Draußen ausprobiert
Die Saucony Peregrine 6 Ice+ Winterlaufschuhe sollen Wind und Wetter trotzen und sind mit der Vibram Arctic Grip Sohle ausgestattet, die auf eisigem Untergrund für einen optimalen Grip sorgen soll. Im Test mussten sich die Schuhe beweisen.

„Maximale Reibung auf Schnee und Eis sowie optimale Flexibilität bei tiefen Temperaturen“ – so preist der Produkttext den Peregrine 6 Ice+ von Saucony an. Als Ganzjahres-Trailrunner lässt mich dieser Satz aufhorchen. Ist der Saucony Peregrine 6 Ice+ die neue Winterwunderwaffe? Schließt er die Lücke zwischen herkömmlichem Laufschuh mit Gore-Tex und Spike-Laufschuh?

Die Vibram Arctic Grip Sohle des Saucony Peregrine 6 Ice+ sorgt für perfekten Halt auf Schnee und Eis. | Foto: Arnold Zimprich
Die Vibram Arctic Grip Sohle des Saucony Peregrine 6 Ice+ sorgt für perfekten Halt auf Schnee und Eis. | Foto: Arnold Zimprich

Frühwintertest Ende Oktober

Es ist Ende Oktober, der erste Schnee hat die Gipfel der Allgäuer Hochalpen angestäubt. Ideale Bedingungen, um den Saucony Peregrine Ice+ zu testen! Punkt sechs Uhr morgens verlasse ich Faistenoy bei Oberstdorf, um dem 2.467 Meter hohen Rappenseekopf einen Besuch abzustatten – und später über die Schwarze Hütte, den Krumbacher Höhenweg und die Warmatsgundalpe wieder zurückzulaufen.

Der Boden ist gefroren, im Schein der Stirnlampe schillert Eis auf den Pfützen. Hinter Einödsbach steilt der Weg zur Enzian- und Rappenseehütte auf, der Frost hat Erde und Schlamm zu bizarren Formen erstarren lassen. Zwar hat der Saucony Peregrine 6 Ice+ eine vergleichsweise flache Sohle, die den „Tiger im Schuh“ nicht gleich erkennen lässt, hier lässt sie sich jedoch keine Schwäche anmerken. Mit der Vibram Arctic Grip Sohle fühlt man sich auf eisigem Untergrund wie ein Gecko. Kleinste Glaspartikel sorgen dafür, dass sich die Sohle auf dem rutschigen Pfad förmlich festbeißt. Meine Bedenken werden jedenfalls schnell zerstreut, ob denn das die richtige Schuhwahl für dieses Laufunternehmen war.

Schneetest in der Firnflanke

Den eisigen Weg zur Rappenseehütte habe ich hinter mir gelassen, es geht weiter hinauf zur Großen Steinscharte. Erste Schneefelder zieren den Pfad, aus Fleiß versuche ich die steinhart gefrorenen Flecken „abzulaufen“- schließlich ist es acht Uhr morgens und die Sonne kommt gerade erst um die Ecke. Entgegen meiner Erwartungen klebt der Peregrine 6 Ice+ förmlich auf dem Schnee.

Am Gipfelaufbau des Hohen Lichts treffe ich schließlich auf eine kurze, gleichmäßig geneigte Firnflanke mit knapp 30 Grad, die zum Einstieg in den Heilbronner Höhenweg leitet. Aus Spaß versuche ich, den durchgefrorenen Schnee, der unter meinen Schritten kaum nachgibt, wider aller Vernunft hinaufzulaufen.

Der Saucony Peregrine 6 Ice+ beißt genau dann zu, wenn andere Laufschuhe "durchdrehen". | Foto: Arnold Zimprich
Der Saucony Peregrine 6 Ice+ beißt genau dann zu, wenn andere Laufschuhe „durchdrehen“. | Foto: Arnold Zimprich

Auch hier bin ich ganz baff – die Arctic Grip-Sohle gibt sich auf dem kalten Element keine Blöße. Allerdings muss ich einsehen, dass ich mit den Sauconys dem weiteren Verlauf des Aufstiegs bei diesen Schneeverhältnissen nicht folgen kann. Der Wind hat den Weg, der bei Normalverhältnissen nach UIAA I bewertet wird, deutlich kniffliger gemacht. Der Schuh ist eben doch ein Lauf- und kein Bergschuh, und so nehme ich statt des Hohen Lichts den benachbarten Rappenseekopf mit.

