150 Kilometer nördlich des Polarkreises, an Schwedens höchstem Bergmassiv, liegt Nikkaluokta. Wanderer können sich hier in der Einsamkeit Schwedisch-Lapplands an Rentier-Burgern stärken, 3-Gang-Menüs genießen und mit dem Helikopter abkürzen.

Draußen zieht die Wildnis Nordschwedens vorbei. Die Wolken hängen tief über der lappländischen Bergwelt, bleiben an noch schneebedeckten Gipfeln hängen und legen sich über Sümpfe und Kiefernwälder. Ab und zu tauchen rote Holzhäuschen auf. Wer wohnt in dieser Einsamkeit, frage ich mich. Gleichmäßig rollt unser Bus durch Lappland. Knapp 70 Kilometer sind es von Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens ins samische Dorf Nikkaluokta. Die Straße endet hier: 150 Kilometer nördlich des Polarkreises. Nikkaluokta wird gern als Ausgangspunkt für Wanderungen rund um den 2.104 Meter hohen Kebnekaise oder zum „Kungsleden“, dem knapp 800 Kilometer langen „Königspfad“, hergenommen. Wir planen einen Abstecher zur Kebnekaise Bergstation.

Fernwandern in Schwedisch-Lappland.
Fernwandern in Schwedisch-Lappland.

Zurück zu den Wurzeln

Der Rentierzüchter Nils Olsson Sarri gründete 1910 den Ort Nikkaluokta. Noch heute ist er fest in der Hand der Samenfamilie, ganzjährig leben nur 22 Menschen hier. Der Siedlungsraum der Samen wird oft vereinfacht mit Lappland gleichgesetzt, geht aber über das Gebiet der Provinzen Lappland in Schweden und Lapin Lääni in Finnland weit hinaus. Die Samen selbst nennen ihr Siedlungsgebiet „Sápmi“ oder „Same Ätnam“. Rund 20.000 Samen gibt es in Schweden, in Norwegen sind es 40.000, in Finnland 6.500 und auf der russischen Halbinsel Kola 2.000. „Mittlerweile sind auch unsere Jugendlichen wieder stolz darauf, samisch zu sein und tragen ihre Tracht mit Stolz“, erklärt uns Anna Sarri, die Enkelin von Nils Olsson Sarri.

Das Zentrum von Nikkaluokta bildet eine Touristenstation mit Restaurant samt Lebensmittelladen. Drum herum gruppieren sich etwa ein Dutzend einfache Holzhütten für Wanderer. Einige der Hütten sind modern eingerichtet und verfügen über elektrischen Strom und sanitäre Anlagen. In Nikkaluokta lebt man vom Tourismus und von der Rentierzucht.

Schwedens höchster Berg, der „Kebnekaise“, liegt in Lappland

Von Nikkaluokta braucht man zu Fuß sieben bis acht Stunden zur 19 Kilometer entfernten Bergstation des Kebnekaise (2.104), Schwedens höchstem Berg. Der Weg schlängelt sich langsam ansteigend durch ein lang gezogenes Tal. An den Felshängen donnern Wasserfälle nieder. Wir steigen nach sechs Kilometern am See Ladtjojaure und einer Nacht im Sami-Zelt ins Motorboot und kürzen die Strecke etwas ab. Zuvor gab es eine köstliche Stärkung an Lapplands einzigem samischen Burger-Imbiss „Lap Donald“. Noch flotter kommt man mit dem Helikopter zur Bergstation: acht Minuten dauert der Flug, zur Hochsaison knattern die Rotorenblätter den ganzen Tag.

Zu Gast in Lapplands Szenetreff

Die Kebnekaise-Bergstation ist wie ein kleiner, lappländischer Szenetreff. An der Rezeption sitzen Mitarbeiter der „Swedish Tourist Association“ hinter den PCs und nehmen die Gästeschar auf: Deutsche, Franzosen, Engländer und Holländer, Familien mit Kindern, Studenten mit großen Rucksäcken, Jäger aus Russland und Geschäftsleute aus Stockholm. Alles ist hübsch und geschmackvoll eingerichtet. Um den offenen Kamin sind Sessel drapiert, Kerzenlichter brennen auch am Tag. Schon vor über hundert Jahren kam der erste Gast in die Fjällstation. Schwarzweißaufnahmen zeigen Charles Rabot, den Erstbesteiger des Kebnekaise. Heute führt das Ehepaar Norén die Lodge und serviert ihren Gästen am Abend ein edles 3-Gang-Menü samt weitem Blick durch Panoramafenster. Übernachtet wird in Zwei- oder Mehrbettzimmern.

Fernwandern in Lappland: der Kungsleden

Mitten in der Wildnis Lapplands: der einzige samische Burger-Imbiss "Lap Donald".
Mitten in der Wildnis Lapplands: der einzige samische Burger-Imbiss „Lap Donald“.

Einige Kilometer hinter der Kebnekaise Bergstation verläuft der beliebte Wanderweg „Kungsleden“ durch Lappland. Der bekanntere nördliche Teil des Fernwanderweges führt über rund 440 Kilometer von Abisko bis Hemavan und wird jährlich von knapp 25.000 Menschen begangen. Der südliche Abschnitt geht über 350 Kilometer von Sälen nach Storlien. Zwischen beiden Teilen gibt es bisher keine Verbindung.

Der Kungsleden ist bestens markiert. Im nördlichen Teil stehen während der Hauptsaison in Tagesabständen Unterkünfte zur Verfügung. Außerdem wird in etwa jeder zweiten Hütte Proviant verkauft. Und Mückenabwehrprodukte. Denn so schön wie Lappland ist, zwischen Juni und August gibt es Stechmücken in gewaltigen Schwärmen. Bremsen, Fliegen und Kriebelmücken machen dem Wanderer das Leben schwer, ohne dichte Kleidung, Abwehrspray und Wildnishut geht an manchen Tagen nichts. Da kommen Wolken und Nebel oft wie gerufen. Auch wenn sie die Sicht auf die Berggipfel versperren und sich der Kebnekaise bei unserem Trip beharrlich in weiße Watte hüllt. Die weite, menschenleere Wildmark fasziniert – sogar bei Dauerregen.

Die geeignete Wanderausrüstung gibt’s natürlich bei Bergzeit:

Mehr zum Thema (Fern-)Wandern im Bergzeit Magazin:

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