Ein "perfekter Partner auch für anspruchsvolle Mountaineering-Einsätze", soll der Evoc Patrol Team 40+ sein - verspricht der Hersteller. Ob der Skitouren-Rucksack dieses Versprechen halten kann, hat Christoph Oberschneider draußen getestet.

Evoc hat sich seit der Gründung 2008 mit innovativen, hochwertigen Produkten am Markt der Rucksäcke, Taschen und Protektoren rasch vom einstigen Geheimtipp zu einem der „Big Player“ im Bereich Bike- und Freeride entwickelt. Vor allem mit der Integration von CE-zertifizierten Rückenprotektoren in Mountainbike-Rucksäcke konnte sich die Marke einen Namen machen. Ordentlich Farbe und durchdachte Details tragen zum Erfolg bei. Mit dem Evoc Patrol Team 40L+ will Evoc nun auch im Bereich der großvolumigen Ski(Touren)-Rucksäcke einen bleibenden Eindruck hinterlassen, und zwar einen guten! Ich bin gespannt auf den Evoc Rucksack im Praxistest:

„… der perfekte Partner auch für anspruchsvolle Mountaineering-Einsätze“?

Der Hersteller beschreibt den Rucksack auf der Homepage als „perfekten Partner auch für anspruchsvolle Mountaineering-Einsätze“, und so war ich umso mehr gespannt darauf, ob das Produkt den vollmundigen Versprechungen der Marketingabteilung gerecht werden würde.

Mein erster Eindruck: Der Patrol Team 40+ wirkt auf der Evoc Homepage farblich eher blass, in Wirklichkeit strahlen die Farben deutlich mehr und sind schön satt – vor allem das Rot sieht einfach klasse aus. Genau wie bei meiner restlichen Skiausrüstung finde ich auch beim Rucksack gut sichtbare Farben wichtig. So könnte man im Fall eines Lawinenabgangs zumindest theoretisch schneller entdeckt werden oder bleibt nicht ungesehen verletzt irgendwo im Schnee.

Gutes Material: Die verwendeten Materialien wirken hochwertig – wasserdichte Reißverschlüsse, Aluminiumschnallen, robustes Außenmaterial, gefütterte Fächer – alles, was man sich an einem hochwertigen Rucksack wünscht! Ein Leichtgewicht ist der Patrol mit seinen 1800 Gramm allerdings eher nicht.

Der Verwandlungskünstler Evoc Patrol Team 40L+

Der Evoc Patrol Team: Ein vielseitiger Rucksack mit vielen Extras. | Foto: Christoph Oberschneider
Der Evoc Patrol Team: Ein vielseitiger Rucksack mit vielen Extras. | Foto: Christoph Oberschneider

Zweiter Eindruck  und Gedanke: Uff, das sind aber viele Schlaufen, Bänder und Verschlüsse, die da am Rucksack baumeln. Es dauert schon einige Zeit, bis man herausgefunden hat, welche Schlaufen bzw. welches Befestigungssystem für welchen Ausrüstungsgegenstand gedacht ist.

Kurz zusammengefasst: Es gibt fünf Kompressionsriemen (vier seitlich, ein Fach oben), mit denen man das Volumen des Rucksacks reduzieren kann (wer schleppt denn auch schon immer 40 Liter mit?), Befestigungsmöglichkeiten für Helm, Snowboard, Ski, Schneeschuhe, zwei Eispickel, Stöcke und Kletterausrüstung. Das Hauptfach kann nach oben hin verlängert werden und bietet dann bis zu fünf Liter an zusätzlichem Volumen.

Aufsatzfach oder Deckeltasche: Das (wasserresistente) Aufsatzfach ist in zwei unterschiedlich große Fächer unterteilt, die mit Fleece gefüttert sind und so perfekt für empfindliche Gegenstände wie Mobiltelefon, Skibrille oder Ähnliches geeignet sind. Klappt man das Aufsatzfach hoch, wird darunter das transparente Kartenfach sichtbar – nützlich & gut integriert!

Hauptfach: Am rückseitigen Teil des Hauptfachs befindet sich, wie man es von Evocs Mountainbike-Rucksäcken kennt, die Möglichkeit, eine Trinkblase mit bis zu drei Litern Volumen unterzubringen. Direkt dahinter liegt – nein, kein CE-zertifizierter, ausbaubarer Rückenprotektor, sondern „nur“ eine steife, Metall-gestützte Rückenplatte, die mit den darüberliegenden weicheren Polstern für optimalen Sitz und trotzdem noch gute Luftzirkulation sorgt.

Eine gute Aufteilung beim Evoc Patrol Team 40+

Achtung, Zugriff: Eine weitere geniale Eigenheit des Patrol Rucksacks ist die Möglichkeit, seitlich von außen auf das Hauptfach zugreifen zu können. Jeder kennt die Situation: Man braucht möglichst rasch einen Ausrüstungsgegenstand, zum Beispiel die Kamera, die sich im Hauptfach befindet. Aber nicht ganz oben, wo man sie schnell finden würde – sondern meist verstecken sich solche Teile gerne weiter unten im Rucksack, und die Suche danach kostet dann viel Zeit und Nerven. Der seitliche Zugang löst dieses Problem auf elegante Art und Weise und man fragt sich, wieso diese Lösung nicht bei jedem größeren Rucksack (und anderen Herstellern) integriert ist.

