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Patagonia: Outdoorbekleidung mit Geschichte

Seit 40 Jahren erfreut uns Patagonia mit robuster, hochwertiger und funktioneller Bekleidung. Was mit dem Import von Rugby-Hemden begann entwickelte sich dank Innovationsgeist und Risikobereitschaft zum größten privaten Outdoor-Unternehmen der Welt.  Weiterlesen

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Patagonia: Outdoorbekleidung mit Geschichte

Kalifornien in den frühen 1950ern: Yvon Chouinard, Sohn franko-kanadischer Einwanderer, entdeckt als 14-Jähriger an den Küstenfelsen von Malibu seine Leidenschaft für's Klettern. Schnell eignet sich der Teenager die Technik an, um auch größere Projekte anzugehen: Big Walls im Yosemite. Meist zog es ihn an unbezwungene, glatte Granitwände, die damals tagelange Unternehmungen waren - vorwiegend in technischer Kletterei.

Yvon Chouinard verkauft sein selbstgeschmiedetes Equipment im Camp 4 im Yosemite/Kalifornien. | Foto: Patagonia
Yvon Chouinard verkauft sein selbstgeschmiedetes Equipment im Camp 4 im Yosemite/Kalifornien. | Foto: Patagonia

Haken schlagen und sich mit Hilfe von Strickleitern daran hocharbeiten - dieser Stil ist heute nicht mehr so populär, galt aber damals als echte Pionierarbeit. Chouinard merkte bald, dass die Weichstahlhaken aus Europa dem harten Granit nicht gewachsen waren. Klettern ging auf Dauer nur mit Hartstahlhaken, die er schließlich selbst schmiedete und aus dem Kofferraum verkaufte. Für die nächsten Jahre ermöglichte die kleine Firma Chouinard einen freien Lebensstil als Kletterer: Während der Saison stand die Produktion still und die Zeit wurde am Fels verbracht. Im Winter schmiedete er Haken.

Vom Garagen-Betrieb zum Bergsport-Riesen

Die hohe Nachfrage ließ Yvon Chouinard expandieren: Bald ergänzte weitere Hartware wie zum Beispiel Steigeisen sein Sortiment und einige Freunde begannen für ihn zu arbeiten. Bis 1970 entwickelte sich Chouinard Equipment zum größten Hersteller von Bergssteigerausrüstung in den USA. Mit der zunehmenden Popularität des Kletterns wurden auch erste Auswirkungen auf die Umwelt sichtbar. Chouinard bemerkte, dass durch wiederholtes Ein- und Ausschlagen der Haken an den viel begangenen Routen der Fels abplatzte. Die Kletterei hinterließ Spuren.

Besonders deutlich machte dies eine Tour über die Nose am El Capitan: Noch ein paar Sommer zuvor hatten Chouinard und sein damaliger Geschäftspartner Tom Frost die Route völlig unberührt erlebt. Die neuerliche Begehung brachte den Entschluss, aus der Produktion von Haken auszusteigen. Doch zunächst mussten Alternativen her: Chouinard fand sie in Form von Klemmkeilen, Hexentrics und Friends, die heutzutage beim Klettern nicht mehr wegzudenken sind. Seinerzeit mussten die Innovationen häufig erklärt werden, ehe sie als "sicher genug" akzeptiert wurden. Es dauerte einige Zeit, bis sich die Vorzüge der mobilen Sicherungsmittel durchsetzten.

Wellblech und eine Hand voll Mitarbeiter: das Patagonia-Headquater im Jahr 1966. | Foto: Patagonia
Wellblech und eine Hand voll Mitarbeiter: das Patagonia-Headquater im Jahr 1966. | Foto: Patagonia

Zur gleichen Zeit kamen auch die ersten Bekleidungsteile in Chouinards Sortiment hinzu: Rugbyshirts aus England oder Segeltuchhosen mit doppeltem Boden - beides robust und optimal für den harten Einsatz am Fels. Schon während eines legendären Roadtrips 1968 nach Patagonien - entlang der Küste von Kalifornien bis hinunter zum Fitz Roy, an dem sie erfolgreich eine Erstbegehung abschlossen - hatten Chouinard und seine Kumpels erkannt, dass es auch für Expeditionen anderer Bekleidung bedarf. Nun steuerte der Trip neben Erfahrungswerten auch noch Inspiration für den Namen der Bekleidungsfirma bei: Patagonia war geboren. Um nicht ausschließlich als "Kletterklamotten" wahrgenommen zu werden, und um das bestehende Image von Chouinard Equipment nicht zu verwässern, sollte die Bekleidungsfirma auf eigenen Beinen stehen. Als Chouinard Equipment letztlich Ende der 1980er-Jahre an Freunde und Mitarbeiter überging, blieb Patagonia in der Hand des Firmengründers. Von der legendären Schwesterfirma zeugt heute noch das bekannte Diamantlogo - wenn auch unter anderem Namen: Black Diamond!

