Gore-Tex® Pro ist W. L. Gores neue Membrantechnologie für gehobene Ansprüche am Berg. Die Membran unterscheidet sich im technischen Aufbau, ist robuster und bietet eine gesteigerte Atmungsaktivität. Ob man das merkt, verrät unser Praxistest.

Ein unfreundlicher Herbsttag im Herzen der Fränkischen Schweiz: Nebel, Nieselregen und Temperaturen im einstelligen Bereich. Das rostige Laub der Buchen überzieht lückenlos den Waldboden, die umwerfende Fernsicht wird gewissenhaft von grauen Schleiern umhüllt. Es ist kalt, feucht und uneinladend. Im Rahmen eines Gore-Tex-Testevents bin ich mit einer Reihe von Journalisten unterwegs zum Höhenglücksteig, um das neue Gore-Tex Pro am eigenen Leib kennenzulernen.

Best dressed: Unterwegs zum Gore-Tex Pro-Praxistest im Frankenjura. | Foto: Joachim Stark
Best dressed: Unterwegs zum Gore-Tex Pro-Praxistest im Frankenjura. | Foto: Joachim Stark

Gore-Tex Pro ist W.L. Gores neue Wunderwaffe für anspruchsvolle Einsätze, die man hinsichtlich der sportlichen und klimatischen Herausforderungen wohl weniger im Mittelgebirge sucht. Am Fuß das Schwarzen Bandes angekommen fühle ich mich daher zunächst ein wenig „overdressed“, doch für das Testevent sind die Bedingungen in der Fränkischen Schweiz am Ende optimal: Die sichere Herausforderung bietet Raum, um sich die Funktionalität von Gore-Tex Pro bewusst zu machen und die neue Membrantechnologie gezielt an ihre Grenzen zu führen – meine sind allerdings schneller erreicht.

Für den Materialtest stattet uns Gore mit aktuellen Hardshell-Jacken und -hosen unterschiedlicher Hersteller aus. So verschieden die Modelle auch sind, allen gemein sind die Gore-Tex Pro Membrantechnologie und die strengen Gore-Tex Qualitätsvorgaben: Gore-Tex Pro wird bei Outdoorbekleidung vorwiegend als Dreilagenlaminat im High-End-Bereich verwendet. Die Membran gilt als noch atmungsaktiver und noch robuster als der Vorgänger Gore-Tex Pro Shell und damit ideal für den professionellen Einsatz am Berg.

Gore-Tex Pro: Robust und atmungsaktiv für den extremen Einsatz

Erreicht wird die Materialstabilität durch eine gezielte Optimierung aller drei Laminatlagen: Die Faserstärke des Außenmaterials wird von Gore-Tex auf mindestens 40 Denier festgelegt. In der Regel sind die Gewebe aus Polyamid (Nylon), einer höchst abriebfesten Kunstfaser. Die Mindest-Materialstärke garantiert, dass das Gewebe den Ansprüchen in Eis und Fels gewachsen ist. Auch das Micro Grid Futter ist als Ripstop-Gewebe optimal auf Haltbarkeit ausgelegt und schützt die Membran auf der Innenseite.

Bei allen drei Lagen von Gore-Tex Pro liegt der Fokus auf Widerstandsfähigkeit. Durch den veränderten Aufbau der Membran verbessert sich zudem die Atmungsaktivität. |Grafik: Gore-Tex
Bei allen drei Lagen von Gore-Tex Pro liegt der Fokus auf Widerstandsfähigkeit. Durch den veränderten Aufbau der Membran verbessert sich zudem die Atmungsaktivität. |Grafik: Gore-Tex

Die neue Gore-Tex Pro Membran selbst ist ebenfalls äußerst robust: Die Membran setzt sich – vereinfacht gesagt – aus mehreren, unterschiedlich ausgerichteten Lagen ePTFE zusammen. Durch diesen Aufbau ist die Membran einerseits fester, was ein vermehrtes Rascheln, aber auch eine verbesserte Haltbarkeit zur Folge hat. Andererseits kann dadurch die für ePTFE-Membranen häufig verwendete Polyurethan-Beschichtung weggelassen werden. Diese dient in der Regel dem Schutz gegen Verunreinigungen wie Schweiß und Körperfette, ist aber eine zusätzliche Barriere für Wasserdampfpartikel, um aus dem Jackeninneren zu entweichen. Durch das Wegfallen der PU-Schicht verbessert sich die Atmungsaktivität von Gore-Tex Pro nach Herstellerangabe um 28 Prozent.

