Wieder zurück in Kathmandu setzt Thomas Plank seine Suche nach Nepals besten Biketouren weiter fort. Bevor es rund um die Annapurna geht, heftet er sich vor den Toren der Stadt an die Fersen von Nepals "Trailhunter" - Singletrails garantiert!

Nach der Rückkehr aus Upper Mustang heißt es erst einmal Abschied nehmen, denn Jo und Ela fliegen zurück nach Deutschland – die Arbeit ruft – und Nina tritt ihre Praktikumsstelle in Baradi an. Ich fühle mich nach dieser grandiosen Zeit leer. Kathmandus Geschäftigkeit hat ihren Reiz verloren. Die ständigen Angebote – ob „Taxi“, „Tiger Balm“, „Rikscha“ oder „You smoke weed, hasch?“ – bin ich überdrüssig geworden. Nach den stillen und malerischen Weiten Mustangs sehne ich mich nach den großen Bergen, nach einem weiteren Abenteuer in atemberaubender Umgebung.

Bikeservice: Eineinhalb Monate Trailforschung nonstop fordern Tribut. | Foto: Thomas Plank
Bikeservice: Eineinhalb Monate Trailforschung nonstop fordern Tribut. | Foto: Thomas Plank

Ein Plan ist schnell gefasst: In dem Monat, den ich noch zur Verfügung habe bis es um den Manaslu geht, will ich um die Annapurna. Inspiriert von dem Buch Annapurna Umrundung von Birgit Wenzl und Frank Hartl, scheint mir dieser Trip ein lohnendes und günstiges Ziel. Die Annapurna Conservation Area ist eine der wenigen, für die kein Guide benötigt wird. Nicht nur wundervolle Ausblicke, sondern auch geniale Singletrails locken. Ich besorge mir die wichtigsten Infos vom Annapurna Spezialisten Bimal, der diese Region besser als jeder andere kennt, und warte. Warte auf einen Partner. Alleine ist die Tour keine Option. Sie führt zu hoch (Thorung La 5.416 Meter), wäre zu langweilig und ich hätte keine Möglichkeit spannende Bilder zu bekommen.

Vom Dschungelfieber infiziert

Routinemäßig packe ich meinen Rucksack, checke mein Garmin 62S GPS-Gerät sowie die Akkus meiner Kamera und studiere die Karte. Ich will die Tage nicht ungenützt verstreichen lassen. Viele unentdeckte Trails locken auch rund um Kathmandu und bevor ich in der Stadt hocke, bike ich lieber bis sich ein Partner findet. Ich starte um 6 Uhr morgens und wähle den bereits bekannten Einstieg nach Changonarayan – einem Weltkulturerbe, auf einem Hügel erhoben und etwas ab von den touristischen Zentren. Von hier aus folge ich einem wunderschönen Weg entlang eines Geländekammes bis sich endlich ein Spot findet, um Fotos zu schießen.

Auf Solotouren erfordert das Fotografieren Einfallsreichtum. | Foto: Thomas Plank
Rider und Fotograf in Personalunion: Auf Solotouren erfordert das Fotografieren Einfallsreichtum. | Foto: Thomas Plank

In Eigenregie funktioniert das wie folgt: Ich suche einen geeigneten Platz für die Kamera, modelliere mit Ästen und Steinen ein Stativ, bis der gewünschte Winkel und Bildausschnitt getroffen ist. Ich time die Kamera auf 15 Sekunden Selbstauslöser, zehn Bilder Reihenaufnahme, drücke auf den Auslöser und haste zählend zu meinem Bike. Bei Zwölf beginne ich schneller zu treten , bei 13 nähere ich mich dem Drop. 14: fertig zum Abheben, 15: ich springe – klick, klick, klick … Diesen Vorgang wiederhole ich so oft, bis eines der zehn Bilder meinen Ansprüchen genügt. Einen Sprung hab ich an die 30 Mal wiederholt bis ich zufrieden mit dem Table Top und dem Timing in der Luft war. Jeder der das schon einmal versucht hat, weiß wie schwierig Action-Fotografie mit Selbstauslöser sein kann. Aber, Übung macht den Meister und mit der Zeit klappt es immer besser. Hin und wieder reicht schließlich sogar der erste Versuch.

