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Inmitten von Vulkanen

Tongariro Alpine Crossing: Wandern auf dem beliebten Trek in Neuseeland

Der Tongariro Alpine Crossing führt Wanderer durch abstrakte, vegetationsarme Landschaft vorbei an Vulkanen und türkisgrünen Seen. Die beliebte Tagestour auf der Nordinsel Neuseelands zählt zu den schönsten des Landes.

Vulkane und Seen auf eintägig machbaren 19,4 Kilometern Länge: Der Tongariro Alpine Crossing im gleichnamigen Nationalpark zählt zu den beliebtesten Wanderwegen Neuseelands. | Foto: Destination Lake Taupo (www.laketauponz.com)

Vulkane und Seen auf eintägig machbaren 19,4 Kilometern Länge: Der Tongariro Alpine Crossing im Tongariro Nationalpark zählt zu den beliebtesten Wanderwegen Neuseelands. | Foto: Destination Lake Taupo (www.laketauponz.com)

Auf unserer Neuseeland-Reise 2013 wollten wir eine Wanderung unbedingt erleben: Die Eintagestour Tongariro Alpine Crossing im Tongariro Nationalpark. Der älteste Nationalpark Neuseelands befindet sich im Herzen der Nordinsel auf halbem Wege zwischen Auckland und Wellington. Hier sind Neuseelands Vulkane zuhause. Die bekannte Wanderung mit unterschiedlichem Start- und Endpunkt wird in jedem Reiseführer angepriesen und erfreut sich vor allem im Sommer großer Beliebtheit. In den umliegenden Touristeninformationen kann man bequem aus verschiedenen Bus-Shuttle-Optionen auswählen, die einen zum Startpunkt des Treks bringen und am Ziel wieder abholen. Der Tongariro Alpine Crossing führt über knapp 20 Kilometer durch abstrakte Landschaften und kommt gigantischen Vulkanen sehr nah. Wanderer, die das ultimative Erlebnis suchen, begeben sich auf die Drei-Tages-Variante des Treks, den Tongariro Northern Circuit.

Die Eintagestour hat alpinen Charakter und führt durch die zum Teil vegetationslose Landschaft des Tongariro-Vulkanmassivs, das dem Wetter sehr ausgesetzt ist. Um Wanderer auf die wechselhaften hochalpinen Bedingungen und die Notwendigkeit ordentlicher Ausrüstung hinzuweisen, wurde dem bis dahin geläufigen Namen Tongariro Crossing 2007 von offizieller Seite die Bezeichnung “Alpine” hinzugefügt.

Zum Wandern in den Tongariro Nationalpark

Am Tag vor unserer Wanderung fahren wir von Taupo aus mit unserem kleinen Camper in den Tongariro Nationalpark. Das Wetter ist ziemlich trüb und von Vulkanen nichts zu sehen. Doch die Landschaft kann ihre Herkunft nicht verbergen und zeigt ihre Pracht im Schleier der Nebel. Wir machen es uns auf einem Zeltplatz des Department of Conservation (DOC, neuseeländische Naturschutzbehörde) ganz in der Nähe des Tongariro-Treks gemütlich. Das Glück ist auf unserer Seite, nachts weichen die Wolken und ein wunderbares Sternenmeer schmückt den nächtlichen Himmel.

Startschuss zum Tongariro Alpine Crossing

Die faszinierende Tageswanderung im Tongariro Nationalpark lockt viele Besucher an. Wanderer sollten sich jedoch neben guter Gesellschaft auf eine hochalpine Tour und wechselhafte Verhältnisse einstellen. | Foto: Paul Abbitt

Die faszinierende Tageswanderung im Tongariro Nationalpark lockt viele Besucher an. Wanderer sollten sich jedoch neben guter Gesellschaft auf eine hochalpine Tour und wechselhafte Verhältnisse einstellen. | Foto: Paul Abbitt

Am nächsten Morgen ist es dann soweit: Mit einem Bus-Shuttle werden wir zum Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing, zum Mangatepopo Hut-Parkplatz auf 1.100 Metern, gebracht. In der Morgensonne tauchen endlich die großen Vulkane Neuseelands auf. Tatsächlich sind wir nicht alleine: Obwohl erst Vorsaison ist, sammeln sich viele wanderwütige Touristen am Startpunkt. Zu unserer Belustigung sind tatsächlich auch FlipFlop-Touristen unterwegs – bei ihnen hat die Ergänzung von “Alpine” im Namen des Treks anscheinend kein Umdenken ausgelöst. Wir sind jedenfalls besser ausgerüstet mit unseren Trekkingstiefeln.

