Nach der Pause in Albanyà geht es auf alten Schmugglerpfaden und durch alte Korkeichen-Plantagen weiter nach Beget. Nach dem Coll de Riu wartet eine frische Belohnung auf die Mountainbiker. Die Passage am GR11 entpuppt sich hingegen als fordernder Trail.

Die Teerstraße endet kurz nach Albanyà beim Campingplatz am Fluss. Danach beginnt die Auffahrt, zunächst auf Betonplatten, dann auf Schotter. Die richtig steilen Stücke sind allerdings weiterhin betoniert. Plötzlich öffnet sich der dichte Wald und wir haben einen phantastischen Blick über das gesamte Tal zurück bis Albanyà. Nach gut zwei Drittel der Auffahrt kommen wir an einem verschlossen wirkenden Gemäuer vorbei: Can Nou. Auf unser Rufen hin erscheint eine alte Frau in einem der oberen Fenster und meint, dass wir Getränke haben könnten. Die Küche sei allerdings derzeit geschlossen. Unsere Mägen knurren und wir überlegen kurz, ob wir hier schon Pause machen sollen, beschließen aber dann doch, zuvor noch den gesamten Aufstieg hinter uns zu bringen und lieber bei der Brotzeit die Aussicht vom Pass zu genießen. Die letzten 50 Höhenmeter sind nochmal steil. Endlich sind wir mit unseren Mountainbikes oben, nach insgesamt 780 Höhenmeter. Aussicht gibt’s allerdings keine. Der Coll de Riu ist völlig unspektakulär und ebenso dicht bewaldet, wie die Auffahrt zuvor. Die Brotzeit schmeckt natürlich trotzdem.

Die Eremita Sant Feliu de Riu

Pyrenäen Cross Foto: B.Wenzl, F. Hartl
Die Eremita Sant Feliu de Riu ist jeden noch so kleinen Abstecher wert. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Nach etwas mehr als der Hälfte der folgenden Schotterabfahrt ist links die Eremita Sant Feliu de Riu ausgeschildert. Der Abstecher beträgt nur ein paar Meter und so rollen wir natürlich kurz hin. Das Kirchlein gleicht der vom Vormittag sehr, ist auch aus dem 12. Jahrhundert, hat eine ähnliche Form, wenn auch der Glockenturm nicht ganz so hoch ist. Und auch ihr fehlt ein Auge. Sogar dasselbe. Weitere zwei Schotterkilometer später erreichen wir den Riera de Sant Aniol, ein schmales, aber wild-romantisches Flüsschen, das sich von den Höhenzügen der Alt Garrotxa herunterschlängelt und gerade im oberen Bereich viele schöne Gumpen bildet.

Kurz bevor wir die berühmte alte Steinbrücke erreichen zweigt rechts eine schöne, parallel zum Fluss verlaufende Forststraße ab, die bis kurz vor die Gumpen reicht. Dann noch ein kurzes Stück Waldtrail und ein paar Meter zu Fuß und wir haben sie erreicht. Eine spanische Großfamilie ist hier bereits am Plantschen – der Schotterstraße sei Dank.

Baden an der Pont d’en Valenti

Pyrenäen-Cross, Foto: B. Wenzl, F. Hartl
Badespaß an der Pont d’en Valenti. Wer ein paar Meter dem Flu folgt findet sicher einen ruhigen udn einsamen Gumpen um sich zu erfrischen

Wir klettern noch etwas weiter flussaufwärts und genießen ungestört ein paar sehr erfrischende Minuten. Dann rollen wir zurück bis zum Abzweig und weiter bis zu der alten kleinen Steinbrücke Pont d’en Valenti. Auf ihr überqueren wir den Sant Aniol, wie vor uns schon Generationen von Kaufleuten, fahrenden Händlern, Schmugglern, Banditen und reichen Edelleuten: Diese Brücke war in früheren Zeiten der zentrale Zugang zur Alta Garrotxa und entsprechend stark frequentiert. Danach geht es hoch bis Talaixà. 440 Höhenmeter, von denen leider kaum etwas fahrbar ist. Zum Glück müssen wir das Bike aber wenigstens nicht tragen. Der Pfad ist zwar schmal und steil, bietet aber immerhin noch genug Platz zum Schieben. Talaixà an sich ist kein wirkliches Dorf mehr, es ist nicht einmal mehr durchgehend bewohnt. Zwar gibt es immer noch ein paar einfache Steinhäuser und die kleine Kirche San Marti, die von besseren Zeiten zeugen. Dass hier aber einst über 130 Menschen gelebt haben sollen (anno 1918), daran erinnert nicht mehr viel. Geschmuggelt wird nicht mehr und auch Korkeiche wird keine mehr angebaut, zumindest nicht hier. Was bleibt sind nur ab und an ein paar Wanderer.

