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Acht Minuten am Rheinfall

Der Rheinfall in Schaffhausen im Zweier-Kajak – eine Erstbefahrung

150 Meter breit und rund 23 hoch - bei winterlichem Niedrigwasser gerät der Rheinfall ins Visier der Kajakprofis. Spektakuläre Befahrungen gab es in den letzten Jahren viele - doch noch nie in einem Zweier-Kajak. Bis zum 30. Dezember 2015.

Vier Jahre ist es her, dass ich diesen riesigen, monströsen Wasserfall das erste Mal im Kajak runtergepaddelt bin. Seither träume ich, wie es wohl wäre ihn – den majestätischen Rheinfall – zu zweit in einem Doppelkajak zu befahren. Die letzten Wochen an der Uni waren anstrengend, in den freien Tagen über Weihnachten will ich endlich wieder ins Kajak. Nur, wohin? Die Temperaturen sind hoch, doch es ist kein Regen in Sicht, der die Flüsse füllt. Kurz vor Silvester erreicht die Sehnsucht ihren Gipfel: ich greife zum Telefon. „Pirmin, hast du Zeit zum Paddeln?“ Wieder stellt sich die Frage: Wohin? Winterliches Niedrigwasser bietet uns Paddlern in der Regel nur wenige Optionen, schnell kommt mir der lang gehegte Traum in den Sinn. Das derzeit einzige schwierige Wildwasser mit verlockenden Wasserständen ist der Rheinfall. Sollen wir es wagen? Lohnen sich mühselige acht Stunden Autofahrt für acht aufregende Minuten im Kajak?

Auf geht’s zum Rheinfall

Im Sommer tummeln sich am Rheinfall die Touristen, im Winter lockt sein Niedrigwasser - trotz Verbot - Kajakprofis zu spekakulären Befahrungen. | Foto: iStock/photogearch
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Im Sommer tummeln sich am Rheinfall die Touristen, im Winter lockt sein Niedrigwasser – trotz Verbot – Kajakprofis zu spekakulären Befahrungen. | Foto: iStock/photogearch

Mangels Alternativen ist der Rheinfall gesetzt. Obwohl eine Befahrung des Falles seitens der Schweizerischen Behörden verboten ist, reizt diese Herausforderung seit gut zehn Jahren jeden Winter so manchen Kajakexperten – nicht ohne für Schlagzeilen zu sorgen: Im November 2006 bescherte ein spektakulär und gefährlich versenktes Kajak Niels Kagel und Bernhard Mauracher einen Auftritt bei Stern-TV. Ron Fischer sorgte 2011 mit der ersten Nacht-Befahrung für Wirbel. Mariann Saether schrieb im gleichen Jahr als erste Frau am Rheinfall Kanugeschichte. Erstbefahrer war übrigens schon 1976 der Tscheche Janusz Hanlik. Nur in einem Zweier-Kajak hat es bisher noch niemand probiert …

Drei Kumpels sagen noch für den spontanen Trip zu und schon rollt die Logistik. Damit wir noch vor Mitternacht in der Schweiz ankommen, packen wir im Eiltempo. Flott geht’s bis nach Lindau, dann zieht sich der Weg entlang des Bodensees bis wir endlich Schaffhausen erreichen. Sechs Stunden Schlaf im Bus müssen reichen, bevor wir uns zum Touristenparkplatz am Rheinfall aufmachen.

Der Rheinfall im Zweier-Kajak: eine packende Angelegenheit

Pirmin und ich nehmen uns Zeit, um die Linie für unsere Befahrung – den Einstieg, die Anfahrt, den Wasserfall und die Landung – zu zweit zu besichtigen. Wir laufen den gesamten Fall ab, der dichte Nebel erlaubt an diesem Tag nur zehn bis zwanzig Meter Sicht. Es ist wichtig, dass wir uns beide die Linie ganz genau merken. Als Team müssen wir uns hundertprozentig sicher sein, dass wir beide bereit für das Abenteuer sind.

