Sechs bis sieben Tage dauert eine Mountainbike-Umrundung des Ortlers. Der Weg führt an mehreren Klassikern vorbei, darunter das spektakuläre Madritschjoch. Highlight der Tour ist der legendäre Goldsee-Trail hinab vom Stilfserjoch. Ein Tourenbericht.

Der Ortler – majestätisch erhebt er sich mit seinen drei charakteristischen Graten übers Vinschgau in Südtirol. Schon vom Reschen aus leuchtet er einem entgegen. Das Ortler-Massiv mit den vergletscherten Gipfeln zu umrunden, haben wir uns für diesen Sommer fest vor- und uns dafür sieben Tage Zeit genommen. Ein Berg, drei Biker, sieben Tage Abenteuer.

MTB-Ortler-Umrundung Etappe 1: Prad – Innersulden/Schaubachhütte

Highlight der Ortler-Umrundung per Mountainbike: Mit dem Goldseeweg wartet am Ende der Tour ein flowiger Trail als Belohnung. | Foto: Anke Hoffmann
Highlight der Ortler-Umrundung per Mountainbike: Mit dem Goldseeweg wartet am Ende der Tour ein flowiger Trail als Belohnung. | Foto: Anke Hoffmann

Wir starten an einem Montag Mitte August in Goldrain – dem Tor zum Nationalpark Stilfserjoch. Zunächst geht es auf dem Radweg gemütlich, wenn auch stetig steigend, bis nach Prad, dem eigentlichen Startpunkt unserer Ortler-Umrundung. Die Straße nach Sulden zu fahren, kommt für uns nicht infrage. Denn eines haben wir uns vorgenommen: Asphalt nur dann, wenn es keine Alternative gibt. Diesem Motto bleiben wir auch bis zuletzt treu.

Und so geht es per Bike von Prad hinauf zu den Schweinböden und weiter ins Vellnairtal bis zur Vellnairalpe, die leider Sommerpause hat. Damit bleibt uns unser wohlverdientes Stück Kuchen leider versagt. Hinter der Alpe wird es etwas abenteuerlich, da Muren und Waldarbeiten den Trail zu einer Herausforderung machen. Aber wir schaffen es dennoch, wenn auch unter Zeitdruck, in Innersulden die vorletzte Seilbahn hinauf zur Schaubachhütte zu erreichen. Auf der Schaubachhütte heißt es dann: das hochalpine Panorama genießen und schon mal aufs Madritschjoch freuen!

MTB-Ortler-Umrundung Etappe 2: Schaubachhütte –  St. Walburg (über Madritschjoch)

Tag zwei unserer Ortler-Umrundung per Mountainbike führt uns über einen der spektakulärsten Übergänge unserer Tour: das Madritschjoch (3.123 Meter). Auch im August führt der Weg hinauf durch Altschneefelder und ab 2.900 Meter fängt es dann auch an zu schneien. Nebel und Schnee tun dem Übertritt aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Sie tragen zur ganz besonderen Atmosphäre bei. Und der Trail vom Joch zur Zufallhütte entschädigt erst recht für alle Mühen des Bike-Wanderns. Denn am Madritschjoch wird auch der Biker irgendwann zum Wanderer. Der eine früher, der andere später… Am Zutriftsee vorbei fahren wir ab ins Martelltal und entdecken einen tollen Trail, der uns direkt oberhalb von Morter wieder ausspuckt, so dass wir ohne (Trail-)Unterbrechung in die Waalwege gen Latsch eintauchen können. Und es wird wärmer und wärmer und wärmer…

Die Haselgruber Hütte am Passo Rabbi empfängt müde Mountainbiker auf der Ortler-Umrundung mit Freundlichkeit und Gastlichkeit. | Foto: Anke Hoffmann
Die Haselgruber Hütte am Passo Rabbi empfängt müde Mountainbiker mit Freundlichkeit und Gastlichkeit. | Foto: Anke Hoffmann

Das ist heute aber noch lange nicht alles. Denn schließlich müssen wir noch ins Ultental nach St. Walburg. Von Rabland aus fahren wir mit der Bahn nach Aschbach (1.362 Meter), kurbeln von dort wieder per Mountainbike hinauf zum Vigiljoch (1.743 Meter) und weiter auf schönen Trails vorbei an der Naturnser Alm (1.910 Meter) bis hinauf auf 2.200 Meter. Etwas unterschätzt haben wir den Weg Nr. 1 an den Falkomai-Almen vorbei, der uns ins Ultental bringt. Ein zweifelsohne schöner Hangweg, der stets zwischen 2.000 und 2.100 Metern am Hang entlang läuft und Kräfte sowie vor allem Zeit kostet. Als die Seilversicherung auftaucht, trauen wir unseren Augen nicht, aber da haben wir es auch schon fast geschafft. Noch einige Höhen- und Kilometer und das Ultental taucht unter uns auf – jetzt aber nichts wie hinab nach St. Walburg, denn es dämmert bereits.

