Das Sicherheitssystem MIPS hat den Markt für Outdoorhelme in den letzten Jahren wenn nicht revolutioniert, dann doch neuen Schwung verpasst. Doch was bedeutet MIPS, was kann MIPS und was bringt MIPS überhaupt? Unser Beratungsartikel klärt auf.

Vor einigen Jahren tauchten sie das erste Mal auf der ISPO auf – inzwischen gehören MIPS Helme zum guten Ton in allen Bereichen der Outdoorindustrie. Doch was bedeutet das runde, gelbe Logo mit der schwarzen Schrift eigentlich? Im folgenden Artikel wird Licht ins MIPS-Dunkel gebracht.

MIPS bei Fahrrad- und Skihelmen – was bedeutet das?

POC integrierte das MIPS-System bereits früh in seine Helme, arbeitet jedoch inzwischen an einem eigenen Sicherheitssystem, SPIN. | Foto: POC
POC integrierte das MIPS-System bereits früh in seine Helme, arbeitet jedoch inzwischen an einem eigenen Sicherheitssystem, SPIN. | Foto: POC

MIPS – das steht für Multi-Directional Impact Protection System. Das von schwedischen Medizinern und Ingenieuren ersonnene System hat in den letzten Jahren neuen Schwung in den Markt für Helme gebracht.

MIPS Helme wurde konstruiert, um auch dann Schutz zu bieten, wenn das menschliche Gehirn bei einem schrägen Aufprall starken Rotationsbewegungen ausgesetzt ist. Helme ohne MIPS bieten zwar auch Schutz – allerdings nur bei linearen Aufprallszenarien, also wenn der Kopf nicht schräg, sondern gerade auf einen Gegenstand/Untergrund auftrifft – im Grunde ein Szenario, dass in der Praxis vernachlässigbar selten eintritt. Bei komplexeren Erschütterungen können Standardhelme komplett versagen – behaupten zumindest die MIPS-Masterminds.

Außerdem besteht – so zumindest MIPS – speziell bei schrägen Aufprallszenarien die Gefahr, dass die körpereigenen Schutzmechanismen für das Gehirn ebenfalls versagen. Hirnschäden oder umfangreichere Kopfverletzungen können die Folge sein. MIPS sorgt dafür, dass die Rotationskräfte bei einem derartigen Schrägaufprall abgefangen bzw. absorbiert werden und damit die Verletzungsgefahr für das Gehirn sinkt.

MIPS drauf – Sicherheit drin!

Beim Bushwacker II, einem MTB-Helm von Sweet Protection, ist die gelbe MIPS-Zwischenschicht an der Innenseite deutlich zu erkennen. | Foto: Sweet Protection
Beim Bushwacker II, einem MTB-Helm von Sweet Protection, ist die gelbe MIPS-Zwischenschicht an der Innenseite deutlich zu erkennen. | Foto: Sweet Protection

MIPS wurde in den Helmen des ebenfalls schwedischen Herstellers POC mit zuerst verbaut – trat dann aber Schritt für Schritt auch bei anderen Herstellern seinen Siegeszug an. Inzwischen liefern sich MIPS und POC einen veritablen Patentstreit – POC macht MIPS mit seiner Eigenentwicklung SPIN Konkurrenz. Wie der Patentstreit ausgehen wird, ist Anfang 2018 ist noch unklar.

Tauchte die Technologie anfangs nur in Nischen auf, ist MIPS inzwischen ein Qualitätsmerkmal für Bike- und Skihelme geworden und wird von der schwedischen MIPS AB auch entsprechend vermarktet. Die Liste der Hersteller, die bei ihren Helmen auf MIPS setzen, ist exklusiv – allen voran der amerikanische Fahrradausrüstungsgigant Giro, Sweet Protection aus Norwegen sowie die Helm-Hersteller Bell und Scott, um nur die auch bei Bergzeit vertretenen zu nennen.

