Downturn, Vorspannung & Co. – Kaufberatung Kletterschuhe

Welche Größe nehme ich denn jetzt bei Kletterschuhen? Und was war noch mal ein Hook? Was Du schon immer über Kletterschuhe wissen wolltest, Du dich aber nie getraut hast zu fragen – eine leicht verständliche Einführung in die Eigenarten von Kletterschuhen. Weiterlesen

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Downturn, Vorspannung & Co. – Kaufberatung Kletterschuhe

Die Sohle des Kletterschuhs

Kletterschuhe haben im Gegensatz zu Bergstiefeln eine profillose Sohle. Diese erzielt bessere Reibungswerte, da man ein besseres Gefühl für die Felsoberfläche hat und kann somit präziser am Fels oder in der Kletterhalle antreten.

Kletterschuhe unterscheiden sich insbesondere in der Zwischensohle und der Gummimischung der Sohle. Beide variieren von Hersteller zu Hersteller und von Schuhmodell zu Schuhmodell deutlich. Weiche Gummimischungen sind besser zum Klettern auf Reibungstritten (Platten, abfallende Tritte) geeignet, da sie sich der Oberfläche optimal anpassen und so der Kletterschuh für ordentlich für Reibung sorgt.

Auf kleinen Leisten und Tritten sind härtere Sohlen vorzuziehen, da sie weniger Kraftanstrengung im Zehenbereich erfordern bzw. durch ihre Härte den Muskeln einen Teil der Arbeit abnehmen und unterstützen. Kletterschuhe mit härteren Sohlen bzw. härterer Gummimischung werden oft in Klettergebieten getragen, wo die Tritt- und Griffformen klein sind.

Kletterschuhe mit einer härteren Gummimischung leiden außerdem nicht so sehr unter Verschleißerscheinungen, die durch den Abrieb auf rauen Felsoberflächen hervorgerufen werden. Man kann sich selbiges gut am Beispiel eines Radiergummis auf Schmirgelpapier vorstellen: ein weicher Radiergummi haftet am Schmirgelpapier sehr gut, zieht man ihn allerdings mit Druck über die Oberfläche, wird er zusehends kleiner. Ganz so drastisch sieht das bei den Kletterschuhen nicht aus, aber in der Art und Weise funktioniert die Sache mit der Haftung bzw. Reibung auf dem Fels und den Kletterschuhen.

Je sauberer der Kletterer mit seinen Kletterschuhen seine Tritte benutzt und mit den Kletterschuhen nicht auf der Suche nach dem Tritt an der Wand "herumschabt", umso länger halten die Kletterschuhe. Also sauber ansteigen und viel Zeit mit seinen Kletterschuhen verbringen, denn wie so oft: Am besten passen auch die Kletterschuhe wenn sie gut eingetragen sind, aber natürlich noch Kante und Sohle haben!

Ein guter Kletterschuh unterstützt beim präzisen Treten. | Foto: Bergzeit/Hansi Heckmair
Ein guter Kletterschuh unterstützt beim präzisen Treten. | Foto: Bergzeit/Hansi Heckmair