Laufschuhtest mit Schlamm, Fels und Wasser

Der Weg hinab zur Schwarzen Hütte wurde von der Sonne bereits ordentlich aufgeweicht. Schnell muss ich erkennen, dass sich der Peregrine 6 Ice+ auf weichem, schlammigem und lehmigem Untergrund nicht sehr wohlfühlt. Das Profil ist schlicht zu flach, um auch hier Halt zu finden.

Später, auf der langen Passage des Krumbacher Höhenwegs, kann der Schuh mit einem hohen Laufkomfort aufwarten. Man merkt, dass Saucony über eine Menge Erfahrung in der Konstruktion von Laufschuhen verfügt, zudem kommt mir die vergleichsweise geringe Sprengung von vier Millimetern zugute, die ein gutes Gefühl für den Untergrund vermittelt. Auch neigt der Schuh im Vergleich zu anderen Modellen nur wenig zum „Kippeln“. So lange der Untergrund nicht zu lose ist, haftet die Arctic Grip-Sohle auch auf Fels hervorragend.

Der Saucony Peregrine 6 Ice+ kann im Winter alles - ist aber etwas wasserscheu. | Foto: Arnold Zimprich
Der Saucony Peregrine 6 Ice+ kann im Winter alles – ist aber etwas wasserscheu. | Foto: Arnold Zimprich

Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt muss ich glitschige Teerpassagen queren. Der Schuh könnte hier fast schon als Straßenlaufschuh durchgehen. Als finales Testelement laufe ich einen schmalen Pfad entlang, der von Schmelz- und Quellwasser in einen Bach verwandelt wurde. Ohne die Produktbeschreibung im Detail durchgelesen zu haben, hätte ich von einem Winter-Trailrunningschuh etwas mehr erwartet. Das Obermaterial mag zwar wasserabweisend sein – mehr aber auch nicht. Die DWR-Imprägnierung tut sich schon schwer, die Feuchtigkeit in einer vom Tau angefeuchteten Wiese abzuhalten. So hole ich mir noch einen Satz feuchte Füße und bin etwas enttäuscht, dass der Schuh nicht ganz das halten kann, was er verspricht.

Mein Fazit zum Peregrine 6 Ice+

Die Passform des Saucony hat mich überzeugt. Allerdings wird er Fans stollenbewehrter Trailrunningschuhe enttäuschen – das eher flache Profil macht ihn für Schlamm- und Tiefschneeeinsätze ungeeignet. Wer seinen Vortrieb optimieren will, sollte also zu einem grober profilierten Schuh greifen, denn die schmalen Ritzen zwischen den Stollen setzen sich schnell zu.

Auf der Haben-Seite lässt sich die Softshell-artige Außenhaut verbuchen. Sie hält den Fuß auch bei Minustemperaturen schön warm und Luftzug effektiv draußen. Der Schuh verfügt darüber hinaus über einen D-Ring an der Schnürung, an dem eine Gamasche fixiert werden kann.

Auf Fels schlug sich der „Winterschuh“ hingegen deutlich besser als gedacht. Es kam nicht ein einziges Mal vor, dass ich mit dem Schuh auf hartem Untergrund aus- oder abgerutscht bin. Am besten eignet er sich damit in meinen Augen für Strecken auf festem Untergrund bei eiskalten Temperaturen. Last but not least ist der Peregrine 6 Ice+ kein Nässeprofi. Eine wasserdichte Gore-Tex Version wäre wünschenswert und würde besser zum Einsatzprofil passen!

Vorteile:

Auf frostigem Boden: Egal ob Schnee, Raureif oder Eis - die Vibram Arctic Grip Sohle hält, was sie verspricht. | Foto: Arnold Zimprich
Auf frostigem Boden: Egal ob Schnee, Raureif oder Eis – die Vibram Arctic Grip Sohle hält, was sie verspricht. | Foto: Arnold Zimprich
  • ausgezeichneter Halt auf hartgepresstem Schnee und auf vereisten Pfaden
  • tolle Passform und bequemes Fußbett – Saucony hat Erfahrung!
  • wenig Sprengung und gutes Gefühl für den Untergrund
  • wärmendes, Softshell-artiges Außenmaterial

Nachteile:

  • schlechter Grip im Schlamm
  • kaum Traktion im Tiefschnee und auf losem Untergrund
  • nur spritzwasserdicht
  • eingeschränkter Einsatzbereich durch flaches Profil

Weitere interessante Tests im Bergzeit Magazin:

Kommentare

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Marcus

Hi Arnold, wie ist der im Vergleich zu Spikes? Also Icebug etc. wenn hart kommt habe ich nämlich bisher die am Fuß. Gerade bei so Eis & etwAs Tauwetter ?. Suche aber eine, der auch auf Steinpassagen ggf. Asphalt auch Spaß macht…

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