Mali kennt man aus den Medien: Berichte zu Konflikten zwischen separatistischen Gruppen und dem Militär dominieren die News. Ruhigere Zeiten vorausgesetzt, bietet Mali auch spektakulären Fels. Besonders die "Hand der Fatima" ist ein echtes Traumziel.

Südlich der Sahara, eher abgelegen von typischen Touristenströmen, mit alten Kulturen und tollen Klettermöglichkeiten, wartet der Binnenstaat Mali in Westafrika auf Abenteurerkletterer, die in ruhigeren Zeiten mit Sack und Pack zuerst in der Hauptstadt Bamako landen. Zur Zeit ist Mali (Oktober 2013) leider nicht das Land für unbeschwertes Reisen! Nach den Auseinandersetzungen in diesem Jahr hat sich die Situation zwar wieder beruhigt, dennoch warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Mali aufgrund des immer noch hohen Entführungsrisikos.

Die Hand der Fatima

Mali Klettern | Foto: F. Mösbauer
Die Anreise zur Hand der Fatima ist vor allem eins: sehr heiß! Man gewöhnt sich aber an die Hitze.

Einer der bekanntesten Städte in Mali dürfte Timbuktu sein, die sich am südlichen Rand der Sahara befindet und seit Jahrhunderten ein Zentrum des Transsahara-Handels ist. Viele Kilometer südlich der alten Oasenstadt befinden sich fünf freistehende Felstürme inmitten der Wüste bei Hombori. Dieses Massiv, auch Fatimas Hand genannt, und teilweise auch die Berge mit ihren Felsriegeln und Schluchten in der ferneren Umgebung sind das Ziel. Dem Kletterer ist Hombori die Basis für anspruchsvolle Klettertouren in spektakulärer Felslandschaft. Das höchste Bergmassiv, der Hombori Tondo mit 1.155 Meter, ein weithin sichtbarer Sandsteinfelsen, ist die leichtere Herausforderung, die berühmteste Felsformation, der Gami Tondo, ist da schon eine andere Nummer. Von Dountza kommend wirkt das Bergmassiv ca. zehn Kilometer vor Hombori je nach Blickwinkel wie eine sich aus dem Boden herausstreckende menschliche Hand.

Von Bamako zum Klettercamp „Chez Manya“

Mali Klettern | Foto: F. Mösbauer
Im Hintergund die Hand der Fatima. Hier im Klettercamp „Chez Manya“.

Die Reise beginnt mit dem Flug nach Bamako, der Hauptstadt von Mali, und dem ersten Schrecken der Reise – zumindest für uns: das Außenthermometer des Flugzeugs bleibt erst bei fast +40°C stehen und es ist kurz vor Mitternacht. Da soll man klettern können? Vorweg: es geht! Nach ein paar Tagen im Land hat man sich akklimatisiert und die Hitze lässt sich besser aushalten als in unseren mitteleuropäischen Breiten. Von Bamako aus erreicht man über Mopti auf der Straße nach Gao den kleinen Ort Hombori, in dessen Nähe sich das Massiv der Hand der Fatima befindet. Die Anreise dauert entweder zwei Tage mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder man lässt sich z.B. über die Agentur TataTravel je nach vorhandener Zeit und Budget die schnellere Anfahrt per Geländewagen organisieren. Am Fuße der Hand der Fatima hat der spanische Kletterer Salvador Campillo mit seiner malischen Frau das nette Camp Chez Manya eingerichtet. Geschlafen wird in kleinen Hütten, man wird einfach, aber gut versorgt, es gibt eine Kühlbox mit Cola und Fanta, sowie einige Ordner mit vielen Topos und auch eine Slackline vor großer Kulisse! Die Auswahl an Touren ist äußerst vielfältig und reicht von der klassischen alpinen Kletterei bis hin zur eingebohrten Sportkletterei, von der leichten 3er-Kletterei bis hin zu Touren im 8ten Franzosengrad. Allerdings sollte man sich immer bewusst sein, dass man sich äußerst weit weg von jeglicher vernünftigen medizinischen Versorgung befindet!