Die Befahrung des Rheinfalls ist eigentlich verboten - und auch keine ungefährliche Angelegenheit, erst recht im Zweier-Kajak. | Foto: Kalti und Pirmin
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Die Befahrung des Rheinfalls ist eigentlich verboten – und auch keine ungefährliche Angelegenheit, erst recht im Zweier-Kajak. | Foto: Kalti und Pirmin

150 Meter breit und rund 23 hoch ist der Rheinfall. Im Winter laufen im Schnitt 200.000 bis 250.000 Liter Wasser pro Sekunde herunter. Niedrigwasser, nur dann ist der mächtige Fall für Paddler überhaupt fahrbar. Oberhalb des Falles läuft der Rhein sehr ruhig an. Kurz vor der ersten Fallkante ist die Strömung bereits reißend und schnell. Ist der erste Wasserfall geschafft, teilt sich der Rheinfall in eine linke und eine rechte Linie. Wir wählen für unsere Befahrung die rechte. Nach einem kleinen Pool unterhalb des Aussichtsfelsens geht es weiter nach rechts, um anschließend steil bergab in einen großen Pool zu stürzen, der uns zum Ausstieg bringt. Das Becken am Fuß des Rheinfalls ist 13 Meter tief – Platz genug zum Abtauchen ohne Steinberührung.

Auf dem reißenden Rhein

Nach zweistündiger Besichtigung von beiden Ufern steht fest: wir tun es! Wir parken die Autos am Ausstieg, deponieren die Boote am Einstieg, ziehen uns um. Es muss schnell gehen, denn die Schweizerischen Behörden sehen Rheinfall-Paddler nicht gern. Immer mehr fängt auch der Bauch an zu kribbeln. Die Anspannung steigt enorm. Wir besprechen eine Reihenfolge mit unseren Safety-Paddlern und schnallen uns anschließend fest ins Kajak. Noch ein High Five mit Pirmin, die GoPros einschalten und los geht es auf den reißenden Rhein.

Weg vom Ufer müssen wir nun als Team perfekt funktionieren. Wir sprechen uns ab, um in der Nebelsuppe die entscheidende, zwei bis drei Meter breite Durchfahrt für die Ideallinie zu erwischen. Von einer Anfahrt außerhalb dieses Korridors – zu weit links oder zu weit rechts – ist in jedem Fall abzuraten! Das Wasser beginnt zu ziehen, doch die Abrisskante ist durch den Nebel kaum zu erkennen. Trotzdem ist klar: es ist nicht mehr weit. Fünf Meter noch bis zur Kante – wir sind auf perfektem Kurs und haben die Ideallinie zu 100 Prozent geschafft. Erst der Fall, dann schön nach rechts orientieren und in die Zwischenstation, den Pool unter dem Aussichtsfelsen, einparken. Yes! Die erste Schwierigkeit liegt hinter uns.

Jetzt sind es noch drei Kurven und eine Riesenrutsche in eine Wasser-Walze, die einen Omnibus verschlingen könnte. Unser Safety-Team erwartet uns bereits im großen Pool am Fuß des Rheinfalls. Noch einmal müssen wir uns konzentrieren, dann legen wir los für den zweiten Teil: Die Linie passt perfekt, jetzt nur noch klein machen und in die Walze schießen. Es wird dunkel – Luft anhalten – Eskimo-Rolle – und geschafft! Pirmin und mir gelingt die Rolle synchron, sodass wir ohne Probleme wieder mit dem Kopf über Wasser kommen. Jaaaaaaaaaaaaaaaawohl!!! Die Freude ist riesig. Ein Traum geht in Erfüllung: Wir haben den Rheinfall mit dem Zweier-Kajak (Jackson-Duo) bezwungen!

Video zur Rheinfall-Befahrung

Martin Kaltenbach

Ich komme aus einer Kajak-Familie und habe schon mit drei Jahren schwimmen gelernt, damit ich die Erlaubnis meiner Eltern bekam, ins Kajak zu steigen. Zusammen mit meiner Family habe ich viele Länder mit Auto und Wohnwagen bereist, um Kajak zu fahren. Mit der Zeit wurden die Flüsse immer schwieriger und die Gebiete entfernter - so habe ich Norwegen, Kalifornien und Russland bereist, um dort die Flüsse zu erkunden. Neben Studium, Arbeit und kleiner Tochter versuche ich auch jetzt noch möglichst viele Tage im Jahr im Kajak zu sitzen. Für mich ist Kajakfahren nicht nur ein Hobby, sondern eine Leidenschaft. Ein Sport, bei dem ich verschiedene Länder, Kontinente, Menschen, Tiere und vieles mehr zu sehen bekomme. Pfeil Alle Artikel von Martin Kaltenbach