Ob als Isolationsschicht unter der Hardshell oder modische Winterjacke, Daunenjacken sind wahrhaftig ein warmer Luxus. Doch wie schlagen sie sich im Vergleich zu synthetischen Alternativen oder gar Wolle? Diesen Fragen stellt sich die Kaufberatung.

Seit langer Zeit ist Daune ein beliebtes und leistungsfähiges Isolationsmaterial, sei es in Bettdecken, Schlafsäcken oder Outdoorbekleidung. Moderne Daunenjacken sind extrem leicht und in Sachen Isolation nicht zu übertreffen – solange die Bedingungen passen. Unter einer Hardshelljacke halten sie als Midlayer bei Kälte und schlechtem Wetter wohlig warm und eignen sich hervorragend für die Gipfelrast, zum Sichern und für andere mäßig anstrengende Aktivitäten am Berg und im Alltag. Beim Aufstieg kommt man mit einer Daunenjacke allerdings oft schnell ins Schwitzen und ihre Isolationswirkung nimmt bei Nässe stark ab. Für anhaltend feuchte Bedingungen oder große Anstrengung gibt es alternativ Isolationsjacken mit synthetischer Füllung und auch die Isolation mit Wolle ist auf dem Vormarsch. Beide Varianten wärmen auch bei Nässe noch gut, sind jedoch etwas schwerer und weniger komprimierbar als Jacken mit Daunenfüllung. Neu auf dem Markt sind zudem wasserfeste Daunenjacken mit hydrophober Daune.

Daune mit Qualität: Die Bauschkraft gibt Auskunft über die Wärmeleistung

Je höher die Bauschkraft, desto wärmer die Daunenjacke. Hochwertige Daunenjacken wie die Atle von Klättermusen (800 cuin) besitzen eine Kammerkonstruktion ohne durchgehende Nähte. Dadurch werden Kältebrücken verhindert - für eine rundum starke Isolation. | Foto: Klättermusen
Je höher die Bauschkraft, desto wärmer die Daunenjacke. Hochwertige Daunenjacken wie die Atle von Klättermusen (800 cuin) besitzen eine Kammerkonstruktion ohne durchgehende Nähte. Dadurch werden Kältebrücken verhindert – für eine rundum starke Isolation. | Foto: Klättermusen

Als Isolationsmaterial ist Daune unter kalten und trockenen Bedingungen nicht zu übertreffen. Das feine Untergefieder von Gänsen und Enten fungiert als Füllung in der Daunenjacke als Puffer gegen die Kälte: Zwischen den Flaumfedern, die eine dreidimensionale Struktur aufweisen, bilden sich unzählige kleine „Luftpolster“, welche Körperwärme speichern und so für eine höchst effektive Isolationsschicht sorgen. Aufgrund ihrer Elastizität lässt sich Daune stark komprimieren, um sich danach schnell wieder zu ihrem Ausgangsvolumen aufzubauschen. Sie isoliert also nicht nur besonders gut, sondern lässt sich auch auf ein extrem kleines Packmaß zusammendrücken. Zieht man die Daunenjacke aus dem Rucksack (manche passen sogar in die eigene Jackentasche), so nimmt sie innerhalb kürzester Zeit wieder ihr volles Volumen ein – bei richtiger Pflege über Jahre hinweg gleichbleibend.

Die Bausch- oder Füllkraft (Englisch: Fillpower/Loft) gibt Auskunft über die Wärmeleistung und variiert je nach Daunenqualität. Das Maß wird in cuin (cubic inches, Deutsch: Kubikzoll. Zur Vorstellung: 1 inch³ = 15,62 cm³ ) angegeben und besagt, auf welches Volumen sich eine komprimierte Unze (circa 28,35 Gramm) der Daune nach einer Stunde ausdehnt. Bei Daunenjacken reicht die Spanne in der Regel von 500 bis 850 cuin. Eine höhere Bauschkraft bedeutet eine bessere Wärmedämmung im Verhältnis zum Packvolumen und dementsprechend eine wärmere Jacke. Hochwertige Daunenjacken haben eine Fillpower von 700 bis 800 cuin. Um die Daunenqualität einzuschätzen, kann man sich zusätzlich anhand des Mischverhältnisses von Daune zu Klein- oder Stützfedern orientieren – 95/5 bedeutet, die Füllung besteht zu 95 Prozent aus Daune und zu fünf Prozent aus Federn. Damit handelt es sich um eine sehr hochwertige Daunenfüllung.

