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Hardshell mit Überraschungen

Hyphen Jamspitz Jacket im Test: Hardshell für Skitour und Hochgebirge

6 Minuten Lesezeit
Der Hersteller Hyphen Sports wird nur wenigen etwas sagen. Aber unbekannt heißt noch lange nicht untauglich. Bela Elbich hat auf Ski- und Bergtour ausprobiert, welches Potenzial in der Hyphen Jamspitz Hardshelljacke steckt.

Der erste richtige Sonnenbrand des Jahres ist noch frisch auf der Haut, die Pollenallergie meldet sich aus der Winterpause und überall stolzieren diese unsäglichen Verliebten umher. Kein Zweifel: Der Frühling ist da. Während der letzte Schnee sich stündlich in höhere Lagen zurückzieht und die Täler parallel laufend grüner werden, poppt eine Mail in meinem Postfach auf: „Willst du eine Hardshelljacke testen?“ Ich liebe Herausforderungen.

Wind- und wasserdichte Drei-Lagen-Jacke von Hyphen Sports

Hyphen Jamspitz Jacke - eine Hardshell-Jacke im Test. | Foto: Bela Elbich
Die Hyphen Jamspitz Hardshell-Jacke im Test: Besteht die Skitourenjacke auch den Abfahrtstest? | Foto: Bela Elbich

Die Hyphen Jamspitz Jacket erreicht mich bereits am darauffolgenden Tag. Ich hatte zwischendurch gegoogelt und die Versprechen des Herstellers Hyphen Sports notiert: Eine wind- und wasserdichte Drei-Lagen-Jacke mit außerordentlicher Bewegungsfreiheit und Atmungsaktivität, leichtgewichtig und technisch auf die Anforderungen eines Skitourengehers zugeschnitten. Alle Materialien kommen aus Europa und auch die Fertigung erfolgt unter höchsten Sozial- und Umweltstandards, ebenso die Imprägnierung. Der Name Jamspitz kommt vom gleichnamigen Doppelgipfel in der Silvretta. Aber eine Hardshell zum Tourengehen? Alleine beim Gedanken (und beim Blick aus dem Fenster) bildet sich ein Wasserfall auf meinem Rücken. Hilft nix, rein in die Jacke und ab an den Berg! Der Pistenbetrieb am Brauneck ist bereits eingestellt, aber bis auf ein paar Tragepassagen ist der Schnee noch einigermaßen fahrbar. Besser als nichts, außerdem ist ein Aufstieg an der Piste deutlich bequemer ohne Gegenverkehr.

Trotz Sonnenschein weht ein kalter Wind und ich ziehe die Hyphen Jamspitz sofort an. Auffallend ist das weiche und wirklich dehnbare Material, die geschmeidige Innenseite lässt mich instinktiv an eine Softshell denken. Der Schnitt ist lang und schlank, insgesamt fällt die Hardshelljacke eher klein aus. Zum Verständnis: Ich bin 1,82 Meter groß und ein Spargeltarzan, die meisten meiner Klamotten sind eine S mit minimal zu kurzen Ärmeln. Die Testjacke in Größe L ist über dem Merino-Shirt nur ein bisschen zu groß, aber gerade richtig, dass für Gipfel und Abfahrt noch eine Daunenjacke drunter passt.

Schoeller inside: Hyphen Jacke mit Top-Membran

Das Herzstück der Hyphen Jamspitz Hardshell-Jacke ist die C_Change Membran von Schoeller. Diese passt sich in ihrer Funktion der Bewegungsintensität an. Die Atmungsaktivität beim Aufstieg ist jedenfalls beeindruckend. | Foto: Bela Elbich
Das Herzstück der Hyphen Jamspitz Hardshell-Jacke ist die C_Change Membran von Schoeller. Diese passt sich in ihrer Funktion der Bewegungsintensität an. Die Atmungsaktivität beim Aufstieg ist jedenfalls beeindruckend. | Foto: Bela Elbich

Die ersten Höhenmeter erfolgen mit den Skiern auf dem Rücken. Die steifen Stiefel fordern viel Kraft auf dem matschigen Untergrund und schnell wird es warm. Allerdings: Nicht zu warm! Das Herzstück der Hyphen Jamspitz wurde noch gar nicht erwähnt und liegt unsichtbar zwischen der Innen- und Außenschicht: Die C_Change Membran der Schweizer Innovationsschmiede Schoeller. Anders als mikroporöse Membranen wie Gore-Tex hat die C_Change keine starre Struktur. Je nach Druck (Wärme) und Feuchtigkeit (Dampfkonzentration) öffnen oder schließen sich die Poren, ähnlich wie ein Tannenzapfen bei wechselnder Witterung. Je höher die körperliche Aktivität, desto offener ist die Struktur in der Membran. Je „entspannter“ der Träger ist, desto geschlossener und somit auch isolierender ist sie. Das Starke an der ganzen Theorie: Es funktioniert wirklich, laut Hersteller Hyphen ist selbst noch bei 20 Grad Celsius Umgebungstemperatur die volle Atmungsaktivität gegeben – ein Spitzenwert. So warm ist es heute noch nicht, aber der erwartete Hitzestau bleibt aus, der Aufstieg fordert Puste, aber keinen Hitzetod.

