Ortstermin in Andermatt: es ist Mitte Oktober, das Wetter herbstlich-herb und wechselhaft, die Gotthardberge bis in die Täler schneebedeckt. Perfekte Koordinaten für das Bergzeit-Gore-Tex®-Alpincamp.

Es ist ein geniales Wochenende, bei dem sich alle prima miteinander verstehen. So zumindest mein erster Eindruck, als ich zwei Stunden nach allen anderen Teilnehmern im Hotel Bergidyll in Andermatt eintreffe – dank etwas knapper Planung und freundlicher Unterstützung der Deutschen Bahn. Das Verpassen der Vorstellungsrunde, das ist … das Beste, was einem Bergzeit-Blogger passieren kann. Denn ohne womöglich aufgehübschte Selbstportraits der Teilnehmer kann eine wirklich objektive Reportage entstehen. Als Beweis hier gleich vornweg das unbestechliche Portrait der wackeren Alpincamp-Crew:

Die gute Laune der Bergzeit-Gore-Tex-Alpincamp-Crew kann auch das bisschen Schnee nur steigern. | Foto: Stephan Bernau
Die gute Laune der Bergzeit-Gore-Tex-Alpincamp-Crew kann auch das bisschen Schnee nur steigern. | Foto: Stephan Bernau

Die glücklichen Teilnehmer

  • Bianca, mag Klettersteige und kalte Bergseen und hat es für ein unschuldig aussehendes Gruppen-Nesthäkchen ziemlich dick hinter den Ohren. Zumindest so viel Plan vom Leben, dass manch Bergzeit-Blogger staunt.
  • Markus, hat Allgäuer Berge vor der Haustür, das Laufen mit und ohne Höhenmeter im Blut und hört im Zweifelsfall lieber zu, als Wind um seine Person zu machen.
  • Christian, erlebt auf jeder Bergtour und auch sonst im Leben kuriose Sachen, die ihn mit nie ausgehendem Stoff für Anekdoten versorgen. Erstaunlich oft solche, die es verdienen, erzählt zu werden.
  • Babsi, sorgt bei Bergzeit dafür, dass Kunden das, was sie wollen, dann bekommen, wann sie es wollen. Sprang für eine kurzfristig ausgefallene Teilnehmerin ein, womit sie das Alpincamp leider nicht auf ehrliche Weise gewonnen hat. Dass sie kein neues Equipment mit nach Hause nehmen durfte, konnte sie zu keinem Zeitpunkt aus der Fassung bringen.

Die glücklichen Betreuer

  • Michi, versorgt das Outdoor-Volk in drei Ländern mit Gore-Tex® und steht mit Leib und Seele hinter seiner Mission. Beim Alpincamp zuständig für Fragen rund um die Materie und für Ansteckung mit entspannter Laune.
  • Vroni, sorgt für gute Optik auf der Bergzeit Website, notfalls auch dadurch, mittelprächtige Fotos vorzeigbar zu machen. Beim Alpincamp zuständig für alles, notfalls auch für Bergzeit-Blogger.
  • Patrick, Swiss-Quality-Bergführer, wohnhaft in Zug, beim Alpincamp zuständig für Ablauf der Touren und ordentlich Durch-Zug. Wandelndes Lexikon, das auch dümmste Reporterfragen gelassen kontert.
  • Meine Wenigkeit, zuständig für die Versorgung der Bergzeit Magazin-Leser mit diesem Text samt Fotos bis in die Schlafgemächer. Außerdem für die Sicherstellung einer vorzeigbaren Spesenrechnung.

Diese Crew sollte sich als Mischung erweisen, die Langeweile unmöglich macht.