Telefonjoker: Der beste Downhill Nagarkot View Tower

Nachdem ich die Aufnahmen im Kasten habe starte ich den zweiten Teil der Auffahrt hinauf zum Nagarkot View Tower – einem wunderschönen Aussichtspunkt. Als ich mein Bike die letzten Stufen hinauf trage bleibt mir ein 360°-Rundumblick verwehrt. Stattdessen empfängt mich eine Monsundusche vom Allerfeinsten. Wie in einer Comic-Szene scheint ringsherum die Sonne – nur über mir leeren sich die Wolken sintflutartig. Ich zieh mir meine Regenjacke über, knattere die Stufen hinab und bin so schnell weg wie ich gekommen bin. Ebenso der Regen, der – nachdem ich auf einen Singletrail abbiege – zügig verebbt.

Welcome to the jungle! Auf schmalen Trails geht's durch dichtes Grün. | Foto: Thomas Plank
Welcome to the jungle! Auf schmalen Trails geht’s durch dichtes Grün. | Foto: Thomas Plank

Der glitschige Trail ist genial. Ein Oxymoron, das jeder, der Kathmandu während der Monsunzeit aufsucht lieben lernt. Leider entpuppt sich der Weg als Sackgasse zu einem Reisfeld. Ich trage und schiebe mein Bike zurück zum Ausgangspunkt, wo es mittlerweile auch nicht mehr regnet, und tue das einzig vernünftige in dieser Situation: Ich ziehe mein Handy, wähle die Nummer von Jenny von Himalayan Single Track und frage nach dem besten Downhill vom View Tower. Nach Jennys Anweisungen befinde ich mich wenig später auf einem spaßigen Jeep-Track. Der Monsun hat diesen ganz schön ausgewaschen und somit warten allerlei natürliche Stufen, Anlieger und Wellen.

Die Abfahrt führt mich hinab nach Nala. Von hier pedaliere ich in einer guten Stunde nach Dulikhel, wo ich im Art Gallery Guest House neben einer „free Kunst Exhibition“ frisches Pilzchilly mit Reis genieße. Am nächsten Morgen breche ich ebenso früh auf, um die lange Etappe über Namo Buddha, Panauti  und den Lakuri Bhanjyan zu meistern. Die Auffahrt zur Pilgerstätte Namo Buddha über den Kali Tempel erweist sich als gute Wahl. Bevor es endgültig auf einem landschaftlich eindrucksvollen Singletrail  hinauf geht, bietet sich noch eine fünf Sterne Abfahrt. Technisch und steil erfordert sie einiges an Fahrkönnen. Von Namo Buddha nehme ich den Downhill in die als Weltkulturerbe vorgeschlagene Stadt Panauti und mache einen Abstecher über Kophasi, das über eine spektakuläre Hängebrücke erreicht wird. Kophasi ist bekannt für sein Wasserkraftwerk, das anhand eines großen Staubeckens erkennbar ist.

Endlos zieht sich der Lakuri Pass

Namo Buddha zählt zu den wichtigsten buddhistischen Pilgerstätten. | Foto: Thomas Plank
Namo Buddha zählt zu den wichtigsten buddhistischen Pilgerstätten. | Foto: Thomas Plank

Stets geht es durch den Dschungel, auch während dem ewig langen Anstieg auf den Lakuri Pass. Als würde sie niemals enden wollen, führt die Verbindungsstrecke von Panauti ins Kathmandu Tal mit leichter Steigung immer tiefer in das Tal. Immer höher erheben sich die mit Dschungeldickicht bewachsenen Bergflanken – bedrohlich steil und so als ob sie erst weit oben einen Durchschlupf gewähren. Ich bin müde und bange ich wie lange ich wohl bis zum Pass noch treten muss. Der Jeep-Track windet sich noch um mehrere Ecken, bis es lichter wird und der Himmel immer mehr durchdringt. Wer diese Auffahrt hinter sich hat, kann sich glücklich schätzen: Eine wunderbare Abfahrt führt den Jeep- Track abkürzend hinunter nach Lamatar und zurück nach Kathmandu.

