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Wer Freeriden liebt, muss offen sein für Neues. Unter diesem Motto stand das Mammut Freeride-Wochenende in Disentis. 329 Leute hatten sich für das Alpincamp beworben, vier Gewinner starteten Mitte Januar in Richtung Schweiz.

Foto: www.powder-magazin.com
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Tolle Truppe: Bei der Wahl der Alpincamp Gewinner haben wir eine ausgesprochen homogene Mischung erwischt. | Foto: www.powder-magazin.com

Wer Freeriden lebt, Pulverschnee und unverspurte Hänge liebt, weiß: Die Suche nach dem perfekten Skigebiet hört nie auf, weil es DAS EINE perfekte Gebiet nicht gibt. Über den Winter braucht man derer mehrere: Eins für früh im Jahr (hoch genug gelegen). Eins für die Alpen-Nordseite. Eins im Süden, wenn Frau Holle, wie in dieser Saison aktuell, die Alpen-Südseite bevorzugt. Man braucht ein Revier für die Hochsaison und die Schulferien, um den Touristen aus dem Weg zu gehen und mindestens noch einen hochalpinen Spot für März bis April. Es existieren aber tatsächlich Gebiete, die mehrere dieser Anforderungen vereinen – willkommen in Disentis!

Treffpunkt Bergbahn Disentis 3.000 - der Start in ein gelungenes Freeride-Wochenende. Foto: www.powder-magazin.com
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Treffpunkt Bergbahn Disentis 3.000 – der Start in ein gelungenes Freeride-Wochenende. | Foto: www.powder-magazin.com

Durch seine abgeschiedene Position hinten im Surselva-Tal liegt Disentis nicht direkt auf dem Powder-Highway, der Touristen magnetisch anzieht. Gut eine Stunde kurvt man von Chur über die schmale Bergstraße, vorbei an Flims-Laax, bis man endlich die 2000-Seelen-Ortschaft erreicht. Vom Parkplatz der Disentis 3000-Bergbahn geht es für uns Alpincamp-Teilnehmer am Samstag um viertel nach acht los: Sammelpunkt. Unser Bergführer Thomas von der Mammut Alpine School weist uns ins Material ein und erklärt, was uns die nächsten beiden Tage erwartet. Leih-Material von Mammut wird an alle verteilt, die welches brauchen, dann gibt’s für alle die versprochenen Mammut-Skijacken aus dem Gewinnerpaket.

Eine starke Crew

Schon während der Vorstellungsrunde wird klar: Alle vier Gewinner des Alpincamps sind starke Skifahrer, alle vier hat die Bergzeit Crew aus den 329 Bewerbungen passend ausgesucht. Sportstudentin Eva macht nach vier Wochen Skifahren in Revelstoke in der vergangenen Saison jetzt eine Ausbildung zum Skilehrer. Telemark-Crack Sabi (60 Skitage, Ex-Alpin-Kader, 2010 deutsche Meisterin Telemark) hat den staatlichen Skilehrer längst in der Tasche. Ingenieur Martin (123 Skitage in der letzten Saison) setzt aktuell den Freeride-Guide auf seinen staatlichen Titel obendrauf. Flo (30-40 Skitage) hat auf Tourenski schon schwere Mehrtages-Routen gemacht, Heliskiing in Kamtschatka und das Ostcouloir an der Königsspitze gehören zu seinen Highlights.

Tag 1 in Disentis: Bergführer Thomas fordert die Gruppe

Mit der Disentis 3.000-Gondel müssen erstmal alle auf den Berg. Schon die überschaubare Größe des Parkplatzes lässt erahnen, dass es hier nie zugeht wie auf dem Oktoberfest. So ist auch die Kabine erstaunlich leer für einen Samstag. Weiter geht es mit zwei Vierer-Sesseln und einem Anker-Schlepper. Dann warten rund 1.600 Höhenmeter Backycountry auf uns – auf jeder Abfahrt, wenn man will.

Vorbereitung muss sein: Die Alpin Camp Crew beim Kartenstudium. | Foto: www.powder-magazin.com
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Vorbereitung muss sein: Die Alpincamp Crew beim Kartenstudium. | Foto: www.powder-magazin.com

Uns wird schnell klar: Disentis ist eines dieser Gebiete die dadurch sympathisch sind, dass sie wenig Ablenkung bieten. Keine Après-Ski-Schirmbars, keine beheizten Komfort-Sessel, kein Shopping oder Bling-Bling-Drumherum. Disentis bietet Freeriding pur und nicht den üblichen Touristen-Skizirkus. Mit nur wenigen Liften erschließt man ein weites Terrain mit anspruchsvollem Charakter. Rinnen, Täler, kupiertes Gelände, das garantiert Abwechslung. Noch vor ein paar Jahren galt Disentis als Geheimtipp, diesen Status hat es freilich mittlerweile verloren (gibt es überhaupt noch Geheimtipps?). Dennoch hält sich der Betrieb insgesamt in Grenzen. Bemerkenswert viele Skandinavier reisen ins Surselva-Tal, bärtige Typen die breite Ski schleppen und sichtbar gut fürs Gelände ausgerüstet sind. Es ist hier genug Platz auch für sie.

