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Wie eine zweite Haut

Wie finde ich die richtige Größe bei Kletterschuhen?

7 Minuten Lesezeit
Fast wie eine zweite Haut sitzen sie um unsere Füße und geben uns Halt, wenn's drauf ankommt: unsere Kletterschuhe. Woher aber weiß ich, welche Größe die richtige für mich ist? Was sollte ich in Sachen Form und Passform beachten? Bergzeit Autor Franz Mösbauer hat die Antworten!

Wie klein – oder groß – müssen Kletterschuhe eigentlich sein? Auf diese Frage zur Größenwahl von Kletterschuhen wird Dir jeder eine andere Geschichte erzählen.

Ich gebe Dir hier fünf Fragen, die Dich bei der Wahl der passenden Kletterschuhe unterstützen.

1. Welches Kletterniveau hast Du?

Abhängig vom Stil der Route gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der Schwierigkeit und der potentiellen Trittgröße. Daher darfst Du in den unteren und mittleren Graden Deine Kletterschuhe ruhig größer wählen, sodass die Zehen noch nicht maximal aufgestellt im Schuh eingepfercht sind. Hier sind in der Regel ausreichend große Tritte vorhanden, die noch nicht so viel „Zehenspitzengefühl“ erfordern, wie in den höheren Schwierigkeitsgraden.

Es gilt die Faustregel: Je schwerer Du kletterst umso enger werden Kletterschuhe, da Du auf kleineren Tritten stehen musst. So kann die Größenwahl zwischen Einsteiger und Experte schon einmal um ein bis eineinhalb Größen auseinandergehen.

Wähle also als Einsteiger eher etwas bequemere Schuhe.

2. Bei welchem Hersteller suchst Du?

Schaue Dich um, wie andere Modelle eines Herstellers im Vergleich zur „Straßenschuhgröße“ ausfallen.

Kletterschuhe fallen je nach Modell und Hersteller im Vergleichzu einer „normalen“ Schuhgröße sehr unterschiedlich aus. Oft sind Größen innerhalb eines Herstellers die Größen einigermaßen vergleichbar, so bleiben Unterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern bezüglich Größenschlüssel und Passform bestehen. Hier zwei Beispiele:

  1. So fallen tendenziell die Schuhe von La Sportiva am kleinsten aus, gefolgt von Scarpa.
  2. Bei Five Ten oder Evolv hingegen liegt die passende Größe im Bereich der Straßenschuhe.

Somit ist ein zuverlässiger Vergleich zwischen den Herstellern schwer möglich und es helfen nur Erfahrungsberichte und Anprobieren. Hier helfen unsere Kletterschuh-Testberichte aus dem Bergzeit Magazin sowie unser Beitrag:

3. Für welches Einsatzgebiet brauchst Du die Kletterschuhe?

Überlege, für welches Einsatzgebiet Du Deine Kletterschuhe brauchst.

Denn abhängig von der Tragedauer wird Deine Größenwahl ausfallen. Für Alpintouren wirst Du eine halbe bis ganze Größe dazugeben, für extrem schweres und steiles Bouldern eher eine habe bis ganze Größe wegnehmen.  Dazu einige grundsätzliche Tipps:

  • Einsteiger: Als Anfänger bist Du in vielfältigsten Gelände unterwegs. In erster Linie musst Du Meter machen. Deshalb solltest Du viele Meter machen – und dafür brauchst Du einen eher bequemen Schuh, der Dir die Freude am Klettern nicht verdirbt. Mehr erfahrenKletterschuhe und Boulderschuhe für Anfänger
  • Kletterhalle/Boulderhalle: In Boulderhallen findet sich der Kletterer nur zu oft im steilen Gelände oder auf großen Volumen wieder. Hier kommen vielfach eher weiche, stark vorgespannte Kletterschuhe zum Einsatz. In Kletterhallen beim Routenklettern darf der Schuh – je nach Kletterlänge – auch etwas steifer sein.
  • Steile Klettereien mit kleinen Tritten/Boulder mit Heel- und Toehooks: Für beide Fälle sind stark vorgespannte, fest sitzende Schuhe die ideale Wahl, welche zudem auch entsprechend eng gewählt werden, um eine optimale, punktuelle Kraftübertragung zu erreichen.
  • Platten- und Reibungsklettereien:Hier sind weichere, im Zehenbereich flache Schuhe ohne Vorspannung von Vorteil, um möglichst viel Fläche zum Aufbau der Reibung zu haben. Hier sind weniger enge Kletterschuhe das Mittel der Wahl, da Du hier den Schuh besser abknicken kannst.
  • Tendenziell senkrechten Touren mit eher kleinen Tritten: Für diese Voraussetzungen beim Klettern bieten sich etwas härtere Schuhe mit einer leichten Vorspannung an, die bereits auch enger gewählt werden können.
  • Klassisches Alpinklettern: Für das klassische Alpinklettern eignen sich weniger enge und mittelharte Schuhe ohne Vorspannung an. Zu weiche Schuhe wirken in langen Touren eher ermüdend und bei zu engen Schuhen werden die zehn Seillängen – oder auch mehr – irgendwann zur Qual.
  • Risse im Granit:Bei Rissen im Granit bewähren sich entweder weiche, flache Slipper oder ebenfalls harte, aber flache Modelle. Ähnlich wie bei der Platten- und Reibungskletterei reichen in der Regel weniger enge Kletterschuhe aus.

Falls Du nicht sicher bist: In unserem Magazinbeitrag über Downturn, Vorspannung & Asymetrie findest Du das Wichtigste noch einmal kurz zusammengefasst.

4. Welche Fußform brauchst Du bei Kletterschuhen?

Schaue, ob Deine Fußform mit der Form der Kletterschuhs zusammen passt!

Vielleicht hast Du schon einmal gehört, dass die Fußform bei Kletterschuhen eine wichtige Rolle spielt. Aber was bedeutet das genau? Prinzipell unterscheidet man nach der Zehenform zwischen drei verschiedenen Fußformen:

  • Ägyptisch: die Zehen bilden eine relativ gleichmäßige schräge Linie, ausgehend vom großen Zeh; Auchtung muss nicht zwingend schmal sein.
  • Römisch/Romanisch: Der große Zeh und die zwei nachfolgenden Zehen sind nahezu gleich lang.
  • Griechisch: eher breit; der Zeigezeh, also der Zeh nach dem großen Zeh, ist sogar etwas länger als der große Zeh.
Die verschidenen Fußformen grafisch dargestellt
Hier siehst Du nochmal die verschiedenen Fußformen!

Je nachdem, welche Fußform Du hast, passen Dir bestimmte Modelle besonders gut. Eben weil sie Deine Zehen weniger stark einengen oder zu viel Luft lassen. Zusätzlich kannst Du herausfinden, ob Deine Füße für diese Form eher schmal oder eher breit sind. Hier gilt folgende Faustregel zur groben Orientierung: Schuhe mit starker Asymmetrie passen eher zum ägyptischen Fuß (Du bist nicht sicher was Asymetrie ist? Dann lies in unserem Beitrag zum Thema Asymetrie bei Kletterschuhen nach.

Wie gehst Du am besten vor um eine Vorauswahl für Deine Kletterschuhauswahl zu treffen:

Wenn Du auf der Grundlage der Fußform eine Vorauswahl treffen willst gehst du am besten folgendermaßen vor:

  • Finde heraus, welche Fußform für Dich am ehesten zutrifft.
  • Betrachte auf dieser Grundlage noch einmal die Kletterschuhe, die für Deinen Anspruch infrage kommen.
  • Schaue Dir die Produktbilder genau an, insbesondere die Ansichten von oben und von unten. Daraus kannst Du manchmal eine grobe Übereinstimmung mit Deinem Fuß ermitteln.
  • Achte auf die auf die Informationen unter „Passform“ (hier wird oftmals schon eine Empfehlung angegeben). Informationen unter „Eigenschaften“. Hier findest Du Informationen zur Asymetrie
  • Lies die Kommentare und Kletterschuh-Testberichte; hier findest Du oftmals schon Hinweise von anderen Nutzern.