Wir sind noch ein wenig verschlafen und folgten erst einmal dem Trampelpfad. Die Landschaft wirkt tatsächlich wie von einem anderen Planeten. Um die Flora zu schützen, sind einige Teile des Weges auf Holzstegen angelegt. Das Departement of Conservation (DOC) kümmert sich in Neuseeland engagiert um die Wanderwege, so ist auch der Tongariro Alpine Crossing perfekt hergerichtet und bereit, in der Hauptsaison bis zu 700 Wanderer täglich durch die Vulkanlandschaft zu schleusen. Natürlich stören mich die Menschenmassen ein wenig, aber wir gehören natürlich genauso dazu. Der Blick auf den großen, perfekt geformten Vulkan Mount Ngauruhoe (2.291 Meter) lässt mich diese Gedanken schnell vergessen.

Vorbei an der Hölle

Der Weg wird nach einer Weile steiler und anstelle der viel besungenen “Stairways to Heaven” besteigen wir “Devil’s Staircase” – die Treppe des Teufels. Der Anstieg zum South Crater trägt diesen reißerischen Namen, aber das zu recht. Wir befinden uns direkt an der Flanke des großen Mount Ngauruhoe, dem Schicksalsberg aus “Der Herr der Ringe”. Die noch tiefstehende Sonne verschwindet hinter dem Berg und es wird kalt und düster. Oben am Kraterrand angekommen öffnet sich der South Crater vor unseren Augen. Im Süden schimmert die Vulkanflanke in trübem Grau und Rubinrot. An einzelnen Stellen scheint es aus der Erde zu dampfen. Zeit, die warmen Wetterschutzjacken anzuziehen, den es wird plötzlich sehr windig.

Tipp: Wer sportlich fit genug für einen anspruchsvollen Abstecher ist, hat nach etwa zwei Stunden Gehzeit die Möglichkeit dem nahezu perfekten Mount Ngauruhoe aufs Haupt zu steigen. Vorsicht: Nur der Abzweig am Tongariro Alpine Crossing ist ausgeschildert, der weitere Wegverlauf liegt nach Angabe des DOC “in eigenem Ermessen”. Der Aufstieg zum Kraterrand ist auf dem losen Geröll durchaus fordernd, der Blick vom und in den aktiven Vulkan aber in jedem Fall ein Erlebnis. Drei zusätzliche Stunden Gehzeit sollten dafür eingeplant werden.

Highlight und höchster Punkt der Tour: Der Red Crater

Höhepunkt der Spannung: Der höchste Punkt des Tongariro Alpine Crossing führt vorbei am bedrohlichen Red Crater (1.886 Meter). | Foto: Martin Cymorek

Höhepunkt der Spannung: Der höchste Punkt des Tongariro Alpine Crossing führt vorbei am bedrohlichen Red Crater (1.886 Meter). | Foto: Martin Cymorek

Am weiteren Weg zum Red Crater wird der Trek etwas anspruchsvoller und steiler. Der Anstieg zum höchsten Punkt (1.886 Meter) des Tongariro Alpine Crossing ist unangenehm. Der Wind pfeift ordentlich von der Seite, der Trampelpfad ist stellenweise glatt und ausgetreten. Mir kommen die Flip Flop-Touristen wieder in den Sinn. Oben packen wir erst einmal unser Picknick aus und genießen die tolle Aussicht. Alle Aufstiege sind überwunden, ab jetzt geht es bergab!

