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Der Rekordwinter in den Südalpen sorgt(e) an den Nordflanken der Dolomiten lange für gute Skibedingungen. Zum Beispiel an der 3.558 Meter hohen Cima Presanella, in deren steiler Nordwand vor kurzem feinster Pulver lockte. Wolfgang Hanus war vor Ort.

Der "Rest" des Winters lässt keinen Zweifel offen: An der Cima Persanella ist die Skitouren-Ausrüstung im Mai 2014 definitiv die Waffe der Wahl.
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Der „Rest“ des Winters lässt keinen Zweifel offen: An der Cima Presanella ist die Skitouren-Ausrüstung im Mai 2014 definitiv die Waffe der Wahl.

Was für ein Dolomitenwinter! Wer sich im Hochwinter 13/14 die Zeit genommen hat, mit den Skiern Richtung Süden zu fahren wird die Schneemassen sicher nicht mehr vergessen. Bis weit ins Frühjahr hinein lockten regelmäßige, nicht gerade unergiebigen Schneefälle und tiefe Temperaturen das ein oder andere unermüdliche Winterkind in die Nordhänge der Dolomiten. Nach einer letzten, ungläubigen Inspektion der Webcams und den Temperaturen war auch für uns schnell klar: Wir sind auch nochmal dabei! Denn wenn nicht Alles täuschte, würde es an der Cima Presanella sogar pulvrig werden …

Cima Presanella – die Nordwand ruft!

Bei der Anfahrt über die Brennerautobahn, weiter in Richtung Gardasee und dem ersten Cappuccino in der Sonne kommen kurz Zweifel auf, ob der Inhalt des Kofferraums nicht eventuell doch falsch gewählt wurde. Ab dem kleinen Talort Vermiglio, von wo es nur noch wenige Autominuten bis zum Parkplatz in Stavel sind, baut sich schließlich die Presanellagruppe auf – und ist noch derart verschneit, dass sich die klassischen Felsrouten in der Nordflanke noch nicht einmal erahnen lassen. Spätestens jetzt wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben.

Eine dicke Schneelage hat die Nordwandrinne der Cima Presanella etwas degradiert. Steil bleibt's trotzdem.
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Eine dicke Schneelage hat die Nordwandrinne der Cima Presanella etwas degradiert. Steil bleibt’s trotzdem.

Der rund 1.000 Höhenmeter lange Anstieg zum Rifugio Stavel F. Denza verläuft relativ direkt über den Lawinenaltschnee, der noch bis zum Parkplatz reicht. Zwischen 2,5 und 3 Stunden ist man hier bei gemütlichem Tempo unterwegs. Der Winterraum, der bis zur Hüttenöffnung Ende Mai noch als Quartier dient, ist zwar ohne Ofen, Gas oder Töpfe recht spartanisch ausgerüstet, bietet aber rund 20 bis 25 Leuten Unterschlupf. Und hinsichtlich Sauberkeit, Isolierung und Deckenbestückung kann er sich in jedem Fall sehen lassen.

Trotz der niedrigen Temperaturprognose für den nächsten Tag wählen wir eine kurze Nacht und stehen voll vermummt bereits gegen 4:30 Uhr auf den Skiern. Wir haben die Harscheisen angelegt und bewegen uns über die ersten Hänge in Richtung Gletscher. Nachwievor ist die Schneemengen in den Dolomiten enorm. Das Hüttendach verbindet sich ebenerdig mit der Umgebung und auch der direkte Zustieg über den Gletscher klappt ohne Spaltenprobleme bei mäßigem Tempo in 2,5 bis 3 Stunden. Nur die Randspalte am Einstieg der Nordwandrinne der Cima Presanella klafft etwa einen halben Meter auf, kann aber über eine stabil wirkende Brücke oder eine kurzen Umgehung problemlos überwunden werden.

Pulver, Piste, Firn: Skifahrer, was willst Du mehr?

Sonne satt und feinster Powder! Trotz frühlingshafter Optik sind die Temperaturen am Gipfel winterlich.
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Sonne satt und feinster Powder! Trotz frühlingshafter Optik sind die Temperaturen am Gipfel winterlich.