MIPS bei Fahrrad- und Skihelmen

MIPS wird gleichermaßen bei Ski- und Fahrradhelmen eingesetzt. POC hat das Sicherheitssystem in beiden Sektoren bekannt gemacht, inzwischen haben andere Hersteller nachgezogen – zum Beispiel Giro. Die Amerikaner setzen MIPS bei vielen Bike- und Skihelmen der Mittel- und Oberklasse ab etwa 100 Euro ein. Bell setzt MIPS neben Fahradhelmen auch bei Motorradhelmen ein. Das System unterscheidet sich übrigens nicht bei Bike- und Skihelmen und funktioniert auf gleicher Basis – allein die Größe der MIPS-Zwischenschicht variiert mit der jeweiligen Helmgröße.

Kritik an MIPS

Auch das sollte fairnesshalber erwähnt werden: Die Wirkungsweise von MIPS wird zwar von MIPS selbst mit eigenen Studien untermauert – bis jetzt gibt es jedoch keine unabhängigen Studien, die die Wirksamkeit von MIPS und die vom Hersteller zitierten Ergebnisse bestätigen. Laut Aussage des deutschen Mountainbike-Fachmagazins „Bike“ arbeitet der TÜV Rheinland an einem neuen Teststandard, mit dem auch MIPS-Helme getestet werden können, mit Veröffentlichung dieses Artikels war dieser jedoch noch nicht ausgereift.

Fragen und Antworten zu MIPS

Ein kleiner, gelber Kreis mit schwarzer Schrift kennzeichnet einen MIPS Helm. | Foto: Scott
Ein kleiner, gelber Kreis mit schwarzer Schrift kennzeichnet einen MIPS Helm. | Foto: Scott

1. Was ist MIPS? MIPS ist ein Sicherheitssystem, das das Verletzungsrisiko beim Tragen eines Helmes minimiert.

2. Gehört MIPS zu einem bestimmten Hersteller? Nein, MIPS wurde von einem Team aus medizinischen Fachleuten sowie Technikern entwickelt und ist nach wie vor ein eigenständiges Unternehmen.

3. In welchen Helmen wird MIPS verbaut? Im Outdoorsportsektor wird MIPS in Fahrradhelmen und Skihelmen verbaut – also dort, wo starke Rotationskräfte auf den Kopf einwirken können. Doch auch im Reitsport, bei Motorradsportarten, beim Automobilrennsport, Eishockey, Fußball und im Militärbereich kommt MIPS zum Einsatz.

4. Welche Vorteile hat ein MIPS Helm gegenüber einem herkömmlichen Helm? MIPS schützt speziell vor Verletzungen, die durch Rotations-Aufprallszenarien verursacht werden. Herkömmliche Helme ohne MIPS können diese Art Schutz nicht gewährleisten.

5. Wiegt ein MIPS Helm mehr als ein herkömmlicher Helm? Die MIPS-Zwischenschicht verursacht ein Mehrgewicht zwischen 25 und 45 Gramm – je nach Helmmodell.

6. Kostet ein Helm mit MIPS mehr als ein herkömmlicher Helm? War der Preisunterschied zu herkömmlichen Helmen bei der Einführung von MIPS noch relativ hoch, sind MIPS-Helme inzwischen auch schon in der 100 Euro-Klasse zu finden.

MIPS Helm – Ein Fazit

Lohnt sich MIPS? Diese Frage lässt sich mit einem klaren „Jein!“ beantworten. Zwar spricht viel für den Einsatz von MIPS und die von MIPS selbst aufgezählten Vorteile sollten auch die letzten Zweifler überzeugen – ein Testverfahren, dass die Wirkung von MIPS unabhängig der vom Hersteller selbst zitierten Studien untermauert, gibt es jedoch (noch) nicht. So sprechen sich große Helmhersteller wie Uvex sogar offen gegen MIPS aus. Am Ende ist aber eines festzuhalten: Schaden kann MIPS garantiert nicht – und ist von daher auch garantiert kein Nachteil!

Hier geht es zu allen MTB-Helmen mit MIPS bei Bergzeit:

Hier geht es zu allen Skihelmen mit MIPS bei Bergzeit:

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