Ist er ein Wanderschuh, wie der Name besagt, oder ein Sneaker, wie die Optik verheißt? Peter Fobe hat den Schuh getestet - in Stadt, Wald und Gebirge - und findet, dass der Forsake Hiker für vieles taugt - und mehr als ein stinknormaler Sneaker ist.

Das Leben besteht ja oft aus Kompromissen. Warum sollte das bei Schuhen anders sein? Wer das Nachtleben unsicher macht, wird dafür vermutlich nicht seine Bergstiefel schnüren. Und wer im Wald oder am Berg unterwegs ist, für den sind Sneaker keine Option. Style oder Funktion, also? Warum eigentlich nicht beides? Der Forsake Hiker macht fast alles mit.

Forsake? Nie gehört!

Die "Hiker"-Details im Uhrzeigersinn: Bequemes Ortholite-Fußbett; Vollleder, Mesh und wasserdichte Membran; versiegelte Nähte; vorgeformte Zunge und "Retro-Schnürung". | Foto: Peter Fobe
Die „Hiker“-Details im Uhrzeigersinn: Bequemes Ortholite-Fußbett; Vollleder, Mesh und wasserdichte Membran; versiegelte Nähte; vorgeformte Zunge und „Retro-Schnürung“. | Foto: Peter Fobe

So geht es zunächst sicher vielen. Auf der Website des Labels aus Boston (Massachusetts) erfährt man, wie Forsake eigentlich entstanden ist. Zwei Kumpel zog es 2009 in die Rocky Mountains, um dort den Traum von Freiheit, Abenteuer und Tiefschnee zu leben. Die Kehrseite: Nasse Socken, kalte Füße und ruinierte Sneaker. Die Lösung: Eine Crowdfunding-Kampagne mit dem Ziel, cooles Design mit solider Performance und Outdoor-tauglicher Funktion zu verbinden. Kein Schnickschnack, lautet seither das Motto von Forsake. Sehr sympathisch.

Der „Hiker“ ist das Topmodell der fünfteiligen Schuhkollektion von Forsake. Ein halbhoher, wasserdichter Sneaker, der laut Hersteller maximale Vielfalt bietet, ganz egal wohin einen das eigene Abenteuer führt. Ein Schuh also, den man nie mehr ausziehen möchte? Das ja. Ein Schuh, den man nie mehr ausziehen muss? Das nicht.

Erster Eindruck: Solide verarbeitet, bequem am Fuß

Schon beim Auspacken des Forsake Hiker fällt auf, dass er sehr gut verarbeitet ist. Das Leder weist keinerlei Macken auf, alle Ösen und Haken für die Schnürsenkel wirken solide und alle Nähte sind außen und innen sauber vernäht. Den größten Pluspunkt erhält der Sneaker jedoch, als ich das erste Mal hineinsteige. Dank eines vergleichsweise breiten Schafts gleitet der Fuß selbst mit dickeren Socken problemlos in den Schuh. Dort bettet er sich auf einer EVA-Zwischensohle mit Ortholite-Fußbett, das sich anfühlt, als hätte man mein Fußgewölbe nur für mich aus Schaumstoff modelliert. Natürlich ist das eine sehr subjektive Wahrnehmung, aber selten hat sich ein Schuh beim ersten Anziehen so bequem angefühlt! Dazu trägt auch der eher weite Vorfuß- und Zehenbereich bei, der Menschen mit breiteren Füßen entgegenkommt.

Der Forsake Hiker im Praxistest: Einmal alles, außer Gebirge

Die Sohle des Forsake Hiker ist mit durchgängiger Bauart und flachem Profil dichter am Sneaker als am Wanderschuh. | Foto: Archiv Fobe
Die Sohle des Forsake Hiker ist mit durchgängiger Bauart und flachem Profil dichter am Sneaker als am Wanderschuh. | Foto: Archiv Fobe

Das sehr angenehme Tragegefühl des Hiker im heimischen Wohnzimmer bestätigt sich auch in der Praxis. Shoppingtouren in der Stadt, Konzertbesuche oder ausgedehnte Spaziergänge sind mit ihm kein Problem. Dank wasserdichter Membran, versiegelter Nähte, innen vernähter Zunge und rutschfester Sohle kann all das wahlweise auch bei strömendem Regen oder im Schnee stattfinden. Für sicheren Sitz sorgen dabei Schnürsenkel, die den Sneaker trotz etwas „fummeliger“ Schnürung an den oberen beiden Haken jederzeit fest am Fuß halten. Und wie sieht’s im Gelände aus?

Dort sollte man vom Forsake Hiker keine Wunder erwarten. Vom erwähnten Waldspaziergang bis zu Wochenendtouren in technisch anspruchslosen Mittelgebirgslagen macht der Schuh alles mit – und das bei jedem Wetter. Sobald das Gelände technischer wird, kommt der Sneaker aber an seine Grenzen. Hauptknackpunkt ist die Sohle, die in ihrer Bauweise ohne Absatz zwischen Ferse und Vorderfuß dichter am Sneaker als am Wander- oder gar Bergschuh ist. Hinzu kommt das kaum fünf Millimeter tiefe Profil, das den Hiker auf Geröll oder in steileren Passagen bereits rutschen lässt, wo andere Schuhe noch problemlos Halt bieten. Auch ist die Steifigkeit der Sohle ein Kompromiss aus Alltags- und Wandertauglichkeit.

Test-Fazit zum Forsake Hiker Sneaker: Anziehen, wohlfühlen und fast immer dabei haben

Entspannte Spaziergänge und leichte Wanderungen sind das Terrain des Forsake Hiker. | Foto: Archiv Fobe
Entspannte Spaziergänge und leichte Wanderungen sind das Terrain des Forsake Hiker. | Foto: Archiv Fobe

Mich überzeugt das Konzept aus Style + Komfort + Funktion. Forsake erweitert den Schuhmarkt damit um eine neue, interessante Facette. Der Hiker ist ein Allwetter-Schuh zum Wohlfühlen. Der hohe Tragekomfort und das ansprechende Design machen ihn für mich speziell in der kalten und nassen Jahreszeit zum Immer-Dabei-Schuh. Dank seiner guten Passform und Verarbeitung, wasserdichter und atmungsaktiver Membran und mittelsteifer Sohle muss man sich im Alltag und auf leichten Wanderungen und Genusstouren um seine Füße keine Sorgen machen. Für ausgedehnte Mehrtagestouren mit Gepäck, vor allem aber im Gelände jenseits seichter Mittelgebirge würde ich jedoch immer zu „waschechten“ Wanderschuhen oder Bergstiefeln greifen.

Detailinfos:

  • Einsatzbereich: Alltag bis zu leichten Wanderungen mit wenig Gepäck
  • Außenmaterial: Genarbtes Vollleder mit Verstärkungen aus Cordura-Nylon
  • Innenmaterial: Mesh-Innenfutter mit wasserdichter Membran
  • Sohle: Gummisohle mit EVA-Zwischensohle und Ortholite PU-Fußbett
  • Gewicht: 1.135 Gramm (Gr. 44 / US 11)
  • Extras: zwei Paar Schnürsenkel (grün und orange), Anziehschlaufe, vorgeformte Zunge

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