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Eine für jede Tour

Tourenbindung: Dynafit, Marker, Fritschi oder Co? Eine Kaufberatung

Haute Route, Hüttenwochenende, schnelle Runde nach der Arbeit - jede Skitour ist anders, und es gibt für jede die passende Skitourenbindung. Von der Auswahl schier überwältigt? Nicht bangen, weiterlesen.

Waren früher noch die Abgrenzungen zwischen Skitourenbindungstypen klar zu erkennen, so füllt langsam eine differenzierte Palette an Übergangsmodellen jede Nische. Die Wahl liegt jetzt nicht mehr nur beim Entweder/Oder zwischen reiner Aufstiegs- und Abfahrtsperformance: Zwischen der ultraleichten Pintech-Bindung und der massiven Freeride-Bindung gibt es mittlerweile auch eine ganze Reihe spezialisierter Tourenbindungen, die bergauf wie bergab eine gute Figur machen. Ob gemütlicher Genussskifahrer, Grammzähler oder Geschwindigkeitsjunkie, da ist für jeden etwas dabei. Wer noch nie oder seit geraumer Zeit nicht im Tourenbindungsmarkt gestöbert hat, kann leicht von der Fülle an Möglichkeiten überfordert werden: Es ist ratsam, sich auf die grundlegenden Unterschiede zu besinnen, um als Skitourengeher oder Freerider so zu seiner idealen Tourenbindung zu finden.

Die richtige Tourenbindung kaufen: Z-Wert und Gewicht

Skitourenbindung, Tourenbindung Kaufberatung | Foto: Dynafit
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Beim Aufstieg setzen viele Skitourengeher auf kompakt und leicht. Wer aber auch bei der Abfahrt höchste Performance haben möchte, sollte sich eine Rahmenbindung zulegen, die jedoch mehr ins Gewicht fällt. | Foto: Dynafit

Genau wie beim Kauf einer Alpinbindung ist eine der ersten Richtlinien zur Eingrenzung der Auswahl der Auslösewert, Z-Wert genannt. Der Z-Wert (bei Tourenbindungen unter der Norm DIN ISO 13992:2007 geregelt) besagt, welche Krafteinwirkung notwendig ist, damit sich der Skischuh aus der Bindung löst. Bindungen mit einem hohen maximalen Z-Wert (12-16) sind am besten geeignet für sehr sportliche, kraftvolle Fahrer, die ihre Bindung vor allem bei der Abfahrt herausfordern möchten. Leichtere, gemütlichere Fahrer und solche, die ihren Elan lieber in zusätzliche Höhenmeter pumpen und dafür zurückhaltender abfahren, können sich auch getrost mit einem niedrigeren Z-Wert zufrieden geben, um Geld und Gewicht zu sparen.

Freeride-Bindungen: Rahmenbindungen von Salomon und Marker mit Abfahrtsperformance

Hardcore-Freerider sind sich einig: Der einzige Grund sich irgendwo hinaufzuplagen ist, nachher mit Höchstgeschwindigkeit wieder hinunterzuheizen. Wer diese Einstellung teilt, ist mit einer massiven Rahmenbindung wie der Marker Duke oder der Salomon Guardian am besten beraten. Mit dem Ungetüm einer Salomon Freeridebindung oder einer Marker Bindung am Fuß muss man keine Abstriche in der Abfahrtsperformance gegenüber einer Alpinbindung hinnehmen. Die einzigen Grenzen beim Geschwindigkeitsrausch und waghalsigen Sprüngen werden hier vom eigenen Mut und Fahrkönnen gesetzt. Aufgrund des hohen Gewichts kommen mit einer massiven Rahmenbindung jedoch mehrstündige Skitouren kaum in Frage. Hier geht es eher darum, im Skigebiet kurze Aufstiege zu bewältigen, um auch wirklich jeden Tiefschneerest zu befahren und besonders verführerische Lines zu erreichen. Ein Kilo extra am Fuß ist dabei zu vernachlässigen, denn weiter als absolut nötig wird es sowieso nicht hinaufgehen.