GR11 und seine Schiebepassagen

Schilder auf dem Weg zum Refugio Pyrenäen Cross Foto: B.Wenzl, F. Hartl
Selbstgemachte Schilder auf dem Weg zum Refugio. Authentisch wirkt hier in den Vorpyrenäen alles, nicht nur die Schilder

Der GR 11 kommt hier vorbei und es gibt auch ein paar recht lohnende Gipfel. Eines der Steinhäuschen ist als „Refugio“ umfunktioniert worden und bietet zwölf spartanische Lagerplätze. Sehr lässig ist allerdings der handgeschriebene Wegweiser: Auch wir folgen nun dem GR11 bergab auf einem teilweise sehr anspruchsvollen Trail, bei dem nicht nur wir Mädels einiges schieben.

<h2class=“directory“>Auf mit dem Bike nach Beget

Unten treffen wir wieder auf einen Schotterweg und machen uns an unseren letzten Anstieg von nochmals 300 Höhenmeter. Die folgende letzte Abfahrt hinunter nach Beget ist wieder Trail und wieder ziemlich anspruchsvoll und nicht komplett fahrbar. Als wir schließlich in Beget ankommen, dämmert es schon und Mutzi erwartet uns ganz besorgt. Schon lange hatten wir keinen Handyempfang mehr gehabt und konnten ihm nicht Bescheid geben, dass es wohl etwas länger dauern würde als ursprünglich gedacht. Super schön war‘s aber trotzdem! Beget ist ein kleines Bergdorf mit einer sehr schönen alten Kirche aus dem 12. Jahrhundert: Sant Cristòfor ist ein prächtiges, unverfälschtes Beispiel der Romanik der Vorpyrenäen. Neben dem 22 Meter hohen Glockenturm beeindruckt besonders der Hauptaltar, den eine über zwei Meter große bemalte Christusfigur aus Holz schmückt, genannt „die Majestät von Beget“.


Pyrenäen-Cross

Pyrenäen-Cross, Foto: B. Wenzl, F. Hartl
Das Buch zur Serie: Pyrenäen-Cross – mit dem Mountainbike vom Mittelmeer zum Atlantik

Mit dem Mountainbike vom Mittelmeer zum Atlantik

Im Bergzeit Magazin beleuchten wir etappenweise einen Pyrenäen-MTB-Cross vom Mittelmeer zum Atlantik. Es geht in 14 Etappen von Ost nach West, also vom Mittelmeer zum Atlantik. Insgesamt sind es 1.008 Kilometer und 27.045 Höhenmeter, die hier gefahren werden. Jede Etappe wird jeweils in zwei Teilen beschrieben, so dass die Distanz auch einfach in zwei Tagen zu fahren ist. Immerhin sind die Etappen sportlich und mitunter recht anspruchsvoll, auch Tragepassagen können vorkommen. Durch die Aufteilung kann man den Pyrenäen-MTB-Cross auch langsamer und ruhiger angehen. Die Autoren und ihre Mitfahrer haben sich führ ihre Tour den Luxus des Gepäcktransportes gegönnt, damit sie sich voll und ganz auf die Fahrt durch die beeindruckende Landschaft der Pyrenäen konzentrieren können. Das Buch zu unserer Pyrenäencross-Serie ist mit vielen Tipps und weiteren Infos als Taschenbuch im Verlag Editorial Montana erschienen und über den Bergzeit Shop erhältlich.

Pyrenäen-Cross | Birgit Wenzl und Frank Hartl | Verlag Editorial Montana | ISBN: 978-3-9814962-1-5 | 224 Seiten | Format 148 x 210 mm | mehr als 150 Farbbilder | 24,95 Euro

Die Etappen im Überblick

1. Etappe: Cap de Creus – Llançá // Llançá – Darnius
2. Etappe: Darnius – Albanyà // Albanyà – Beget
3. Etappe: Beget – Pardines // Pardines – Toses
4. Etappe: Toses – Bellver de Cerdanya // Bellver de Cerdanya – Andorra
5. Etappe: Andorra – Llavorsí // Llavorsí – Espot
6. Etappe: Espot – Sant Maurici – Espot // Espot – Espui
7. Etappe: Espui – Castellars // Castellars – Bonansa
8. Etappe: Bonansa – Seira // Seira – Plan
9. Etappe: Plan – Nerín // Nerín – Torla
10. Etappe: Torla – Biescas // Biescas nach Sallent de Gállego
11. Etappe: Sallent de Gállego nach Gabas // Gabas nach Candanchu
12. Etappe: Candanchu – Ansó // Ansó nach Ochagavia
13. Etappe: Ochagavia – Roncesvalles // Roncesvalles – Elizondo
14. Etappe: Elizondo nach Etxalar // Etxalar – Cabo Higuer

Alles für’s Mountainbiken gibt’s bei Bergzeit:

Mehr zum Them MTB im Bergzeit Magazin:

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