Malischer Sandstein und vermeintliche Tickmarks

Mali Klettern | Foto: F. Mösbauer
Wer hier meint den Tickmarks folgen zu müssen kann schnell auf dem falschen Weg sein.

Neugierig starten wir zur ersten Klettertour. Der strukturierte, steile und kompakte Sandstein begeisterte schon von der Ferne und erinnert uns stark an die Nordwände der Zinnen. Nur viel kompakter! Irritiert waren wir nur durch die zahlreichen, weißen Tickmarks entlang der Tour – und auch sonst überall (Anm. d. Red.: Tickmarks sind Markierungen der Griffe und Tritte in einer Tour, häufig in stärker frequentierten Gebieten zu finden. Tickmarks sofern nötig, sind nach dem Klettern wieder zu entfernen um Nachfolgende nicht zu irritieren). Bei näherem Kontakt mit dem Fels entpuppen sich die Tickmarks als getrocknete, weiße Vogelkacke. Diese ist recht glatt und besitzt vor allem bei runden Griffen nicht die Reibung des sonstigen Felsens. Man gewöhnt sich an vieles.

K.O.-Kriterium Sonne

Es ist schwierig, bestimmte Touren aus der ganzen Masse herauszugreifen. Alle Touren, die wir hier geklettert sind, können empfohlen werden.

Mali Klettern | Foto: F. Mösbauer
Ausgesetzte Kletterei in „Via Makumba Circus“ (7b+), Kaga Pambari.

Lediglich ein Punkt bei der Tourensuche war für uns im wahrsten Sinne des Wortes ein K.O.-Kriterium: die sonnenseitige Exposition. Im Schatten ließ es sich bestens Klettern, doch sobald es in die Sonne ging war bis auf das Absteigen und ein kühles Getränk an nichts anderes zu denken. Wäre aber Walter Pause hier gewesen, stünde der Nordpfeiler (6a+, 600m) des Kaga Tondo in seinem Pause-Extrem-Buch. Der Pfeiler bietet beste, klassische Kletterei und führt auf den höchsten Gipfel des Massivs. Außerdem haben u.a. im Jahre 2005 die GMHM (Groupe Militaire de Haute Montagne) und 2007 die Ragni di Lecco, eine berühmte italienische Alpinbewegung, jede Menge genialer Touren eröffnet, von denen wir einige wiederholen konnten. Erlebnisreich und besonders eindrucksvoll sind die zwei Touren African Reality (6b.Ae, 180m) am Kaga Tondo, die durch ein ausgesetztes Dach führt, sowie die Via Makumba Circus (7b+, 120m) am Kaga Pambari, welche durch eine sehr exponierte Tyrolienne zu erreichen ist.

Abgesehen vom Klettern in einer solchen Gegend begeistern die Landschaften und die Eindrücke. Obwohl die Berge gut erschlossen sind, treffen wir erst wieder unten Einheimische in ihren Siedlungen. Obwohl Mali zu einem der ärmsten Länder der Welt zählt, machen die Menschen einen glücklicheren und zufriedeneren Eindruck als die Pendler im Münchner Berufsverkehr. Die Kinder sind immer für einen Spaß zu haben und natürlich wird um alles gefeilscht, aber immer äußerst entspannt und gelassen.

Dogon Country – das afrikanische Erbe

Mali Klettern | Foto: F. Mösbauer
Dogon Behausungen in den Felsen lassen jedes Klettererherz höher schlagen. Die Hütten der Dogon isnd einmalig und wie auch ihre gesamte Kultur als weltkulturerbe geschützt.

Um unseren offenen Fingerkuppen und den aufgequollenen Füßen eine Pause zu gönnen, war ein Trip nach Timbuktu geplant. Schließlich landeten wir im Dogon Country. Die Dogon sind eine afrikanische Ethnie, die entlang dem Felsriegel von Bandiagara siedeln und durch ihre Kultur, ihre kunstvollen Masken, Tänze und Wandmalereien, sowie aufgrund ihrer eigenen gewagten Architektur beeindrucken. Die Architektur bezieht sich auf Behausungen bzw. Hütten in schier unzugänglichen Felswänden. 1989 wurden die Dogon zum Weltkulturerbe erklärt.Durch die ursprüngliche Lebensweise der Dogon fühlt man sich weit in die Vergangenheit zurückversetzt. Faszinierend und ungeklärt ist unter anderem auch die Frage, wie mit den damaligen Mitteln die Siedlungen in die Felswände gebaut worden sind.

