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Erste Wahl für Klettersteige und alpine Zustiege

Der Salewa Wildfire GTX im Test

9 Minuten Lesezeit
Mit dem Wildfire GTX ist Salewa ein echter Tausendsassa unter den Zustiegsschuhen gelungen. Multisportlerin und Bergzeit Magazin-Autorin Julia Ernhofer hat sich den Schuh genauer angesehen - und ihn beim Klettern, Winterwandern und Bergsteigen getestet.

Die Vorfreude auf den Salewa Wildfire GTX war bereits beim Öffnen der Schachtel an meinem Geburtstag riesengroß. Ich konnte es kaum erwarten, den Schuh ersten Tests zu unterziehen und ihn auf meine Abenteuer mitzunehmen.

Salewa Wildfire GTX: Ein echter Hingucker

Der Wildfire GTX von Salewa ist ein bequemer und gut sitzender, frauenspezifischer Zustiegsschuh. Gleich zu Beginn fällt mir eine Sache auf: das Kreuzmuster-Design an den Seiten und die leuchtenden Schuhbänder. Der Schuh ist ein echter Hingucker! Zudem ist die Sohle im Bereich der großen Zehe und der Ferse mit einer „Kletterzone“ versehen. Auch das Profil ist auffällig: Es weist ein rautenförmiges, aggressives Muster auf – Näheres dazu später.

Der Schuh zeichnet sich zudem durch einen perfekten Halt und hohen Tragekomfort aus – aufgrund des Salewa-eigenen 3F-Systems. Dieses System stabilisiert Sohle, Spann und Ferse für einen rutschfreien Sitz. Lange, mitunter alpine Touren sind mit ihm daher kein Problem.

Einsatzbereich des Salewa Damen Wildfire GTX

Der Schuh ist sehr leicht und bietet Sicherheit beim Zustieg im felsigen und wurzligen Gelände sowie bei Geröll. Unebenheiten werden durch die Zwischensohle weitgehend abgedämpft. Durch die profilierte Pomoca-Laufsohle mit Kletterzone ist einfaches Klettern am Fels – z.B. an Graten – gut möglich. Kleine Tritte oder „abgespeckte“ Felsen können präzise und kontrolliert angestiegen werden, ohne vom Tritt abzurutschen.

Dabei lässt sich der Schuh im vorderen Zehenbereich gut abrollen. Bei alpineren Zustiegen kann auch nur mit der Schuhspitze aufgestiegen werden, da der Schuh eine hohe Kantenstabilität aufweist. Beim Einstieg angekommen – z.B. bei einer Mehrseillänge – kann der Wildfire bequem mit einem Karabiner an der kleinen Schlaufe, die an der Ferse angebracht ist, am Klettergurt befestigt werden.

Salewa Wildfire GTX – kleines Multifunktionswunder

  • Im Schnee hält der Wildfire den Fuß für einige Zeit gut warm. Für längere, geplante Schneewandertouren würde ich aber zu einem höheren und wärmeren Schuh raten.
  • Bei Hitze habe ich nur gute Erfahrungen mit dem Wildfire gemacht. Er ist trotz des eher luftundurchlässigen und festen Aussehens sehr atmungsaktiv. Sein Ortholite®-Fußbett hält den Fuß kühl und trocken, indem es Feuchtigkeit wegtransportiert. Die Gore-Tex®-Membran ist vollständig wasser- und winddicht und lässt gleichzeitig Schweiß nach außen durch, sodass kein Wasser eindringen, die Haut aber „atmen“ kann.

Ganz verhindern lässt sich Schweiß an den Füßen jedoch nicht. Im Sommer ist der Schuh aufgrund der Belüftung eine gute Wahl für technische Zustiege, Klettersteige, Bergtouren und vieles mehr. Ein zuverlässiges Multifunktionswunder sozusagen!

Wechselnde Witterungsverhältnisse lassen den Wildfire, wie bereits erwähnt, völlig kalt. Der Fuß bleibt trocken. Regen und Wind prallen dank Gore-Tex® Membran einfach vom Außenmaterial ab. Der Härtetest zeigt: Beim Stehen in einer tiefen Pfütze dringt das Wasser als erstes am oberen Ende der Zunge ein, ansonsten bleibt der Schuh absolut wasserdicht. Leichte Regenschauer und nasse Wiesen sind kein Problem, der Innenraum des Schuhs bleibt völlig trocken. Trotz des nassen Untergrunds hält der Schuh sein Versprechen und seine positiven Eigenschaften (z.B. sicherer Anstieg von Tritten) bleiben annähernd gleich.

Design und Material des Multifunktionsschuhs

Salewa Wildfire GTX Zustiegsschuh
Die verstärkte Zehenkappe des Schuhs verhindert Verletzungen bei Zustiegen. | Foto Julia Ernhofer

Auffallend ist das bunte Design, das keinesfalls dem klassischen, schlichten Stil eines Zustiegsschuhs entspricht. Die Schnürbänder stechen in ihrem knalligen Rot sofort ins Auge. Am Ende der Zunge wurde der rötliche Farbton erneut aufgegriffen – dieser verfärbt sich jedoch mit der Zeit leicht. Ansonsten behält der Schuh seine Farbintensität.