Das Wichtigste zum Aufbau von Kletterschuhen

  • Randgummi bei Kletterschuhen: Bei nahezu allen Kletterschuhen läuft ein Gummirand oberhalb der Sohle um den Schuh. Dies hält den Kletterschuh in Form und verleiht ihm je nach Modell mehr oder weniger Vorspannung. Da das Klettern ein Vollkontaktsport ist, kann es natürlich auch vorkommen, dass man mit dem Kletterschuh am Fels "entlangschrubbt". Hier schützt das Randgummi den Kletterschuh bzw. das Obermaterial.
  • Obermaterial des Kletterschuhs: Für das Obermaterial von Kletterschuhen wird Leder oder Kunststoff (Kunstleder) verwendet. Welches Material man bevorzugt, ist und bleibt Geschmackssache. Kunststoff trocknet schneller und ist formstabiler, Leder passt sich besser an und atmet mit. Kletterschuhe und deren Passform sind wie alle anderen Schuhe auch abhängig von der Anatomie des jeweiligen Fußes.
  • Anziehschlaufen: Anziehschlaufen sind die kleinen Schlaufen an der Ferse des Kletterschuhs. Da Kletterschuhe gerne eng gewählt werden, um ein bestmögliches Trittgefühl zu bekommen, erleichtern die Schlaufen das Leben ungemein: Bei der Anprobe des Kletterschuhs müssen die Schlaufen einiges aushalten! Beim Kauf des Kletterschuhs ruhig einen prüfenden Blick auf die Naht werfen, damit sie beim ersten Anziehen nicht gleich reißt!
  • Futter: Ein "richtiges" Futter kommt als wärmende Schicht nur in einigen wenigen Kletterschuhen zum Einsatz, die für die kalte Jahreszeit und für Expeditionen konzipiert worden sind. Dünnere Futterschichten in den Kletterschuhen dienen meist dazu Schweiß aufzunehmen und den Komfort zu erhöhen.
  • Passform und Schnitt der Kletterschuhe: So wie Deine Füße sich von meinen unterscheiden, unterscheiden sich die Kletterschuhmodelle von Hersteller zu Hersteller. Damit kann zu jedem Fuß der passende Kletterschuh gefunden werden kann. Einen guten Kletterladen erkennt man also nicht daran, dass in den Regalen nur die teuersten Modelle stehen, sondern an einer breit gefächerten Auswahl von verschiedenen Herstellern. La Sportiva, Five Ten, Scarpa, Edelrid, Evolv, , Red Chili und Kletterschuhe anderer Hersteller sind in der Regel Standard im gut sortierten Kletterladen, da diese so gut wie alle anatomischen Fußformen abdecken. Beim Schnitt werden die folgenden Bereiche unterschieden:
  • Schuh-Spitze der Kletterschuhe: Bestimmte Schuhspitzenformen eignen sich besser oder schlechter für bestimmte Einsatzbereiche. Ist die Spitze wirklich spitz, funktioniert sie hervorragend im löchrigen Gelände (z.B. Frankenjura), da man besser in die Löcher treten kann. Hat die Spitze von unten betrachtet klar definierte Kanten, wird sie auf schmalen Leisten und Mikro-Tritten besser halten (z.B. im Altmühltal, El Chorro)). Neben dem Einsatzbereich sollte allerdings nie die Anatomie des eigenen Fußes außer Acht gelassen werden.
Die Passform der Kletterschuhe muss zu den eigenen Füßen passen. | Foto: Bergzeit/Hansi Heckmair
Die Passform der Kletterschuhe muss zu den eigenen Füßen passen. | Foto: Bergzeit/Hansi Heckmair

Kletterschuhe und ihre Leisten

Assymetrie bei Kletterschuhen Asymetrie bei Schuhleisten

Schaut man von oben auf seine Kletterschuhe erkennt man wie der Leisten ausgeprägt ist. Der Leisten ist quasi die Grundform bzw. die Nachbildung eines Fußes. Bei Kletterschuhen unterscheidet man Kletterschuhe mit symmetrischem und asymmetrischem Leisten. Symmetrische Kletterschuhe sind bequemer, da sie vom Leisten her normalen Straßenschuhen ähneln. Asymmetrische Schuhe bringen den Fuß in eine Position, die das Antreten auf kleinen Tritten unterstützt. Bis die Vorzüge eines asymmetrischen Kletterschuhs ausgereizt werden können, braucht es einfach Zeit und verlangt eine gewisse Technik. Am Anfang erleichtert man sich mit einem symmetrischen Schuh das Leben ungemein.

Vorspannung der Kletterschuhe

Schaut man sich seine Schuhe von der Seite an, lässt sich die Vorspannung erkennen. Man nimmt den Schuh an der Fußspitze und der Ferse und verbiegt ihn so weit, bis die Ferse aufgerichtet ist. Wenn der Schuh von der Ferse zur Spitze eine regelrechte "Bananenform" beschreibt, ist er aggressiv vorgespannt. Nicht zu verwechseln mit dem Downturn, der bereits ohne Verbiegen des Schuhs zu erkennen ist und nur den Zehenbereich betrifft.

Durch eine ausgeprägte Vorspannung erhöht sich der Druck, den die Zehen auf Tritte bringen können, d.h. man kann also einfacher mit den Zehenspitzen auf schmalen Leisten stehen. Für extrem kleintrittige Routen im senkrechten und leicht überhängenden Gelände sind aggressiv vorgespannte Schuhe perfekt. In starken Überhängen und Dächern sind allerdings weniger vorgespannte und weiche Schuhe von Vorteil, um sich z.B. mit der oberen Zehenkante oder der Ferse an Tritten und Strukturen einzuhaken (neudeutsch auch "hooken, heelhooken, toehooken" genannt). Für den Einsteiger gilt auch hier: weniger ist zu Beginn oft mehr.

Welche Größe bei Kletterschuhen?

Die Wahl der richtigen Schuhgröße treibt mitunter regelrechte Stilblüten und hat in manchen Kreisen schon wissenschaftliche Züge angenommen a là: Kletterschuhe nimmt man doch immer ein bis zwei Nummern kleiner, oder? Um es vorweg zu nehmen: eine allgemein gültige Formel gibt es nicht! Wie die Kletterschuhe ausfallen ist von Hersteller zu Hersteller verschieden und kann sich natürlich auch ändern, wenn sich z.B. der Leisten ändert.