Kultur, Musik und Sonnenuntergang

Mali Klettern | Foto: F. Mösbauer
In der Nähe von Mopti am Niger sind solche malerischen Szenen Alltagsgeschäft. Hier setzt ein Boot über den Niger.

Nach weiteren kletterintensiven Tagen rückt schließlich der Abflugtermin immer näher. Während der Heimfahrt trägt der letzte Abend in Mopti nochmals dazu bei, dass Mali für uns in besonderer Erinnerung bleiben wird. Wie die staunenden, fotobewaffneten Japaner auf dem Münchner Marienplatz tuckerten wir auf unserem Boot über den Niger und genossen den Sonnenuntergang. Darf auch mal sein! Die Regionalhauptstadt Mopti befindet sich am Zusammenfluss der Flüsse Bani mit dem Niger, ziemlich genau zwischen Timbuktu und Ségou. Die Altstadt ist mit ihren großen Märkten, der Moschee von Mopti und der Bootsfahrerei ein beliebtes Touristenziel. Die große Moschee ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Die größte Überraschung sollte noch am Abend kommen, als verschiedene Bands in der Bar unseres Hotels spielten.

Mali Klettern | Foto: F. Mösbauer
Mopti, am Ufer des Niger herrscht reges und buntes Treiben.

Zusammen mit anderen westafrikanischen Ländern verfügt Mali über ein uraltes und reiches kulturelles, vor allem auch musikalisches Erbe, welches über den Kolonialismus hinweg bewahrt wurde und in der jetzigen Zeit wieder mehr an Bedeutung gewinnt. Mali gehört mit zu den ärmsten Länder der Welt ist jedoch kulturell und menschlich gesehen ein sehr reiches Land. Viele international bekannte Künstler bspw. der World Music kommen aus Mali. Die Vielseitigkeit der malischen Musik spiegelt ebenfalls die kulturelle Vielfalt wieder die wir hier so oft bewundern konnten. Der vielleicht bekannteste Musiker dürfte Ali Farka Touré sein. Er kreierte die Musik zahlreicher Filme, erhielt einige Grammys und Auszeichnungen auf internationaler Ebene für seine Musik und bereiste auf Tournee die ganze Welt.

Kletterziel in Friedenszeiten

Die Musik des Abends in unserer Hotelbar habe ich noch angenehm in den Ohren als ich schon zurück im tief verschneiten München bin und wir unsere Reisetaschen mit den ganzen Erinnerungen und dem noch warmen, afrikanischen Wüstensand ausleeren: Rückblickend war es eine intensive, erlebnisreiche Reise, die jedem abenteuerlustigen und hitzebeständigen Kletterer empfohlen werden kann – sobald in dieser Region wieder Frieden einkehrt!


Klettern in Mali

  • Anreise Flugzeug / Visa: Mali kann von Europa aus angeflogen werden. Von München über Casablanca gibt es Flüge nach Bamako. Das Visum muss vorab über die „Konsularische Vertretung der Republik Mali“ beantragt werden.
  • Reisezeit: Die beste Jahreszeit ist während der Winterzeit von November bis März. Durch die Nähe zum Äquator sind Tag und Nacht gleich lang.
  • Informationen, Kletterführer, Ausrüstung: Neben den üblichen Reiseimpfungen wird für ganz Mali eine Malariavorsorge empfohlen. Die offizielle Amtssprache ist Französisch, ohne die man nicht sonderlich weit kommt. Als Reiseführer empfiehlt sich der Lonely Planet von Mali. Kletterführer und Topo, bzw. alle nötigen Informationen, gibt es im Camp von Salvador Campillo.

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