Das Gore-Tex Pro Testmaterial

Vor der Praxis kommt die Theorie: Am Abend vor der Testtour weist uns Gore-Tex umfassend in die Materialtechnologie von Gore-Tex Pro ein. Auch Austellungsstücke gibt's bereits zu befühlen. | Foto: Joachim Stark
Vor der Praxis kommt die Theorie: Am Abend vor der Testtour weist uns Gore umfassend in die Materialtechnologie von Gore-Tex Pro ein. Auch Ausstellungsstücke gibt’s bereits zu befühlen. | Foto: Joachim Stark

Um die Theorie in der Praxis zu überprüfen, fällt meine Wahl auf die Terrex W’s Icefeather Jacke in Pride-Pink, eine klassische Bergsportjacke, die dank abnehmbarem Schneefang für ein wirklich umfangreiches Einsatzgebiet gedacht ist. Meine Testhose stammt aus dem Hause Arc’teryx: Die Beta AR wähle ich aufgrund des Bewegungsspielraumes, der für die folgende Tour am Klettersteig sicherlich ein Vorteil sein sollte. Als Baselayer trage ich für den Test ein Kunstfaser-Funktionsshirt, eine Windstopperjacke wandert zur Sicherheit noch in den Rucksack.

Gore-Tex Pro im Praxiseinsatz

Der Höhenglücksteig ist ein Klettersteig in drei Abschnitten, der sich entlang mehrerer Felswände im steten auf und ab auf Baumwipfelhöhe durch den Laubwald schlängelt. Reibungspotential für unsere Gore-Tex-Bekleidung ist definitiv vorhanden, auch wenn wir für den Einstieg „nur“ den ersten Abschnitt in Angriff nehmen. Unter den wachsamen Augen der Gore-Tex Athleten Holger Heuber, Edurne Paserban und Alex Megos ist Gore-Tex Pro für mich nicht die einzige Unbekannte: Der Höhenglücksteig ist mein allererster Klettersteig und eine echte Herausforderung für meine leichte Höhenangst.

Einweisung vorab: Für Klettersteigneulinge wie mich gibt es Vorab noch eine Einweisung. Dann kann die Testtour los gehen. |Foto: Joachim Stark
Einweisung vorab: Für Klettersteigneulinge wie mich gibt es Infos von Kletterprofi Holger Heuber. Dann kann die Testtour los gehen. |Foto: Joachim Stark

Schon beim Einstieg in den Übungsklettersteig erweist sich mein flatterndes Nervenkostüm als ideale Ergänzung, um die Funktionalität von Gore-Tex Pro zu überprüfen. In der Anspannung vergesse ich bereits auf den ersten Eisenstiften, die geborgte Ausrüstung zu schonen. Wie eine Nähmaschine rattern meine Beine auf der Leiter und im Kampf mit dem eigenen Mut verspricht Reibung das größte Maß an Sicherheit: Das Material ist mir vollkommen egal. Meine krampfige Körperhaltung tut ein übriges, um nach kaum zehn Minuten für ein authentisches Testklima im Inneren meiner Jacke zu sorgen.

Volle Konzentration an der Wand

Eine gute Stunde jagt mich Kletterprofi Holger Heuber den Höhenglücksteig entlang und kennt dabei kein Erbarmen. Wer drin ist, ist drin und umdrehen kommt sowieso nicht in Frage – ganz egal was der Nieselregen macht. Am feinen Grat zwischen Glücksmoment und Grenzerfahrung, konzentriere ich mich auf das Vorwärtskommen, nehme dabei weder den Regen noch meine vermeintlich „overdresste“ Bergsportbekleidung wahr. Das spricht für Tragekomfort und nimmt den anfänglichen Bedenken bezüglich der vermeintlich lästigen Raschelneigung von Gore-Tex Pro den Wind aus den Segeln. Klar, das Material ist hörbar, aber wer sich unterwegs nicht darauf versteift, wird sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen.

An einem (kleinen) Überhang ist meine persönliche Grenze erreicht. Wie festgefrohren klammere ich am Stahlseil, den Blick zielgerichtet auf dem nächsten, viel zu weit entfernten Eisenstab. Der Angstschweiß strömt und es bedarf einiger Überredungskunst, um mich über diese „Schlüsselstelle“ hinweg zu leiten. Am Ende der Etappe ist der Entschluss gefasst: Der Klettersteig-Test endet jetzt sofort an dieser Stelle.