MTB-Ortler-Umrundung Etappe 3: St. Walburg – Haselgruber Hütte/Rabbi-Joch

Nachdem uns Tag zwei doch einiges abverlangt hat, lassen wir es heute gemütlich angehen. Denn wir müssen „nur“ hinauf zum Rabbi-Joch (2.460 Meter) und zu der kurz dahinter gelegenen Haselgruber Hütte. Bis zum Talschluss rollen wir uns gemütlich ein und legen bei St. Getraud eine Pause am Nationalparkhaus Lahner Säge ein, bevor es dann immer am Kirchbergbach entlang hinauf gen Joch geht. Das Wetter meint es heute sehr gut mit uns und so radeln wir bei Sonnenschein bis zur Kirchbergalm. Eine wirklich lohnenswerte Einkehr! Das Wetter schlägt danach zwar um, aber wir warten den Regen ab und kommen trotzdem bereits am späten Nachmittag – wenn auch im Nebel – trocken am Passo Rabbi und der wenige Meter dahinter gelegenen Haselgruber Hütte an. Eine Übernachtungshütte, die in Sachen Freundlichkeit und Gastlichkeit ihresgleichen sucht.

MTB-Ortler-Umrundung Etappe 4: Haselgruber Hütte – Valle di Viso

Eine Alternative zur Fahrstraße auf dem Weg zum Tonale-Pass ist die alte Tonalestraße. Sie verläuft stets etwa 100 Höhenmeter über der Fahrstraße - und das auch noch auf der Sonnenseite! | Foto: Anke Hoffmann
Eine Alternative zur Fahrstraße auf dem Weg zum Tonale-Pass ist die alte Tonalestraße. Sie verläuft stets etwa 100 Höhenmeter über der Fahrstraße – und das auch noch auf der Sonnenseite! | Foto: Anke Hoffmann

Der Morgen des vierten Tages überrascht uns mit strahlend blauem Himmel. Und so fahren wir gut gelaunt und voller Elan über den eigens ausgewiesenen Mountainbike-Trail von der Haselgruber Hütte ab gen Rabbi und weiter auf schöner Route am Hang bis Malè. Jetzt heißt es Kilometer machen auf dem Radweg nach Dimaro. Nach Cappuccino und Torta geht es anschließend weiter auf der Radroute bis Osana, dem Einstieg in die Auffahrt zum Passo Tonale. Wir entscheiden uns für die „alte“ Tonale-Straße, die auf der rechten Talseite immer etwa 100 Höhenmeter oberhalb der Fahrstraße verläuft. Aufgrund des teilweise anspruchsvollen Untergrundes und der durch das etwas „wellige“ Profil zusätzlichen Höhenmeter eine durchaus anstrengende, aber sehr lohnenswerte Alternative zur Passstraße. Vor allem „umfährt“ man Tonale oberhalb (auf etwa 2.000 Meter) und muss diesen durchaus als hässlich zu bezeichnenden ausgestorbenen Wintersportort nur aus der Ferne kurz betrachten.

Weiter führt uns unser Weg ins kleine Dorf Pezzo im Valle di Viso. Ein Stück Passstraße lässt sich nicht vermeiden, aber dann geht es auf schöner Route am Hang entlang direkt zu Virginia und ihrer Pizzeria/Pension Da Guisy. Selten wurden wir so herzlich (mit einer Käse-Speck-Platte) empfangen und so freundlich und zuvorkommend bewirtet!

MTB-Ortler-Umrundung Etappe 5: Pezzo – Rifugio Branca

Auf dem Weg zum Refugio Branca (2.487 Meter) am Fuße des Forni-Gletschers: Die Ausblicke entschädigen den Mountainbiker für seine Mühen. | Foto: Anke Hoffmann
Auf dem Weg zum Refugio Branca (2.487 Meter) am Fuße des Forni-Gletschers: Die Ausblicke entschädigen den Mountainbiker für seine Mühen. | Foto: Anke Hoffmann

Der nächste Tag hat wieder Klassikercharakter: Der Passo Gavia (2.621 Meter) muss überwunden werden. Hier führt auch für Mountainbiker kein Weg an der Passstraße vorbei. Das ist aber auch nicht weiter dramatisch, denn die kleine schmale Passstraße ist wenig befahren und schlängelt sich mit schöner Aussicht und moderater Steigung gen Passhöhe. Die beiden Tunnel können auf einem Rest der alten Straße umfahren werden und hier hat man noch Gelegenheit, die Gedenkstätte für die einst verunglückten Alpini zu besichtigen. 

