Den GR11 per Mountainbike? Der erste Teil der vierzehnten Pyrenäen-Cross-Etappe von Elizondo nach Etxalar folgt großteils dem Pyrenäen-Weitwanderweg, der vom Collado de Inaberri mal als Karren- mal als Wanderweg abwechslungsreichen Trailspaß bietet.

Die 14. Pyrenäen-Cross-Etappe starten wir hochmotiviert, das Ziel fest vor Augen: endlich wieder das Meer sehen! Aber schon am Ortsende von Elizondo bekommt unsere Euphorie einen kleinen Dämpfer, als wir die ersten Meter des Teeranstiegs mit den Bikes hochkurbeln. Puh, ist der steil. Ein Blick auf meinen Tacho klärt mich zwar darüber auf, dass es gerade mal zwölf Prozent sind. Meinen Beinen kommt es aber nach dreizehn langen Etappen deutlich steiler vor. Ich sehe zu Gabi hinüber. Auch sie rollt mit den Augen und seufzt. Wahrscheinlich denkt sie gerade, dass es vielleicht doch keine so gute Idee war den Gepäcktransportdienst für heute zu tauschen.

Pyrenäen Cross | Foto: B. Wenzl, F. Hartl
Kurz nach dem Collado de Inaberri  treffen wir am Weitwanderweg GR11 auf diese netten Tiere.

Nach 260 Höhenmeter wird es zum Glück etwas flacher (acht Prozent) und wir atmen auf. Es folgen zwar noch einige weitere steile Rampen. Die sind aber recht kurz und, da die Straße ja geteert ist, nicht weiter schlimm. Mit dem Teer ist dann allerdings etwas oberhalb der Borda Larralde nach 500 Höhenmeter und acht Kilometer Schluss. Wir zweigen rechts auf einen Schotterweg ab, der nach ein paar flachen Metern noch eine finale steile Rampe von 85 Höhenmeter mit gut 15 Prozent Steigung für uns bereithält. Dann sind wir endlich oben am Collado de Iñaberri! Jetzt kommt wieder Fahrspaß auf.

Am Collado de Iñaberri auf den GR11

Seit Beginn der finalen steilen Rampe sind wir wieder auf dem Weitwanderweg GR11, und der verläuft hier leicht wellig abwärts auf einem schmalen Karrenweg. Rechts und links wuchern mannshoch grüne Farne, und dazwischen blitzt ab und zu weiß ein Schafs- oder braunweiß ein Pferdekopf durch. Nach 1,2 Kilometer haben wir den Collado de Atxuela erreicht. Hier beginnt die eigentliche Abfahrt. Zunächst geht es auf sehr schönem Trail am Hang entlang. Dann wird es steiler. Der Trail ist nun abwechselnd Karrenweg und Wanderpfad und im Sinkflug vernichten wir knapp 300 Höhenmeter bis zum Collado de Eskisaroi.

Pyrenäen Cross | Foto: B. Wenzl, F. Hartl
Wir sind verblüfft: Etxalar mutet an wie ein Dorf an Rhein und Mosel. Hier stellt sich uns die Frage ob wir in den rheinischen Weinbergen sind oder ob es doch navarrische Fachwerkhäuser sind.

Hier treffen wir auf die Teerstraße, auf der wir heute Morgen gestartet sind. Alternativ hätten wir auf ihr weiter biken können. Bei schlechtem Wetter ist das wahrscheinlich sogar die sinnvollste Alternative: Auf der steilen Abfahrt dürfte man bei Regen nicht allzu viel Freude haben. Wir queren die Teerstraße und folgen weiter dem GR11. Nach ein paar Metern Schotter wird der Weg zu einem wunderbar flowigen Trail, auf dem wir bis zum Collado de Altsu dahingleiten, ein breites, glückliches Grinsen auf dem Gesicht. Das konservieren wir auch noch auf den folgenden 80 Höhenmeter Schotteranstieg bis zum Collado de Gorospil. Danach geht es, immer noch dem GR11 folgend, wieder hinunter. Wir kreuzen noch einmal die Straße und haben dann ein weiteres langes Stück schönen Trail.