Das Außenmaterial besteht aus Polyester, Polyurethan und einer stabilisierenden „Exa Shell“-Verstärkung. Der Schaft wird aus robustem Mesh  gefertigt und ebenfalls mit einer 3D Exa Shell-Struktur verstärkt. Die Exa Shell-Technologie von Salewa besteht aus einer speziellen Struktur, welche den Fuß seitlich umschließt und somit eine präzise Passform und eine perfekte Balance im Vorderfußbereich gewährleistet. Die robuste Verarbeitungsweise reduziert zugleich den Verschleiß am Obermaterial und schützt vor starker Abnutzung. Diese Verstärkung verleiht dem Schuh seine Festigkeit. Das Kreuzmuster (Exa-Shell) an den Seiten ist ein großer Staubfänger, denn die kleinen Ecken lassen sich nur schwer reinigen. Ansonsten kann man den Schuh aber gut säubern.

Die verstärkte Zehenkappe auf der Oberseite des Schuhs schützt die Zehen optimal vor hervorstehenden, spitzen Steinen (z.B. beim Ansteigen von Tritten sowie kleinen herausbrechenden Felsteilen). Unfreiwilligerweise habe ich den Schuh einem extremen Härtetest unterzogen. Der Hinterreifen eines Autos rollte beim Zusammenpacken des Kletterrucksacks über meinen Vorderfuß. Sogar unter dieser Belastung schützt die Zehenkappe vor gequetschten Zehen!

Profil und Halt auf verschiedenen Untergründen

Das Profil besteht aus drei unterschiedlichen Bereichen: einer großen Kletterzone im Zehenbereich, einem Mittelteil mit rautenförmigen Stollen und einer zweiten, kleineren Kletterzone im Fersenbereich. Der Abstand der einzelnen Stollen ist unterschiedlich. Es bleibt wenig Schmutz hängen und das Profil reinigt sich in gewisser Weise von selbst. Matschige Erde oder Ähnliches bleiben jedoch in den Zwischenräumen kleben.

Im Vorderbereich befindet sich die Kletterzone. Das Profil ist hier deutlich flacher, wodurch mehr Reibung am Fels erzeugt wird. Im Fersenbereich ist das Profil ebenfalls abgeflacht, um beim Bergabgehen mehr Reibung zu erzielen und einen besseren Stand zu haben. Im Test konnte ich nur wenig Unterschied zu einer normalen, durchgehend mit Stollen versehenen Sohle im Fersenbereich spüren.

Sprünge von Felsen oder Wurzelstöcken beim Abstieg werden durch die dämpfende Zwischensohle weitestgehend abgefedert. Dadurch wird ein zu „hartes“ Auftreten verhindert. Trotz der Formstabilität lässt sich der Schuh über den Ballenbereich gut abrollen und hinterlässt keine hässlichen „Knicke“ in diesem Bereich. Der Wildfire GTX ist aufgrund seiner abriebfesten Sohle in Sachen Verschleiß sehr dankbar und zeigt auch nach mehreren Touren keine größeren Abnutzungserscheinungen. Die Pomoca-Gummimischung der Laufsohle haftet sowohl auf trockenem als auch nassem Untergrund – sowie auf abgerundeten Felsen – sehr gut. Auf schlammigem oder weichem Untergrund sorgt die durchdachte, aggressive Stollenkonstruktion für eine verbesserte Traktion und optimale Kraftübertragung.

Sogar beim Berglauf war ich trittsicher mit dem Wildfire GTX unterwegs und bin daher kaum aus- oder abgerutscht. Besonders überzeugt hat mich der Schuh bei technischen Zustiegen mit leichten Kletterpassagen und Querungen sowie auf Klettersteigen. Die Kletterzone hält wirklich, was sie verspricht und bietet eine hohe Kantenstabilität.

Passform und Schnürung des Wildfire GTX (Climbing Lacing)

Salewa Wildfire GTX Zustiegsschuh Schnürung
Der Doppelknoten verhindert, dass sich die Bänder in Aktion lösen. | Foto: Julia Ernhofer

Sobald man in den Schuh hineinschlüpft, fühlt man sich sofort sicher und gut eingebettet. Der Einstieg ist anfangs nicht so leicht, da er im Allgemeinen eher fest und formstabil ist. Sobald der Fuß in den Schuh „hineinrutscht“, bietet dieser bereits spürbaren Halt, ohne dass man ihn überhaupt zuschnüren muss. Möglicherweise wirkt dies für manche etwas beengend oder unangenehm, da sich der Schuh an den Seiten sehr hart und fest anfühlt. Die Zehen haben – bis auf die große Zehe – etwas Freiraum nach oben und zur Seite. Die Ferse sitzt dank des 3F-Systems fix an ihrem Platz, bleibt während der gesamten Tragezeit gut eingebettet und verrutscht nicht. Dadurch entsteht kein lästiges „Scheuern“. Die damit verbundenen Blasen sind Geschichte. Somit steht bei einer leichten Klettertour auch einem Heel Hook nichts mehr im Wege!

