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Stretch baby, stretch!

Warum dehne ich immer erst wenn’s wehtut?

3 Minuten Lesezeit
Dehnen, das klingt wie G√§hnen. M√ľhsam, langweilig, l√§stig. Dehnen ist etwas, das unsere Autorin Judith nur allzu gern aus ihrem Sportprogramm streicht. Manchmal hat ihr K√∂rper aber die besseren Argumente und dann fragt sie sich: Warum dehne ich eigentlich immer erst, wenn es wehtut?

Vor ein paar Monaten stand ich in einer lustigen Runde Bergsportler unterschiedlichster Levels und Disziplinen und lauschte gespannt, als mein Gegenüber – nennen wir ihn bildlich gesehen mal Mr. V. – seltsam unbewegt von seinem jüngsten Schlamassel in einer Felswand erzählte: Hexenschuss, zweite Seillänge, 7a.

Da stand er nun: schief, schmerzverzerrt und schuldbewusst. Seine Physiofrau hätte ihm das Dilemma bereits vorhergesagt und lang vor der besagten Tour einen Rat gegeben: Du musst mehr dehnen! Was nun folgte war ein umfangreicher Erfahrungsaustausch zum Thema Nicht-Dehnen samt reumütiger Selbstkritik: #ichdehneimmererstwennswehtut

Ist die Welt voll geschmeidiger Yogis? Nein, es gibt sie da draußen! Dehnmuffel dieser Welt, vereinigt Euch!

Pixabay

Ist die Welt voll geschmeidiger Yogis? Nein, es gibt sie da draußen! Dehnmuffel dieser Welt, vereinigt Euch!


Bis zu jenem Abend war ich überzeugt, dass mangelhafte Dehnfreudigkeit ein individuelles Problem meinerseits ist. Meine Dehn-Unlust war zudem eine höchst private Sache, über die ich sicherlich niemals einen öffentlichen Text schreiben würde. Nun ja…

Warum aber fällt es mir und offensichtlich auch manch anderen sooooo schwer sich zu dehnen?

Warum muss es erst irgendwo zwicken und zwacken, ehe das Thema Stretching auf die Agenda rückt?

Zumindest wenn man nicht zum erleuchteten Kreis der geschmeidigen Vieldehner gehört?

Theoretisch ist Dehnen quasi eine Teildisziplin der allermeisten Sportarten. Praktisch (realistisch) betrachtet, ist Dehnen bei mir jener Teil vom Sport, den ich konsequent schwänze. Nicht, weil es mir nicht gut tut. Nein, ich bin mir durchaus bewusst, dass ein ausgedehntes, regelmäßiges Stretching vielfältige Vorzüge hat.

Auch meine große Therapeutenschwester wird schon seit Jahren nicht müde zu erwähnen, dass ich jetzt wirklich endlich mal mehr dehnen muss. Echt jetzt. Mehr Flexibilität und Beweglichkeit, mehr Leistungsfähigkeit, eine bessere Durchblutung, Stressabbau und – das ist in meinem Fall besonders relevant – weniger Verspannungen wären bei konsequentem Dehnen zu erwarten. Das Schlimme daran: Ich weiß, dass sie recht hat.

Und trotzdem: Dehnen ist laaaaangweilig – finde ich. Ich mag es nicht.

Dehnen ist so attraktiv wie die ausgelatschten Laufschuhe meines Mannes.

Wenn ich mich schon bewege, dann möchte ich mich vorwärts bewegen, mehr sehen und erleben, als die 1,12 Quadratmeter Einfalt meiner Trainingsmatte. Ich möchte draußen aktiv sein und nicht drinnen stationär rumturnen und – das ist wahrscheinlich der Knackpunkt – meine Zeit für das verwenden, was ich wirklich(!) gerne mache.

Gewiss, auch der innere Schweinehund spielt bei mir in Sachen Dehnen eine maßgebliche Rolle. Denn was bisher unerwähnt blieb: Ich bin faul. Sport kann bei mir durchaus mal bis zum Wochenende warten. Daher gilt umso mehr: Wenn ich mich aufraffe, dann mache ich etwas, das ich gerne tue. Gefälligst!

Dummerweise deckt sich das, was ich gerne oder auch nicht so gerne tu, nicht immer mit dem, was mein Körper gerade möchte.

Mein Körper kennt beim Thema Dehnen durchaus Wege, um einen unwilligen Geist ganz schnell willig zu machen. Nicht immer braucht es dafür einen Hexenschuss in 7a.  

So zieht es mich aus gegebenem Anlass seit einigen Wochen regelmäßig zum „Yoga für mehr Beweglichkeit“. Auch daheim bin ich im Moment ungewöhnlich häufig auf der Turnmatte zu Gast. Und wenn ich da so dehne und spüre, wie der Schmerz stetig nachlässt und die Muskeln mit jeder Wiederholung lockerer werden, dann gelobe in Gedanken feierlich: Ich mach’s jetzt! Regelmäßig! Versprochen! #ichwillmehrdehnen


Was ist mit Dir? Bist Du 2023 dabei, bei #ichwillmehrdehnen? Oder hast Du einen nachhaltigen Tipp, wie man eine Dehn-Routine entwickelt und wegkommt von #ichdehneimmererstwennswehtut?

Ich freu mich auf Deinen Kommentar!

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