Kaum ein Wanderer, Kletterer oder Spaziergänger, der noch keinen Zeckenstich hatte: Wir informieren über Sofort-Hilfe-Maßnahmen gegen den weitverbreiteten, krankheitsübertragenden Blutsauger.

Die Zecke – beißt oder sticht sie? Die Wissenschaft, respektive die Biologie und die Medizin, ist sich in dieser Angelegenheit einig: Die Zecke, auch der gemeine Holzbock (lat. Ixodida) genannt, sticht! Ausgestattet mit scharfen Mundwerkzeugen ritzen Zecken zuerst die Haut ihres Opfers auf, um anschließend ihren Stechrüssel im Gewebe des Wirtes zu versenken.

Zecken stechen nicht wie zum Beispiel die weibliche Stechmücke gezielt in Blutgefäße des Menschen, sondern sie verankern sich erst mit Widerhaken an der Haut, um circa fünf bis 30 Minuten nach dem Stich eine Art Klebstoff auszusondern, der die Zecke noch fester an ihren neuen Wirt bindet. Ab diesem Zeitpunkt ist es gar nicht mehr so leicht, die Zecke aus der Haut zu bekommen. Besser man sieht sich vor und weiß gut Bescheid, was im Falle eines Zeckenstiches zu tun ist bzw. wie man Zecken richtig entfernen kann, denn leider ist die Zecke als Überträger von Borreliose und Frühsommermeningoenzephalitis, kurz FSME, nicht ganz ungefährlich.

Keine Panik beim Zeckenstich

Zecke vorbeugen, Zecke entfernen | Foto: Martin Hanke
Die Zeiten, als man den festgebissenen Zecken noch mit Öl, Sekundenkleber oder Nagellack zu Leibe rückte, sind lange vorbei. Mittel der ersten Wahl zum Zecken entfernen sind die Zeckenzange, der Zeckenhaken und die Zeckenkarte.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen erwischt einen die Zecke doch manchmal, vor allem Wanderer, Kletterer und andere Bergsportler sind nicht vor ihr gefeit. Wenn das Spinnentier bereits an der Haut entdeckt wird, sollte es so bald wie möglich entfernt werden. Eile ist geboten, jedoch sollte nicht überhastet an der Zecke herumgespielt werden. Das schnelle Herausziehen mit den Fingernägeln ist unbedingt zu unterlassen, da das Risiko besteht, die Zecke auszudrücken, was unbedingt vermieden werden sollte. Es wird geraten, bei Waldspaziergängen, Kletter- und Biketouren sowie allen anderen wald- und wiesennahen Ausflügen eine Zeckenzange oder -karte dabei zu haben.

Das richtige Entfernen einer Zecke

Beim Zecken entfernen geht es nicht um Sekunden. Vielmehr sollte genau und präzise herangegangen werden: Mindestens zwölf Stunden bis zu zwei Tagen sind für die Bakterien bzw. Spirochäten, die Erreger der Borreliose, vonnöten, um vom Darm der Zecke über den Saugapparat bis hin zum Wirt zu gelangen. Bei FSME wird leider sofort nach dem Stich übertragen. Die Zecke in Ruhe und mit Konzentration zu entfernen oder entfernen zu lassen, ist von großer Wichtigkeit. Die Hauptsache ist, man bekommt die Zecke heraus, ohne diese zu quetschen oder Teile davon abzureißen. Eine Zecke lässt man zunächst also einfach dort, wo sie vorläufig noch ist, und macht sich daran, das richtige Werkzeug bereitzulegen.

Zecken entfernen mit Zeckenkarte, Zeckenzange und Pinzette

Zecken entfernen mit Zeckenzange. Die Zange mit Druck hinten öffnen, nah an der Haut anlegen und gleichmässig kräftig nach oben ziehen.
Zecken entfernen mit Zeckenzange. Die Zange mit Druck hinten öffnen, nah an der Haut anlegen und gleichmässig kräftig nach oben ziehen.

Die Zeiten, als man den festgebissenen Zecken noch mit Öl, Sekundenkleber oder Nagellack zu Leibe rückte, sind lange vorbei. Heute weiß man, dass diese Mittel zum Erbrechen der Zecke führen können – die Erreger von FSME und Co also direkt in die Blutbahn gelangen. Am besten eignen sich zur Entfernung sogenannte Zeckenzangen oder -pinzetten, Zeckenhaken oder auch Zeckenkarten. Diese sind die beliebtesten und wirkungsvollsten Werkzeuge. Auch die Drehbewegung war gestern, nur vermeintlich löst sich die Zecke so leichter – oft dreht man dabei die Zecke ab und hat somit genau das Gegenteil erreicht. Die Zecken schrauben sich nicht in die Haut, sondern verankern sich mithilfe kleiner Widerhaken an ihrem Stechrüssel und kleben sich zudem auch noch mit einem Sekret fest. Wenn Teile des Saugapparats oder gar der ganze Kopf der Zecke stecken bleiben, sollte man die Stelle gut desinfizieren und eventuell den Hausarzt aufsuchen.

