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Warm, leicht, orange!

Patagonia Nano-Air Hoody im Test

8 Minuten Lesezeit
Mit dem Nano-Air Hoody hat Patagonia eine vielseitige Isolationsjacke im Sortiment, die ein kleines Packmaß mit einer herausragenden Wärmeleistung und überzeugenden Materialeigenschaften kombinieren soll. Ob das gelingt, verrät unser Testbericht.

Das Nano-Air® Hoody von Patagonia gibt es nun schon in der zweiten Generation. Die Jacke wird als eierlegende Wollmilchsau für eisige Zustiege und sonnige Gipfel gepriesen, da sie mit ihrer aktiven Isolierung für alle Alpensituationen optimal gewappnet ist. Sie ist also theoretisch genau das, was ich suche: Mountainbiken, Rennradln, Wandern, Klettern, Gleitschirmfliegen, Sterneschauen, Lagerfeuer, Biwakieren. Das alles mit nur einer Jacke?!

Alexandro Wöckner testet das Patagonia Nano-Air Hoody. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner
Alexandro Wöckner testet das Patagonia Nano-Air Hoody. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner

Patagonia: Machen die nicht was aus Flaschen?

Das seit 1973 bestehende Unternehmen Patagonia entwickelte sich aus der Idee, die damals verfügbare Kletterausrüstung zu verbessern. Heute ist Patagonia ein fester Bestandteil der Sport- und Outdoorbekleidungsbranche.

Die Firma ist nicht nur Mitbegründer der Allianz „One Percent for the Planet“ (Ein Prozent des Gesamtumsatzes oder zehn Prozent des Gewinns wird an Umweltorganisationen gespendet), sondern engagiert sich auch aktiv für das Recyclen von Materialien und eine nachhaltige Nutzung von Rohstoffen. Bei dem amerikanischen Unternehmen tritt auch Fairtrade immer mehr in den Vordergrund.

Der Anteil der recycelten Materialien im Nano-Air Hoody selbst ist nicht ganz nachvollziehbar – fairtrade ist es jedenfalls (noch) nicht. Aber nichtsdestotrotz ist die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens definitiv ein Schritt in die richtige Richtung!

Beim Biken schützt die Jacke zuverlässig vor Wind und Kälte. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner
Beim Biken schützt die Jacke zuverlässig vor Wind und Kälte. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner

Nano-Air®: Wer oder was ist das?

Das Nano-Air Hoody vereint die Vorteile von Fleece und Softshell mit einer wärmenden Synthetikfüllung. Das aus 100 Prozent Nylon bestehende Innenfutter ist elastisch und fühlt sich so kuschelig an wie ein Fleece. Die so genannte FullRange Stretch-Isolierung, ist nicht nur ebenfalls sehr elastisch, sondern glänzt zudem mit einer unglaublichen Luftdurchlässigkeit (40 CFM entspricht einem Durchfluss von etwa 19 Litern pro Sekunde).

Das Innenleben wird außen mit einem 100 Prozent Ripstop-Nylon und einer dauerhaft wasser- und schmutzabweisenden DWR-Imprägnierung kombiniert, was die Jacke nicht nur vor hoher mechanischer Beanspruchung schützt, sondern auch Schnee und leichten Regen abhält. Alles in allem hat man somit einen geschmeidigen Begleiter, der einen vor Kälte schützt und die Bewegungsfreiheit lässt, die man für sämtliche Outdooraktivitäten braucht. So viel zur Theorie, aber was sagt der ultimative Praxistest?

Die Synthetikfüllung sorgt für eine erhöhte Atmungsaktivität. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner
Die Synthetikfüllung sorgt für eine erhöhte Atmungsaktivität. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner

Hoody-Test beim Mountainbiken

Unsere alljährliche Mountainbike-Transalp startet diesmal in Oberstdorf. Die ideale Möglichkeit, um das Nano-Air Hoody von Patagonia auf Herz und Nieren zu testen. In der Regel nehmen wir keine Isolationsjacken auf unsere MTB-Transalp mit. Aber, da wir uns dieses Jahr in luftiger Höhe mit über 3000 Meter bewegen, ist eine Kunstfaser-Isolationsjacke der richtige Begleiter.