5. (Pass-)Form und Verschluss

Abgesehen von den unterschiedlichen Schuhgrößen, hat jeder Hersteller ein unterschiedliches Sortiment an Modellen. Auf der Grundlage Deines Einsatzzwecks solltest Du zu diesen Punkten eine Auswahl getroffen haben.

  • Harte Modelle für kleine Tritte und entspanntes Stehen.
  • Weiche Modelle für ein maximales Trittgefühl und mit der Möglichkeit, mit den Zehen „zu greifen“.
  • Symmetrische Leisten für eine entspannte Passform.
  • Asymmetrische und/oder vorgespannte Leisten (Downturn) für die bestmögliche Performance.
  • Eine hohe Zehenbox verlangt eher aufgestellte Zehen, als eine flache Zehenbox.
  • Slipper mit einem Fixiergummi über Klettverschlüsse (Velcros) hin zu Schnürverschlüssen (Laces) für einen besseren Halt des Fußes im Schuh.

Mehr zum Thema Passform erfährst Du in unserem Beitrag „Vorspannung, Downturn und Asymmetrie bei Kletterschuhen„.

Kletterer auf einer alpinen Klettertour
Bei klassischen, alpinen Klettertouren solltest Du lieber einen bequemeren Schuh wählen, um auch am Ende noch Spaß zu haben. (Grundschartner Nordkante, Zillertaler) | Foto: Franz Mösbauer

Das solltest Du außerdem bedenken

  1. Das Obermaterial bei Kletterschuhen ist häufig aus Leder oder Kunstleder, gefüttert oder ungefüttert. Leder ist anfangs noch relativ hart und unbequem, passt sich aber bald perfekt an den Fuß an. Kunstleder hingegen gibt kaum nach und behält dafür länger seine Form wie zu Beginn.
  2. Zudem kennt jeder das Problem, dass Füße am Abend dicker sind als am Morgen. Ähnlich verhält es sich bei kalten und warmen Temperaturen. So sitzt der Schuh im Sommer enger als im Frühjahr oder Herbst.
  3. Außerdem wird die individuelle Fußform des Vorderfußes sowie ein häufiger Größenunterschied zwischen dem linken und rechten Fuß die Wahl nicht vereinfachen.

Mein persönliches Fazit

Es gibt zwar verschiedenste Datenbanken und Größenempfehlungen im Internet. Jedoch führt schlussendlich kein Weg an einem Anprobieren und Durchtesten verschiedener Modelle und Größen vorbei.

Ebenso solltest Du auf Dein subjektives Gefühl vertrauen, ob Du auch mit einen engen Schuh auf lange Sichte zurecht kommst oder eher nicht. Mit zunehmender Erfahrung wirst Du Deine eigenen Vorzüge bezüglich Typen und Größen entwickeln.

Sich in sehr engen Schuhen die Tour hoch zu quälen, ist nicht immer notwendig. Hier sollte jeder für sich entscheiden, ob er dieses schmerzhafte Prozedere wirklich braucht. Wenn der Schuh zu Deinem Fuß passt, sind auch enge Schuhe nicht zwingend schmerzhaft!

Video: Adam Ondra über Kletterschuhgrößen

In seiner YouTube-Reihe „Road to Tokio“ gibt Kletterprofi Adam Ondra seine persönlichen Tipps zum Thema Passform und Größe bei Kletterschuhen. Dass diese Tipps jedoch etwas extremer ausfallen, als für Hobbykletterer umsetzbar, liegt wohl in der Natur seines Talents … ;-)

Im Bergzeit Shop findest Du unser großes Sortiment an Kletterschuhen:

Mehr zum Thema Klettern gibt’s im Bergzeit Magazin:

 

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