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Innovative Skibindung Made in Bayern

Das Interview zur Pindung

6 Minuten Lesezeit
Eine Mischung aus Pinbindung, Rahmen- und Drehtellerbindung – das ist die Pindung. Von B.A.M., kurz für Bavarian Alpine Manifest. Sie ist exklusiv bei Bergzeit erhältlich und Gründer Markus „Bambam“ Steinke hat uns die Pindung und ihre Vorteile im Gespräch erklärt.

Du hast deine Firma Bavarian Alpine Manifest genannt. Was hat es damit auf sich?

Markus Steinke im Interview mit Redaktionsteam von Bergzeit
Markus „Bambam“ Steinke (mitte) im Interview mit Danny und Lisa von Bergzeit. | Foto: Bergzeit

Ursprünglich sollte die Firma Blue Room heißen. Blue Room ist ein Ausdruck in Kanada dafür, wenn es ein richtig geiler Tag ist. Es einen halben Meter geschneit hat, auf eine kalte Nacht Sonnenschein folgt und man wie in einem blauen Raum fährt. Allerdings heißen so die Showrooms bei O2. Irgendwann meinte dann unser jetziger Teamfahrer Joi Hofmann, er war relativ früh involviert, „Mach halt BAM! Wenn Du schon der Bambam bist.“ Ich stehe unglaublich auf Namen, bei denen eine Message dahinter steckt und dann war klar: B. Bayern – A. Alpin. – und M. Da dachte ich mir: „Wir wollen ja geile Produkte manifestieren“ und so ist es dann zu Bavarian Alpine Manifest gekommen.

Von der Idee zur fertigen Pindung

Und wie bist Du dann auf die Idee gekommen eine eigene Bindung zu machen?

Die Idee war ja zuerst da. Damals, als ich noch bei Skylotec gearbeitet habe, gab es schon ein Bindungsprojekt mit Mountain Wave. Allerdings war ich da nicht wirklich involviert, aber ich bin ins Grübeln gekommen. Mit dem Hype um leichte Pinbindungen konnte ich mich von der Skilehrer-Skifahrer-Seite kommend nicht wirklich identifizieren, bzw. habe ich die Mängel auf der Piste gesehen und dachte mir, da muss man sich was einfallen lassen. Fünf Jahre ist das nun her und schon ist das Produkt fertig.

Produktbild Pindung
Darum dreht sich hier alles: die Pindung! Eine Mischung aus Pin-, Rahmen- und Drehtellerbindung made in Bayern. | Foto: Bavarian Alpina Manifest

Wann hattest Du zum ersten Mal die Idee?

Das war damals (2014, Anmerk. d. Red.) im April/Mai. Da war die Anstellung bei Skylotec beendet und ich hing in der Luft. Somit habe ich die Firma aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründet. Und dann war diese Idee mit der Bindung da und es gab relativ schnell den Kontakt zum Bayerischen Wirtschaftsministerium und es war klar, dass wir eine Innovationsförderung bekommen würden. Also den höchsten innovativen Stempel, den es in Bayern gibt. Und so gab es kein Zurück mehr.

Jetzt hast Du einen sehr großen Konkurrenten, der letztes Jahr ein ähnliches System herausgebracht hat. Was ist besser an Deiner Pindung?

Das stimmt. Ich weiß nicht, ob sie besser ist. Ich sehe es als Bestätigung für meine Idee und für das Konzept. Und Salomon hat einen wahnsinnigen Erfolg damit. Es ist ja sozusagen das iPhone der Skiindustrie. Klar, macht es uns das Ganze nicht leichter. Wir sind schon, das würde ich aus meiner Sicht definitiv so sagen, durch den Drehteller abfahrtsorientierter. Unsere Aufgabe ist es jetzt die Vorteile einer Drehtellerbindung zu transportieren.

Der Drehteller macht’s

Wieso sind Drehtellerbindungen abfahrtsorientierter?

Drehtellerbindungen sind das älteste Bindungskonzept, das nicht wirklich groß geändert worden ist. Das macht einfach Spaß. Rein beim Fahren gibt eine Drehtellerbindung mehr zurück. Die hat einfach mehr Bums, mehr Performance! Richtig spüren würde der Kunde den Unterschied erst, wenn er den Ski zuerst mit einer Pinbindung, einer normalen Bindung und dann mit unserer fahren würde. Genau die Wertsteigerung in der Abfahrtsperformance von einer normalen Pinbindung zu einer Alpinbindung, hat man auch von einer Alpinbindung zum Drehtellersystem. Schließlich hat es einen Grund, warum bei der Freeride World Tour eine Look Pivot Bindung quasi eine Währung ist und warum die Look Pivot, die Weltcup Bindung, nur bis Z-Wert 18 geht. Alle anderen gehen bis 24 und höher. Drehtellerbindungen brauchen das einfach nicht, weil man weniger Fehlauslösungen hat. Und gerade das Thema Sicherheit ist so sarkastisch. Wenn man die Leute anschaut, die jetzt mit dem ersten Schnee die Piste hochlaufen. Das sind Kolonnen! Und wenn‘s geil zum Fahren ist, setzen sie sich einen Helm auf und haben eine Pinbindung an den Füßen.