In James Bond-Mission über russisches Territorium

Im Gewirr aus Treppen, Tunneln und Gängen zwischen den Felswänden der Schöllenenschlucht erklärt Bergführer Patrick den Alpincamp-Teilnehmern, was es hier mit Geschichte und Technik auf sich hat. | Foto: Stephan Bernau
Im Gewirr aus Treppen, Tunneln und Gängen zwischen den Felswänden der Schöllenenschlucht erklärt Bergführer Patrick den Alpincamp-Teilnehmern, was es hier mit Geschichte und Technik auf sich hat. | Foto: Stephan Bernau

Zurück zum Bergidyll, Ausgangspunkt unserer Jacken- und Schuhe-Testmission. Die Messlatte hängt hoch, denn unser prominenter Vorgängergast Bond, James Bond, war anno ’64 nicht für ein gemütliches Älplerfrühstück hier. Nein, er hatte einen echt üblen Stinkefinger namens Goldfinger unschädlich zu machen. Ein Auftrag, der letztlich mit Erfolg ausgeführt wurde, weshalb wir gleich nach dem gemütlichen Älplerfrühstück schon unter Zugzwang stehen, unsere neuen Gore-Tex®-Klamotten auch genug herauszufordern.

Nach kurzer Anfahrt heißt es Gurt an, Helm an, Salewa-Klettersteigbremse an und Abmarsch in die Schöllenenschlucht. Hier sind Patricks Bergführerqualitäten definitiv gefragt, denn das Gewirr aus Verkehrswegen, verwinkelten Tunneln, Treppen und verlassenen Gängen zwischen Wasserfällen, Hochspannungsleitungen und Felswänden macht Knoten in meinen inneren Kompass. Zwischendurch findet er noch Zeit, uns alle möglichen und unmöglichen Geschichts- und Technikhintergründe zu erklären. Kurz vor Erreichen des Klettersteig-Einstiegs passieren wir ein kolossal in den Fels gehauenes Kreuz, an dem alles kyrillisch beschriftet ist. Hier sind einst viele russische Soldaten im Kampf gegen Napoleon gestorben. Und soweit ich Patrick folgen konnte, befinden wir uns auch gerade in möglicherweise russischem Hoheitsgebiet. Na gut, dann mal lieber schnell weiter zum Klettersteig, bevor es noch hoheitliche Missverständnisse gibt. Doch Moment: waren wir hier nicht schonmal? Ach, egal, hauptsach es geht los …

Doppelte Klettersteigeinlage in der Schöllenenschlucht

Hoch über Stahl und alten Verkehrswegen - Tiefblick in die Schöllenenschlucht. | Foto: Stephan Bernau
Hoch über Stahl und alten Verkehrswegen – Tiefblick in die Schöllenenschlucht. | Foto: Stephan Bernau

Noch eine kurze Sicherheitseinweisung (wichtig: Karabiner der Klettersteigbremse immer schön gegenläufig einhängen) und schon reihen wir uns ameisengleich ins Drahtseil. Bereits nach wenigen Metern fesselt der Blick in die Schöllenenschlucht mit der verwegenen darübergelegten Teufelsbrücke. Noch ein paar Meter mehr und der Blick ins Urserental und auf Andermatt weitet sich. Die Gipfel rundherum sind keine sanften Kuppen, sondern wilde Zacken. Der viele Stahl und die anderen Metalle der harten Zivilisationseingriffe um uns herum reichen eigentlich locker, um mehrere Täler auf einmal zu verschandeln. Das hintere Urserental in weiterer Entfernung gibt eine katalogtaugliche Alpenidylle ab, doch der vordere Teil wirkt mit seinen Schienen, Straßen, Hotelburgen und Liftanlagen in lockerer Pulverschneebedeckung schon etwas surreal. Doch seltsam, in diese Umgebung passt das auf eigenartige Weise hinein. Zumindest in dieser speziellen Jahreszeit mit ihren wabernden Nebeln und wechselnden Lichtstimmungen. Hier noch ein rauchender Schlot und da ein qualmender Hochofen und man hätte eine Art Gründerzeit-Ruhrgebiet im Hochgebirge. Definitiv kein Heidiland, aber was anderswo gilt, gilt auch für Landschaften: nicht nur das, was dem gängigen Schönheitsideal entspricht, ist sehenswert.

