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Der Felsdrache

Scarpa Drago Kletterschuhe im Test

5 Minuten Lesezeit
Der neue High-End-Kletterschuh von Scarpa heißt Drago. Ein eher weicher Schuh für den vielfältigen Einsatz. Chiara Hanke aus dem Bergzeit Kletterteam hat die Kletterschuhe getestet.

Drago, man vermutet es schon, kommt aus dem Italienischen und bedeutet nichts anderes als „Drache”. Genauso sieht er aus, der neue Drago von Scarpa. Rot und gelb an der Oberseite, schwarze Sohle: Der Schuh macht den Eindruck eines feuerspeienden Drachens. Für was die Schuhe gemacht sind, wird dem Betrachter beim Blick auf das sportliche, schnittige Aussehen sofort klar: Sie sind die neuen High-End-Produkte für den ambitionierten Boulderer. Leicht, elastisch und viel Gummi – für viel Gefühl und viel Reibung!

Ähnlichkeiten dem Scarpa Furia und Drago

Voila, das ist er, der Scarpa Drago, der neue High-End-Kletterschuh. | Foto: Chiara Hanke
Voila, das ist er, der Scarpa Drago, der neue High-End-Kletterschuh (natürlich gleich im Einsatz!). | Foto: Chiara Hanke

Ähnlichkeiten zwischen dem Scarpa Furia und dem Drago sind natürlich gegeben. Das verwundert nicht, denn beide Kletterschuhe verfolgen den gleichen Ursprungsgedanken: Scarpa will leichte, präzise und flexible Schuhe für den High-End-Boulderer/Kletterer im Überhang bauen.

Im Vergleich zum Furia hat der Drago ein bisschen weniger Volumen. Das liegt an einer dünneren Gummischicht an der Ferse und im Vorderfußbereich. Wie auch beim Furia liegen Rand und Zehenkappe wie eine Gummisocke über den Zehen und bieten damit eine unglaubliche Reibung für Toehooks.

Der Leisten – einer der wichtigsten Bereiche an einem Kletterschuh – ist gleich geblieben, wie auch beim Furia. Dank seiner damals neu konstruierten Zwischensohle hält der Kletterschuh trotz seiner weichen Sohle die Spannung optimal!

Unterschiede zum Furia

Im Vergleich zum Furia wurde beim Drago noch einer draufgesetzt in Punkto Toehook – und zwar in Form eines verlängerten Toepatches. Und siehe da: der Plan geht auf! Wenn der Scarpa Drago eingeklettert ist und damit der Zehenbereich seine Passform gefunden hat, hookt man wie eine Göttin/wie ein Gott! Im Gegensatz zum Furia wird der Scarpa Drago von nur einem Klettverschluss gehalten. Durch die tolle Ferse bietet der Schuh aber auch so einen guten Halt.

Konstruktion und Verarbeitung des „Drachen“

Der Drago besteht aus einem Mikrofaser-Obermaterial und einer 3,5 Millimeter XC Grip2 Sohle. Außerdem ist er fast komplett mit Gummi bedeckt. Seine asymmetrische Form erhöht die Präzision und Kraftübertragung auf kleinen Tritten ungemein. Zudem besitzt er zwei große, stabile Anziehschlaufen, um perfekt in die Gummi-Socke hineinrutschen zu können!

Durch die PCB-Tension-Konstruktion – eine Art außenliegender Zwischensohle, welche den Zeh mit der Ferse verbindet – profitiert auch der Drago von einer besseren Performance im „Antreten“ mit weniger Gummi und damit auch weniger Gewicht. Übrigens genauso wie sein Vorgänger Furia.

Die Verklebungen der Einzelteile, die Nähte und die Passform sind, wie nicht anders erwartet, auf höchstem Niveau. Schließlich wird bei Scarpa alles einzeln per Hand und in Italien zusammengebaut!

Größe, Passform und Stärken des Scarpa Drago

Wie auch beim Furia dauert die „Einkletterzeit“ beim Drago nicht besonders lange, da sich der Schuh wie eine Socke um den Fuß legt. Große Schmerzen im Zehenbereich sind auch hier nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Man wird von einem angenehmen Zug überrascht! Auf kleinen Leisten zieht der Schuh sehr gut – fast zu gut für einen derart weichen Schuh. Das konnte ich bereits im November im Tessin ausgiebig testen.

Auch was die Toehook-Bilanz angeht, hat man mit dem Drago nur das Beste am Fuß! Der Gummi klebt förmlich am Fels und trägt sich sehr „gefühlsecht“. Allerdings ist hier etwas Vorsicht geboten. Denn durch den immensen Toehook-Einsatz kann auch mal der Zeh etwas abbekommen. Der Velcro-Verschluss hält allerdings was er verspricht, auch der Heel-Hook hält wie Bombe – was natürlich auch teilweise an der ganz persönlichen Fersenform liegt…

Ach ja, zum Schluß klären wir noch die Frage, wie der Drago von der Größe her ausfällt. Meine Straßenschuhgröße ist 39,5. Ich trage den Drago in 37,5 – und habe damit eine Top-Performance!

Fazit und Einsatzgebiet des Scarpa Drago

Um es auf den Punkt zu bringen: Der Drago ist eine absolute Highend-Waffe für schwieriges Bouldern, bei dem enormes Feingefühl verlangt wird. Schnelles Umtreten und gute Reibungseigenschaften machen den Drago zu einem absoluten Top-Performer!

Ich persönlich habe den Drago an der Kunstwand als auch am Fels getestet und hierbei folgende Erfahrungen gemacht: Am wohlsten fühlt sich der Drago im Überhang. Speziell Toehooks gehören zu seinen Stärken. Aber auch im plattigen Gelände und hier vor allem im Sandstein lässt er sich gut auf die Reibungseigenschaften des Gesteins ein. In der Kunstwand hält er den momentanen Trend der Run-and-Jumps, Volumenboulder und Tricky Slaps mit. Das heißt: Der Drago bringt hier das perfekte Finger- bzw. Zehenspitzengefühl und auch den nötigen Komfort für einen Anlaufstart mit. Die meist raue Oberfläche der Griffe und Volumen saugt den Schuh förmlich an, was anhand seiner großen gummierten Oberfläche nicht weiter verwunderlich ist.

Alle Infos zum Scarpa Drago auf einen Blick:

  • Vibram XS Grip2 Sohle
  • Starke Vorspannung und Asymmetrie
  • Ein Klettverschluss
  • Gummiauflage auf der Oberseite für Toehooks
  • PBC-Zwischensohle für perfekte Anpassung an Fuß

Mehr zum Thema Klettern und Kletterschuhe im Test im Bergzeit Magazin

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