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Im Wrangell St. Elias National Park folgt ein Abenteuer dem anderen: Abgeschiedenheit in der Wildnis, ehrfurchtgebietende Gletscher und Gipfelstürme. Wer dann noch nicht genug hat, kann Gebirge und Klettergebiete im Süden des US-Bundesstaates erkunden.

Nach monatelanger Planung und intensiver Vorbereitung ist es am 01. September 2013 endlich soweit. Unser Flug von Frankfurt am Main nach Anchorage im Süden Alaskas steht an. Zu zweit wollen wir im Wrangell St. Elias National Park auf Trekkingtour gehen: neben einem Wildnis-Abenteuer im größten Nationalpark der USA warten auf uns die Gletscherüberquerung des Russell Glacier und die Erstbegehung eines namenlosen Gipfels in den Wrangell St. Elias Mountains am östlichen Rande der Alaska Range. Dieses Küstengebirge ist eines der am stärksten vergletscherten Gebirge der Welt, da es unmittelbar am Golf von Alaska liegt. Die feuchten Luftmassen, welche auf das Gebirge prallen, ziehen starke Schneefälle nach sich, deren Folge die Bildung gigantischer Gletscher ist.

Anchorage: Das Tor zu Alaska

Von Wrangell Mountain Air lassen wir uns samt Ausrüstung im Wrangell St. Elias National Park aussetzen. Danach sind wir zehn Tage komplett auf uns allein gestellt.
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Von Wrangell Mountain Air lassen wir uns samt Ausrüstung im Wrangell St. Elias National Park aussetzen. Danach sind wir zehn Tage komplett auf uns allein gestellt.

In Anchorage, der Stadt die auf Deutsch „Ankerplatz“ heißt, rüsten wir uns mit den letzten noch fehlenden Dingen aus, bevor wir uns für die kommenden zehn Tage in den Wrangell St. Elias National Park und die Wildnis Alaskas begeben. Der REI-Shop, ein wirklich gut sortierter Outdoorfachladen in Anchorage, verhilft uns zu so nützlichem Equipment wie Eisschraube, Bärenglocke und Trekkingnahrung. Wir verzichten bewusst auf den Kauf von Bärenspray, da wir nicht wirklich davon überzeugt sind, dass wir bei einer Bärenbegegnung die nötige Ruhe haben würden die Wirkung auszuprobieren, und weil wir ehrlich gesagt schlichtweg zu geizig sind.

Ab in die Wildnis

Auf der Straße von Anchorage nach Mc Carthy, dem Ort, an dem das große Abenteuer Alaska so richtig beginnen soll, erproben wir unser Tramperglück. Mitsamt unserer Trekking- und Bergsteiger-Ausrüstung, zwei 30 Kilogramm-Rucksäcken des Modells Osprey Xenith 105 sowie einer weiteren 20 Kilogramm-Ausrüstungstasche stellen wir uns an den Rand des Glenn Highways. Es dauert nicht lange und schon sammelt uns ein junger Skilehrer aus Palmer auf. Dort angekommen reißt unser Glück nicht ab. Zu unserem großen Erstaunen meistern wir die 500 Kilometer von Anchorage nach Mc Carthy an einem Tag. In Mc Carthy übernachten wir erstmals im Zelt – mitten auf dem Flugfeld von Wrangell Mountain Air. Nach einer erholsamen Nacht werden wir von dem Dröhnen einer direkt neben unserem Zelt startenden Cessna geweckt…

Wie vereinbart erscheint am nächsten Morgen unser Pilot Bill K. auf dem Flugfeld. Er soll uns mitsamt Ausrüstung in den Wrangell St. Elias National Park bringen. Nur 40 Minuten dauert der Flug mit der kleinen Cessna-Maschine, dann landen wir auf dem Skolai Pass, einem winzigen Landestreifen inmitten der Wildnis des Nationalparks, rund 50 Kilometer Luftlinie von der nächsten Ortschaft entfernt. Als das Flugzeug wieder ohne uns startet, wird uns das erste Mal richtig bewusst, dass wir nun komplett auf uns alleine gestellt sind: ein beängstigendes und zugleich aufregendes Gefühl. Uns ist klar: Ein kleiner Fehler kann hier draußen fatale Folgen haben! Zumal wir auch kein Satellitentelefon dabeihaben.

Gletscherüberquerung im Wrangell St. Elias National Park

Unsere erste große Herausforderung im Wrangell St. Elias National Park wartet auf uns in Form des Russell Glacier, dessen gewaltige Ausmaße wir nach zwei Tagen Trekking durch den Wrangell St. Elias National Park bestaunen können. Wir bekommen erste Zweifel, ob es eine so gute Idee ist, sich auf diesen eisigen Giganten mit seinen riesigen Gletscherspalten zu begeben.