Beim Umsteigen auf die Steigeisen stehen wir nun zum ersten Mal in der Sonne. Wir genießen kurz die minimal wärmere Umgebungstemperatur, bevor es wieder in die kalte, schattige Wand der Cima Presanella geht. In diversen Führern wird die 450 Meter hohe Wand mit einer Steilheit bis zu 60 Grad angegeben. Der Dolomitenwinter hat jedoch seine Spuren hinterlassen und die rinnenartige Wand durch eine gehörige Schneefüllung degradiert. Die erste Hälfte bis zur Engstelle weist nun etwa 45 Grad auf, auch danach werden es kaum mehr als 50 Grad. Wir sind die erste Gruppe an diesem Tag und dürfen die unberührte Wand nun über bis zu knietiefen aber pulvrigsten Schnee einspuren. Knapp zwei Stunden brauchen wir bis zum Gipfelkreuz auf 3.558 Meter, wo wir uns zügig in der Kälte auf die Abfahrt vorbereiten.

Routenverlauf: An der Cima Presanella führen mehrere Wege zum Ziel. Für unsere Skiabfahrt folgen wir dank bester Bedingungen unserer Aufstiegsroute über die rinnenartige Nordwand.
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Routenverlauf: An der Cima Presanella führen mehrere Wege zum Ziel. Für unsere Skiabfahrt folgen wir dank bester Bedingungen unserer Aufstiegsroute über die rinnenartige Nordwand.

Kein einziger blanker Meter und feinster Powder in der Wand sprechen ganz klar für eine Steilabfahrt entlang unserer Aufstiegsroute. Und was soll ich sagen?! Sicherer Pulver im Steilgelände und weite Turns im Auslauf machen im Mai genauso viel Spaß wie im Hochwinter! Wieder auf Höhe der Hütte angekommen wechselt der Untergrund zwar auf eisig, bleibt aber unverspurt. Beinahe kommen Pistengefühle auf, was auch mit schwerem Gepäck Genuss verspricht. Um wirklich alle angenehmen Schneeformen an einem Tag zu erleben, dürfen wir über Frühjahrsfirn die letzten Hänge bis direkt ans Auto abfahren. Die kurze Hose liegt dort schon bereit! 

Infos zur Steilwand-Tour an der Cima Presanella

  • Route: Cima Presanella (3.558 Meter) Nordwand, 450 Meter Wandhöhe
  • Steilheit: bis zu 60° (nach Verhältnissen)
  • Talort: Vermiglio
  • Ausgangspunkt: Parkplatz Stavel (1.360 Meter) oder Parkplatz Pozzi Alti (1.885 Meter, die unbefestigte Zufahrtsstraße ist oft gesperrt)
  • Anfahrt: Via Brennerautobahn bis Mezzocorona, weiter Richtung Passo Tonale bis Vermiglio, links nach Stavel abbiegen.
  • Hütten-Stützpunkt: Rifugio Stavel F. Denza (2.297 Meter), Winterraum mit 20 bis 25 Schlafplätzen, ausreichend Decken.
  • Dauer: Hüttenzustieg ab Stravel etwa 2,5 bis 3 Stunden, etwa 1,5 Stunden ab Parkplatz Pozzi Alti. Zustieg zur Cima Presanella Nordwand etwa 2,5 bis 3 Stunden, Nordwand-Route etwa 1,5 bis 2,5 Stunden (Verhältnisabhängig).
  • Karte: Kompass 639/ Tabacchi 052*
  • Material: Gletscherausrüstung, Steileisausrüstung, Skitourenausrüstung

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Wolfgang Hanus

Jeder Tag, den Wolfgang draußen verbringen kann, ist ein guter Tag - egal ob beim Eisklettern, Wandern, Reisen oder idealerweise auf Ski. Sein Arbeitsleben konnte er auch nach dem Produktionstechnikstudium mit einer halben Stelle ganz gut an dieses Motto anpassen ... Pfeil Alle Artikel von Wolfgang Hanus