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Ein sensibler Reibungskünstler

La Sportiva Python: Kletterschuhe im Test

6 Minuten Lesezeit
Der Python ist ein junges Kletterschuhmodell von La Sportiva, ein weicher Schuh mit hoher Sensibilität. Ist er nur ein Nachfolgemodell des Cobras oder des Speedsters von La Sportiva, oder hat er seinen eigenen Charakter?

Der La Sportiva Python stellt sozusagen ein Mischwesen unter den Kletterschuhen dar: Bisher hat man zwei Schuhe gebraucht: Einen Kletterschuh fürs Hooken und „Klammerbewegungen im Dach“ und einen anderen, einen härteren Schuh, um auch auf kleinen Tritten optimal bzw. ohne allzu großen Kraftaufwand antreten zu können (ohne sich dabei die Zehen zu brechen). Das wollte La Sportiva mit diesem Modell ändern und entwickelte einen „Allrounder“. Seit 2011 ist das Modell nun schon auf dem Markt – von Anfang an hat sich der Schuh auf Wettkämpfen und für das Training etabliert.

Es gab beim Python in den letzten Jahren kaum Änderungen beim Design, auch die Qualität und Passform ist unschlagbar geblieben. Immer und immer wieder findet man den Python am Fels und in der Halle. Der eine liebt den weichen Schuh; der andere hingegen kann mit der sensiblen Performance des vielgelobten Allrounders nichts anfangen. Zeit sich den fast schon legendären La Sportiva Kletterschuh genau anzusehen und zwar in der Halle und am Fels. Denn mit dem Python hat La Sportiva einen Schuh speziell für das Klettern oder Bouldern in Hallen und damit auch fürs Wettkampfklettern entwickelt.

La Sportiva Python: Sehr gut geeignet für die Halle

La Sportiva Python Test | Foto: Sophie Arnold
Gut in der Halle, gut im Dach, gut bei Hooks – und draußen – auch hier kann der La Sportiva Kletterschuh überzeugen. Hier zu sehen ist der Python in seinem Lieblingsgelände | Foto: Marc Fassbender

„Ein Schuh für den Wettkampf!“ – das ist das Motto von La Sportiva für den Python. In der Kletterhalle erwarten den Kletterer oder Boulderer viele verschiedene Situationen. Gerade in Wettkämpfen ist es unmöglich, ständig die Kletterschuhe zu wechseln. Der Python ist genau für die verschiedenen Ansprüche in einer Halle entwickelt: Ein weicher Schuh, der eng am Fuß anliegt; so erfährt man eine große Sensibilität und spürt, ob der Fuß richtig auf dem Tritt positioniert ist – und ob er hält. Außerdem schmiegt sich aufgrund dieser Konstruktion der Python durch den nicht zu starken Vorspann des Vorderschuhs und die komplett mit Gummi ummantelte Ferse bei Toehooks und Heelhocks optimal an Griffe, Volumen und sonstige Strukturen. Durch die spitze Form bzw. die ausgeprägte Kante des Antrittsbereiches sind auch kleine Tritte und Strukturen kein Problem.

Den Python für den Fels?

La Sportiva Python Test | Foto: Sophie Arnold
Der La Sportiva Python macht sich nicht nur als Schuh mit sensiblen Eigenschaften gut – auch auf kleineren Tritten steht er sehr gut. | Foto: Marc Fassbender

Ich persönlich finde ich den Schuh für den Fels nicht so gut geeignet. Durch die weiche Sohle des Pythons muss man mehr Fußkraft aufbringen, als bei festeren Kletterschuhen. Das kann beim Felsklettern auf die Dauer etwas anstrengend werden, da man mehr kleine Tritte wegstehen muss, als in der Halle. Man muss sich aber auch immer bewusst machen, dass ein festerer Schuh weniger Sensibilität bedeutet. Es gibt einige Kletterer, die auf die sensible Performance und die hohen Reibungswerte auch draußen am Fels schwören – es kommt wie immer auf den persönlichen Geschmack und auch das jeweilige Klettergebiet an. Ausprobieren muss das jeder selbst. In fast allen Bouldergebieten hat man mit diesem Schuh sicher die Nase vorn. Das gilt auch bei Klettergebieten, wobei hier eher Reibungstritte und größere Strukturen überwiegen sollten; denn wie anfangs schon erwähnt, langes Stehen auf kleinsten Tritten will man mit den Pythons nicht!