Patagonias innovative Outdoorbekleidung

Mit Blick auf die Umwelt stellte Chouinard die Produktion von Bohrhaken ein. Bis sich seine Alternativen durchsetzten dauerte es eine Weile. | Foto: Tom Frost / Patagonia
Mit Blick auf die Umwelt stellte Chouinard die Produktion von Haken ein. Bis sich seine Alternativen durchsetzten dauerte es eine Weile. | Foto: Tom Frost / Patagonia

Bei Patagonia wurde von Anfang an viel getüftelt und mit Materialien experimentiert: Fleecestoffe, wie sie bisher für Toilettendeckel - Bezüge und hochflorige Faserpelz-Pullis von Hochseefischern verwendet wurden, fanden eine neue Bestimmung als Bergsportjacke. 1980 folgten schließlich die ersten Unterzieher aus Polypropylen, einer Faser, die kein Wasser aufnimmt. Damit waren nasse und gefrierende Baumwollshirts auf der Haut Geschichte, auch wenn beide Materialien nach wie vor Raum für Verbesserung boten. Doch diese Herausforderung nahm Patagonia gerne an.

Durch die Suche nach geeigneten Fleecestoffen kam Yvon Chouinard in Kontakt mit Polartec beziehungsweise Malden Mills. In enger Zusammenarbeit mit dem Textilhersteller entstanden in den folgenden Jahrzehnten wiederholt Stoffe, die bei den stetig wachsenden Anforderungen des Bergsports Maßstäbe setzten. Laufend wurde an der Qualität gearbeitet.

1993 kam ein neuer Eckpfeiler hinzu: Polyester-Fleece aus wiederverwerteten Plastikflaschen. Zunächst konnten die vorrecycelten Produkte weder qualitativ noch preislich punkten, was die Nachfrage nach den mittlerweile legendären Snap-T-Pullovern nach unten drückte. Patagonia stand das Wasser bis zum Hals, doch Chouinard hielt - wie schon bei den Klemmkeilen - an seiner Idee und den selbst auferlegten Umweltaspekten fest. Durch Hartnäckigkeit und Innovation konnten die Produkte verbessert und die Zahlen wieder in Schwung gebracht werden.

Alles Bio: Patagonia wagt und gewinnt

Ebenso konsequent und wagemutig verlief Patagonias Umstellung auf Bio-Baumwolle: Bei der Besichtigung der Plantagen hatte Chouinard erfahren, wie schädlich die Spritzmittel sind, die für den Baumwollanbau in großen Mengen verwendet werden.

Um die Umwelt zu schonen, stellte Patagonia Mitte der 90er konsequent auf Bio-Baumwolle um. | Foto: Patagonia / Tim Davis
Um die Umwelt zu schonen, stellte Patagonia Mitte der 90er konsequent auf Bio-Baumwolle um. | Foto: Patagonia / Tim Davis

So schwenkte Patagonia Mitte der 1990er-Jahr binnen 18 Monaten komplett auf Bio-Baumwolle um. Beschaffungsprobleme - auf den Börsen wurde nicht genug Bio-Baumwolle gehandelt - waren dabei nur ein kleiner Teil einer großen Herausforderung. Immerhin musste die gesamte Verarbeitungskette überzeugt werden, die Maschinen für die Herstellung der relativ geringen Menge an Bio-Bekleidung zu reinigen. Ebenso musste der gesamte Herstellungsprozess zertifiziert werden.

Für die Herbst/Winter-Saison 2014/15 kündigte Patagonia die Umstellung der gesamten Daunensparte auf eine 100 Prozent transparente Lieferkette an. Damit soll ein lückenlos nachvollziehbarer Herstellungsweg ermöglicht werden, der eine artgerechte Tierhaltung ohne Stopfmastfütterung und Lebendrupf garantiert.

