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Salewa Wildfire Edge: Zustiegsschuhe im Test

5 Minuten Lesezeit
Der Wildfire Edge ist die neueste Entwicklung aus dem Hause Salewa, wenn es darum geht, der eierlegenden Wollmilchsau für das Bergsteigen im Sommer in Sachen Schuhe nahezukommen. Und gleich vorweg: Der als Zustiegsschuh klassifizierte Wildfire Edge kommt dieser Vorstellung tatsächlich wieder einen Schritt näher. Lukas Ruetz hat den Test gemacht.

Ich betreibe verschiedenste Arten des Sommer-Bergsteigens: Egal ob es dabei um möglichst schnelles Begehen von Wander-Bergen über Steige (Neudeutsch auch Trailrunning), brüchige Gratüberschreitungen, Hike&Fly oder Gletschertouren geht. Den Großteil meiner Sommer-Höhenmeter lege ich im „Urgestein“ zurück – also in Graniten und Gneisen, viel seltener in Kalkgesteinen. Ich verwende alle Arten von Schuhen: vom leichten Trailrunning-Patschen bis zum hochalpinen Bergstiefel.

Lukas Ruetz mit dem Salewa Wildfire Edge auf einem Grat.
Das mag der Salewa Wildfire Edge: Sommer-Bergtouren mit Kletterstellen bis UIAA V. | Foto: Lukas Ruetz

Zustiegs- oder Approach-Schuhe, wie der Wildfire Edge von Salewa, sind meine Wahl für alle Touren im Sommer, die Kletterstellen von UIAA III bis UIAA V aufweisen. Bisher habe ich nur Zustiegsschuhe von Salewa in meiner Laufbahn verwendet – weil sie perfekt zu meinem Fuß passen. Damit kommen wir schon zur …

Passform des Salewa Wildfire Edge

Bereits zu Beginn sowie im Verlauf des Tests wird schnell klar: Mir passt der Wildfire Edge super. Ich bekomme keine Reibstellen, Blasen oder Druckstellen. Generell habe ich aber einen sehr abgehärteten Fuß und nie Probleme mit Schuhen aller Arten. Wenn Du wissen willst, ob der Schuh auch Dir passt, musst Du immer selbst rein schlüpfen. Ich würde die Form weder als breit noch als schmal bezeichnen.

Was sind eigentlich Zustiegsschuhe?

Zustiegsschuhe sind nicht nur für den Zustieg zu einer Klettertour gedacht, wie ihr Name vermuten ließe. Derartige Modelle sind speziell für das Steigen und Klettern im technisch einfacheren Gelände am Fels angepasst. Also dort, wo man bereits die Hände zwingend benötigt aber man sich meist noch nicht per Seil sichert. Deswegen unterscheiden sie sich grundsätzlich von Trailrunning-Schuhen.

Zustiegsschuhe müssen eine steifere Sohle im Zehenbereich aufweisen, um den Fuß auf kleinen Tritten zu halten. Die Schnürung muss weiter nach vorne laufen, um die Zehen besser im Schuh zu fixieren. Die Kanten, also die Außenseiten der Sohle, sollen etwas steifer sein. Dadurch kann man mit den meisten Zustiegsschuhen auch nicht mehr so leicht vom Berg hinunterlaufen wie mit Laufschuhen. Sie sind bereits wesentlich steifer als Laufschuhe und trotzdem noch weit entfernt von klobigen Bergschuhen.

Eine weiche, biegsame Sohle wirkt sich positiv auf die Gelenke aus, wenn man viel am Berg unterwegs ist. Die steife Sohle von Bergschuhen behindert das Abrollen der Füße – damit wird man nicht nur langsamer. Zusätzlich werden die Gelenke stärker beansprucht und man bekommt bei weiten Touren das typische Sohlenbrennen, weil der Schuh nicht die vom Fuß geforderte Bewegung (das Abrollen) mitmacht.

Hard Facts zum Salewa Wildfire Edge

Beim getesteten Wildfire Edge wurden aus diesen Überlegungen heraus einige Verbesserungen im Gegensatz zu den Vorgänger-Modellen umgesetzt.

