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Put it on - leave it on

Patagonia Nano-Air im Test: Isolationsjacke für jede Lage

7 Minuten Lesezeit
Einmal angezogen - nie mehr ausgezogen. Zu dieser Kategorie gehört die Patagonia Nano Air. Die atmungsaktive Isolationsjacke macht im Test alles mit, was mit Bewegung und verdienter Pause zu tun hat, und hält dabei in jeder Situation angenehm warm.

„Put it on – leave it on“ – das ist das Werbeversprechen von Patagonia für die neue Nano-Air Jacke. Wenn man diesem Versprechen Glauben schenken darf, ist es die Jacke, nach der ich seit über 30 Jahren suche. Die Jacke, die man am Morgen an- und erst nach einem langen Tourentag – wenn überhaupt – wieder auszieht. Die Jacke, die alles mitmacht und die man nicht spürt. Die warm hält, wenn es kalt und windig ist, aber die Körperwärme nach außen abgibt, wenn die Muskeln vor Anstrengung brennen und der Atem weiße Wolken in den klaren Himmel zeichnet. Die in der Sonne nicht zu dick und in der Kälte nicht zu dünn ist. Die Jacke, die alle anderen Jacken überflüssig macht. Sollte es diese Jacke wirklich geben?

Die Testtour wird es zeigen

Gemacht für Stop-and-Go-Aktivitäten: Die Patagonia Nano-Air wärmt beim Pausemachen behaglich - ohne Friergefahr, denn die atmungsaktive Isolationsjacke lässt beim Aufstieg genügend Dampf ab und damit überschüssigen Schweiß nach außen. | Foto: Archiv Stark
Gemacht für Stop-and-Go-Aktivitäten: Die Patagonia Nano-Air wärmt beim Pausemachen behaglich – ohne Friergefahr, denn die atmungsaktive Isolationsjacke lässt beim Aufstieg genügend Dampf ab und damit überschüssigen Schweiß nach außen. | Foto: Archiv Stark

Dienstag, 6. Januar, der Wecker klingelt um vier Uhr. Put it on… ein dünnes Funktionsshirt, ein langärmeliges, dünnes Patagonia Capilene-Shirt und die Nano-Air. Kurz bei minus fünf Grad mit den Hunden raus. Danach ein schnelles Frühstück im Warmen und ab ins kalte Auto. Das Ziel ist der Ort Haggen im Sellrain in den nördlichen Stubaier Alpen. Unterwegs noch Dirk einsammeln. Gemeinsam wollen wir durch das Kraspestal und über den Kraspesferner auf den Zwieselbacher Rosskogel (3.081 Meter).

Mittlerweile zeigt das Thermometer minus neun Grad Celsius. Schneeschuhe anziehen, Rucksack schultern und los geht es. Lille, der schwarze Labrador, kann es kaum erwarten, in den vom Vollmond beschienenen Morgen zu laufen. Die Patagonia Nano-Air habe ich immer noch an. Eigentlich bemerke ich sie gar nicht. Die Temperaturunterschiede hat die Isolationsjacke bisher problemlos weggesteckt und mir immer ein behagliches Wärmegefühl vermittelt.

Patagonia – seit 30 Jahren mit auf Tour

1983, das ist jetzt über 30 Jahre her, habe ich meine erste „wirkliche Outdoorjacke“ gekauft. Eine Fleecejacke von… Patagonia. Nachdem sie mich viele Jahre treu in den Bergen begleitet hat, hängt sie heute noch immer in meinem Kleiderschrank und kommt auch noch regelmäßig zum Einsatz. Seit dieser Zeit bin ich unablässig auf der Suche nach dem perfekten Bekleidungssetup, nach der perfekten Kombination, die alles mitmacht. Ein Bekleidungsstück wie ein Hundefell. Hunde ziehen sich nie um und sind immer perfekt gekleidet. Dabei bin ich immer wieder über Patagonia gestolpert, und so wundert es nicht, dass viele Bekleidungsstücke der US-Marke den Weg zu mir gefunden haben – so auch die Nano-Air Isolationsjacke.