Treu den Wurzeln: e-fibres und soziale Verantwortung

Fleece aus recyceltem Polyester und Bio-Baumwolle sind auch heute noch die Paradebeispiele unter den sogenannten e-fibres, die bei Patagonia verwendet werden. Recyceltes Polyester hilft Müll zu reduzieren und die Ressource Erdöl zu schonen - und das bei rund drei Viertel eingesparter Energie und drei Viertel eingespartem CO2-Ausstoß. Auch die Bio-Baumwolle spielt eine große Rolle, immerhin ist deren ausschließliche Verwendung in der Firmensatzung verankert. Weiterhin werden bei Patagonia natürlich auch andere e-fibres eingesetzt: Tencel, Hanf, möglichst schonend gegerbtes Leder, recyceltes Nylon usw. Es ist erklärtes Ziel, alle Produkte Bluesign zertifizieren zu lassen.

Eines haben alle Patagoniaprodukte gemeinsam, egal ob Gorejacke oder Baumwollshirt: Sie sind recyclingfähig. Dennoch propagiert Patagonia, die Produkte entsprechend weiterzugeben, bis sie wirklich am Ende ihres Produktlebens angelangt sind. Auf diesem Weg trägt bereits das Konsumverhalten zum Umweltschutz bei. Auch im Produktbereich ist und bleibt Patagonia einer der Vorreiter in Sachen Innovation und Funktionalität. So gehen viele der heute selbstverständlichen Produkte auf Patagonias Konto: Angefangen von Capilene-Unterwäsche, über Down-Sweater, den bereits angesprochenen Fleece bis hin zur Puffball-Isolation und vielem mehr. Patagonia betreibt seit Jahrzehnten eigene Labors, um die Stoffe zunächst gemäß den Ansprüchen zu prüfen, und arbeitet bei der Produktentwicklung eng mit den gesponserten Sportlern, den Ambassadors, zusammen. Dabei legt Patagonia mehr Wert auf eine aktive Zusammenarbeit als auf eingekaufte große Namen. Immerhin sollen am Ende die Produkte den Anforderungen in der Praxis gerecht werden.

"Lass die Mitarbeiter surfen gehen" - nach wie vor gelten bei Patagonia die bewährten Grundsätze. | Foto: Patagonia
"Lass die Mitarbeiter surfen gehen" - nach wie vor gelten bei Patagonia die bewährten Grundsätze. | Foto: Patagonia

Nachhaltigkeit in allen Teilbereichen

Als größtes privates Unternehmen in der Outdoorbranche zeichnet Patagonia auch seine Firmenstruktur aus. Weder an irgendeinen Konzern noch an eine Aktiengesellschaft angeschlossen ist es möglich, die Werte weiter zu leben, die seit jeher von Bedeutung waren. So ist jeder im Team begeisterter Sportler und Naturliebhaber. Wenn möglich, wird in der Mittagspause gesurft (Buchtipp dazu "Lass die Mitarbeiter surfen gehen" von Yvon Chouinard, Redline Verlag), die Zeiteinteilung soll möglichst frei erfolgen und es gibt seit langem schon einen Firmenkindergarten. Seit Jahren ist Patagonia bei der Wahl der besten Arbeitgeber Stammgast in den oberen Rängen. Das Konzept bedeutet Nachhaltigkeit in allen Teilbereichen: Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte, die es auch in den Produktionsländern umzusetzen gilt. Faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen, die auch vor Ort kontrolliert werden, sowie die Mitarbeit etwa in der Fair Labor Association stellen ganz entscheidende Eckpfeiler dar.

Das Thema Naturschutz nimmt Patagonia ebenfalls in sehr konkreter Form in Angriff - sei es in tatkräftiger Unterstützung oder finanzieller Hinsicht. So gründete Patagonia die Vereinigung 1% for the planet, deren Mitglieder jeweils ein Prozent des Umsatzes für Umweltorganisationen beziehungsweise -projekte spenden. Allein bei Patagonia beläuft sich das mittlerweile auf über 45 Millionen Dollar, wobei die Organisation aktuell knapp 1.800 Mitglieder hat. Das zeigt, dass der kleine Kletterer, der (eigentlich unfreiwillig) zum erfolgreichen Geschäftsmann wurde, in all den Jahren seiner Maxime treu geblieben ist, aber auch andere inspirieren will - denn alleine macht er die Welt nicht grüner. Patagonias Firmenphilosophie lautet: "Stelle das bestmögliche Produkt her, belaste die Umwelt dabei so wenig wie möglich und inspiriere andere, gemeinsam Lösungen zur Umweltkrise zu finden."

Wer mehr erfahren möchte, besucht www.patagonia.com

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit im Bergzeit Magazin:

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