Leicht und ultraleicht: Dynafit-Bindungen mit Pintech-Technologie

Tourenbindungen mit Pins oder Inserts sind mittlerweile weit verbreitet und sehr beliebt. Allerdings muss man sich immer kompatible Skitourenstiefel dazu kaufen. | Foto: Dynafit
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Tourenbindungen mit Pins oder Inserts sind mittlerweile weit verbreitet und sehr beliebt. Allerdings muss man sich immer kompatible Skitourenstiefel dazu kaufen. | Foto: Dynafit

Das Gegenpendant zu den adrenalinsüchtigen Freeride-Fanatikern ist die Ultralight Fraktion – am einfachsten zu erkennen, wenn sie beim Aufstieg schmunzelnd an röchelnden Normalsterblichen vorbeispazieren. Erste Wahl für solch flinke Füße ist immer eine rahmenlose Pintech-Bindung, oft auch unter dem Markennahmen des Erfinders Dynafit bekannt. Anders als eine herkömmliche Rahmenbindung wird bei den Dynafit Tourenbindungen in der Regel komplett auf den Rahmen verzichtet. Stattdessen greifen am Vorder- und Hinterbacken jeweils zwei Eisenstifte („Pins“) in Inserts eines kompatiblen Skischuhs, und lassen diesen so zu einem Teil der Tourenbindung werden. Eine Pintech-Bindung bringt beim Aufstieg zwei deutliche Vorteile: Zum einen bleibt beim Walkmodus die komplette Bindung auf dem Ski und muss nicht wie bei einer Rahmenbindung mit jedem Schritt angehoben werden, was das Gehen deutlich angenehmer macht. Zum anderen besteht eine erhebliche Gewichtsersparnis: So wiegt beispielsweise die Dynafit TLT Speed Superlite, eine der leichtesten Skitourenbindungen der Welt, gerade einmal 370 Gramm pro Paar, im Vergleich zu den satten 2.790 Gramm pro Paar der Marker Duke EPF 16. Bei solch einem schlagkräftigen Argument verzichten Grammzähler gerne auf einen 16er Z-Wert und optimale Kraftübertragung.

Skitouren und Skihochtouren mit Tourenbindungen von Dynafit und Plum

Während spezialisierte Tourenbindungen auf Höchstleistungen bei Aufstieg oder Abfahrt ausgelegt sind, entscheidet bei gemäßigteren Modellen in erster Linie der Einsatzbereich zwischen Rahmen und Pintech. In weichem Schnee ist bei durchschnittlichem Fahrstil kaum ein Unterschied im Fahrverhalten zu bemerken. Wer sich also ein reines Skitourenset für unverspurte Hänge zusammenstellen will, der kann getrost zu einer Pintech-Bindung wie der Dynfit TLT Radical FT oder der Plum Guide greifen. Gravierende Abstriche hinsichtlich Abfahrtsperformance müssen dabei nicht gemacht werden. Für die Gewichtsersparnis muss man zwar etwas mehr Geld investieren als für eine vergleichbare Rahmenbindung, ist dafür aber gewappnet für mehrtägige Hüttentouren und höhenmeterstarke Routen. Zudem sind nach einem langen Aufstieg die Beine noch frischer, was Einiges zur Sicherheit und dem Genuss der Abfahrt beiträgt.

Vereinigung höchster Aufstiegs- und Abfahrtsperformance bei Rahmenbindungen

Anders sieht es auf hartem Untergrund aus: Die meisten Pintech-Bindungen weisen wenig bis gar keine Elastizität auf, weswegen jeder Schlag und jede Vibration auf den Fahrer übertragen wird – vergleichbar mit einem Fahrrad ohne Federung. Auf weichem Schnee ist das kein Problem, da dieser für genügend Dämpfung sorgt. Wer jedoch seinen Ski mit Tourenbindung auch auf der Piste fahren will, der ist mit einer Rahmenbindung besser beraten.

Mit einer Tourenbindung von Fritschi kommt man in den Genuss von geringem Gewicht und hoher Abfahrtsperformance bei hoher Sicherheit. | Foto: Fritschi
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Mit einer Tourenbindung von Fritschi kommt man in den Genuss von geringem Gewicht und hoher Abfahrtsperformance bei hoher Sicherheit. | Foto: Fritschi

Wegen ihres definierten Auslöseverhaltens dämpfen Rahmenbindungen deutlich mehr, und sorgen so bei hartem Untergrund und höherem Tempo für ein ruhigeres Fahrgefühl. Rahmenbindungen wie die Marker Tour F10/ F12 oder die Fritschi Diamir Scout 11 sind durchaus noch leicht genug für lange Aufstiege, und wegen ihrer Ähnlichkeit zu einer Alpinbindung außerdem hervorragend für Skitourenneulinge geeignet.

