Ein Koch-Set mit Mini-Packmaß, ein stabiles Melamin-Service oder doch das unzerstörbare Campinggeschirr aus Edelstahl? Wenn es mit Rucksack, Rad oder Wohnmobil auf Reisen geht, gibt’s bei Tellern und Tassen verschiedenste Ansprüche. Eine Kaufberatung.

Kochsets: vielseitig für Reisen und Outdoor

Das praktische Faltgeschirr von Sea to Summit macht sich beim Trekking und Backpacking gut. | Foto: Sea to Summit
Das praktische Faltgeschirr von Sea to Summit macht sich beim Trekking und Backpacking gut. | Foto: Sea to Summit

Minimalistisch und leicht ist das eine Ende der Fahnenstange, alltagsnah das andere. Ich suche die Mitte. Mit welchem Campinggeschirr bin ich besonders vielseitig ausgestattet?

Wer sein Campinggeschirr mal am Campingplatz, mal im Rucksackurlaub und mal im Winterraum einer Berghütte auspackt, ist mit einem mehrteiligen Kochset gut beraten. Besonders wenn zusätzlich zu Tassen und Tellern auch Töpfe und Pfannen nötig sind. Kochsets sind kompakt, achten aufs Gewicht und bieten je nach Schwerpunkt mehr oder weniger Komfort. Von MSR und GSI gibt’s viele Varianten: vom kleinen Einpersonen-Set bis zur ausgewachsenen Familien-Campingküche. Auch die faltbare Sea to Summit X-Serie ist als Kochset erhältlich.

Und wenn ich keine Töpfe brauche?

Natürlich gibt es Campingteller und -tassen auch einzeln zu kaufen bzw. lassen sich einige Kochsets um einzelne Teller und Schüsseln erweitern. MSR hat dafür zum Beispiel die Deep Dish Serie im Programm. Mehrteilige Geschirrsets ohne Töpfe und Pfannen sind ebenfalls für eine oder mehrere Personen in unterschiedlichsten Varianten erhältlich. Wie bei den Kochsets kommt es bei der Auswahl auf die eigenen Prioritäten und den Einsatzbereich an.

Klein und fein: Campinggeschirr für die Reise

Für meine Rucksackreise brauche ich ein Notfallgeschirr, gibt’s da was?

Praktisch auf Reisen ist das Field Cup Set von Primus mit Schüssel, Tasse und Besteck. Mit kompaktem Packmaß und nur 156 Gramm lassen sich darin Instant-Nudeln ebenso gut zubereiten wie eine dicke Portion Müsli samt Kaffee zum Frühstück.

BPA-frei ist bei Plastikgeschirr in aller Munde. Woraus sind die Töpfe und Tassen der Koch- und Geschirrsets gefertigt?

Weitgehend durchgesetzt hat sich Polypropylen (PP), ein geschmacksfreier, geruchloser und hautverträglicher Kunststoff. PP gilt nach aktuellem Stand als nicht gesundheitsschädlich und kommt ohne die umstrittenen Weichmacher aus. Gelegentlich findet man auch Nylon und Polyester in den Materialangaben. Beide Kunststoffe sind als robuste, beständige Kunstfasern aus dem Bekleidungssektor bekannt.

Welche besonderen Eigenschaften hat Campinggeschirr aus Polypropylen?

Polypropylen (und auch Nylon) ist leicht und unzerbrechlich, hat aber eine recht weiche Oberfläche. Das heißt Messer und Gabeln hinterlassen schneller Kratzer und Schnittspuren. Geeignet ist Polypropylen für einen Temperaturbereich von -10 bis +100 Grad. Bei sehr kalten Temperaturen kann das Campinggeschirr also theoretisch an seine Grenzen kommen und spröde werden. Rein optisch hat PP immer einen „Plastik-Look“ – ob der gefällt oder stört ist Geschmacksache.

Edelstahl und Emaille: unkaputtbares Campinggeschirr

GSI gehört zu den Klassikern, wenn es um Campinggeschirr aus Emaille geht. | Foto: GSI Outdoors
GSI gehört zu den Klassikern, wenn es um Campinggeschirr aus Emaille geht. | Foto: GSI Outdoors

Gibt es Campingeschirr der Kategorie „unkaputtbar“?

Primus hat als Teil der neuen Campfire-Serie unter anderem Edelstahl-Campinggeschirr auf den Markt gebracht. Das ist pflegeleicht, unzerbrechlich, kratzbeständig und überaus schick. Eine gute Option, wenn es nicht auf jedes Gramm ankommt. Klassische Edelstahl-Schüsselchen gibt’s auch von Tatonka und GSI. Letztere haben mit der Pioneer-Serie zudem altbewährtes Campinggeschirr aus Emaille im Programm. Emaillegeschirr ist robust und die zeitlose Optik überzeugt auch in 20 Jahren noch am Lagerfeuer oder als weit gereistes Berghaferl.