Erst die pralle Sonne bringt ein Limit, da helfen selbst die ungewohnt platzierten Belüftungen an den Unterarmen nicht mehr weiter. Unterarme? Wieso das denn? Der Gedanke dahinter ist gar nicht so abwegig: Einerseits entfällt der störende Reißverschluss zwischen Rumpf und Oberarm, die Bedienung fällt auch mit Stock in der Hand viel leichter. Andererseits ist der Kühleffekt beachtlich, durch den Kamineffekt entsteht im Ärmel immer eine hohe Dampfkonzentration und somit feuchte Wärme. Dadurch, dass zusätzlich die Venen am Unterarm sehr oberflächennah liegen, werden diese direkt gekühlt, das merkt man im ganzen Körper.

Zuverlässig dicht!

Am Gipfel finden die Felle ihren Platz in den dafür vorgesehenen Innentaschen auf Brusthöhe. Die Abfahrt birgt keine großen Überraschungen, außer fröhlichem Steine suchen mit dem Ski. Die stretchige Hardshell zwickt nirgends und schränkt keine Bewegung ein, ist außerdem wie erwartet winddicht. Den ersten Schnelltest hat die Hyphen Jamspitz Jacke auf jeden Fall bestanden.

Die Hyphen Jamspitz Jacke hält zuverlässig dicht und die gelobte hohe Atmungsaktivität bestätigt sich - ich habe zu keinem Zeitpunkt während des Tests das Bedürfnis, sie mir vom Leib reißen zu müssen. | Foto: Bela Elbich
Die Hyphen Jamspitz Jacke hält zuverlässig dicht und die gelobte hohe Atmungsaktivität bestätigt sich – ich habe zu keinem Zeitpunkt während des Tests das Bedürfnis, sie mir vom Leib reißen zu müssen. | Foto: Bela Elbich

Wenige Tage später muss man dem Schnee bereits in sehr hohe Lagen folgen. Da mein skifahrerisches Können für lange und anspruchsvolle Touren jedoch nicht ausreicht, endet damit die Saison. Die Hyphen Jamspitz wandert trotzdem nicht bis zum nächsten Schnee in den Schrank, denn mit ihrer Leichtigkeit und Ausstattung eignet sie sich natürlich genauso gut als Regenjacke für den Ganzjahreseinsatz. Eine Hüttentour in Südtirol steht an, Regen und Wind sind zum Verdruss der Mitreisenden angesagt. Perfektes Testgelände also für die Jamspitz! Lange Tagesetappen mit regelmäßigen starken Schauern bestimmen die Tour. Die Jacke hält zuverlässig dicht und die bereits gelobte hohe Atmungsaktivität bestätigt sich, ich habe zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis, sie mir vom Leib zu reißen. Der Reißverschluss hat zwei Schlitten und lässt sich somit von unten öffnen, außerdem geht er halsaufwärts etwas zur Seite, um bei geschlossener Kapuze nicht mitten im Gesicht zu hängen. Unterhalb der Nase ist das Material perforiert, damit man ungehindert hindurch atmen kann. Gut gelöst!

Was geschah noch im Test mit der Hyphen Jamspitz?

Der Rucksack wiegt durch meine Fotoausrüstung immerhin 15 Kilogramm, auch bei dieser Belastung zeigt die Hyphen Jamspitz Hardshelljacke keinerlei Schwächen. Womit auch schon das Stichwort gefallen wäre. Leider gibt es einige Details, die in meinen Augen nicht so durchdacht gelöst wurden, wie der Rest der Jacke. So gibt es weder an den Ärmeln, noch am Bund eine Verstellmöglichkeit. Das spart zwar Gewicht und stört besonders an den Handgelenken nicht, solange man Laufhandschuhe trägt. Im Sommereinsatz sind die Gummibündchen allerdings zu weit, die Jacke rutscht öfter den halben Unterarm hoch und lässt die Handgelenke ungeschützt. Zweitens hat die Kapuze nur eine Verstellkordel am Hinterkopf. Die ist zwar umlaufend, so dass die Kapuze trotzdem ordentlich fixiert werden kann, aber der Kanal für das Gummi verläuft nicht unter- oder oberhalb der Ohren, sondern mittendurch. Sobald ein starker Wind geht und ich die Kapuze fest zuziehe, drückt das auf die Ohrmuscheln. Das sind Punkte, die angesichts der außerordentlichen Atmungsaktivität bei gleichzeitiger Bewegungsfreiheit zu verschmerzen sind. Jetzt muss nur noch endlich wieder der Schnee kommen!

Details zur Jamspitz Jacket von Hyphen Sports

  • stirnlampen- und skibrillenoptimierte Kapuze
  • Kapuze mit großem Blickradius und einhandtauglicher Kapuzenverstellung
  • Windschottkragen
  • Sturmatmer
  • Reißverschluss außerhalb des Mund-Kinnbereichs
  • Oberarmtasche für Schlüssel, Handy
  • einhandtauglicher Pocket-Reißverschluss
  • Handschuh-Wärmetaschen innen
  • Nebenreißverschluss
  • Ventilationsreißverschlüsse an den Innenärmeln
  • ergonomisch geschnittene Ärmel
  • keine Taschen für elektronische Geräte in der Herz-Zone
  • klettergurttauglich
  • Material: c_change Material, dauerhaft dehnfähiges Vier-Wege-Stretch-Material
  • Gewicht: 135 Gramm/Quadratmeter
  • Besonderheit: Zwei-Wege-Reißverschluss mit Aquaguard YKK-Technologie

Die Hyphen Jamspitz Jacke ist leider ausverkauft. Allerdings gibt es im Bergzeit Shop eine riesige Auswahl an andere Regenjacken:

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