Behutsam und kontrolliert

Zecke vorbeugen, Zecke entfernen | Foto: Martin Hanke
Die Zeckenkarte ist beliebt, da sie selbst im Portemonnaie Platz findet. Die Karte nah an der Haut ansetzen und die Zecke möglichst beim Schlitzende festhaken und dann nach oben herausziehen.

Zecken werden immer nach dem gleichen Prinzip entfernt:

  • Möglichst nah an der Haut wird das Werkzeug zum Zecken entfernen angesetzt,
  • die Zecke fest fixiert und dann behutsam
  • und ohne Unterbrechung herausgezogen.

Das Herausziehen muss relativ kräftig, aber trotzdem vorsichtig und kontrolliert, geschehen. Gleichmäßiger Zug ist vonnöten. Bei der Zeckenkarte, wie auch bei der Zeckenzange und der Pinzette darauf achten, dass man die Zecke möglichst nah an der Haut zu greifen bekommt. Beim Entfernen mit der Zeckenkarte sollte die Zecke also möglichst am Schlitzende stecken. Die Werkzeuge packen das Tier fest und fixieren den unteren Teil der Zecke. Achtung, die Zecke muss fest fixiert werden, da sie sonst abreißen könnte oder sich das Werkzeug über die Zecke schiebt und diese ausdrückt. Die Zeckenschlinge erfordert einiges an Übung und wird deshalb oft von Ärzten und Erfahrenen, wie Waldarbeitern und Hundebesitzern, eingesetzt. Wenn man alles richtig macht, bleibt in der Regel nichts außer eine kleine Wunde zurück. Desinfizieren der Stichstelle macht, wenn man ein Mittel zur Hand hat, auf jeden Fall Sinn.

Nach Zeckenbiss zum Arzt?

Je länger die Zecke Zeit hatte sich festzusaugen beziehungsweise zu verkleben, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Tier, falls es Erreger besitzt, diese auch übertragen hat. Wer eine Zecke circa zwölf Stunden lang in der Haut hat, sollte sich in Risikogebieten zum Arzt begeben – die Zecke selbst zu entfernen wird ohne Erfahrung höchstwahrscheinlich sehr schwierig sein. Bei Schwierigkeiten, Unklarheiten, oder wenn man grippeähnliche Symptome wie Wanderröte, Kopfschmerzen, extreme Schlappheit und Gliederschmerzen an sich entdeckt, sollte man seinen Hausarzt aufsuchen.

FSME und Borreliose – von Zecken übertragene Krankheiten

Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland, Stand: April 2014 | Karte/Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin (RKI)
FSME-Risikogebiete in Deutschland | Karte/Quelle: Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin (RKI)

Eines vorweg: Selbst in Risikogebieten für FSME oder Borreliose ist nicht jede Zecke durchseucht. Die Durchseuchungsrate kann örtlich erheblich variieren. Es ist auch nicht so, dass jede infizierte Zecke im Falle eines Stichs zu einer Infektion beim Wirt führt. Im Mittel führt jeder 30. Stich zu einer Infektion – abhängig von der Dauer des Zeckenbefalls und dem korrekten Entfernen der Zecke. Außerdem führt nicht jede Infektion zu Krankheitserscheinungen. Dies gilt sowohl für Borreliose als auch für FSME.

FSME ist vor allem in Süddeutschland verbreitet. Die Verbreitung von Borreliose ist nicht so genau erfasst, das heißt die jährliche Zahl an Borreliose-Infektionen ist relativ unbekannt. Eine Meldepflicht gibt es in Deutschland in nur der Hälfte aller Bundesländer. Man geht von jährlich circa 60.000 bis 100.000 Infektionen in Deutschland aus. FSME und Borreliose sind die beiden Krankheiten mit dem höchsten Bekanntheitsgrad, aber leider nicht die einzigen, die von der Zecke übertragen werden können. Die Babesiose, wie auch die Rickettsiose (Fleckfieber), ist im Mittelmeerraum verbreitet, beim Menschen aber eher selten zu finden. Die Ehrlichiose kann in den Südstaaten der USA und zum Teil in Europa vorkommen. Das Krim Kongo Fieber tritt in Südosteuropa, Asien oder Afrika auf.

Fazit: Gut vorbereitet auf Tour und in den Urlaub

Die Zeckenzange, das Anti-Zecken-Repellent und das Desinfektionstuch gehören in jedem Fall in die Deckeltasche des Rucksacks, das Erste-Hilfe-Set beziehungsweise in die Reisetasche. Vor einer Reise informiert man sich am besten beim Robert Koch Institut oder persönlich bei seinem Hausarzt zu seinem Reiseziel und den dortigen Infektionskrankheiten und deren Überträgern. Im Falle eines Zeckenstiches sollte man sich nicht verrückt machen lassen, die Ruhe bewahren und nicht gleich das Schlimmste annehmen – und erst recht nicht wegen der kleinen Quälgeister die Freude am Draußensein verlieren.

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