim P.Ride zusätzlich um 30 Prozent größer als bei den bisherigen ABS-TwinBag-Systemen.

Die Testszenarien

Nachdem uns ABS großzügig mit zehn Test-Zylindern ausgestattet hat, haben wir das P.Ride-System in den verschiedensten Situationen testen können. Von der weiten Fläche bis zu engen Karen, auf kurzen Tagestouren bis zu mehrtägigen hochalpinen Ausflügen. Die uns zur Verfügung gestellte Ausrüstung haben wir sicher nicht geschont, sondern sie durch Kletterpassagen gezogen und über Fels geschrubbt. Dabei erwies sich das Material als äußerst robust und es machte auch nach mehreren Monaten noch einen super Eindruck.

Von weiten Flächen bis zu engen Karen - die Testszenarien waren so abwechslungsreich wie unterschiedlich. | Foto: Daniel Penn
Von weiten Flächen bis zu engen Karen – die Testszenarien waren so abwechslungsreich wie unterschiedlich. | Foto: Daniel Penn

Die Gruppen- und Einzelfahrerauslösung funktionierte tadellos. Wir haben sie auf bis zu 250 Meter gemessener Distanz im freien Feld ausprobiert. Auch im Wald hatten wir auf Sichtweite keine Probleme – ohne hier aber tatsächlich eine GPS-Messung vorgenommen zu haben, da durch die unterschiedliche Topografie unseres Testgeländes keine Referenzwerte ermittelbar waren.

Trainingsauslösungen mit dem P.Ride Lawinenairbag

Mit dem ABS P.Ride sind auch Trainingsauslösungen möglich. Hierzu wird der Carbon-Zylinder ausgesteckt, nach Aktivierung des Systems blinken die LEDs an der Auslöseeinheit weiß-rot. Jetzt können Gruppenauslösung und Einzelfahrermodus getestet werden, ohne tatsächlich den Airbag zu zünden.

Das Wiederverpacken des Airbags nach Auslösung geht nach etwas Übung leicht von der Hand. Erst muss das Ablassventil im Rucksack betätigt werden, um das Gas-Luft-Gemisch aus den Airbags entweichen zu lassen. Etwas Druck auf die Airbags beschleunigt den Vorgang. Danach können die Airbags wieder zusammengefaltet und in den Seitentaschen verstaut werden.

Die TwinBags des P.Ride sind noch breiter als die bisherigen TwinBags von ABS - und verhindern damit im Ernstfall das Einsinken noch effektiver als andere Modelle. | Foto: Daniel Penn
Die TwinBags des P.Ride sind noch breiter als die bisherigen TwinBags von ABS – und verhindern damit im Ernstfall das Einsinken noch effektiver als andere Modelle. | Foto: Daniel Penn

Test-Fazit zum ABS P.Ride

Man erhält mit dem P.Ride (Base Unit + 18 Liter Zip-On 3.665 Gramm oder mit dem 32 Liter für 3.840 Gramm) zwar nicht das leichteste System auf dem Markt – aber die verwendete Technik, die eingebauten Redundanzen sowie die robuste Verarbeitung und Materialwahl sprechen für sich.

Der P.Ride ist in der endgültigen Serien-Variante die konsequente Weiterentwicklung eines bewährten Systems. Dass bislang 20 Prozent der verschütteten Personen nicht mehr selbst in der Lage waren, ihr Airbag-System zu zünden, kann durch die Partnerauslösung drastisch reduziert werden. ABS ist mit dem P.Ride jedenfalls der logische nächste Schritt in der Entwicklung moderner Lawinenairbags gelungen! Einziger Wermutstropfen: Dieses große Plus an Sicherheit hat leider auch seinen Preis. Hier findest Du die ABS P.Ride Base Unit bei Bergzeit:

Und hier das 32 Liter Zip-On (weitere Zip-Ons mit 18 und 45 Litern im Shop):

Technische Fakten:

  • Akku kann per USB geladen werden
  • Zwei Stunden Ladezeit
  • 6.000 Stunden Mindestleistung
  • 240 Stunden Bereitschaft des Akkus
  • Funkreichweite: 300 Meter
  • Gewicht: ca. 3.000 Gramm

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