Passform, Größe, Symbiose

Die Passform des Pythons hat mich von vornherein überzeugt. Durch den großen Anteil an Leder ist der Schuh extrem dehnbar und anpassungsfähig. Laut La Sportiva ist das Modell für mittlere bis breite Fußform geeignet, ich kann es jedoch auch für schmale Füße empfehlen. Persönlich habe ich sehr schlanke Füße und der Schuh passt mir optimal. Die Weite des Python lässt sich auch noch durch einen Klettverschluss auf der Oberseite verändern. Im Fersenbereich schmiegt sich der Schuh sehr gut an den Fuß an. Durch die engere Passform befinden sich zwischen der Schuhsohle und dem Fuß an keiner Stelle Luftkammern. Aufgrund der großen Anpassungsfähigkeit des Schuhs an den Fuß sollte er beim Kauf sehr eng – ja fast schon zu eng – sitzen. Denn der Schuh dehnt sich bei den ersten Klettereinheiten ganz erheblich. Ich habe Schuhgröße 39 und trage den Schuh in der 35,5. Natürlich darf man keine Schmerzen und Verformungen am Fuß hervorrufen und auch nicht die Schuhe sprengen; er soll einfach wie ein Socken passen.

Features wie die Toe-Hook-Gummierung, die voll gummierte Ferse und vor allem die Halbsohlen-Konstruktion im Vorderfuss machen die Symbiose aus aus Velcro und Slipper perfekt. Interessant für alle Kletterschuhfreaks ist auch, dass der Leisten des Solution, des Cobra und des Python ein und derselbe ist, nur das Drumherum ist ein anderes, wie z.B. die fast schon klebrige Ferse des Hooks hinten oder auch der bei anderen Herstellern bewährte Einschnallenverschluss.

La Sportiva Python: Obermaterial und Form passt sich an

La Sportiva Python Test | Foto: Sophie Arnold
Bei Hooks hält der Kletteschuh bombenfest an der Ferse. Vor allem bei Wettkämpfen und auch draußen bei ambitionierten Goes eine wichtige Sache. | Foto: Marc Fassbender

Anfangs ist das Material noch relativ steif und die Pythons sitzen ziemlich eng. Aber nach drei bis vier Trainingseinheiten hat der Schuh sich an den Fuß angepasst und ist weicher und weiter geworden. Dank des Klettverschlusses wird der Fuß gut im Schuh verankert und die Ferse im Schuh fixiert. Hooks sind dadurch überhaupt kein Problem und mir ist es auch noch nie passiert, dass der Schuh vom Fuß gezogen wurde. Durch das Band, welches zusätzlich um die Ferse verläuft, sitzt die Ferse ideal. Das Anziehen des Schuhs ist auch ziemlich einfach. Zum einen gibt es zwei ordentlich breite Laschen an der Ferse und eine weitere auf der Oberseite, durch die das „Reinschlüpfen und Reinfühlen“ mühelos möglich ist. Ein sehr dehnbarer Gummieinsatz auf der Oberseite des Schuhs erleichtert das Anziehen zusätzlich. Bei vielen Kletterschuhen hat man oft das Problem, dass die Klettverschlüsse abreißen. Beim Python habe ich jedoch, auch nach längerem Tragen keinerlei solcher Verschleißanzeichen erkennen können, nur der Gummizug des Bandes hat ein wenig an Spannung eingebüßt, was aber bei der guten Passform dem Schuh keinerlei Nachteil einbringt.

Fazit und Details zum La Sportiva Python: Allrounder mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis

Egal ob kleine Leisten, große Volumen oder einfach nur auf Reibung gegen die Wand antreten, der Python hat mich noch nie enttäuscht. Er ist sozusagen ein „Allrounder“. Zudem ermöglicht die Slipper-Variante ein schnelles An- und Ausziehen zwischen den Versuchen, was in der Halle oder auch draußen auf dem Crashpad ziemlich praktisch ist. Überall da wo Haftung und Sensibilität gefordert wird, wird der La Sportiva Python als bequemer und extrem vielseitiger Schuh überzeugen. Ein Schuh für alle Fälle – vor allem für diesen Preis!

  • Gewicht: 486 Gramm (Paar, Gr. 41)
  • Sohle (Zwischensohle): Vibram® XS Grip2 3.5 Millimeter (LaSpoflex 0.8mm vorne)
  • Obermaterial: Kalb Sämischleder
  • Vorspannung (Asymmetrie): Performance Fit (high)
  • Zum La Sportiva Python bei Bergzeit
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