100 TageGeld zurück Kostenloser VersandAb 50€ in D und AT
Live Chat & Hotline+49(0)8024-902290 Kostenloser Rückversandin D und AT
magazine::magazine

Tapen wird beim Klettern eingesetzt, um verletzte Körperteile zu schonen und zu entlasten. Martin Hanke hat sich beim Medizinerpaar Schöffel schlau gemacht, wie und wann Tape als therapeutische Maßnahme richtig eingesetzt wird.

Am Felsen oder in der Halle kann man hin und wieder wirklich Skurriles beobachten. Oft sind es abenteuerliche Tapeverbände an den Händen der Kletterer.  Manch einer umwickelt seine Finger so, dass  keine Haut mehr zu sehen ist. Oder an Stellen, wo Tape absolut  nichts zu suchen hat. Tape sollte in erster Linie vernünftig und in einem gesunden Rahmen eingesetzt werden, da sonst mehr Schaden als Nutzen entstehen kann. Richtiges Tapen beim Klettern kann viele überflüssige und unschöne Situationen vermeiden.

Therapeutisches Tapen ist notwendig, um verletzte oder überreizte Bänder und Gelenke zu entlasten. | Foto: E9
Linkicon

Therapeutisches Tapen ist notwendig, um verletzte oder überreizte Bänder und Gelenke zu entlasten. | Foto: E9

Beim Klettern und Bouldern unterscheidet man zwischen prophylaktischem und therapeutischem Tapen: Letzteres wird bei Überlastungssyndromen und bei einer Wiederaufnahme des Klettersports oder des Boulderns nach einer vorangegangenen Verletzung eingesetzt. Das Tape unterstützt und stärkt dabei die passiven Strukturen des Bewegungsapparates. Dazu  gehören unter anderem Bänder und Gelenke, die der Übertragung der Muskelkraft dienen. Die Muskeln selbst gehören zu den aktiven Strukturen. Mit Hilfe des Tapes kann punktueller Druck aufgebaut und an anderer Stelle entlastet werden kann. Binde- und Fettgewebe müssen dafür ausweichen können. Das heißt, man benötigt sogenannte Weichteilfenster.  Für das Anlegen der Tapeverbände sind daher ein paar Regeln zu beachten:

Grundregeln des therapeutischen Tapens

  • Die Tapebreite sollte dem Finger entsprechen und darf nicht zu dick gewählt sein.
  • Tape nicht von der Rolle auf bzw. um die Finger ziehen: Hier entsteht zu viel Spannung, die Durchblutung wird eingeschränk und es können Hautrisse entstehen.
  • nicht zu fest um den Finder tapen, da sonst die Durchblutung eingeschränkt ist (und die Farbe des Fingers kann auf Kletterfotos unschön wirken).
  • Berücksichtigung der Funktionsstellung des jeweiligen Fingers beim Tapen.
  • die Haut sollte möglichst fettfrei und trocken sein. Nicht vor dem Tapen rasieren (Infektionsgefahr).
  • Tapen kann und soll unterstützen, ist aber in keinem Fall ein Ersatz für eine ärztliche und fachmännische Diagnose bzw. Behandlung.

Wie schon angedeutet, sollte man Tapen nicht als Ersatz für eine ärztliche Behandlung betrachten. Schon gar nicht bei mehrtägigen Schmerzen oder Funktionsverlust des Fingers. Entgegen der Einstellung mancher Kletterer und Boulderer spart man sich weder Zeit noch schiebt man eine Verletzung auf. Der Rat „einfach drüberklettern – wird schon” ist genauso sinnvoll, wie der Versuch Schmerzen zu ignorieren. Nur ein Facharzt kann mittels bildgebender Technik (Sonographie, MRT) wirklich feststellen was den Schmerz oder den Funktionsverlust verursacht und eine richtige Behandlung einleiten.

Tapen Fingermittelgelenk

Tapen: Kapselzerrung, Kapselentzündung, Beugesehnenzerrung, Lumbrikalissehnenverletzung.

Anzeichen: Unter anderem schmerzendes und geschwollenes Gelenk, Schmerzen bei Längszug, streckseitige Schmerzen bei Gelenkerguss. In hängender Fingerposition (weniger in aufgestellter) Schmerzen durch Beugesehnenzerrung.

Anleitung: Angefangen wird an der Fingerbasis, es folgt eine Umwicklung in der Nähe des Handgelenks und eine möglichst handinnenseitige Kreuzung bei einer gleichzeitigen 30-40° Beugung des jeweiligen Fingers. Weiter geht es um die Mittelphalanx und zurück als Achter wiederum handflächenseits das Mittelgelenk bei einer 30-40° Beugung kreuzend. Eine freie Bewegung sollte so noch möglich sein und eine komplette Streckung merklich einschränken. So werden Beugesehne und Kapsel entlastet. Achtung: Zu dicke Tapestreifen bringen nicht den richtigen Druck an den gewünschten Stellen und führen zu nichts! An den Abbildungen kann man gut sehen wie es richtig gemacht wird und wie der Tapeverband aussehen soll.


Fingerendgelenk

Tapen: Kapselverletzung, Kapselentzündung.

Anzeichen: Unter anderem Kapselzerrung, Kapselentzündung, Beugesehnenzerrung, Lumbrikalissehnenverletzung.

Anleitung: Hier ist es relativ einfach: Aus Platzgründen ist hier ein einfaches Tapen am sinnvollsten! Einfach zirkulär um das Gelenk mit ungefähr eineinhalb Windungen locker tapen.

Fingerendgelenk Tape
Linkicon

Fingerendgelenk Tape

Fingergrundgelenk

Tapen: Kapselverletzung, Kapselzerrung, Verletzung der streckseitigen Bänder zwischen den Grundgelenken der Finger, Verletzung der Strecksehnen.