Mit der Überquerung des Russell Glacier kommen wir unserem Ziel schon ein Stück näher...
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Mit der Überquerung des Russell Glacier kommen wir unserem Ziel schon ein Stück näher…

Am nächsten Morgen wirkt der Russell Glacier jedoch schon nicht mehr ganz so abschreckend. Gut vorbereitet und mit allem Wichtigen ausgerüstet (GPS, Kartenmaterial, Kompass) beschließen wir, das Abenteuer zu wagen, wobei wir uns strikt an die Regel halten, nur so weit in das Spaltenlabyrinth vorzudringen, wie uns auch ein Rückzug möglich erscheint. Mit einer gehörigen Portion Respekt begeben wir uns schließlich aufs Eis. Anfangs noch etwas unsicher und skeptisch, spielt sich das Prozedere bald ein: Abseilen in die Gletscherspalte, Seil abziehen, Spalte auf der anderen Seite mit Hilfe von Steigeisen und Eispickeln emporklettern, Gepäck nachhaulen. Kleinere Spalten überspringen wir einfach. Trotz der unfassbaren Dimension des Russell Glacier haben wir stets das Gefühl, die Situation zu beherrschen – glücklicherweise befindet sich der gesamte Gletscher noch in einem aperen Zustand, sodass wir alle Spalten sehen.

Nach zwei Tagen Eis heißt es dann endlich wieder „Festland“. „Unseren“ Berg, den namenlosen Peak 9055, sehen wir allerdings noch immer nicht, da die Bergkette der Wrangell St. Elias Mountains in eine dichte Wolkendecke eingehüllt ist. Wir verlassen uns auf unsere Karte und marschieren blind darauf los. Unser Zeitplan ist knapp kalkuliert, wir haben kaum Reserven. Am morgigen Tag müssen wir den Gipfel erreichen und bereits den Rückmarsch beginnen. Denn das Flugzeug, dass uns auf dem Skolai Pass wieder abholen soll, wartet nicht.

Als wir am Tag der geplanten Gipfelbesteigung aufwachen, verlässt uns die Hoffnung, denn es regnet und der Wind fegt über unser Zelt hinweg, so dass sich das Gestänge mächtig durchbiegt. Doch wir sind uns beide einig, dass wir trotz widriger Bedingungen wenigstens den Versuch starten müssen, unser Vorhaben zu realisieren. Schließlich sind wir nicht umsonst ans andere Ende der Welt nach Alaska geflogen.

Bergtour auf den namenlosen Peak 9055

Der Aufstieg auf den von uns erwählten Gipfel der Wrangell St. Elias Mountains ist alles andere als leicht. Der Weg führt uns über lose Schotterfelder, Regen und Windstärke nehmen nach oben hin zu und der Gipfel bleibt in eine tiefe Wolkendecke gehüllt. Bereits bei der Hälfte des Aufstieges sind wir trotz Regenbekleidung komplett durchnässt. Nach der Überquerung eines Eisfeldes mit Steigeisen erreichen wir die Schneefallgrenze und finden uns kurze Zeit später auf einem extrem steilen Grat wieder. Dieser präsentiert sich schneebedeckt, erst im letzten Moment bemerken wir, dass wir uns zeitweise auf einer Wechte bewegt haben. Von da an heißt es Seilsicherung, bis wir kurz vor dem Gipfelaufbau unsere Eispickel zu Hilfe nehmen müssen. Nun beginnt endlich das „richtige“ Klettern und für uns damit die Härteprüfung unserer in der Heimat erprobten Kletterfähigkeiten. Die letzten 150 Höhenmeter führen durchschnittlich im dritten Schwierigkeitsgrad (UIAA-Klassifizierung: III) über feuchten, entweder äußerst kompakten oder sehr brüchigen Fels. Das macht die Absicherung mittels Friends und Klemmkeilen ziemlich schwierig und über einige Strecken sogar unmöglich.

Kurzes, aber intensives Gipfelglück bei Windstärke 9.
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Kurzes, aber intensives Gipfelglück bei Windstärke 9.

Nach fast neunstündigem Aufstieg stehen wir schließlich auf dem Gipfel des Peak 9055: 9.055 Feet hoch, also auf 2.760 Metern. Unsere Erstbegehung – ein Erfolg! Hier oben weht ein Sturm von einer Stärke, die wir bisher nur aus Büchern oder Dokumentarfilmen kennen – mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 Kilometern pro Stunde. Die Witterungsbedingungen trüben unser Gipfelglück ein wenig, vor allem jedoch begrenzen sie die Zeit auf dem Gipfel auf wenige Minuten. Ein paar schnelle Gipfelfotos und schon beginnen wir fast hektisch mit dem Abstieg.