Es führt also kein Weg am Anprobieren der Kletterschuhe vorbei. Was die Wahl der richtigen Größe angeht, kommt es darauf an, wie gut man bisher klettert bzw. für welche Einsatzbereiche der Schuh taugen soll. Wer sich in einer leistigen Tour die Arme lang ziehen will, tut gut daran, die Schuhe so eng zu wählen, dass die Zehen ordentlich aufgestellt sind. Aufgestellte Zehen haben zwar mit Komfort und orthopädischen Gesichtspunkten absolut gar nichts zu tun, bringen dafür aber gescheiten Druck auf den vorderen Sohlenrand und entsprechend guten Grip auf winzigen Tritten. Wer einmal seine Kletterschuhe in seiner Größe gefunden hat, sollte sich glücklich schätzen. Viele Kletterer bunkern nicht umsonst 2-3 Kletterschuhe in ihrer Größe zuhause um für die Zukunft sicher zu gehen!

Klettverschlüsse helfen, die Schuhe schnell an und auszuziehen. | Foto: Bergzeit/Hansi Heckmair
Klettverschlüsse helfen, die Schuhe schnell an und auszuziehen. | Foto: Bergzeit/Hansi Heckmair

Verschlussarten bei Kletterschuhen

Irgendwie muss der Kletterschuh jetzt noch verschlossen werden. Hierbei unterscheidet man drei Verschlussmöglichkeiten: Schnürsenkel, Klettverschluss (auch Velcro®, nach dem gleichnamigen Hersteller genannt) oder Slipper (Schuhe zum Hineinschlüpfen).

  • Schnürschuhe (Neudeutsch auch Lace-ups): Kletterschuhe mit Schnürung haben den Vorteil, dass man sie durch die Schnürung genauer an die Fußform anpassen kann - vor allem im Bereich der Spitze. Dadurch ergibt sich ein besseres Trittgefühl und man braucht weniger Kraft, um den Fuß auf dem Tritt zu halten. Enge, asymmetrische und aggressiv vorgespannte Schnürer ermöglichen es Tritte anzutreten, die man vorher allenfalls als Maserungen im Fels angesehen hätte. Die Halbwertszeit bis der Schmerzimpuls das Gehirn erreicht hat, beläuft sich bei solchen Modellen allerdings auf wenige Minuten. Hier kann die Zeit, bis die Schnürung wieder gelöst ist schier unendlich erscheinen.
  • Klettverschluss:Kletterschuhe mit Klettverschluss Wer seinen Schuhen also schneller entkommen will, greift zum Klettverschluss, einem System, welches wir aus frühester Zeit kennen und schätzen gelernt haben. Kletterschuhe mit Klettverschluss ermöglichen ein schnelleres An- und Ausziehen, lassen sich aber in der Regel nicht so präzise fixieren wie Schnürer. Wer es sportlich angehen will, tut gut daran seine Velcros eng zu wählen um die fehlende Fixierung auszugleichen.
  • Slipper: Slipper haben weder Schnürung noch Klettverschluss und hier und da ist das Gerücht verbreitet, dass sie sich deshalb sehr schnell an- und ausziehen lassen. Da aber auch hier gilt, dass die fehlende Fixierungsmöglichkeit durch eine sehr enge Passform ausgeglichen werden sollte, ist das An- und insbesondere das Ausziehen mitunter ein Kraftakt (spätestens jetzt sollte klar sein, für was die ominösen Anziehschlaufen gut sind). Meist sind die Kletterschuhe besonders im Fersenbereich eng geschnitten, damit diese beim Hooken nicht vom Fuß gezogen werden!

Pflege von Kletterschuhen

Hier ein paar einfache und hilfreiche Tipps zur Pflege:

  • Dein Schuh freut sich, wenn du ihn nach dem Klettern trocknest. Zum Trocknen den Schuh allerdings nicht direkt auf die Heizung stellen. Perfekt eignen sich Schuhkissen, die die Feuchtigkeit aufnehmen und einen angenehmen Geruch verbreiten (dein Umfeld dankt es dir).
  • Wenn sonst nichts hilft, hilft Sagrotan
  • Waschen von Hand geht grundsätzlich auch, kann aber den Kleber lösen und die Form des Kletterschuhes verändern
  • Schmutzige Sohlen am besten mit Wasser und einer Bürste reinigen

Kletterschuhe für Anfänger

Welche Kletterschuhe braucht ein Anfänger? Und wie eng müssen diese Schuhe sein? Hier hilft unsere Info Kletterschuhe für Anfänger.

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