Anspruchsvolle Bergtouren sind das Terrain des Montura Vertigo GTX. Gleichzeitig punktet der Leichtbergstiefel mit Komfort und einer außergewöhnlich präzisen Passform. Joachim Riedle hat dem Bergschuh im Karwendel genau auf die Sohlen gefühlt.

Nachdem meine alten Bergschuhe lange und gut gedient hatten, war es an der Zeit wieder ein aktuelleres Modell auszuprobieren. Meine Wahl fiel dabei auf den Montura Vertigo GTX. Montura, ein italienischer Hersteller für Bergschuhe und Bergsportbekleidung, beschreibt den Vertigo als robuste und dazu leichte Allzweckwaffe, geeignet für längere Wanderungen sowie ambitioniertere Bergtouren in Fels und Eis.

Der Montura Vertigo GTX ist ein Leichtbergstiefel für anspruchsvollere Bergtouren und technisches Terrain. | Foto: Joachim Riedle
Der Montura Vertigo GTX ist ein Leichtbergstiefel für anspruchsvollere Bergtouren und technisches Terrain. | Foto: Joachim Riedle

Zum Einsatz kamen die Schuhe auf mehreren Tagesausflügen im Karwendelgebirge. Da ich zuvor immer Meindl- oder Hanwag-Bergschuhe besessen hatte, war ich gespannt auf die Performance der Italiener.

Größenwahl

Die Größenwahl war nicht ganz leicht, da es für meine Schuhgröße 41 gleich zwei Unterteilungen in der UK-Größenskala gibt. Ich bestellte mir also einfach die Größe 7,5, welche mir auch passte. Nach der Innenschuhlänge bemessen würde mir wahrscheinlich auch noch die 7 passen.

Design, Konstruktion und Schnürung

Beim Auspacken des Vertigo GTX fällt mir gleich das frische Farbdesign auf, das sicher nicht nur auf Schnee und Eis Akzente setzt. Die Verarbeitung zeugt von hoher handwerklicher Qualität und zeigt: über 30 Jahre Erfahrung von Montura im alpinen Gebiet tragen ihre Früchte.

Der Vertigo GTX bringt knapp 700 Gramm (einzeln) auf die Waage, womit er im Mittelfeld seiner Klasse liegt. Das durchdachte Schnellschnürsystem des Montura Vertigo GTX würde jeden Erstklässler glücklich machen, denn so einfach konnte man das Schnüren von Schleifen noch nie umgehen. Reinschlüpfen, Schnürung festziehen, arretieren und fertig zum Abmarsch! Dank der präzisen, zweigeteilten Schnürung, die bis in den Vorfußbereich reicht, sitzt der Schuh am gesamten Fuß perfekt. Die robuste Kunststoff-Stützkonstruktion wurde in einem Stück gefertigt und schmiegt sich regelrecht an den Fuß an (Ergo Shape Pro). Der für mich als Kletterer ungewöhnlich komfortable Bewegungspielraum im Vorderfußbereich lässt bequemes Gehen erwarten. Bei bestem Bergwetter geht es daher mit den Bergschuhen gleich in Richtung österreichische Alpen.

Der Montura Vertigo GTX am Berg: Testeindrücke

Der Härtetest für die Gore-Tex-Membran der Montura Vertigo GTX: Alles bestens. | Foto: Joachim Riedle
Der Härtetest für die Gore-Tex-Membran der Montura Vertigo GTX: Alles bestens. | Foto: Joachim Riedle

Unter weißblauem Himmel wandern wir auf anfangs schottrigen Forststraßen, über Bergwiesen, durch Bachläufe und über steinige Steige, teils mit Geröll durchsetzt, auf die Karwendelgipfel. Am ersten Wasserlauf wird die Gore-Tex-Membran sogleich auf ihre Wasserundurchlässigkeit getestet. Und sie hält natürlich, was sie verspricht! Selbst nach mehreren Minuten im knöcheltiefen Wasser bleiben meine Füße trocken. Der Feuchtigkeitstransport von Innen nach Außen funktioniert ebenfalls hervorragend. Obgleich die Temperatur auch in der Höhe sommerlich warm ist, bekomme ich keine übermäßigen „Schweißfüße“.

Weiter geht es, vom Gebimmel der Kuhglocken begleitet, über Stock und Stein aufwärts. Das Gelände variiert, die Vibram-Sohle haftet überall sehr gut. Auch in unwegsamem Gelände bietet die mittelharte „Vibram Montura Verte“-Profilsohle ein sicheres Bewegungsgefühl. Lediglich auf nassen, vermoosten Steinen sollte man achtsam sein, doch dagegen ist wohl kaum eine Sohle gefeit. Auf mit Feinsplitt bedeckten Forststraßen gibt der Tritt hin und wieder nach. Sollte man doch mal abrutschen, bietet der Schuh durch den stabilen Aufbau und die gute Passform einen sicheren Halt. Fuß und Sprunggelenk sind optimal gegen Umknicken geschützt.

