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Schlimmer geht immer

Pokhara und Manakamana: Einsame Biketrails in Nepal

4 Minuten Lesezeit
Auch wenn Thomas Planks Sturz beim Mountainbiken seinem Optimismus nicht anhaben konnte, folgt der nächste Rückschlag prompt. Das Bike stellt er dennoch nicht in die Ecke, immerhin locken auch Pokhara und Manakamana mit tollen Downhills.

Leider kam es schlimmer. Eine Woche nach meinem Mountainbike-Sturz hätten im Krankenhaus die Fäden entfernt werden sollen. Stattdessen entfernt der Arzt nur den äußersten Stich und öffnet die Wunde am Knie. Neben einer schlimmen Infektion angelt er allerhand andere Dinge – Steine, Dreck und Metall – aus der Verletzung. Geplagt von Schmerz und Ekel kämpfe ich dagegen an das Bewusstsein zu verlieren. Der Arzt spült die Wunde mehrere Male mit Betadine und destilliertem Wasser aus und quetscht die Flüssigkeit – ohne Rücksicht auf meine Hämatome zu nehmen – mit aller Kraft wieder aus der Wunde. Nach dieser Malträtur schleppe ich mich mit Not zurück zum Hotel und falle erschöpft ins Bett. Als ob ich einen Marathon gelaufen wäre!

Zwei Tage später sieht die Wunde deutlich besser aus und ich kann Kathmandu endlich verlassen. Ausgerüstet mit fünf verschiedenen Antibiotika, unseren Bikes und leichtem Gepäck machen wir uns auf nach Pokhara mit einem Zwischenstopp in Manakamana. Mit der Gondel überwinden wir schnell die Höhenmeter nach Manakamana, einer viel besuchten Pilgerstätte nähe Gorkha. Die vielen Tiere, die mit der Gondel hinauf gekarrt werden, verlangen eine Materialgondel, die – zweckentfremdet – wunderbar für unsere Bikes geeignet ist.

Ein Schlachtfest olympischen Außmaßes

Die Tiere, meistens Ziegen, werden in Manakamana geopfert. Während der Nacht sind sie vor den Hotels angebunden und warten auf ihr nahendes Ende. Für unser europäisches Empfinden ist es schwer nachvollziehbar, wie besonders an Wochenenden ein Schlachtfest olympischen Ausmaßes gefeiert wird. Abseits von diesem Spektakel finden sich jedoch einsame Downhills, die technisch, steil und der wahre Grund unseres Besuches sind.

Einsame Downhills in Manakamana

Manakamana bringt unsere Bremsen zum Glühen und verlangt unseren Bikes einiges ab. Wir werden aber nicht minder gefordert. Temperaturen um die 37°C setzen uns heftig zu, so dass unser Ticket, das für zwei Auffahrten gültig ist, vollkommen ausreicht. Manakamana bietet Abfahrtsvergnügen der Sonderklasse. Zwar gibt es keine präparierten Strecken, doch die natürlichen Anstiege sind aufgrund der Gondel, die viel Schweiß bergauf spart, kaum frequentiert. Lediglich wenige einheimische Feldarbeiter sind auf den Wegen unterwegs, auf die Rücksicht genommen werden muss.

Pokhara punktet mit Seeblick

Heute ist der letzte Tag bevor Morgen unser Flieger nach Jomsom abhebt und unser Upper Mustang Trip beginnt. Wir sind in Pokhara und ich bin immer noch nicht fit. Immer noch schlucke ich drei verschiedene Antibiotika, immer noch habe ich fünf Fäden im Knie. Diese sollen eigentlich Morgen entfernt werden, doch das Risiko eventuell mitzufliegen und nicht radeln zu können ist mir zu groß. Schließlich habe ich mein Knie seit die Fäden drin sind, mittlerweile sind es 13 Tage, kaum bewegt. Also machen wir uns an die Arbeit, ziehen die Fäden und brechen zu einer Testfahrt auf.

Wir strampeln bei unglaublicher Hitze stetig bergauf. Es geht auf Pokharas Hausberg, den Sarangkot. Wir passieren den Startplatz der Paraglider und schauen dem Schauspiel der Starts und Tandem-Starts gebannt zu. Kurz später sind wir oben am Aussichtsturm mit wunderbarem Blick auf den See von Pokhara und die World Peace Stupa, die auf dem etwas niedrigeren Berg gegenüber von uns auf der anderen Seeseite thront. Mein Knie hat die lange und anstrengende Auffahrt ganz gut überstanden. Lediglich das Antibiotikum macht mich schlapp und raubt meinem Körper noch zu viel Energie. Mit Knee Pads ausgerüstet starten wir den Downhill und mein Gefühl fürs Bike, sowie mein Selbstbewusstsein kommen allmählich zurück.

Viele Stufen und enge Spitzkehren bei den das Vorder- und Hinterrad versetzt werden muss verlangen viel Konzentration. Danach flacht der Trail ab und wir heizen über flowige Wellen direkt auf den tiefblauen See zu. Breit grinsend rollen wir am Seeufer zurück nach Pokhara. Alle sind in Feierlaune, denn zu Jos Geburtstag gönnen wir uns nach der Testfahrt eine Thai Massage und das Wichtigste: der Flieger morgen hebt definitiv nicht ohne mich ab!

Die geeigente Ausrüstung für’s Freeriden gibt’s bei Bergzeit:

Freeride Nepal: Mehr von Thomas Planks Projekt

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