Daunenjacken mit Kammerkonstruktion sind im Vorteil

Damit die Daunenfüllung innerhalb der Jacke nicht verrutscht, wird sie in abgegrenzte Kammern eingenäht. Dabei gibt es zwei gängige Designvarianten: Durchgesteppte Nähte und (Box-)Kammerkonstruktion. Bei ersteren wird einfach die äußere und innere Hülle der Jacke zusammengenäht, um Kammern zu erzeugen; bei letzteren kommen Trennwände innerhalb der Jacke zum Einsatz. Durchgesteppte Nähte bedeuten einen deutlich geringeren Arbeitsaufwand und weniger Gewicht, bilden jedoch entlang der Naht Kältebrücken – schließlich kann sich die Daune dorthin nicht ausdehnen. Bei leichteren Modellen ist dies zu vernachlässigen, da sie bei milden Temperaturen, intensiven Aktivitäten oder als wärmende Zwischenschicht unter einer Hardshelljacke getragen werden. Die wärmsten Daunenjacken, ideal für zweistellige Minusgrade und Expeditionen, verfügen jedoch so gut wie immer über eine Boxkammerkonstruktion. Bei mobilen Wärmestuben wie der Rab Neutrino Endurance halten die Trennwände in der Jacke die Daunen nicht nur an Ort und Stelle – sie bilden vor allem eine durchgehende Isolationsschicht, die durch Kammern und Nähte unterstützt statt unterbrochen wird. Da diese Verarbeitung deutlich aufwändiger ist, ist auch der Preis einer solchen Daunenjacke entsprechend höher.

Daune und Feuchtigkeit

Im Wärme-Gewicht-Verhältnis sind Daunen nicht zu schlagen, aber bei schweißtreibenden Aktivitäten und feuchten Bedingungen bietet eine Isolationsjacke mit synthetischer Füllung Vorteile gegenüber einer Daunenjacke. Wenn Daunen nass werden, verklumpen sie und verlieren dadurch einen Großteil ihrer Wärmewirkung. Die Materialien sind zudem teils nur bedingt atmungsaktiv, damit Wasserdampf beim Schwitzen nicht von den Daunen aufgesaugt wird. Um Daunenjacken auch für feuchte Bedingungen tragbar zu machen, haben Hersteller wie DynafitMountain Equipment und Berghaus wasserfeste Daunenjacken entwickelt, die mit hydrophober Daune ausgestattet sind. Die Berghaus Ramche Jacke zum Beispiel besitzt mit Pertex® Quantum® ein wasserabweisendes Außenmaterial; die Daune selbst wurde durch eine spezielle Behandlung wasserabweisend gemacht. Hydrophobe Daunen nehmen 75 Prozent weniger Wasser auf als unbehandelte Daune. Damit wärmen sie auch noch unter feuchten Bedingungen gut. Ein sehr gutes anderes Beispiel hierfür ist auch der Millet Trilogy Down Tek Hoodie.

Vereinte Vorteile: Bei Hybrid-Konstruktionen wird Daune mit synthetischen Füllungen und Materialeinsätzen kombiniert. Vaude beispielsweise mischt bei der Tacul PD Jacke Daune mit Primaloft (Polyesterfüllung), um ein optimales Gleichgewicht aus Wärmeleistung und Atmungsaktivität zu erreichen. | Foto: Vaude
Vereinte Vorteile: Bei Hybrid-Konstruktionen wird Daune mit synthetischen Füllungen und Materialeinsätzen kombiniert. Vaude beispielsweise mischt bei der Tacul PD Jacke Daune mit Primaloft (Polyesterfüllung), um ein optimales Gleichgewicht aus Wärmeleistung und Atmungsaktivität zu erreichen. | Foto: Vaude