Das Manko des Klettersteigs ist seine Kürze, weshalb wir uns den Spaß noch ein zweites Mal gönnen. Und unsere Natur-pur-Dosis an ganz realer, katalogtauglicher Hochgebirgslandschaft sollen wir auch noch bekommen. Dafür steuern wir nach bestandenem Klettersteigtest zunächst den nach Graubünden führenden Oberalppass an. An Schweizer Hochgebirgspässen sollte man ja auf alles mögliche gefasst sein, zum Beispiel auf gutmütig sabbernde Bernhardiner mit Schnapsfässchen. Aber nicht unbedingt auf einen Leuchtturm. Was zum Henker macht dieser Leuchtturm auf dem Oberalppass? Die Spekulationen reichen von „da hat der Architekt wohl die Landkarten vertauscht“ bis zu „jo mei, der steht halt hier, is doch cool“.

Zur Rheinquelle – ein Wintermärchen auf 2.300 Metern

Ein Leuchtturm mitten im Gebirge - "da hat der Architekt wohl die Landkarten vertauscht." | Foto: S.Bernau
Ein Leuchtturm mitten im Gebirge – „da hat der Architekt wohl die Landkarten vertauscht.“ | Foto: S.Bernau

Den Leuchtturm müssen wir noch verdauen, dann geht’s los mit der Winter-Wandertour zur Rheinquelle. Patrick legt trotz der bei 15 Zentimeter Pulverschnee nicht unerheblichen Spurarbeit ein Tempo vor, das mir irgendwann erste Fragen nach dem Mikroklima unter der erstaunlich warmen Salewa-Jacke aufwirft. Hmm, Klamotten ablegen? Doch da entdecke ich diese kleinen Reißverschlüsse an der Armunterseite. Ritsch-ratsch, auf damit, Thema erledigt. Und wenn’s ein bisschen weiter oben gleich wieder kalt wird: keine Panik, erstmal Achselhöhlen dichtmachen.

Nach einer knappen Stunde unterwegs im weiten Hochtal öffnet sich scharf rechts ein Spalt in der Bergflanke: der Durchschlupf zur Rheinquelle. Die ist eigentlich ein See (Lai da Tuma), der in einen imposanten Kessel aus steilem Berg-Gemäuer eingebettet ist. Hier auf 2.300 Metern hat es schon genug Schnee, um die Landschaft zum Wintermärchen zu machen. Die Löcher in den Wolkenwalzen heben mal hier und mal da den Vorhang für überraschende Einblicke.

Das Tagesziel: Die Maighelshütte

Kurz darauf schiebt sich gegenüber im Hochtal das Tagesziel ins Blickfeld: die Maighelshütte alias Camona da Maighels. Dort angekommen fühlen sich die meisten von uns eher wie nach einem erfrischenden Spaziergang als nach einer langen Bergtour. Dennoch haben uns die Hüttenwirte Pia und Bruno ein Verwöhnprogramm erstellt, das wohl auch Achttausender-Rückkehrer wieder hochpäppeln würde. Vor allem das opulente abendliche Chäsfondue erweist sich als geschmackliche Offenbarung. Angesichts der Menge an aufgefahrenen Speisen braucht es doch so manches Gläschen Neuen Weins als Aperitif und Magenputzer. Zum Glück machen Pia und Bruno nicht nur die Arbeit für uns, sondern bereichern auch die gesellige Runde, die sich länger und länger in den Abend zieht. Wer einmal wirklich herzliche Gastgeber kennenlernen will, sollte sich die Maighelshütte nicht entgehen lassen!

