Der vierte Alpencross-Tag führt die vier Mountainbiker von St. Martin bis Wolkenstein - auf Teer. Die knackige Tagesration über den Col die Ancona und das Grödner Joch und bringt einen der Biker an die Grenzen und schweißt die Gruppe zusammen.

Prolog

Im Bergzeit Magazin servieren wir Ihnen häppchenweise einen Alpencross von Tegernsee nach Riva am Gardasee. Es ist der Versuch, das erlebte Glück und den empfundenen Stolz in Worte und nackte Zahlen zu fassen – aber auch ein Bericht über das Streben vierer Gesellen, die sich beim Bemühen jung zu bleiben an eines der „letzten Abenteuer der Neuzeit” wagen. Ihre Tour führt über fünf Pässe, 551 Kilometer un 13.513 Höhenmeter. Diese Etappe führt nur über Teer, wenn einen aber auch noch der Regen begleitet, kann die Zeit auf dem Mountainbike anstrengend werden.

  1. Tag: Tegernsee – Zell am Ziller
  2. Tag: Zell am Ziller – Pfitscher-Joch-Haus
  3. Tag: Pfitscher-Joch-Haus – St. Martin
  4. Tag: St. Martin – Wolkenstein
  5. Tag: Wolkenstein – Deutschnofen
  6. Tag: Deutschnofen – Levico
  7. Tag: Levico – Folgaria
  8. Tag: Folgaria – Riva

Frühstück wie bei Mama

Alpencross Tag 4
Frühstück wie beim Mama. So muss ein Tag beginnen!

Frühstück wie bei Mama. Und was für eins: Eier im gewünschten Härtegrad, Säfte je nach Geschmacksneigung, Schinken, Käse, Brot, Semmeln, alles da. Wunderbar. Und ich sag noch: Wie bei Mama.

Heute ist Teer-Tag. Wir starten bei dichter Wolkendecke, aber immerhin Trockenheit in Richtung St. Vigil. Wir schrauben uns wieder einmal beharrlich auf einer Höhenstraße entlang und machen so mir nichts, dir nichts mal eben 400 Höhenmeter. Unterhalb des Skiliftes, so verrät uns die Kompass-Wanderkarte, müsste der dicke rote Strich eigentlich fahrbares Terrain sein. Und so ist es. Ein schöner, nicht zu steiler Anstieg à la Zinnkopf (mein liebster, sanfter Chiemgauer Hausberg) bis zum Gipfel des Col di Ancona (1.536 Meter), auf dem uns eine gemütliche Jausenstation erwartet. Wir schließen die Tür – und wie auf Bestellung setzt der Regen ein. Wolkenbruch. Wir, die gerade noch trockenen Fußes Einlass erlangen, grinsen etwas unbeholfen ob der unsicheren Lage. Egal, drinnen ist es trocken und es gibt – für all die, die noch Hunger haben – auch etwas zu essen. Gemütlich. Jedenfalls solange wir noch hier drinnen sind. Aber jede Rast hat ein Ende und so stehen wir nach einer Stunde, gesättigt und ausgeruht, vor der spannenden Frage: Fahren oder warten? Günter meint: „Och, lasst uns doch noch etwas warten.“ Wir warten. Es regnet.

Warten um dann doch nass zu werden

Alpencross Höhenprofil des 4. Tages (Hm, km)
Höhenprofil des 4. Tages (Hm, km)

Dem folgenden Tipp von Günter, doch noch etwas zu warten, weil es dann vielleicht aufhören könnte, folgen wir noch ganze zweimal. Dann gibt es keine Kompromisse mehr: Vermummung pur mit Regenhose, Regenjacke, Überschuhen, Kapuze  – und weiter geht es unerschrocken. Was soll’s? Ist ja schließlich ein Alpencross und keine Kaffeefahrt. Vorsichtig rollen wir auf Teer runter ins Tal. Corvara am Fuße des Grödner Jochs ist das vorläufige Ziel.

Alpencross-Rettung: Spagetti!

Die Kondition von Fritz klopft an und teilt mit: Keinen Bock mehr oder ein wenig langsamer machen. Ein klassischer Durchhänger. Fritz denkt an Aufgabe oder an ein weißes Taschentuch. Kommt nicht in die Tüte. Wir übernehmen kameradenhaft ein paar Gepäckstücke und ziehen Fritz im Peleton schön rhythmisch mit nach Corvara, Endstation Pizzeria, bis der Regen endlich gegen uns aufgibt.