Die richtigen Schlappen für glitschige Trails

Der Trailhunter auf der Jagd. | Foto: Thomas Plank
Der Trailhunter auf der Jagd. | Foto: Thomas Plank

In den folgenden Tagen unternehme ich weitere Erkundungsfahrten und schließe mich einmal Kathmandus Trailhunter an – einem 65-jährigen Mann, dem man sein Alter nicht ansieht und von dem alle Bike-Guides ihre Geheimtipps erfahren. Singletrail stehen am Programm, eine echte Herausforderung für viele der insgesamt 23 Biker, die der Trailhunter – ähnlich dem Rattenfänger von Hameln – hinter sich herzieht: ein radelnder Rattenschwanz! Besonderen Spaß hat der Trailhunter, wenn einer der Biker auf den schmalen Wegen zwischen den Reisfeldern die Balance verliert und ins Wasser fällt, das in den Feldern steht.

An diesem Tag zeigen sich zum ersten Mal weiße Gipfel am Horizont. Sie kündigen das Ende des Monsuns an. Die Trails sind trotzdem noch immer stark vom Regen geprägt und oft eine immense Rutschpartie. Mit Stürzen ist häufig zu rechnen. Auf unserer Tour bleiben Gott sei Dank alle, einschließlich mir, unversehrt und unverletzt. In einem Tee-Haus diskutieren wir gut gelaunt, welche Schlappen bei diesem rutschigen Lehmboden wohl die besten sind? Mein Fat Albert von Schwalbe war immer perfekt. Dennoch sollte Schwalbe – da sind sich alle einig – ein neues Produkt mit neuer Technologie entwickeln: Namen wie etwa Gerd Grip, Slippery Sven, Manfred Monsun oder Rudi Rutschig wären treffend.

Klappt auch ohne Elitepartner.ride

Die vielen Touren verlangen eine Pause und heilen mich vorerst vom Dschungelfieber – zumal auch mein Bike ungewöhnliche Töne von sich gibt.  Während der vergangenen eineinhalb Monate sind herrliche Touren entstanden, aber der Preis für den Dauereinsatz ist hoch. Santosh und ich zerlegen die hintere Schwinge, die etwas Spiel hat, komplett. Wir reinigen und schmieren alles und bringen das Tretlager wieder in Schuss. Am Ende ist mein Cannondale Jekyll LX wieder einsatzfähig, nur ich habe  noch immer keinen Partner für die Annapurna Umrundung. Noch beim Montieren macht mir Santosh einen Vorschlag: Er möchte einen Kunden fragen, ob ich seine gebuchte Privattour als Kameramann begleiten kann.

Der Kunde gibt sein Okay, was für ein Glück!  Mike Barett ist Offizier in der British Army und auf dem Weg nach Australien, um den Arbeitgeber zu wechseln. In Nepal mach er einen Zwischenstopp. Mike ist fast im selben Alter wie ich und wirkt durchtrainiert, was seine Aussage, er nehme an Crosscountry Rennen teil, unterstreicht. Auch ohne spezielles Internetportal für Bikepartner, kann ich – Himalayan Single Track sei Dank – übermorgen mit einem sympathischen, fitten, geselligen und lustigen Offizier die Annapurna Umrundung antreten. Was er und sein Guide noch nicht wissen sind meine Routenideen und die Geheimtipps von Bimal, die die Route länger und beschwerlicher machen, dafür aber mit vielen genialen Singletrails würzen. Noch haben sie keine Ahnung, also stets zu Gehorsam Herr Offizier …

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