Der Red Crater trägt nicht umsonst seinen Namen. Man würde meinen, er ist vor einer Stunde ausgebrochen. Das Kratergestein leuchtet im intensivsten Rot und lässt erahnen, was hier für Kräfte geherrscht haben mussten. An dieser Stelle fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Nördlich von uns erhebt sich der Mount Tongariro (1.967 Meter), südlich der Mount Ngauruhoe und am Horizont der Mount Ruapehu (2.797 Meter). Letzterer ist im Winter durch zwei Skigebiete erschlossen.

Die Emerald Lakes sind keine Badeseen

Wir steigen auf losem Geröll hinab zu den beeindruckend türkisfarbenen Emerald Lakes. Diese sind ein beliebtes Fotomotiv auf dem Tongariro Alpine Crossing, leider lässt sich deren unglaubliche Farbe nur schwer mit dem Fotoapparat einfangen. Hier ist auch der Schwefelgeruch am intensivsten. Überall dampft es aus der Erde, das Vulkangestein leuchtet und schimmert in der Sonne. Für uns sind diese natürlichen Farbspiele extrem beeindruckend. Aber ganz ungefährlich ist es nicht: Überall stehen Schilder, die auf vulkanische Aktivitäten und die Temperaturen hinweisen.

Langer Abstieg vom Mount Tongariro

Unglaubliches Türkis: Die Emerald Lakes machen ihrem Namen alle Ehre. | Foto: Archiv Cymorek

Unglaubliches Türkis: Die Emerald Lakes machen ihrem Namen alle Ehre. | Foto: Archiv Cymorek

Der Tongariro Alpine Crossing führt uns weiter am Blue Lake vorbei, wo wir eine gemütliche Brotzeit einlegen. Blickt man zurück, kann man nachvollziehen, wie der Red Crater vor dem Ausbruch einmal ausgesehen haben musste. Man kann die Kegelform noch erahnen. Die herannahenden Wolken geben uns das nötige Signal zum Weiterlaufen. Der Abstieg gestaltet sich im oberen Teil sehr spannend, da die vulkanisch beeinflusste Vegetation wunderschön zur Geltung kommt. Gleichzeitig eröffnet sich ein gefühlt unendlicher Blick in Richtung Mount Pihanga und den Lake Taupo. An der Flanke des Mount Tongariro beginnt der Abstieg zum Parkplatz.

Eine gefühlte Ewigkeit schlängelt sich der Weg hinab und wir sind froh über unsere Wanderstöcke. Wir machen unsere letzte Rast an der Ketetahi Hut (1.440 Meter). Hier sitzen all unsere Weggefährten des Tongariro Alpine Crossing und verschlingen die letzten Vorräte. Allmählich geht es hinein in den Regenwald, der Weg windet sich und ein Ende ist nicht abzusehen. Endlich, zwischen den Bäumen blinzeln die ersten Autokarosserien. Während die meisten Wanderer nun auf den Bus-Shuttle warten müssen, machen wir es uns in unserem Camper gemütlich, den wir am Morgen dort abgestellt haben.

Einmalige Erfahrung: Eine der schönsten Wanderungen Neuseelands

Am Abend fahren wir auf dem Desert Road genannten Abschnitt des State Highway One entlang der Vulkane in Richtung Süden und blicken auf eine atemberaubende Wanderung zurück. Die Sonne steht nun tief am Horizont und der Tongariro Nationalpark verschwindet langsam in der Finsternis unserer Rückspiegel. Trotz vieler Weggefährten haben wir vom Tongariro Alpine Crossing tolle Highlights mitgenommen. Eine Wanderung inmitten von Vulkanen ist doch eine ganz andere Erfahrung, als in den heimischen Alpen zu kraxeln. Auch wenn es eine bekannte Sehenswürdigkeit Neuseelands ist, sollte man sich darauf einlassen, sie gehört nicht umsonst zu den schönsten Tagestouren dieser Inseln.

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Martin Cymorek

… ist ein ehemaliger Flachlandtiroler, der die Berge überwiegend mit seinem Bike oder auf Skiern erklimmt. Selbst beim Stand Up Paddling auf der Isar fühlt er sich wohl – Hauptsache Outdoor! Alle Artikel von Martin Cymorek