Aus der Produktbeschreibung erhoffe ich mir ein angenehmes Klima bei sportlicher Aktivität und einen großen Wohlfühl-Temperaturbereich. Put in on – leave it on, oder nicht? Bei Übernachtungen im hochalpinen Gelände freue ich mich ganz besonders auf eiskalte Hüttennächte und morgendliche Abfahrten!

Ich quetsche den Hoody also in den Packbeutel, der sich in der linken Seitentasche befindet und somit immer griffbereit ist. Das Reinfriemeln erfordert am Anfang ein wenig Geduld und Fingerspitzengefühl, aber das robuste Stretchmaterial übersteht die Aktion sehr gut. Im Rucksack verstaut, kann die Alpenüberquerung auch schon losgehen.

Die erste Nacht verbringen wir auf der Freiburger Hütte im idyllischem Lechquellengebirge. Wider Erwarten befreie ich die Jacke schon hier wieder aus ihrem Kompressionsbeutel. Ein bisschen zerknittert ziehe ich sie über ein T-Shirt und fühle mich gleich sehr wohl. Kein Kratzen und kein unangenehmes Kleben auf der Haut. Ich mag auch die beiden Brusttaschen, in denen auch die größten Smartphones und GPS-Geräte Platz haben. Die Reisverschlüsse machen einen robusten Eindruck – und was mir sehr wichtig ist: sie verklemmen nicht!

Patagonia Nano-Air Hoody: Rettung in der Nacht

Die Hütte ist bumsvoll – und uns armen Sportnahrung bleibt nur das Durchgangs-Matratzenlager (Anmerkung: Wir hatten weit über einen Monat im Voraus reserviert). Aufgrund der dünnen Decken und meinem leichten Hüttenschlafsack bleibt das Nano-Air Hoody beim Schlafen ganz einfach an. Das Resultat ist eine gemütliche Nacht – ohne zu schwitzen oder zu frieren. Die nächsten Tage der Transalp versprechen warmes Sommerwetter und die Jacke bleibt erstmal im Rucksack.

Auf dem Weg zum Rifugio Pizzini südlich des Cevedale-Massivs sieht es temperaturmäßig wieder ganz anders aus. Als wir das Val di Zebrù raufschieben, begleitet uns ein kalter Wind bis auf die Passhöhe auf 3.005 Meter. Ich ziehe das Hoody bei den mühseligen Schiebe- und Tragepassagen über mein Shirt, wobei mir ziemlich schnell ziemlich warm wird. Daher schnell wieder runter damit. Soviel zum Thema „Leave it on“. Für die Pause am Pass bei Starkwind, den Hüttenabend bei einem Glässchen Wein und die morgendlichen Panorama-Trailabfahrt ist die Jacke jedoch wieder unverzichtbar.

Hoody-Test beim Paragliding

Die Jacke überzeugt auch bei Hike&Fly-Aktivitäten | Foto: Veronika Rojek-Wöckner
Die Jacke überzeugt auch bei Hike&Fly-Aktivitäten | Foto: Veronika Rojek-Wöckner

Beim Gleitschirmfliegen hat man in der Regel das Problem, dass man bei sengender Hitze am Startplatz steht und sich dann im Idealfall in eisige Höhen hinaufschraubt. Wir machen primär Hike&Flys, das heißt wir sind zu Fuß zum Startplatz unterwegs und müssen im Idealfall nicht wieder runterlaufen.

Für diesen Einsatz habe ich bisher das Arcteryx Cerium LT Hoody aus Daune verwendet, das ein ausgezeichnetes Wärmepolster zwischen Körper und Hardshelljacke schafft. Auch wenn das Gewicht einer Daunenjacke unschlagbar ist, hat diese einige Nachteile: Das beim Cerium Hoody verwendete Außenmaterial klebt auf der Haut, die Jacke ist durch ihren Leichtbau nicht unbedingt robust und ein Durchschwitzen sollte vermieden werden, da ich die Daune nicht mit einer wöchentlichen Wäsche quälen möchte.

