Kaufberatung - Messer aus Stahl
Ein Messer im Outdooreinsatz muss den harten Ansprüchen von verschiedenen Widrigkeiten genügen, was den Einsatz eines strapazierfähigen Materials erfordert. Als optimale Lösung dafür zählt Stahl zu den meist verwendeten Materialien bei Messern.

Zwar gibt es einige Ausnahmen wie z.B. Keramik, doch wird die überwiegende Anzahl an Messer heutzutage aus Stahl gefertigt.

Was ist der Vorteil von Stahl?

Der Grund dafür ist recht einfach: Messer mit den unterschiedlichsten Einsatzbereichen lassen sich alle aus ein und demselben Werkstoff fertigen, da dieser aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften durch Variieren in der Herstellungsmethode all diesen Bereichen gerecht wird: Jagdmesser benötigen nun einmal andere Eigenschaften als Küchenmesser, feststehende Messer andere als Schweizer Taschenmesser und wieder andere als hochwertige Outdoormesser.

Klassischer Weise bestehen Klingen und Werkzeuge bei Taschenmessern aus Stahl, da dieser nicht rostet und eine gute Schnitthaltigkeit verfügt. | Foto: Pixaby
Klassischer Weise bestehen Klingen und Werkzeuge bei Taschenmessern aus Stahl, da dieser nicht rostet und eine gute Schnitthaltigkeit verfügt. | Foto: Pixaby

Schneidfähigkeit, Schärfbarkeit und Härte: Wichtige Kennzahlen

Fast allen gemeinsam ist jedoch, dass ein Messer normalerweise in erster Linie schneiden – sprich scharf sein – und auch scharf bleiben soll (Schnitthaltigkeit). Neben der Schneidleistung ist auch die Schärfbarkeit ein wichtiger Indikator, um die Qualität eines Messers zu beurteilen. Dafür spielt u.a. die Härte bzw. die Härtbarkeit des bei der Fertigung verwandten Stahls eine wesentliche Rolle, die in der Regel in Rockwell (HRC) gemessen wird.

Bei diesem Messverfahren, welches nach den gleichnamigen amerikanischen Ingenieur Stanley Rockwell benannt ist, wird gemessen, wie tief ein kegelförmiger Prüfköprer (engl. „cone“) aus Diamant bzw. diamantbeschichtetem Material in den jeweiligen Werkstoff eindringt. Natürlich ist diese Erklärung ein wenig vereinfacht und ist in der Realität viel komplexer. Zulässige Härtewerte HRC liegen zwischen 20 und 70, wobei derzeit die höchsten Härtewerte derzeit von Stahl 62 bis 67 HRC betragen.

Schneidfähigkeit, Schärfbarkeit, Schnitthaltigkeit sind Kennzahlen, an denen man hochwertige Messer erkennt. | Foto: Opinel
Schneidfähigkeit, Schärfbarkeit, Schnitthaltigkeit sind Kennzahlen, an denen man hochwertige Messer erkennt. | Foto: Opinel

Die Härte von verschiedenen Stahlarten im Vergleich:

  • Nirosta Edelstahl: 53 HRC
  • Amerikanischer Messerstahl: 57-59 HRC
  • Hochwertiger japanischer Messerstahl:
    > 63 HRC

Unter Schärfe wird auch die Schneidfähigkeit verstanden. Darunter versteht man die Fähigkeit, ein Werkstück zu zerteilen. Es gibt zwei verschiedene Methoden der Schärfeprüfung:

  • Spaltlederprüfung: Eine alte Methode bei der die Einkehrbtiefe bei definierter Spaltkraft gemessen wird.
  • Papierschnittprüfung: Hierbei wird mit definierter Kraft in Papier (feucht oder trocken), z. B. bei Rasierklingen, geschnitten. Diese methode ist etwas feienr als die Spaltledermethode.

Generell sollte eine Schneid-Klinge von einem Taschenmesser im Gegensatz zu einer Stoßklinge einen Härtegrad von 58-65 HRC aufweisen. Darunter wird die Messerklinge zu weich, darüber zu spröde. Da Härte aber zugleich auch eine gewisse Materialspröde bedeuten kann, ist je nach Einsatzbereich auch die Flexibilität der Messerklinge ein Qualitätsmerkmal. Dies gilt insbesondere je länger die Messerklinge ist.

Korrosionsbeständigkeit von Messer aus Stahl

Die meisten Anwender sind zudem an einer hohen Korrosionsbeständigkeit interessiert. Auch wenn man das guten Messern oder Multitools nicht antun sollte, sollten Küchenmesser beispielsweise auch einmal die Spülmaschine ohne Schäden überstehen. Solche Eigenschaften werden erreicht durch Legieren (= Zusammenschmelzen eines Metalls mit mindestens einem weiteren Metall oder Nichtmetall).

Am bekanntesten aus diesem Bereich ist sicherlich Chrom-Molybdän-Stahl. Diese Beimischung setzt allerdings zugleich die Härte des Messerstahls herab und der Stahl wird in seiner Konsistenz gröber.

Molybdän wird beigemischt, um den sogenannten Lochfraß durch Spülmaschinen zu verhindern bzw. einzuschränken. Chrom wird zugegeben, um Rost zu verhindern. Gute Materialverfügbarkeit und Verarbeitbarkeit sorgen für günstige Preise und korrosionsbeständige Messer aus legiertem Stahl.

Einen guten Kompromiss all dieser Eigenschaften bieten im Ergebnis deshalb niedrig legierte Stähle für hochwertige Messerklingen aufgrund ihrer Feinheit und ihrer hohen Härte.

Messerklingen aus Damaszener Stahl

Als besondere, weil augenfällige Ausnahme, noch einige Worte zum so genannten Damaszener Messer, benannt nach der gleichnamigen Stadt, in der das Fertigungsverfahren entwickelt wurde.

Eine Damastklinge wirkt edel und elegant und macht jedes Messer zum Unikat. | Foto: Herbertz
Eine Damastklinge wirkt edel und elegant und macht jedes Messer zum Unikat. | Foto: Herbertz

Gemeinhin versteht man darunter Stahl, der durch mehrmaliges Falten über mehrere Dutzend bis mehrere Hundert Schichten verfügt, die auch auf einen Mono-Stahlkern aufgeschweißt werden können. Der fertige Messerstahl vereint in sich die Vorteile der darin kombinierten Stähle, verfügt mithin idealer Weise über hohe Schnitthaltigkeit und Flexibilität.

Gern gesehener Nebeneffekt, der auch heute noch für die große Beliebtheit des Damaszener-Stahls sorgt, sind die durch die vielen Schichten entstandenen, einmaligen, charakteristischen Muster, die in poliertem oder geätztem Klingenzustand zu Tage treten. Dies beruht auf den unterschiedlichen Legierungen der Schichten bzw. deren unterschiedlichem Kohlenstoffgehalt.

Aufgrund der seit der industriellen Revolution guten Verfügbarkeit von Monostählen mit guten Eigenschaften, hat Damast praktisch sehr an Bedeutung verloren, während der Schmuckcharakter gerade bei Messer zunehmend gefragt ist.

Abschließend lässt sich feststellen, dass moderner Monostahl leicht zu verarbeiten und aufgrund verschiedener Fertigungstechniken und Legierungen in seinen Eigenschaften so vielfältig ist, dass er den derzeit optimalen Werkstoff für Messer bzw. Klingen darstellt.

Messer aus Stahl gibt’s natürlich auch bei Bergzeit:

Mehr Kaufberatungen im Bergzeit Magazin:

Packliste Campingküche

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