Besser kann sich auch der Hund nicht fühlen: Die Patagonia Nano-Air ist die ideale Isolationsschicht. | Foto: Archiv Stark
Besser kann sich auch der Hund nicht fühlen: Die Patagonia Nano-Air ist die ideale Isolationsschicht. | Foto: Archiv Stark

Patagonia entstand 1972 als Bekleidungssparte von Chouinard Equipment, dem von Yvon Chouinard geführten, damalig größten Hersteller von Kletter-Hardware in den USA. Maßgeblich arbeitete der Hersteller an der Entwicklung von Materialien, die die Feuchtigkeit vom Körper nach außen ableiten. Diese Entwicklung gipfelte dann, konsequent weitergedacht, in der Einführung eines Schichtenprinzips in der Bekleidung. Heute ist es für die meisten Outdoorsportler selbstverständlich, eine feuchtigkeitsregulierende untere Schicht auf der Haut zu tragen, darüber eine Isolationsschicht und diese, bei Bedarf, mit einer Außenschicht zum Schutz vor Wind und Nässe zu kombinieren.
Patagonia hat außerdem damit begonnen, Recycling-Polyester, zunächst primär aus PET-Flaschen, zu verarbeiten. Heute gehen sie soweit, dass sogar Kleidungsstücke selbst wiederverwertet werden können und daraus neue Produkte entstehen. „Kaufen Sie jedes Jahr ein Neues und lassen das Alte im Schrank liegen!“ ist nicht das Credo bei Patagonia. Dieses Umweltbewusstsein und die daraus folgenden Taten finde ich bei Patagonia sehr sympathisch.

Bestes Klima in der Patagonia Nano-Air Jacke

Zurück am Berg graut langsam der Morgen. Die umliegenden Gipfel werden bereits von der Sonne erfasst, während wir durch das schattige, kalte Tal weiter bergauf steigen. Die Körpertemperatur steigt und gibt die überschüssige Wärme an die Umgebung ab. Das Klima in der Patagonia Nano-Air ist, nach wie vor, hervorragend. An den steilen Bergflanken erfordert die akute Lawinensituation nach dem anstrengenden, schnellen Aufstieg ein geduldiges Warten in der schattigen Kälte. Die Temperatur ist noch deutlich unter null Grad. Nach einem weiteren, kraftzehrenden Anstieg erreichen wir das weitläufige Becken des Kraspesferner. Auch jetzt in der Sonne fühle ich mich mit der Nano-Air genau richtig angezogen. Nach Durchschreiten des kleinen Ferners folgt der Aufstieg zum Grat, die Schneeschuhe kratzen über den verharschten Schnee, das Gehen erfordert hohe Konzentration. Schön, wenn man sich auch jetzt keine Gedanken um die Kleidung machen muss.

Funktionale Kunstfaser-Isolationsjacke

Funktionale Passform: Die Stretch-Isolationsjacke sitzt eng am Körper, die im oberen Bereich fehlenden Nähte verhindern Kältebrücken, Ärmelbündchen und Saum der Nano-Air schließen winddicht ab. | Foto: Archiv Stark
Funktionale Passform: Die Stretch-Isolationsjacke sitzt eng am Körper, die im oberen Bereich fehlenden Nähte verhindern Kältebrücken, Ärmelbündchen und Saum der Nano-Air schließen winddicht ab. | Foto: Archiv Stark

Gedanken haben sich aber offensichtlich die Konstrukteure und Designer bei der Entwicklung der Patagonia Nano-Air Isolationsjacke gemacht und sich dabei von ihrer Erfahrung und der erforderlichen Funktionalität leiten lassen. So kommen Brust- und Rückenbereich der Nano-Air ohne zusätzliche Nähte aus. Dort liegt die dehnbare Isolation, eine neu entwickelte Kunstfaser-Isolierung aus Polyester mit dem treffenden Namen „FullRange™“, frei zwischen dem angenehm glatten, weichen Futter der Nano-Air und der robusten Außenhaut aus Ripstop-Nylon. Keine Nähte bedeuten in diesem Fall keine Kältebrücken und keine Wasserschleusen. Das Außenmaterial der Isolationsjacke ist sehr angenehm im Griff und kann, dank einer DWR-Imprägnierung, leichten Regen und Schnee abhalten.