  • Die Edging Plate. In der Climbing Zone der Sohle wurde im Zehenbereich eine Platte eingesetzt, die den Schuh dort – und zwar nur dort – massiv versteift. Damit hält der Fuß zuverlässiger auf kleinen Tritten während das Abrollverhalten des gesamten Schuhs beim „normalen“ Gehen nicht behindert wird.
  • Das Switchfit-System. Über eine spezielle, optionale Öse lässt sich beim Wildfire Edge mit Hilfe der Schuhbänder ein zusätzliches Bandsystem flexibel in die Schnürung integrieren. Dieses zusätzliche Band läuft rund um den Fuß, vorbei an Knöcheln und der Ferse, über den Schaft. Schnürt man den Schuh mit der zusätzlichen Öse, kann man nicht nur den Druck auf Rist und Zehen von oben und seitlich durch die herkömmlichen Schnürsenkel abstimmen. Durch das aktivierte Switchfit-System lässt sich gleichzeitig der Raum in der Längsachse komprimieren. Der Fuß wird längsseitig enger in den Schuh gedrückt. Man spürt genau, wie der Fuß enger in den Schuh befördert wird – speziell zum Kraxeln ist dies eine gewaltige Verbesserung.

Zur Sohle

Salewa ist Teil der Oberalp-Gruppe – ebenso wie Pomoca, hauptsächlich bekannt durch die Herstellung von hochwertigen Skitourenfellen. Das Schweizer Unternehmen hat aber auch Erfahrung in der Verarbeitung von Kunststoffen und Gummi. Dies nutzen die Oberalpler mittlerweile und bestücken Skitourenschuhe mit hauseigenen Sohlen. Der Wildfire Edge ist einer der ersten Zustiegsschuhe mit Pomoca-Sohle.

Laien beurteilen eine Schuhsohle meist hauptsächlich nach dem Stollenprofil. Viel wichtiger ist jedoch eine perfekt abgestimmte Gummimischung. Vereinfacht: Je weicher das Gummi, desto höher der Grip, gleichzeitig aber auch verschleißanfälliger. Hier einen guten Weg zu finden, ist eine riesige Herausforderung für Hersteller von Bergprodukten.

Praxistest: So bewährt sich der Wildfire Edge im Gelände

Der Zustiegsschuh Salewa Wildfire Edge auf Felsen
Die Sohle des Salewa Wildfire Edge bietet guten Grip – am Fels, aber auch auf steilem, nassem Gras. | Foto: Lukas Ruetz

Ich war mit dem Wildfire Edge seilfrei auf Graten bis UIAA IV unterwegs. Der Grip am Fels ist sehr gut, auch bei feuchten Bedingungen. Die Stollen der Sohle ermöglichen sogar sehr guten Halt im nassen Steilgras – die schwierigste Kategorie für den Halt von Schuhen. Gleichzeitig sind die Stollen aggressiv rautenartig geformt, sodass sie zusammen eine riesige, reibungserzeugende Fläche am Fels bilden. Guten Grip bei derart verschiedenen Bedingungen bereitzustellen, gelingt nur wenigen Sohlentypen. Meiner Meinung nach ist der Wildfire Edge der erste Schuh aus dem Hause Salewa, der dies gekonnt meistert. Die Vibram-„Noppen“-Sohle der Vorgänger-Modelle war am Fels ebenfalls sehr gut – im nassen, steilen Gras aber um Klassen schlechter.

Gibt es auch Nachteile beim Wildfire Edge?

Den Wildfire Edge gibt es nur mit Echt-Wildleder-Obermaterial. Dadurch ist der Schuh nur seitlich bis zur Zunge wasserdicht. Da eine durchgehende Membran fehlt, wird man relativ schnell nass.

Mein Test-Fazit zum Salewa Wildfire Edge

Der Salewa Wildfire Edge besticht mit einigen technologischen Innovationen. Diese stellen nicht nur Design- oder Marketing-Gags dar, sondern bringen in der Outdoor- bzw. Bergsport-Praxis deutliche Vorteile. Mit dem Switchfit-System kann man den Schuh sehr gut zwischen „Laufmodus“ und „Klettermodus“ umschalten. Dadurch erfüllt er für mich ein neues, noch nie dagewesenes Level in der Symbiose aus Kraxeln und Laufen für Bergaktivitäten im Sommer. Mir taugt’s – und ich möchte keinen anderen Zustiegsschuh mehr!

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