Dann sind es nur noch wenige Kilometer und Kehren, bevor man die Passhöhe und das Rifugio Bonetta erreicht. Nach einer heißen Minestrone machen wir uns über sehr lohnenswerte „Trail-Abkürzer“ an die Abfahrt ins Valfurva nach Santa Caterina. Und wie soll es auch anders sein: Es geht gleich wieder hinauf und zwar ins Val dei ForniDenn als Übernachtungshütte haben wir uns auf dieser Etappe unserer Ortler-Umrundung das Rifugio Branca (2.487 Meter) direkt am Fuße der Ghiacciaio dei Forni (Forni-Gletscher) ausgesucht. Der Weg zu den Gletschern ist kein leichter, aber die fantastischen Ausblicke und die traumhaft gelegene Hütte entlohnen für alle Mühen! Oben angekommen machen wir es uns bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein erst mal auf der Terrasse bequem und saugen den einmaligen Gletscherblick in uns auf. Das Abendessen ist derart lecker, dass wir gerne noch etwas hier oben bleiben würden.

MTB-Ortler-Umrundung Etappe 6: Rifugio Branca – Stilfserjoch

Das Stilfserjoch (2.785 Meter) aus Mountainbikerperspektive vom Goldsee-Trail. | Foto: Anke Hoffmann
Das Stilfserjoch (2.785 Meter) aus Mountainbikerperspektive vom Goldsee-Trail. | Foto: Anke Hoffmann

Der sechste Tag der Ortler-Umrundung soll uns eigentlich über den Passo Zebru (3.001 Meter) und die Bocchetta di Forcola (2.768 Meter) aufs Stilfserjoch (Stelvio) führen. Da aber eine Kaltfront hereingezogen und die Schneefallgrenze auf 2.000 Meter abgesunken ist, ist daran nicht zu denken. Also planen wir um und fahren über den „Gletschertrail“ ab ins Valfurva und mittlerweile in strömendem Regen bis Bormio. Da auch die Auffahrt durchs Val di Forcola unter diesen Bedingungen nicht möglich ist, entscheiden wir uns für den Bike-Shuttle auf den Stelvio (2.758 Meter), der uns im Schneetreiben nach oben bringt. Den Nachmittag verbringen wir damit, unser Material für den nächsten und letzten Tag zu trocknen und in Ordnung zu bringen.

MTB-Ortler-Umrundung Etappe 7: Stilfserjoch – Prad

Unser letzter und siebter Tourentag auf der Ortler-Umrundung entlohnt uns mit Kaiserwetter für die ausgefallenen Passfreuden des Vortages: strahlend blauer Himmel mit leichtem Schneefall auf dem Stilfserjoch morgens um acht. Wir wollen früh los, denn wir wollen den Klassiker schlechthin fahren: den legendären Goldseeweg. Und da muss man als Biker vor neun Uhr los, denn danach gehört der Weg den Wanderern. Was dann kommt, kann man nicht oder nur schwer beschreiben, das muss man gefahren sein! Trail vom Feinsten vor grandioser Kulisse und das (fast) bis Prad. Noch einen Espresso und einen Kuchen auf der Furkelhütte und weiter geht es auf dem Almweg zur Stilfser Alm – Trails, Trails , Trails… Ein Traum und ein würdiger Abschluss für unser Bike-Abenteuer des Sommers 2014!

Die Etappen der Ortler-Umrundung mit dem Mountainbike im Überblick:

  • Etappe 1: Prad – Innersulden/Schaubachhütte: rund 45 Kilometer, 1.650 Höhenmeter
  • Etappe 2: Schaubachhütte – St. Walburg: rund 85 Kilometer, 1.810 Höhenmeter
  • Etappe 3: St. Walburg – Rabbi-Joch/Haselgruber Hütte: rund 25 Kilometer, 1.360 Höhenmeter
  • Etappe 4: Rabbi-Joch – Valle di Viso: rund 67 Kilometer, 1.505 Höhenmeter
  • Etappe 5: Valle di Viso (Pezzo) – Rifugio Branca: rund 35 Kilometer, 1.900 Höhenmeter
  • Etappe 6: Rifugio Branca – Stilfserjoch: geplant: rund 50 Kilometer, 2.500 Höhenmeter; gefahren: rund 30 Kilometer, 200 Höhenmeter
  • Etappe 7: Stilfserjoch – Prad: rund 52 Kilometer, 700 Höhenmeter

Weitere Infos zur Tour und Planung:

Fotogalerie Ortler-Umrundung

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Kommentare

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Franz

Danke für diesen interessanten Artikel.
Haben auch vor, diesen Sommer eine ähnliche Tour zu starten.
Bin noch auf der Suche nach guten Karten.
Kannst du mir vielleicht einen Tipp geben?
Gruß Franz

Anke Hoffmann

Hallo Franz,
wir haben die Tour komplett mit KOMPASS-Karten geplant und gefahren. Diese sind für das betreffende Gebiet sehr gut und vollkommen ausreichend. Mit den Kartensätzen Ortler WK 72 und Vinschgau WK 52 hast Du schon den größten Teil abgedeckt.
Viele Grüße und viel Spaß, Anke

Thomas Futterknecht

Ein wirklich toller Bericht. Wir haben heuer einen Alpencross gemacht (meist die Albrecht Route) und möchten nächstes Jahr den Ortler umrunden. Also, über zusätzliche Informationen, falls vorhanden, bin ich sehr dankbar.
Viele Grüße Thomas

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