Zweiter Alpincamp-Tag: Piz Cavradi mit trockenen Füßen

Doch wer feucht-fröhlich kann, muss auch knackig-frisch können. So wie der Wind, der uns am nächsten Morgen beim Aufstieg zum Piz Cavradi um die Nase weht. Hier ist der Pulverschnee nochmals dicker und noch ein bisschen seifiger. Eine perfekte Gelegenheit für unser Salewa-Schuhwerk, mal etwas von seinem Können zu zeigen. Das hat es meiner Meinung nach gehörig in sich: der Sohlengrip ist selbst auf den geneigten, teils schmierglatten Blöcken an der Gipfelschulter noch nicht am Ende und dichthalten tun die Dinger sowieso. Dass meine Füße und Socken auch drinnen knochentrocken bleiben, liegt zwar sicher auch daran, dass die Tour nicht allzu lang ist, doch da meine Trockenzeit das gesamte Wochenende dauert, muss es wohl auch daran liegen, dass die Atmungsaktivität der Schlappen richtig gut funktioniert. Dieses Bergwochenende war zwar bei weitem nicht mein erstes ohne Sockenwechsel (im Nachhinein kann ich’s ja gestehen), aber mein erstes, dass dabei komplett mief-, nässe- und blasenfrei war.

So war’s – Zitate

Damit wären wir beim Fazit – hier einige Teilnehmeraussagen, nicht nur zum Thema Füße:

  • Bianca freute sich vor allem, hier eine tolle Truppe kennengelernt zu haben und wird noch lange von vielen guten Erinnerungen zehren. Beim Hütten-Abschied übernahm sie den kreativen Part und füllte das Gästebuch gleich mit einer ganzen dicht beschriebenen Seite samt schöner Zeichnungen.
  • Christian fand nicht nur alle lieb, sondern fühlte sich auch bestens rundumbetreut. „Unglaublich“ fand er die Sachkompetenz unserer Organisatoren und ihre Fähigkeiten, sie zu vermitteln. Er lernte hier viel dazu, nicht nur über die Tiefen der Gore-Tex-Materie.
  • Michi sah es mit einem weinenden Auge, dass das „immer noch zu gute“ Wetter mit Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt es eigentlich gar nicht erlaubte, unser Testequipment so richtig auszuführen. Er bat uns dringend, das auf möglichst vielen tollen Touren nachzuholen.
  • Patrick sah die Tour nicht als erfolgreich absolvierten Job, sondern als ganz persönlich bereicherndes und schönes Wochenende. Er war der Ansicht, dass in uns allen bergsteigerisch noch jede Menge mehr drinsteckt und wir das Ganze gern nochmal mit etwas mehr Höhenmetern und Herausforderung probieren können.

Gute Idee – ich wär dabei.

Kommentare

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Vroni

Ein super Bericht zu einem tollen Wochenende. :)
In Sachen Top-Gruppe kann ich dem Stephan nur zustimmen. Ich fand unsere kleine Alpincamp Mannschaft super und freue mich euch alle kennengelernt zu haben.

Mit der super Bewirtung auf der Hütte und den eindrucksvollen Ausblicken (wenn es die Wolken erlaubten) bleibt das Wochenende sicher noch eine ganze Weile eine super Erinnerung! Und natürlich muss man auch Salewa an dieser Stelle für die klasse Ausrüstung danken! Ich glaube von der Jacke und den Schuhen werden wir alle noch lange etwas haben.
@Christian, wenn auch bei abweichendem Farbkonzept… ;)

Marcel

Kann mich Vroni nur anschließen. Ein klasse Wochenende mit ner super netten Gruppe, herzlichen Hüttenwirten bei üppiger und sehr guter Verpflegung. So macht der Start in die kalte Jahreszeit wirklich Spaß und durch den hervorragenden Bergführer konnten wir nicht nur interessantes von der Umgebung kennenlernen sondern durften auch noch nützliche Tips über den richtigen Umgang mit der Ausrüstung mitnehmen. Danke nochmal an Gore, SALEWA und Bergzeit für „Lust auf einen langen Winter“. Viele liebe Grüße aus dem Allgäu – Pfiat’s eich Marcel

Bianca

Du warst in der Schweiz bergsteigen?
Bergzeit? Was ist das denn?
Ja, ich war eine der 4 glücklichen Gewinner und habe es keine Sekunde bereut bei diesem Gewinnspiel teilgenommen zu haben. Es war ein wirklich tolles Wochenende mit super Leuten, wunderschönen Bergen und 1A kulinarischen Genüssen. Danke für alles Bergzeit, ihr seid die besten!!!! (Welcher Online-Shop hat denn sonst noch so tolle Aktionen?!)

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