Was macht aus deiner Sicht eine Pinbindung unsicherer?
Es ist verständlich, wenn man seine Fahrweise anpasst. Aber der Sicherheitsaspekt wird komplett vernachlässigt, weil man es sich ein bisschen leichter macht hochzugehen. Das Gesamtgewicht am Fuß ist hier gar nicht so entscheidend. Ob es jetzt insgesamt zwei Kilo oder ein Kilo sind – klar ist ein Unterschied. Aber in erster Linie brauchst du erst einmal ein Pin-System. Das sind die Rollen an deiner Reisetasche. Ob in der Reisetasche dann fünf Kilo drin sind oder 25 merkst du am Förderband und bei gewissen Situationen, aber die Vorteile zur Abfahrt mit dem Konzept, wie es auch Salomon hat oder eben wir, die sind brutal. Da wird noch viel mehr kommen.

Freerider setzt Schwung in Tiefschnee
Die Pindung ist für alle ambitionierten Skifahrer, die auf vollen Spaß und Abfahrtsperformance auf und aber vor allem neben der Piste setzen. | Foto: Bergzeit

Enduro-Bindung made in Bayern

Für wen ist die Pindung gedacht?

Sie ist für diejenigen, die einen Ski breiter als 80 Millimeter Mittelbreite fahren, die viel auf der Piste unterwegs sind, aber auch im Gelände. Die Pindung ist für den wirklich anspruchsvollen Skifahrer gedacht. Eher Freerider, aber auch Pisten-Allmountain-Fahrer, die Gas geben wollen. Nicht umsonst haben wir die Kategorie Enduro getauft.

Quasi abgeleitet vom Mountainbiken?

Ursprünglich kommt’s ja vom Motocross und bei uns ist es ja klar, Mountainbiken. Es trifft den Nagel Vollgas auf den Kopf: wirklich gut bzw. verdammt gut hoch und mit richtig viel Spaß runter.

Wo produzierst Du die Pindung?

In Oberhaching wird sie zusammengebaut. Es sind ganz wenige Komponenten aus Fernost, da kommt man nicht ganz drumherum. Zwei Metaller sind im Zillertal lokalisiert, einer in Fischbachau, einer aus Bichl und der Hauptlieferant für den Kunststoff ist aus Aschaffenburg. Also zu 80 Prozent Made in Bayern.

Skifahrer fahren neben Aufstiegsspur ab
Komfortabel hoch, aber vor allem ohne Abstriche runter – deswegen nennt Markus die Pindung auch Endurobindung. | Foto: Bergzeit

Und wo soll’s noch hingehen?

Am Montagabend auf der Inntalautobahn ist mir eigentlich erst einmal bewusst geworden, dass wir die progressivste Bindung, die es gibt, auf den Markt geschmissen haben und ich hoffe, dass die Leute, die mit dem Produkt unterwegs sein werden, das zu schätzen wissen. Das ist mir das Wichtigste. Dass man das Vertrauen, das die Zulieferer in uns gesteckt haben, auch zurückgeben kann und dass die Leute mit dem Produkt Spaß haben. Dass sie es so nutzen können, wie es ausgelegt ist. Das ist wiederum das Schöne durch die Pindung und das Gewicht – die wird schon selektieren. Und es sind genug Ideen da für Folgeprodukte. Wer weiß, vielleicht bringen wir demnächst die leichteste Pin-Multinorm-Bindung. (lacht) Das wird der nächste Ansporn sein.

Und wenn du jetzt zum Schluss Dein Traum-Set bauen dürftest, auf welchem Ski soll die Pindung landen und mit welchem Schuh wird sie gefahren?

Das ist bei mir der Liebling Lee in 188 Zentimeter, der hat 114 unter der Bindung. Außerdem bin ich gesegnet mit einem Lange-Fuß. Ich bin gesegnet mit einem Lange-Fuß und nehme den Lange 130 mit 97er Leisten am Parkplatz aus dem Karton, schraub meinen Booster dran, schraub ihn zu und mach ihn nach acht Stunden wieder auf. Das ist für die Pindung die perfekte Kombination. Wenn ich mir einen Ski kaufen müsste, bin ich Dynastar immer noch sehr treu. Die Ski taugen mir einfach, weil sie knackig abgestimmt und sehr harmonisch sind.

Die Pindung ist leider nicht mehr bei Bergzeit erhältlich. Weitere Tourenbindungen findest Du im Bergzeit Shop:

 

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