Von Orientierungssinn und Glück

Auf etwa zwei Dritteln des Weges nach unten zieht plötzlich dichtester Nebel auf. Ein ungutes Gefühl stellt sich bei uns ein. Die Orientierung wird immer schwerer. Beim Aufstieg haben wir uns markante Felsblöcke eingeprägt, die jetzt nicht mehr zu erkennen sind. Unser GPS-Gerät liegt sicher verstaut im Zelt. Als die Dämmerung einsetzt, werden wir zusehends nervöser, unternehmen Erkundungen in verschiedene Richtungen, immer in Hörweite des anderen. Als wir die Hoffnung schon fast aufgegeben haben, entdecken wir durch Zufall den Zipfel eines Vorratssacks, den wir unter Steinen vor Tieren versteckt hatten. Unsere Freude ist fast größer als auf dem Gipfel. Es regnet die ganze Nacht unaufhörlich weiter, doch das macht uns nun nichts mehr aus, denn wir haben es geschafft!

Nachdem uns Wrangell Mountain Air dringend davon abgeraten hatte, aufgrund des angekündigten verfrühten Wintereinbruchs länger als zehn Tage im Wrangell St. Elias National Park zu bleiben, begeben wir uns am nächsten Tag wieder auf den Rückmarsch über den Russell Glacier. Als wir schließlich auf dem Skolai Pass das Motorengeräusch der kleinen Cessna in der Ferne hören, sind wir sehr froh. Zurück in Mc Carthy genehmigen wir uns erst einmal ein paar exquisite Biere im Golden Saloon.

Klettern in den Talkeetna Mountains und am Seward Highway

Zur "Erholung" nach der Trekkingtour im Wrangell St. Elias National Park locken Kletterrouten in den Talkeetna Mountains.
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Zur „Erholung“ nach der Trekkingtour im Wrangell St. Elias National Park locken Kletterrouten im Süden Alaskas, unter anderem in den Talkeetna Mountains.

Die letzten Tage in Alaska verbringen wir zunächst beim Klettern in den Talkeetna Mountains, einem Gebirgszug nordöstlich von Anchorage und Palmer. Die dortigen Mehrseillängenrouten haben es in sich, aber zur Belohnung haben wir zwei Tage schönes Wetter und zum ersten Mal nach 14 Tagen Gelegenheit, uns im kühlen Nass eines Baches zu baden. Danach haben wir noch nicht genug von der Kletterei und folgen dem Rat ortskundiger Kletterer: Wir trampen gen Süden zum Seward Highway, wo sich Sportkletterfelsen direkt neben dem Highway mit einmaligem Meerblick entlang der Küste auftun. Ganz in unserem Element genießen wir das Klettern bei bester Aussicht und erleben am Beluga Point sogar den schönsten Sonnenuntergang, den wir bisher gesehen haben.

An unserem letzten Tag in Alaska wartet auf uns in Anchorage noch eine Begegnung der besonderen Art: Eine Familie, die wir zufällig kennengelernt haben, macht uns mit der Kletterlegende Kurt B. bekannt, der uns zu sich nach Hause einlädt. Er wanderte vor 40 Jahren von Deutschland nach Alaska aus und bestieg zahlreiche namhafte Berge wie den Mount McKinley und den Mount St. Elias.

Fazit unserer Trekkingtour im Wrangell St. Elias National Park

Auch wenn wie so oft nicht alles nach Plan verlief, so haben wir doch das erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben dreieinhalb Wochen Abenteuer in einem wilden Land erlebt, das den Namen „Last Frontier“ durchaus verdient. Nach mehreren Tagen vollkommener Abgeschiedenheit und einer gelungenen Erstbegehung im Wrangell St. Elias National Park haben wir eine Vielzahl netter Leute kennengelernt und stellten fest, dass die Amerikaner in Alaska äußerst freundlich und hilfsbereit sind. Wir trampten circa 2.000 Kilometer mit insgesamt 17 verschiedenen Fahrern und warteten selten länger als 30 Minuten auf eine Mitfahrgelegenheit. Wir hatten tolle Klettererlebnisse, auch abseits unserer Gipfelbesteigung, und konnten unsere Fähigkeiten in der Wildnis Alaskas auf die Probe stellen. Auch eine enge Freundschaft wird bei einer solchen Trekkingtour auf die Probe gestellt, denn nach dreieinhalb Wochen in einem engen Zelt weiß man, ob man den richtigen Tourenpartner an seiner Seite hat. Nun wieder zuhause geistern uns bereits konkrete Ideen für das nächste Abenteuer in den Köpfen herum, denn: Nach der Tour ist vor der Tour!

Ben Weiler

"Ich suche das Abenteuer fernab jeglicher Zivilisation - je wilder die Region, desto größer das Abenteuer. Getreu dieses Mottos verschlug es mich gemeinsam mit Kai Cürette 2013 nach Alaska. Doch natürlich findet man mich als Vollblutalpinisten auch regelmäßig in den Fels- und Eiswänden der Alpen." Pfeil Alle Artikel von Ben Weiler