Die Membran atmet: Gore-Tex Pro bewährt sich

Da bleibt der Windstopper im Rucksack: Die Adidas Icefeather trägt sich angenehm und trocknet in den Ruhephasen rasch. | Foto: Joachim Stark
Da bleibt der Windstopper im Rucksack: Die Adidas Icefeather trägt sich angenehm und trocknet in den Ruhephasen rasch. | Foto: Joachim Stark

In diesem Moment bin ich völlig platt, der eigene Saft rinnt aus allen Poren. Während der Rest der Gruppe in den nächsten Abschnitt einsteigt, bleibt mir Zeit, um mir über das Jackenklima Gedanken zu machen: Ich schwitze, soviel steht außer Frage, und lasse die überschüssige Wärme durch die obligatorischen Lüftungszipps entweichen, bis ich die herbstliche Kälte spüre.

Wieder eingepackt ist das Klima in der Gore-Tex Pro Bekleidung sehr angenehm. Während ich am Fels weder Jacke noch Hose bewusst gespürt habe, bin ich jetzt froh über die Wärme, die sie mir in der Ruhephase spenden. Das Material atmet spürbar. Das wird umso deutlicher, je länger ich am Fuß der Felsen auf die Kletternden warte: In nur wenigen Minuten reguliert sich die Feuchtigkeit im Inneren komplett. Ich fühle mich trocken und gegen Wind und Wetter gut gerüstet. Als wir im Anschluss an den Klettersteig auf festem Boden durch den Laubwald wandern, wiederholt sich dieser Effekt im stetigen auf und ab zwischen gemütlichem Gehen und sportlichem Anstieg.

Besonders deutlich wird die Atmungsaktivität von Gore-Tex Pro für mich beim Abnehmen meines Rucksacks zurück am Auto: Sowohl die Jackenaußenseite als auch Rückenpolster des Rucksacks sind im Kontaktbereich nicht nur warm, sondern deutlich angeschwitzt und feucht, während mein Funktionsshirt auf der Haut beinah trocken ist.

Mein Fazit zu Gore-Tex Pro

Gore-Tex Pro ist fürs Grobe gemacht, für den Kampf mit starkem Regen, Schnee und Eis, für starke körperliche Anstrengung und wochenlange Herausforderungen – am besten alles gemeinsam. Das Material ist robust und verlässlich, es lässt sich bei langen Rucksacktouren nicht von scheuernden Tragegurten beeinflussen und trotzt scharfen Kanten an Fels und Eis. Neben den gewohnten Gore-Tex-Eigenschaften – dauerhafter Wind- und Wasserdichte – ist Gore-Pro auch auf eine verstärkte Atmungsaktivität ausgelegt, die man spüren kann – eine echter Evolutionssprung also zum Vorgänger Pro Shell.

Gore-Tex Pro im Detail: Ein mindestens 40 Denier starkes Außenmaterial wird mit der mehrschichtigen ePTFE-Membran und dem Micro-Grid-Futter dauerhaft laminiert. |Grafik: Gore-Tex
Gore-Tex Pro im Detail: Ein mindestens 40 Denier starkes Außenmaterial wird mit der mehrschichtigen ePTFE-Membran und dem Micro-Grid-Futter dauerhaft laminiert. | Grafik: Gore-Tex

Die strengen Qualitäts- und Designvorgaben von Gore-Tex sichern den hohen Standard von Gore-Tex-Produkten, unabhängig vom Hersteller, daher steht das Label Gore-Tex-Pro für langlebige, hochfunktionale und technisch ausgereifte Bergsportbekleidung. Wer das Beste sucht, macht mit Gore-Tex Pro sicher nichts falsch – das zeigen auch die jüngsten Hardshell-Tests in den Bergsport-Magazinen. Als Downturn muss man aufgrund aufwändigerer Herstellungsprozesse von Material und Endprodukt für Gore-Tex-Pro Produkte tiefer in die Tasche greifen. Daher lohnt es sich vorab zu überlegen, ob ein Produkt wirklich für den extremen Einsatz gebraucht wird, oder ob die klassische Gore-Tex-Variante mit ihrem breiten universellen Einsatzgebiet ausreichend ist. Mehr dazu verrät unsere Kaufberatung Gore-Tex.

Abschließend noch ein Wort zur Pflege: Wie alle Gore-Tex-Produkte sollte auch Gore-Tex Pro regelmäßig gewaschen werden. Dies dient der Langlebigkeit der Produkte und reaktiviert die Funktionalität nach häufigem Gebrauch. Die richtige Pflege von Gore-Tex-Bekleidung haben wir hier für Euch zusammengefasst.

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