Orthesen und herkömmliche Bandagen können helfen, Verletzungen vorzubeugen. Voraussetzung dabei ist, dass die Bandage gut passt und auch für das jeweilige Problem ausgesucht wurde. Der Mediziner Basti Fiedler erklärt, worauf zu achten ist.

1. Orthesen bei bestehenden Verletzungen

Orthesen wie dieses Modell schränken die Bewegungsfreiheit ein, um die Heilung zu beschleunigen. | Foto: Pixabay/jackmac34
Orthesen wie dieses Modell schränken die Bewegungsfreiheit ein, um die Heilung zu beschleunigen. | Foto: Pixabay/jackmac34

Orthesen sind häufig sehr spezielle medizintechnische Produkte, die für einzelne Krankheitsbilder entwickelt wurden und oftmals auch individuell für den jeweiligen Patienten angepasst werden müssen. Oft handelt es sich um spezielle Schienen, die nochmals deutlich stabiler sind als herkömmliche Bandagen und rigide Elemente besitzen. Damit können sie auch Bewegungen beim Sport und im Alltag einschränken – z.B. um einzelne Bänder zu schützen oder nach Verletzungen eine komplikationsfreie Heilung zu ermöglichen.

Das Einsatzgebiet von Orthesen erstreckt sich beispielsweise von Außenbandrissen am Sprunggelenk über Bandrupturen am Knie – bis hin zu Daumenorthesen beim sogenannten Skidaumen. Die Verwendung von Orthesen kann auch nach Bänderdehnungen sinnvoll sein.

2. Bandagen zur Prophylaxe von Sportverletzungen

Die zweite große Gruppe sind Bandagen zur Prophylaxe. Diese sind oftmals als „Universalgrößen“ im Sportgeschäft, im Drogeriemarkt oder auch beim Discounter erhältlich und in der Regel – von speziellen Modellen abgesehen – deutlich einfacher aufgebaut als Orthesen. Ihre Aufgabe ist es, das jeweilige Gelenk zusätzlich zu stabilisieren, um so Beschwerden vorzubeugen oder zu mindern. Mit am häufigsten sieht man Kniebandagen, die vielen Bergsteigern beim Bergabgehen helfen. Auch helfen diese Bandagen durch die Erhöhung der Stabilität Verletzungen vorzubeugen – z.B. beim Umknicken.

Kniebandagen wie dieses Modell von CEP kommen als Vorbeugung gegen Knieverletzungen zum Einsatz. | Foto: CEP
Kniebandagen wie dieses Modell von CEP kommen als Vorbeugung gegen Knieverletzungen zum Einsatz. | Foto: CEP

Zur Wirksamkeit von Bandagen und Orthesen beim Sport

Doch wie steht es nun um die Wirksamkeit von Bandagen und Orthesen? Ich habe ein Beispiel aus der aktuellen Forschung herausgesucht – es gibt aber auch viele anderen Quellen dazu.

Ein Kieler Forschungsinstitut hat im Jahr 2014 die aktuelle Datenlage durchforstet und eine Zusammenfassung zur aktuellen Forschungssituation erstellt, um die Wirksamkeit von Bandagen und Orthesen am Knie genauer zu untersuchen. Dabei ging es lediglich um Produkte für den Kniebereich – aber ich denke, man kann dies ganz gut als Ausgangspunkt für Diskussionen zu anderen Gelenken heranziehen.

Insgesamt konnten dabei mehrheitlich sehr positive Effekte bewiesen werden – Bandagen tun in aller Regel was sie sollen und stabilisieren Gelenke oder helfen bei der Heilung von bereits bestehenden Verletzungen. Als Voraussetzung werden dabei aber einige wichtige Grundlagen hervorgehoben: Es muss ganz genau differenziert werden, bei welcher Indikation welche Art von Bandage oder Orthese getragen wird. Der Markt ist unübersichtlich und riesengroß und die Auswahl kaum zu überblicken.

Gute Beratung ist unerlässlich

Hier hilft nur eine gute Beratung – und bei schwerwiegenden medizinischen Gründen der Gang zum Arzt oder Orthopädietechniker. Nur hier kann gewährleistet werden, dass auch das passende Modell ausgesucht wird. Auch die Compliance ist wichtig (Anmerkung: Der Begriff Compliance beschreibt in der Medizin, wie genau sich der Patient daran hält, was ihm verordnet wird. In diesem Beispiel also, wie regelmäßig er die Bandage trägt oder bei welchen Belastungen).

Am Knie kommen Bandagen im Bergsport besonders häufig zum Einsatz. | Foto: Pixabay/boundsmarnie
Am Knie kommen Bandagen im Bergsport besonders häufig zum Einsatz. | Foto: Pixabay/boundsmarnie

Das soll andersherum nicht heißen, dass man keine Bandagen im Sportgeschäft, Drogerienmarkt oder Discounter kaufen soll. Auch diese können ihre Aufgabe (Stabilisierung des Gelenkes) erfüllen und damit Beschwerden eindämmen – etwa bei Patienten, die einmal Bandverletzungen erlitten haben und nun Beschwerden haben oder bei Patienten mit Arthrose, denen der zusätzliche Stabilitätsfaktor ebenfalls hilft. Auch hilft die zusätzliche Stabilität unter Umständen, vor neuen Verletzungen zu schützen – eine hundertprozentige Sicherheit bedeutet es jedoch nicht. Auch hier muss auf eine perfekte Passform geachtet werden.

Fasst man nun zusammen – was bleibt dann stehen?

  • Bandagen können helfen, Beschwerden zu lindern
  • Bandagen können helfen, bei bereits bestehenden Verletzungen die Heilung zu unterstützen
  • Bandagen können neuen Verletzungen vorbeugen

ABER: Dies gilt nur unter der Voraussetzung, dass die Passform stimmt und dass für die richtige „Fragestellung“ auch die richtige Bandage ausgewählt und diese im Zweifel von einem Spezialisten (gut sortiertes Sportgeschäft, Orthopädietechniker, Orthopäde) angepasst wird.

Quelle: IGSF Institut für Gesundheits-System-Forschung GmBH, Kiel, Juli 2014, Goldbach & Habetha

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