Fritschi kommt mit erster Pintech-Bindung mit Seit- und Frontauslösung

Hauptmanko von Pintech-Bindungen ist laut Skeptikern neben der Abfahrtsperformance schon lange das Auslöseverhalten gewesen. Anders als eine Alpin- oder Rahmenbindung lösen sie über die Ferse aus, und hatten wegen ihrer geringen Elastizität im Vorderbacken bei harten Schlägen manchmal Probleme mit Fehlauslösungen. Um in kritischen Situationen einen Skiverlust zu vermeiden, haben deswegen viele Extremskifahrer den Vorderbacken gesperrt, der bei einem Sturz dann jedoch eventuell nicht aufgehen und damit das Verletzungsrisiko deutlich erhöhen würde. Um dieses Problem haben sich mittlerweile diverse Hersteller gekümmert. So hat Fritschi etwa mit der Diamir Vipec die erste Pintech-Bindung mit definierter Seitwärts- und Frontalauslösung geschaffen. Marker und Dynafit sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen: Sowohl die Marker Kingpin als auch die Dynafit Beast verfügen über eine TÜV-zertifizierte Auslösung nach DIN/ISO Norm – eine Auszeichnung, die bisher nur Rahmenbindungen erhalten hatten.

Vor allem die Dynafit Beast ist mit ihrem hohen Z-Wert (14 bzw. 16) als vollwertige Freeridebindung konzipiert, die eine Vereinigung höchster Aufstiegs- und Abfahrtsperformance in einer Bindung anstrebt. Experten werden nach wie vor wohl eher noch zu einer Spezialbindung greifen, um bei Aufstieg oder Abfahrt ans Limit zu gehen; wer jedoch das Beste beider Welten will und bereit ist dafür etwas mehr zu zahlen, der sollte sich die Beast auf jeden Fall genauer ansehen.

Zubehör für Skitourenbindungen

  • Kompatible Skischuhe: Beim Kauf einer Pintech-Bindung unbedingt darauf achten, dass der Skitourenstiefel mit Inserts ausgestattet und somit Pintech-kompatibel ist. Sollten Hersteller von Skischuh und Tourenbindung variieren, ist es besonders ratsam, vor der ersten Tour die Funktionalität zu überprüfen.
  • Fangriemen: Um Gewicht zu sparen, kommt bei vielen Pintech-Bindungen ein Fangriemen statt einem Skistopper zum Einsatz, der den Verlust des Skis verhindert.
  • Skistopper: Skistopper wiegen etwas mehr, senken jedoch das Verletzungsrisiko, da der Fahrer bei einem Sturz nicht mit dem Ski verbunden ist. Je nach Hersteller und Modell können manche Pintech-Bindungen mit einem Skistopper nachgerüstet werden.
  • Harscheisen: Harscheisen sorgen für zusätzlichen Halt und können so den Aufstieg an vereisten oder harschigen Hängen ermöglichen. Sie werden an der Bindung befestigt und sind für die meisten Tourenbindungen zusätzlich erhältlich.

Sicherheits- und Pflegetipps für Tourenbindungen

  • Skiservice: Die Tourenbindung sollte vor Beginn jeder Saison von einem Experten überprüft werden. Das erhöht nicht nur die Lebensdauer, sondern sorgt auch dafür, dass sie nach mehreren Jahren noch einwandfrei funktioniert.
  • Skitourenbindung, Tourenbindung Kaufberatung | Foto: Dynafit
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    Bindungseinstellungen und Bindungsmontage am besten vom Profi machen lassen. | Foto: Dynafit

    Montage der Tourenbindung: Montage und Einstellung sollten nur von einem ausgebildeten Experten vorgenommen werden! Bei fehlerhafter Montage/Einstellung der Bindung herrscht erhebliche Verletzungsgefahr.

  • Skipflege: Skibindungen sind so konzipiert, dass sie praktische keine Pflege benötigen. Grober Schmutz kann mit Wasser entfernt werden, aber man sollte keine Reinigungsmittel benutzen! Diese können die Öle und Fette der Bindung schädigen und die Funktion beeinträchtigen. Trocken lagern.

ACHTUNG: Kenntnisse zu Lawinen und Gelände sowie eine komplette LVS-Ausrüstung im Rucksack sind abseits gesicherter Pisten ein Muss!

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Hannes Brunner

...erfreut sich am saisonalen Nomadendasein. Im Winter lehrt er im Engadin der High Society das Skifahren und befriedigt auf Skitour seine Sucht nach Pulverschnee und steilem Gelände. Wenn der gebürtige Amerikaner sonst nicht gerade für Bergzeit schreibt, findet man ihn auf Reisen wieder – dabei jedoch selten weit von den Bergen. Pfeil Alle Artikel von Hannes Brunner