Durch die ergonomische Konstruktion und die Zwei-Zonen-Schnürung hat der Fuß, auch wenn der Vertigo GTX weniger eng geschnürt wird, ausgezeichneten Halt. Mit sicherem Tritt bzw. Schritt bewegen wir uns Meter für Meter weiter bergauf. Am Gipfelkreuz angelangt, werden wir mit dem einzigartigen Panoramablick einer sommerlichen Bergwelt belohnt. Überraschung! Meine Beine sind noch erstaunlich frisch, was wohl tatsächlich auch an der Leichtbauweise des Montura Vertigo GTX liegt. Da hat schon so manch einer, mit Bundeswehr-Bergschuhen ausgestattet, deutlich mehr zu schleppen gehabt.

Nach einer ausgiebigen Brotzeit machen wir uns an den Abstieg. Schnellen Schrittes geht es bergab. Auch hierbei beweist sich die Profilsohle auf ein Neues. Ich habe keinerlei Probleme mit schmerzenden Fußsohlen und genauso wenig mit Blasen. Der Montura Vertigo GTX läuft sich sehr bequem und schafft den Spagat zwischen Flexibilität und gutem Halt in holprigem Gelände. Noch einmal durch den Bachlauf springen – und schon sind wir wieder am Parkplatz angelangt. Noch immer habe ich nicht genug von meinem neuen Schuh, weshalb ich ihn gleich bei der Rückfahrt nach Hause anlasse – ich habe im Schuh sogar ausreichend Feingefühl, um das Gaspedal kontrolliert zu bedienen.

Fazit: Vielseitiger Leichtbergstiefel

Durch Bachläufe, über Schotterwege und felsige Steige führte uns die Testtour durchs Karwendel. | Foto: Joachim Riedle
Durch Bachläufe, über Schotterwege und felsige Steige führte uns die Testtour durchs Karwendel. | Foto: Joachim Riedle

Modernes Design, erstklassige Funktion, passgenaue Schnitte und innovative Materialien sind Monturas Qualitätsversprechen. Mein Fazit dazu: Daumen hoch! Einlaufen gehört mit diesem Modell der Vergangenheit an – der Vertigo sitzt auf Anhieb.

Egal ob klassischer Bergfex, angehender Kletteraffe oder Hans Kammerlander auf Feierabendtour – der Leichtbergstiefel Vertigo GTX eignet sich für unterschiedlichstes Terrain, sogar Kombisteigeisen für kurze Hartschneestrecken kann man unkompliziert anbringen. Ich denke, dass der Fuß im Winter ebenso angenehm klimatisiert und vor allem trocken sein wird wie bei meinem Sommertest. Die hohe Qualität des Vertigo GTX verspricht zudem eine lange Lebens- und Nutzungsdauer.

Geeignet für:

  • bequemes Gehen auf Wegen
  • Bergtouren mit Felskontakt und Kletterpassagen
  • die Überquerung kurzer Schneefelder und Gletscher (bedingt steigeisenfest)

Nicht geeignet für:

  • Hochtouren und sehr kalte Regionen, da weniger steif und im Vergleich zu „richtigen“ Bergstiefeln nicht gefüttert

weitere Bergstiefel-Modelle findest Du im Bergzeit Shop:

Weitere Bergschuhe im Test:

Kommentare

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Alex

Ich bin gerade bei meiner Recherche über diesen Test gestolpert. Der Artikel hat mir sehr weitergeholfen und ist gut geschrieben. Besonders die Infos über Steigeisen am Vertigo waren sinnvoll.

Gruß
Alex

Max

Ist der Schuh wiederbesohlbar?

Hallo Max,

ich habe den zuständigen Produktmanager gefragt, ob der Schuh wiederbesohlbar ist. Sobald ich eine Info habe, gebe ich Dir Bescheid!

Viele Grüße,
Arnold vom Bergzeit Magazin Redaktionsteam

Hallo Max,

jetzt habe ich die Info: Neubesohlung ist bei diesem Schuh nur direkt beim Hersteller möglich und kostet je nach Modell und „Jahrgang“ zwischen 50 und 100 Euro. Bei Fragen steht Dir gerne auch unser Service zur Verfügung: https://www.bergzeit.de/hilfe/

Viele Grüße,
Arnold vom Bergzeit Magazin Redaktionsteam

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