Kurz nach unserem MTB-Trip bietet sich ein verlängertes Wochenende zum Fliegen auf der Südalpenseite an. Beim Aufstieg bleibt die Patagonia-Jacke auf Grund der gnadenlosen Sommerhitze natürlich im Rucksack. Am Startplatz jedoch kommt das Neo-Air Hoody wieder zum Einsatz und enttäuscht mich kein bisschen. Trotz Sonne komme ich nicht ins Schwitzen und habe trotz zunehmender Wärmeentwicklung stets ein angenehmes Tragegefühl. In der Luft reguliert sich dann mein Wärmehaushalt ideal: Kein Schwitzen, kein Frieren – und das alles ganz ohne Regenjacke.

Patagonia Nano-Air Hoody – passt und lässt Freiraum zum Atmen

Patagonia hat das Nano-Air Hoody mit einem schlankem Schnitt versehen was bedeutet, dass die Jacke relativ eng am Körper anliegen soll. Ich gehe davon aus, dass in meinem Fall die Größe S (1,76 Meter, ca. 70 Kilogramm) enganliegend sein würde und die Größe M eher einem normalen Schnitt entspricht. Da ich die Jacke sowohl bei High Intensity-Sportarten wie dem Mountainbiken als auch bei Low Intensity Aktivitäten wie dem Gleitschirmfliegen einsetzen will, ist die Größe M optimal. Beim Biken bleibt der untere Rücken dadurch gut gewärmt und die Jacke rutscht weder hoch noch spannt sie irgendwo. Beim Fliegen habe ich unter der Isolationsschicht noch genug Platz für Langarmshirts oder ein zusätzliches Fleece.

Die Patagonia Nano-Air Hoody Jacke hält warm und schützt vor Wind. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner
Die Patagonia Nano-Air Hoody Jacke hält warm und schützt vor Wind. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner

Das Test-Fazit zur Isolationsjacke

Nach der Ankunft am Gardasee fällt mein Fazit zum Nano-Air Hoody von Patagonia durchaus positiv aus: Bei kühleren Temperaturen um 15 Grad Celsius fühlt man sich sehr wohl. Bei tieferen Temperaturen kann die Jacke durch ihre hohe Atmungsaktivität auch bei sportlichen Aktivitäten wie Wandern und Biken gute Dienste leisten. Die Wärmeleistung sinkt natürlich bei Wind, weswegen ich auf eine zusätzliche Hardshelljacke nicht verzichten würde. Ich freue mich aber schon auf den Winter, um die Wärmeleistung bei extremen Konditionen testen zu können.

Bei weniger intensiven Testbedingungen konnte die Jacke bei mir erst so richtig punkten und hat bewiesen, dass sich der Einsatzbereich der Jacke wirklich vielseitig gestaltet. Beim Gleitschirmfliegen, beim Hüttenabend oder sogar beim Schlafen war das Hoody stets ein treuer Begleiter. Im Vergleich zu alternativen Materialien wie Daune und Wolle sehe ich zusätzlich die Robustheit und die unkomplizierte Waschbarkeit der Jacke als einen großen Vorteil, wobei sich das Preis-Leistungs-Verhältnis noch im Langzeittest beweisen muss.

Daten und Fakten zum Nano-Air Hoody

Auf der Terrasse der Pizzini-Hütte schützt das Nano Air Hoody perfekt vor Wind und Kälte. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner
Auf der Terrasse der Pizzini-Hütte schützt das Nano-Air Hoody perfekt vor Wind und Kälte. | Foto: Veronika Rojek-Wöckner
  • Ausstattung: Front-Reißverschluss mit nässeableitender Schieberabdeckung am Kinn für mehr Hautkomfort; zwei Handwärmtaschen; Brusttasche links; schlank anliegendes Stretch-Bündchen; Saum mit zweifach regulierbarer Zugkordel; Kapuze
  • Schnitt: lang, schlank (S) bis normal (M)
  • Außenmaterial: 100 Prozent Nylon (Ripstop Nylon mit DWR-Imprägnierung)
  • Isolationsmaterial: 100 Prozent Polyester (FullRangeTM)
  • Innenmaterial: 100 Prozent Nylon
  • Gewicht: 396 Gramm (Größe M)
  • Packmaß: 25 cm x 14 cm x 10 cm (Packbeutel = Seitentasche)
  • Pflege: 40 Grad Celsius waschbar
  • Preis: 250 Euro

 

Mehr zu den Themen Isolationsjacke und Patagonia im Bergzeit Magazin

 

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