Hunger! Spaghetti! Serviert von einer Anglo-Amerikanerin mit einem rechtsgesteuerten Morgan. Nachspeise Tiramisu für Privilegierte. Fritz ist wieder hergestellt und der Alpencross wird nicht abgebrochen. Den Spaghetti sei Dank. Die letzte Bergwertung für heute steht bevor: das Grödner Joch (2.135 m). 800 Höhenmeter am Stück und 1200 Höhenmeter haben wir bereits in den Beinen. Dann kommt, was doch endlich mal kommen musste: die Sonne. Der Blick auf die Dolomiten wird frei. Sssuperkklassse.

Wir schrauben. Kehre um Kehre. Auf Teer und begleitet von Motorrädern und Brummis. Aber egal. Oben angekommen, nehmen wir das Gipfelglück mit. Wir machen Fotos, filmen, gucken, staunen, genießen. Einfach nur schön. Was man sich mühsam erarbeitet hat, darf man auch tüchtig abfeiern. Die Abfahrt kommt. Runterfliegen ist nichts dagegen. Serpentinen und Teer, gib Gas. Der eine mehr, der andere weniger. Aber trotzdem: sooo scheee. In Wolkenstein am Ortseingang das obligate Warten auf die Nachzöglinge. Ein kurzer Blick rechts und da steht sie schon, unsere Pension. Also Quartier aufnehmen, duschen (heiß mit kräftigem Strahl) und fertig machen zum Hunger. Speckkeller: Nudeln, Speckplatte und für einen Teil der Gruppe natürlich auch Wein. Rot. Ein schöner runder Tag, bis auf den Mangel der zu kurzen Betttücher, der allerdings durch das Vorhandensein eines sehr engen, aber immerhin warmen Heizungskellers kompensiert wird. Die Erkenntnis des Tages: Vier Freunde müsst ihr sein. So schwer kann das Gepäck gar nicht sein, als dass man es nicht aufteilen könnte.

Epilog zum 4. Alpencross-Tag

Das war ein anstrengender Tag über Teerstraßen. Die Etappe mit ihren 64 Kilometer und rund 2028 Höhenmeter (in 4:33 Stunden) forderte die vier Mountainbiker heraus. Nach ordentlicher Stärkung ging aber doch alles gut. Die heutige Etappe ging bei einem der Freunde an die Grenze, kein Wunder ging diese lange Etappe doch von St. Martin über Col di Ancona und Corvara, das Grödner Joch hoch und anschließend nach Wolkenstein.

Etappen des Tages im Detail: St. Martin >> Col di Ancona >> Corvara > Grödner Joch >> Wolkenstein


Faszination AlpenX - Udo Kewitsch
Faszination AlpenX

Faszination AlpenX

Mit dem Bike über die Alpen

Das Buch zu unserer Alpencross-Serie ist im Verlag Frischluft-Editon erschienen. In Band 1 beschreibt Autor Udo Kewitsch drei Transalp-Touren. Neben der hier präsentierten Route vom Tegernsee bis Riva kombiniert Kewitsch bei seiner zweiten Reise die klassische Heckmair-Route mit Elementen der ebenso populären Joe-Route. Von Oberstdorf aus führt die Tour unter anderem über Ischgl, Bormio und Madonna di Campiglio an den Gardasee. Auch Tour drei endet am Lago: Von Schwaz in Tirol macht sich Kewitsch via Schneebergscharte, Eisjöchl und Rabbi Joch auf den Weg nach Riva. Was er bei seinen Touren erlebt schildert Udo Kewitsch mit frischer Sprache und gespickt mit vielen Insider Infos. Im Buch sind neben Höhen- und Streckenprofilen, Übersichtskarten und Checklisten auch nützliche Tipps und Adressen zu finden. Erhältlich im Bergzeit Shop.

Faszination AlpenX | Udo Kewitsch | Verlag Frischluft-Edition | ISBN: 978-3-3910890-9-7 | 160 Seiten | Format 165 x 235 cm | ca. 150 Farbbilder | 19,90 Euro


Die geeignete Ausrüstung für Mountainbiketouren gibts bei Bergzeit:

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