Die Ortholite® Einlegesohle ist zwar dünn und besitzt keine besondere Polsterung, ist jedoch zum Gehen sehr angenehm und bietet hohen Tragekomfort. Der Schuh ist an sich bereits ergonomisch geformt und unterstützt so das Fußgewölbe. Auch nach langer Tragezeit auf alpinen Touren sind bei mir keine Schmerzen oder Krämpfe im Fußgewölbe aufgetreten. Für leichte Wanderungen ist mir der Schuh jedoch etwas zu aggressiv.

Climbing Lacing – die Kletterschnürung

Die Einlage bleibt sowohl beim Bergauf- als auch beim Bergablaufen an Ort und Stelle. Auch die Zunge bleibt an ihrem Platz, da sie durchgängig bis zur letzten Öse fix mit dem Schaft verbunden ist. Somit kann kein Wasser seitlich an der Zunge in den Schuh eindringen. Die Zunge schließt mit einem weichen Endteil ab. Das steigert meiner Meinung nach den Komfort – und dient zum anderen als letzte Barriere vor einem Wassereintritt.

Mit „Climbing Lacing“-System bezeichnet Salewa seine Kletterschnürung, die beim Klettern perfekten Halt bietet, eine exakte Schnürung im Zehenbereich erlaubt und für eine erhöhte Performance sorgt. Dank der tief angesetzten Kletterschnürung schafft der Wildfire GTX eine besondere Verbindung von Fuß und Schuh. Aufgrund des verstärkten Zehenbereichs an der Oberseite lässt sich der Schuh im Vorfußbereich nur bedingt enger schnüren.

Am Ballen lässt er sich jedoch optimal anpassen, da der Fuß in der gesamten Breite vom Schnürsystem umschlossen wird. Dies sorgt für einen besonders hohen Tragekomfort. Durch die enge Schnürung kann nur wenig Schmutz und Dreck in den Innenraum des Schuhs eindringen. Bei den Schuhbändern ist mir im Test besonders aufgefallen, dass sich die Bänder beim Sport sehr leicht von alleine lösen. Ein möglicher Grund dafür könnte das eher rutschige Material der Bänder sein. Abhilfe schafft dabei ein Doppelknoten – damit sitzt der Schuh wieder bombenfest.

Mein Fazit zum Salewa Wildfire GTX

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem Salewa Wildfire GTX. Der Schuh hält tatsächlich, was er verspricht. Durch die Kletterschnürung lässt er sich optimal an den Fuß anpassen. Die Kletterzone verschafft sicheren Halt auf felsigem Untergrund, das 3F System sorgt für perfekten Sitz und einen hohen Tragekomfort. Für Klettersteige und alpine Zustiege ist der Wildfire meine erste Wahl. Bei längeren Wanderungen werde ich aber auf einen Schuh zurückgreifen, der seitlich etwas weicher ist. Bei der Preis-Leistung stellt sich für mich die Frage, ob der Schuh nicht etwas zu teuer im Vergleich mit anderen Zustiegsschuhen ist und ob man für weniger Geld einen Schuh mit annähernd gleichen Eigenschaften erwerben kann. Natürlich ist der Wildfire ein absolutes Topmodell, jedoch muss man dafür auch tief in die Tasche greifen.

Meines Erachtens ist der Wildfire speziell für zarte Füße geeignet, da er sehr schmal geschnitten ist und die Verstärkung im Zehenbereich und das Kreuzmuster an der Seite wenig Spiel und Freiraum für einen fülligeren Fuß zulässt. Der Schuh umschließt den gesamten Fuß, der von den Zehen bis zur Ferse perfekt eingebettet ist. Als leidenschaftliche Kletterin würde ich die Passform annähernd mit der eines Kletterschuhs vergleichen. Die Größe würde ich daher nicht zu klein wählen!

Vorteile

  • wasserdicht (Gore-Tex®)
  • Kletterzone
  • Climbing Lacing (Kletterschnürung)

Nachteile

  • Schuhbänder

Nützliche Infos auf einem Blick

  • Einsatzbereich: Zustiegsschuh / Bergsport
  • Passform: spitzer Vorfuß, schmale Ferse, allgemein eher schmaler Schnitt
  • Gewicht: 730 Gramm (Paar, UK 5)
  • Obermaterial: Injected 3D Cage, stabilisierende Exa Shell-Verstärkung (Polyester, Polyurethan)
  • Sohle: Ortholite® Innensohle, Pomoca Speed Mtn Außensohle
  • Dämpfung: gut
  • Ausstattung: Climbing Lacing (Kletterschnürung)
  • Aufbau: 3F System (für Stabilität und Fersenhalt)
  • Futter: Gore-Tex® Extended Comfort (Polyester, Polyamid, ePTFE)

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