Disentis überzeugt mit Vielfalt

Ein halber Meter Neuschnee am Tag vor dem Alpin Camp? Das macht Laune. | Foto: www.powder-magazin.com
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Ein halber Meter Neuschnee am Tag vor dem Alpincamp? Das macht Laune. | Foto: www.powder-magazin.com

Alle Vollblut-Freerider aus unserer Gruppe sind begeistert von der Ruhe im Gelände, von der Vielfalt und dem Anspruch, sofern man sich schwierige Lines raussucht. Immer wieder entdecken wir kleine Schmankerl, kurze Rinnen und Herausforderungen bezüglich Linienwahl und Steilheit. Großes Glück für uns, dass in den Tagen vor dem Camp ein halber Meter Neuschnee gefallen ist und sich schon ausreichend gesetzt hat. Lawinenwarnstufe drei macht die meisten Varianten möglich, der Schneedecken-Aufbau ist gut. Anders geht es auch nicht. Im felsigen Gelände braucht man schon eine gewisse Schneehöhe zum Schutz vor den Sharks.

Käsefondue gibt Kraft

Auch unser Bergführer Thomas ist begeistert von der homogenen Gruppe und fordert uns immer weiter. Nach der letzten 1.600 Höhenmeter-Abfahrt sind alle ausgepumpt aber stoked. Glücklich über einen tollen Tag kehren wir ins Sporthotel Baur zurück. Wir genehmigen uns ein paar Après-Bier an der Bar, sichten die Fotos und schmieden Pläne für den nächsten Morgen. Thomas hat noch ein paar spannende Varianten versprochen, eine Route beispielsweise, bei der man die Felle aufkleben und auf der anderen Seite am Fixseil absteigen muss. Dafür brauchen wir allerdings gute Sicht, die der Wetterbericht allerdings nicht glaubhaft verspricht. Warten wir es ab. Ein paar Stangen Calanda-Bier und Käsefondue verstärken unsere Bettschwere.

Tag zwei: Am Berg gibt es keine Demokratie

In der Talstation der Kabinenbahn weist uns Thomas in die aktuelle Lawinensituation ein, erklärt anhand einer Landkarte unsere Möglichkeiten und steckt unseren Bewegungsradius ab. Mit Guide zu fahren ist immer die komfortabelste Variante, sich im (unbekannten) Gelände zu bewegen. Thomas erklärt jede Route, legt die Sammelpunkte fest und gibt Tipps. Unterwegs geht er immer wieder auf den Schneedeckenaufbau ein, erläutert seine Sicht auf die Lawinen-Situation und Hangneigung. Eva, Sabi, Flo und Martin sind bereits gut ausgebildet bezüglich der alpinen Gefahren, keiner überschätzt sich, das Niveau ist homogen, die Stimmung wieder sehr fröhlich.

Aufstieg zum großen Finale. | Foto: www.powder-magazin.com
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Aufstieg zum großen Finale. | Foto: www.powder-magazin.com

Die gute Gruppendynamik spornt alle an, es macht einfach Spaß mit erfahrenen Leuten ins Gelände zu gehen. Es gibt heute nur ein Problem: Die Sicht ist wieder schlecht. Einzelne Sonnenstrahlen wechseln sich mit Nebel und Schneefall ab. Wir lechzen nach den versprochenen Specials, doch Thomas entscheidet: Die Verhältnisse sind zu unberechenbar für die Fixseil-Variante und auch zu unsicher, um ins Val Strem abzufahren. Wir sind einverstanden ganz nach Thomas‘ Motto: „Am Berg gibt es keine Demokratie.“

Wetterglück

Nach der Mittagspause mit Pommes und Wiener, als fast schon die Luft raus ist bei uns allen, wagen wir trotzdem einen Versuch. Der Plan lautet: Mit dem Dadens-Schlepplift bis auf gut 2.600 Meter fahren. Dort die Felle aufkleben und 300 Höhenmeter aufsteigen Richtung Péz Strem. Oben am Grat wollen wir entscheiden, ob die Abfahrt ins Val Strem doch möglich ist. Alle sind einverstanden, dass wir den gleichen Weg des Aufstiegs wieder retour fahren, falls die Bedingungen nicht passen. Und wir haben Glück. Knapp eine Stunde Aufstieg wird belohnt: Auf dem Grat angekommen reißt der Himmel auf und eröffnet einen fantastischen Blick ins Tal. Jubel! High Fives!

Krönender Abschluss im Val Strem

Und zum Schluss? Sensationelle Abfahrt ins Val Strem. | Foto: www.powder-magazin.com
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Und zum Schluss? Sensationelle Abfahrt ins Val Strem. | Foto: www.powder-magazin.com

Beim Abfellen sitzt jeder Handgriff – uns allen ist klar, dass wir unsere Chance nutzen müssen. Thomas gräbt ein Schneeprofil und gibt grünes Licht für die Abfahrt. Einer nach dem anderen taucht ins weite Becken ein, wir ziehen first tracks in ein gigantisches Schneefeld und folgen dann dem Strem-Bachlauf nach Sedrun hinab. Diese einsame 1.400-Höhenmeter-Abfahrt ist die Krönung eines gelungenen Freeride-Wochenendes, und die Fahrt mit der feuerroten Matterhorn-Gotthard-Eisenbahn zurück nach Disentis rundet das Erlebnis ab. Disentis hat uns nicht enttäuscht. Disentis, wir kommen wieder!

Bock auf Freeriden?

Noch mehr Bilder vom Bergzeit Alpincamp „Mammut Freeridewochenende“

 

Und das sagen die Teilnehmer

Christoph Listmann

Christoph Listmann ist Redakteur bei BIKE und teilt unsere Liebe für die Berge und das Freeriden und war daher gerne als Beobachter beim Camp dabei. Die ganze Story erscheint außerdem im www.powder-magazin.com, das Online-Freeride-Magazin, das Christophs Frau Sabine Listmann seit 2009 produziert. Pfeil Alle Artikel von Christoph Listmann