Extraleicht: Faltgeschirr und andere kompakte Lösungen

Ich plane ein 14-tägiges Selbstversorger-Trekking. Mit welchem Geschirr kann ich meinen System-Kocher ergänzen und trotzdem Platz und Gewicht sparen?

Schüsseln, Teller und Becher der X-Serie von Sea to Summit lassen sich auf ein minimales Packmaß zusammenklappen. Dann ist zum Beispiel die Schüssel auch als Schneidbrett oder Teller nutzbar. Ein dreiteiliges Silikon-Set bringt gerade mal 364 Gramm auf die Waage. Von Jetboil gibt’s außerdem das Sumo Companion Bowl Set, das sich ineinander stapeln lässt und gleichzeitig als Aufbewahrung für das Sumo-Kochersystem dient – eine kompakte und leichte Lösung, wenn der Topf an sich nicht Schüssel genug ist.

Melamin-Geschirr: Stilvoll speisen im Wohnmobil

Mit Ultralight-Trekking hab ich nichts am Hut. Welches Geschirr passt in mein Wohnmobil?

Wenn das Campinggeschirr vorwiegend im Wohnmobil oder Camper oder als Picknickgeschirr zum Einsatz kommt, sind Teller und Tassen aus Melamin eine sehr komfortable Lösung. Melamingeschirr wirkt optisch wie Porzellan, ist aber um einiges leichter und deutlich weniger zerbrechlich. Nicht umsonst wird das Material gerne auch für Kinder- und Babygeschirr verwendet. Das Summer Picknick-Set von Outwell ist zum Beispiel ein fröhliches, mehrteiliges Service für zwei bis vier Personen, das auch bei der Gartenparty was her macht – oder, wenn die kleine Nichte zu Besuch kommt. Wer Wert auf in Deutschland gefertigtes Melamingeschirr legt, sollte sich die Produkte der Firma Waca ansehen.

Moment, Melamin ist doch gesundheitsgefährdend, oder?

2008 führte mit Melamin gestrecktes Milchpulver in China zum Tod mehrerer Babys, der „Chinesische Milchskandal“ sorgte weltweit für Schlagzeilen. Als Resultat gelten in Europa sehr strenge Prüfverfahren und Migrationsgrenzwerte für Melamingeschirr. Diese regeln, wie viel Melamin und Formaldehyd auf Lebensmittel übertragen werden darf. Laut letzten Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) spielt dabei der Einfluss von Hitze eine große Rolle: Koch- und Campinggeschirr aus Melamin darf demnach nicht auf 100 Grad erhitzt werden, auch für die Mikrowelle ist es nicht zu empfehlen. Keine Bedenken sieht das BfR beim Erwärmen bis zu einer Temperatur von 70 Grad, sowie beim Gebrauch als Besteck oder Essgeschirr, selbst wenn heiße Speisen und Getränke darin serviert werden.

Gibt es auch Polypropylen-Geschirr in einer alltagsnahen Variante?

Rein optisch kommt PP an den hochwertigen Porzellan-Look von Melamin nicht heran, die Cascadian-Sets von GSI sind aber dennoch ein solider Kompromiss für klassisches Campinggeschirr. Wirklich edles Campinggeschirr ist darüber hinaus die Bamboo Serie von Outwell. Diese ist, wie der Name schon verrät, aus Bambus.

Bambus und Kupilka: Campinggeschirr mit grünem Gewissen

Geschirr aus Bambus, klingt umweltfreundlich. Ist das so?

Nicht nur optisch "grün": Das Bambus-Geschirr von Outwell verrottet im Erdreich - und trotzt dennoch der Spülmaschine. | Foto: Outwell
Nicht nur optisch „grün“: Das Bambus-Geschirr von Outwell verrottet im Erdreich – und trotzt dennoch der Spülmaschine. | Foto: Outwell

Das Bambus-Geschirr von Outwell löst sich – eingegraben ins Erdreich – in seine Grundbestandteile auf. Bei der Herstellung wird der pulverisierte Bambus mit einem speziellen Bindemittel vermengt in Form gegossen und anschließend gebrannt. So entsteht ein biologisch abbaubares Campinggeschirr, das in Sachen Optik und Haptik durchaus mit Melamin mithalten kann.

Und was hat es mit Kupilka auf sich?

Kupilka ist finnisch und bedeutet „kleine Tasse“. Kupilka-Campinggeschirr besteht je zur Hälfte aus Holzfasern und Polypropylen – eine gute Wahl für Naturfreunde, die weniger aufs Gewicht achten. Neben dem natürlichen Look ist das Material langlebig, unempfindlich gegen Hitze und Feuchtigkeit, sehr robust und pflegeleicht. Kupilka-Produkte sind recyclingfähig, BPA-frei und thermisch verwertbar.

Weitere nützliche Tipps findest Du übrigens auch in unseren Campingratgebern.

Hier findest Du sämtliches Campinggeschirr bei Bergzeit:

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