Bewegungsfreiheit durch Stretch und körpernahe Passform

Durch den enorm elastischen Stretch sitzt die Isolationsjacke jederzeit angenehm eng über der Funktionskleidung und macht jede Bewegung mit. Die Armabschlüsse sind elastisch eingefasst und lassen sich, dank des Stretchmaterials, zur Wärmeregulierung leicht hochschieben und herrunterziehen. Dabei schließen sie jederzeit winddicht ab. Auch durch das Öffnen oder Schließen des Front-Reißverschlusses lässt sich die abgegebene Wärme perfekt regulieren. Im Saum befindet sich eine zweifach verstellbare Zugkordel, die, einmal eingestellt, nicht mehr verändert werden muss.

Minimalismus in Perfektion

Die minimalistisch ausgestattete Patagonia Nano-Air verfügt außerdem über eine Reißverschluss-Brusttasche und zwei klettergurttaugliche Handwärmtaschen, ebenfalls mit Reißverschlüssen versehen. Diese Reißverschlüsse sind für mich der einzige Kritikpunkt, da sie sehr filigran sind und mit Handschuhen nicht leicht zu bedienen. Dafür tragen sie natürlich nicht auf und somit kann man mit diesem Manko sehr gut klarkommen. Nettes Detail, die Zippergarage des Front-Reißverschlusses ist zweigeteilt, und so sind beide Reißverschlussenden auch bei geöffneter Jacke abgedeckt und kratzen nicht.

Und wenn es stürmt und schneit?

Bei sehr starkem, kaltem Wind und heftigen Schauern kommt die Patagonia Nano Air an ihre Grenzen. Dann ergänzt die Hardshelljacke, die bei jeder Bergtour im Rucksack steckt, die wärmende Isolationsjacke ideal. Bei mir kann heute die Hardshell selbst am stürmischen Gipfel im Rucksack bleiben. Nach dem vereisten Gipfelgrat, der noch einmal Konzentration erfordert, genießen wir die verdiente Rast am höchsten Punkt des Zwieselbacher Rosskogels. Verschmitzt schaue ich meinen schwarzen Labrador an und denke, endlich eine Jacke, die Deinem Fell (fast) ebenbürtig ist.

…leave it on: Test-Fazit zur Patagonia Nano-Air Isolationsjacke

Kann die Patagonia Nano-Air wirklich alle meine Jacken ersetzen? Nein, das kann sie nicht ganz. Eine Hardshelljacke gehört in den Bergen unbedingt dazu, denn das Wetter kann sich sehr schnell in jede Richtung entwickeln. Die Nano-Air ist aber die perfekte Isolationsschicht – warm, leicht und atmungsaktiv. Getestet habe ich die Jacke mit zwei GoreTex-Varianten. Dabei ist die Atmungsaktivität sowohl bei Gore-Tex® Active als auch bei Gore-Tex® Pro absolut gegeben, da der Außenstoff der Nano-Air kein Wasser aufsaugt, sondern nach außen abgibt. So kann jede Membran wie erwünscht atmen.

Und auch sonst ist die Patagonia-Jacke mein absoluter Favorit. Sie macht dankt Stretch-Material alles mit und man fühlt sich immer wohl. Egal ob Schneeschuhtour, Skitour, Langlauf, Trailrunning oder Klettern in Fels und Eis, die Nano-Air hat mich in den letzten Wochen überzeugt. In der kühlen und kalten Zeit ist es wirklich so, dass man die Nano-Air einfach anbehalten möchte. Oftmals habe ich sie morgens an- und erst am Abend wieder ausgezogen. Bei langen Touren im Sommer wird die Patagonia Nano-Air ebenfalls den Weg, diesmal in den Rucksack, finden. Als (Kälte-)Reserve für alle Fälle.

  • Zur Patagonia Nano-Air Jacke bei Bergzeit

Die Isolationsjacke gibt es in der klassischen Jacket-Form oder als Hoody. Neu, ab Frühjahr 2015, wird mit der gleichen Isolierung und Machart eine Weste von Patagonia angeboten.

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