Bei Etxalar sieht es aus wie an Rhein und Mosel

Erst kurz oberhalb von Etxalar rollen wir zurück zur Straße. Der GR11 wird hier zu steil (28 Prozent). Als wir nach Etxalar hineinrollen, sind wir erst einmal verblüfft. Hier sieht es aus wie an Rhein und Mosel!

Pyrenäen Cross | Foto: B. Wenzl, F. Hartl
Fantasievolle Schilder, wie hier das einer Apotheke, in Etxalar.

Die Häuser gleichen den alten Fachwerkhäusern in den rheinischen Weinbergen auf’s Haar. Und auch sonst ist das Ortsbild extrem adrett und gepflegt. Etxalar hat dafür unter anderem den spanischen Nationalpreis für Tourismus und Dorfverschönerung gewonnen. Und man ist stolz darauf. Die Straßen sind blitzblank, in den Gärten vor den Häusern sind liebevoll Blumen angepflanzt und viele Hauseingänge haben handgeschnitzte Türschilder.


Pyrenäen-Cross

Pyrenäen-Cross, Foto: B. Wenzl, F. Hartl
Das Buch zur Serie: Pyrenäen-Cross – mit dem Mountainbike vom Mittelmeer zum Atlantik.

Mit dem Mountainbike vom Mittelmeer zum Atlantik

Im Bergzeit Magazin beleuchten wir etappenweise einen Pyrenäen Mountainbike Cross vom Mittelmeer zum Atlantik. Es geht in 14 Etappen von Ost nach West, also vom Mittelmeer zum Atlantik. Insgesamt sind es 1.008 Kilometer und 27.045 Höhenmeter, die hier gefahren werden. Jede Etappe wird jeweils in zwei Teilen beschrieben, so dass die Distanz auch einfach in zwei Tagen zu fahren ist. Immerhin sind die Etappen sportlich und mitunter recht anspruchsvoll, auch Tragepassagen können vorkommen. Durch die Aufteilung kann man den Pyrenäen Mountainbike Cross auch langsamer und ruhiger angehen. Die Autoren und ihre Mitfahrer haben sich für ihre Tour den Luxus des Gepäcktransportes gegönnt, damit sie sich voll und ganz auf die Fahrt durch die beeindruckende Landschaft der Pyrenäen konzentrieren können. Das Buch zu unserer Pyrenäencross-Serie ist mit vielen Tipps und weiteren Infos als Taschenbuch im Verlag Editorial Montana erschienen und über den Bergzeit Shop erhältlich.

Pyrenäen-Cross | Birgit Wenzl und Frank Hartl | Verlag Editorial Montana | ISBN: 978-3-9814962-1-5 | 224 Seiten | Format 148 x 210 mm | mehr als 150 Farbbilder | 24,95 Euro

Die Etappen im Überblick

1. Etappe: Cap de Creus – Llançá // Llançá – Darnius
2. Etappe: Darnius – Albanyà // Albanyà – Beget
3. Etappe: Beget – Pardines // Pardines – Toses
4. Etappe: Toses – Bellver de Cerdanya // Bellver de Cerdanya – Andorra
5. Etappe: Andorra – Llavorsí // Llavorsí – Espot
6. Etappe: Espot – Sant Maurici – Espot // Espot – Espui
7. Etappe: Espui – Castellars // Castellars – Bonansa
8. Etappe: Bonansa – Seira // Seira – Plan
9. Etappe: Plan – Nerín // Nerín – Torla
10. Etappe: Torla – Biescas // Biescas nach Sallent de Gállego
11. Etappe: Sallent de Gállego nach Gabas // Gabas nach Candanchu
12. Etappe: Candanchu – Ansó // Ansó nach Ochagavia
13. Etappe: Ochagavia – Roncesvalles // Roncesvalles – Elizondo
14. Etappe: Elizondo nach Etxalar // Etxalar – Cabo Higuer

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