Anzeichen: U.a. Schmerzen streckseitig zwischen den Fingerknöchelchen, Schwellungen, Kapselzerrung, Kapselentzündung, Beugesehnenzerrung, Lumbrikalissehnenverletzung.

Anleitung: Hier ist ein bißchen Geschicklichkeit gefragt: Am besten legt man das Tape vor dem Klettern an, damit der Klebstoff des Tapes auf fettfreier und trockener Haut halten kann. Das Fingergrundgelenk sollte beim Anbringen leicht (15-20°) gebeugt sein. Streckseitig sollte einer der beiden Zügelstreifen vor und der andere hinter dem Köpfchen kreuzen.

Fingergrundgelenk - Schritt 2
Linkicon

Fingergrundgelenk – Schritt 2

Fingergrundgelenk - Schritt 1
Linkicon

Fingergrundgelenk – Schritt 1

Buddy Tape

Tapen: Seitband- und (schwere) Kapselverletzung

Anzeichen: Schmerzen im Gelenk bei seitlicher Belastung, Kapselverletzung, Seitbandruptur, Seitbandkomplettruptur (knöcherner Ausriss des Bandes). Hier bei Verdacht unbedingt Arzt aufsuchen!

Anleitung: Der Buddy, also der gesunde Finger, neben dem Verletzten stützt denselbigen.

Buddy Tape
Linkicon

Buddy Tape

Ringbandverletzung

Tapen: Ringbandverletzung (Zerrung, Riss), Sehnenscheidentzündung. Die Ringbänder oder das Ringband ist verletzt, traumatisiert, angerissen oder gar durchgerissen: Eine Entlastung und Stütze muss her, damit auftretende Belastungen, die vor allem im aufgestellten Zustand der Finger an Leisten oder kleineren Griffen am größten sind, abgefangen werden können. Nach einem Ringbandriss fehlt diese Fixierung und bei einer entsprechenden Belastung bzw. Beugung des Fingers entfernt sich die Sehne vom Knochen (Bowstring = Bogensehneneffekt). Das Phänomen des Bogenseheneneffekts tritt direkt am Gelenk handinnenseits auf!

Anzeichen: Druckschmerz handflächenseits vor allem an der Fingerbasis, spürbare Reibung oder gar Reibegeräusche. Ringbandriss: es knallt oder schnalzt wenn es passiert!

Anleitung: Das Kompetenzdoktorenpaar Schöffl hat eine wirksame und erprobte Tapemethode entwickelt: Das H-Tape oder das Isa-Tape (nach der Erfinderin Isabell Schöffl) sorgt für die richtige Entlastung beim Ringbandriss. Am stärksten werden die zwei Ringbänder beansprucht, die die Sehne vor und hinter dem Fingermittelgelenk am Knochen halten.

Ein ca. 1,5 Zentimeter breites Tape mit einer Länge von circa 10 cm wird von beiden Enden her mittig eingerissen. Die Mitte bildet ein Steg von ungefähr einem Zentimeter Breite. Jeweils links und rechts bleiben ca. 0,75 Zentimeter starke Zügel auf jeder Seite des Stegs. Zwei dieser Zügel werden unter dem entsprechenden Gelenk auf der Seite des Fingeransatzes durchgeführt und stramm festgetaped. Anschließend wird das Gelenk gebeugt und die beiden verbleibenden Zügel über dem Gelenk ebenso stramm festgetaped. Bei dieser Art von Tape sollte auf das enge Anliegen des Tapes geachtet werden. Strammer Sitz des Tapes ist von Vorteil! Hierbei kann die Durchblutung im Finger eingeschränkt werden, es kann zu einer kurzen Minderdurchblutung kommen und der Finger läuft bläulich an. Jedoch spätestens nach den ersten 10 Griffen wird das Tape gedehnt und die Blutzirkulation funktioniert wieder uneingeschränkt! Das Tape sollte wegen der kurzzeitig eingeschränkten Durchblutung erst kurz vor dem Klettern angelegt werden. Um den Tapeverband zu sichern kann eine Acht bzw. ein schmaler Tapestreifen darüber geklebt werden. Diese neue Methode hat sich bewährt und wurde bereits mehrfach getestet!


Passt auf Eure Finger auf!

Was bleibt noch zu sagen? Aufwärmen! Sehnen, Bänder und Knorpel sind weitaus schle chter durchblutet als die Muskulatur, die damit in Verbindung steht. Diese Teile brauchen entschieden länger zum Aufwärmen und am Beginn einer Kletterkarriere auch sehr viel länger, um sich an die neuen Belastungen für den Bewegungsapparat anzupassen. Bei einer Kletter- oder Bouldersession ist es deshalb sehr wichtig, die Finger gut aufgewärmt zu wissen, bevor man diese starken Belastungen aussetzt. Leichtes und lockeres Klettern und Bouldern oder vorheriges Aufwärmen mit Knete (optimal im Auto) helfen hier wirklich weiter – übrigens auch gegenüber Aggressionen im Stau! Auch nach längerer Pause ist ein wiederholtes kurzes Aufwärmen sehr zu empfehlen.

Vielen Dank an Priv. Doz. Dr. Volker Schöffl und Dr. rer. biol. hum. Dr. med. Isabelle Schöffl für die Bilder und Infos zu diesem Beitrag!

Mehr zum Thema Klettern und Tapen im Bergzeit Magazin:

Martin Hanke

... verbringt seine Freizeit hauptsächlich beim Klettern und Bouldern am Fels. Martin trifft man oft zusammen mit seinem Hund an den Felsen der Voralpen oder in fernen Gefilden. Klettern und Reisen gehören für ihn untrennbar zusammen. Pfeil Alle Artikel von Martin Hanke