Synthetische Füllungen als Alternative

Eine mittlerweile bei vielen Isolationsjacken-Herstellern erhältliche Alternative zu Daune sind Füllungen aus Kunstfaser: Künstliche Daunenimitate sind zwar nicht ganz so leicht, komprimierbar und warm wie Daune, dafür allerdings deutlich weniger anfällig gegenüber Feuchtigkeit. Damit eignen sich Isolationsjacken mit synthetischer Füllung wie die Directalpine Sella oder die Millet Trilogy hervorragend für große Anstrengungen, etwa beim Freeriden, Langlaufen oder auf Skitour, sowie für Mehrtagestouren ohne Trocknungsmöglichkeiten und für feuchtere Regionen. Hybrid-Konstruktionen wie die  Millet Touring Hybrid Down kombinieren Daune mit atmungsaktiven Kunstfasermaterialien für einen guten Klimaausgleich auf Skitour oder bei sonstigen intensiven Aktivitäten.

Neben den weit verbreiteten PrimaLoft-Fasern gibt es unter anderem Füllungen von Polarguard, Thinsulate sowie Eigenmarken von diversen Herstellern wie Arc’teryx, The North Face, Patagonia und Marmot. Auch der Fleecehersteller Polartec hat mit Polartec Alpha ein atmungsaktives Isolationsmaterial im Angebot, das zum Beispiel in der Vaude Bormio Jacke zum Einsatz kommt.

Wolle als Isolationsmaterial

Wer auf kleinstes Packmaß und bestes Wärme-Gewicht-Verhältnis verzichten kann und eine natürliche Alternative zur Kunstfaser sucht, der sollte sich die Jacken mit Wollfüllung etwas genauer ansehen. Diese sind ebenfalls relativ unempfindlich gegenüber Nässe und bieten auf ökologisch nachhaltiger Basis eine sehr gute Isolation bei anstrengenden Bergsportaktivitäten im Winter. Ortovox ist Vorreiter bei Isolationsjacken mit reiner Schurwollfüllung. Dafür verwendet es Wolle der Marke Swisswool, die von Schweizer Kleinbauern stammt.

Der Wollspezialist Ortovox füllt seine Isolationsjacken mit Wolle. Die Schurwolle isoliert in der Bekleidung nach dem gleichen Prinzip wie Daune: Lufteinschlüsse in den Fasern speichern die Körperwärme und verhindern, dass Kälte durchdringt. | Foto: Ortovox/Matthias Robl
Der Wollspezialist Ortovox füllt seine Isolationsjacken mit Wolle. Die Schurwolle isoliert in der Bekleidung nach dem gleichen Prinzip wie Daune: Lufteinschlüsse in den Fasern speichern die Körperwärme und verhindern, dass Kälte durchdringt. | Foto: Ortovox/Matthias Robl

Material- und Markeninfos rund um Daune und ihre Alternativen:

Kommentare

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Katharina Gerlach

Warum tragen wir noch Daunenjacken? Kunststofffasern sind genauso warm und es werden keine Gänse bei lebendigem Leibe gerupft. Bitte denkt daran. Wir müssen mehr auf diese Kunststofffasern umsteigen!!

Stefanie

Es gibt einfach keinen vergleichbaren Wärmekomfort wie den der Daune. Ich habe beide getestet- klar gibt es gute Kunstdaunen, aber der Wohlfühlfaktor ist bei der Daune einfach höher. Mittlerweile gibt es zahlreiche Hersteller – Bergans, Marmot usw. – die ausschließlich Daunen von toten Gänsen/Enten, denen aus der Nahrungsmittelindustrie verwenden. Das ist ein sinnvoller Weg.

Stephan S

Für mich kommt nur Kunstfaser in Frage und bin darüber sehr glücklich. Ein richtig oder falsch gibt es hier nicht.

illi

Was kann ich machen,wenn sich die Daunen durch den Oberstoff drücken?
Bitte um Hilfe!

Stefan

Hallo illi,
Wie genau drücken sich denn die Daunen durch den Oberstoff? Kommt an den Nähten alle paar Wochen mal eine kleine Daue durch oder kommt da mehr? Vielleicht kannst Du mir noch schildern, was genau bei Dir passiert?
Viele
Stefan vom Bergzeit Magazin Team

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