Genügend Platz für alles bietet der Evoc Patrol Team 40+ | Foto: Christoph Oberschneider
Genügend Platz für alles bietet der Evoc Patrol Team 40+ | Foto: Christoph Oberschneider

Frontfach aufgeräumt: Schlussendlich gibt es dann noch das Frontfach, das darauf ausgelegt ist, Lawinenschaufel und Sonde zu beherbergen, es bietet aber auch noch genug Platz für Skitourenfelle und Co.. Evoc denkt aber auch hier weiter und hat in die Abdeckung des Fachs einen umfangreichen Notfall-Plan integriert, der wirklich keine Wünsche offenlässt. Länderspezifische Notrufnummern werden ebenso angeführt wie Notsignale, Signale für Funkverbindungen und die Flugrettung, sowie eine Anleitung für die Lawinenverschüttetensuche und -bergung. Dieser Notfall-Plan ist mit einigen Skizzen versehen, recht umfangreich und gleichzeitig aber so logisch und leicht verständlich aufgebaut, dass er auch in einer akuten Stresssituation angewandt werden kann – ein weiteres sinnvolles Detail, das gut durchdacht ausgearbeitet wurde und hilfreich sein kann, wenn es mal wirklich darauf ankommt.

Mehr Stabilität als Atmungsaktivität

Der Patrol Team 40+ hat mich während des Testzeitraums auf einigen Skitouren begleitet, sowohl bei tiefwinterlichen Verhältnissen mit Wind, Schneefall und weit unter Null Grad, als auch bei frühlingshaften Temperaturen, wie man sie eher Mitte April erwarten würde. Sobald es am Rücken etwas wärmer wird, merkt man, dass der Rucksack nicht auf maximale Belüftung ausgelegt worden ist, sondern mehr Augenmerk auf Stabilität und Robustheit gelegt wurde. Der Patrol bleibt, wo er ist und lässt sich auch durch ruppige Manöver nicht aus der Ruhe bringen. Gerade das ist mir bei Skitourenrucksäcken wichtig, dass sie gut sitzen und nicht beim Übergang von einem Schwung zum nächsten noch träge schwingen und mich so aus der Balance bringen.

Der Patrol Team 40+ hat mich in dieser Hinsicht wirklich beeindruckt. Denn er sitzt super und verrutscht nicht – die breite Abstützung über dem (abnehmbaren) Hüftgurt in Kombination mit dem steifen Rückenteil macht’s möglich. Besonders atmungsaktiv ist der Rückenteil allerdings nicht, man kommt merklich leichter ins Schwitzen. Ich kann mit dem Kompromiss aus geringerer Atmungsaktivität zugunsten hoher Stabilität gut leben, aber das ist eine Frage der persönlichen Präferenzen.

Der Evoc Patrol Team 40+ – Kein Leichtgewicht, aber ein Allrounder

Bei längeren Touren habe ich dann doch auch das etwas höhere Eigengewicht des Evoc Patrol Team 40+ gespürt. Nach zwei bis drei Stunden summiert sich der Gewichtsunterschied verglichen mit leichteren Tourenrucksäcken, man ermüdet etwas schneller, aber doch spürbar. Aber auch das war nie ein echtes Gegenargument für mich. Der Patrol Team bietet einfach so viel mehr als jeder andere mir bekannte Skitourenrucksack, dass das Mehrgewicht dafür völlig in Ordnung geht, schließlich muss der Zusatz den er gibt auch etwas ins Gewicht fallen.

Für die kurze Skitour nach Feierabend gibt’s sicher besser geeignete Rucksäcke, keine Frage. Aber sobald man sich in alpines Terrain wagt, lernt man ganz schnell die Variabilität des Patrol kennen. Helm, Steigeisen, Felle, Eispickel, Klettergurt, Seil, Karabiner, Daunenjacke, Kamera, Trinkflasche, Brotzeit, Powerriegel, Karte, Handy & Kleinzeug – es ist genug Platz für alle(s) da! Und wenn man doch mal weniger Zeug mitschleppen möchte, lässt sich der Rucksack mit wenigen Handgriffen komprimieren. Der Patrol ist dadurch für hochalpine Touren genauso geeignet wie für Einsätze abseits der hohen Gipfel.

Test-Fazit zum Evoc Patrol Team 40+

Mit dem Patrol hat Evoc einen Rucksack im Programm, der mit seinen vielfältigen Befestigungsmöglichkeiten, dem variablen Volumen, einem sehr stabilen und doch angenehmen Tragesystem, hochwertigen Materialien und vielen cleveren Details überzeugt. Der Patrol mag zwar kein Leichtgewicht sein, aber das Leergewicht eines Rucksacks spielt in dieser Kategorie sowieso eine untergeordnete Rolle. Jeder, der einen Rucksack mit großem Einsatzbereich sucht, sollte sich den Patrol genauer ansehen. Der Rucksack mag zwar zu Beginn durch die Vielfalt an Befestigungsmöglichkeiten verwirren, je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr lernt man aber die Variabilität bzw. den großen Einsatzbereich des Patrol zu schätzen. Er ist dadurch nicht nur für alpine Hochtouren zu empfehlen, sondern auch für weniger extreme Einsätze. Der Preis ist der Qualität durchaus angemessen.

Alle Daten und Details zum Evoc Patrol 40+ im Überblick

  • Gewicht 1.800 Gramm
  • 40 Liter und zusätzliche 5 Liter im Fach oben
  • Rucksacktyp: Toploader mit seitlicher Eingriffmöglichkeit
  • Metallgestützte Rückenplatte, dadurch ist der Rucksack sehr stabil
  • Mit Fleece gefüttertes Aufsatzfach für Skibrille o.ä.
  • 5 Kompressionsriemen zum Verkleinern
  • Befestigungsmöglichkeiten für Helm, Snowboard, Ski, Schneeschuhe, Eispickel, Skistöcke, Kletterausrüstung
  • Abnehmbarer Hüftgurt
  • Platz für eine Trinkblase mit 3 Litern
  • Zum Evoc Patrol Team 40L+5L Skirucksack bei Bergzeit

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