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Besuch der Majestät

Skitour auf den Großvenediger – die höchste Zinne Salzburgs

6 Minuten Lesezeit
Viele Wege führen nach Rom und drei auf den Großvenediger. Genug, um diesmal wirklich den Gipfel zu erreichen. Kein Herbststurm mit zu viel Neuschnee oder eine prekäre Lawinensituation sollte dem im Wege stehen, so der Plan unseres Autors Florian Hairer. Wie seine Skitour auf den Großvenediger geklappt hat, erzählt er Dir hier.

Hinweis: Der Bericht unseres Autors Florian stammt nicht aus dieser Saison. Wenn Du wissen willst, wie die Verhältnisse aktuell sind, informiere Dich am besten direkt bei der Kürsingerhütte.

Mein Plan: Skihochtour auf den Großvenediger

Es gibt so Berge, zu denen hat man eine ganz spezielle Beziehung. Einer davon ist für mich der Großvenediger. Mehrmals hatte ich versucht, den Gipfel zu erreichen – das Wetter und die Bedingungen hatten mich und meine Begleiter aber immer wieder zur Umkehr gezwungen. Einmal war es ein Herbststurm mit viel Neuschnee, der uns im Winterraum des Defregger Hauses festhielt. Ein anderes Mal stoppte uns die prekäre Lawinensituation im Zustieg zur Neuen Prager Hütte. Diesmal versuchten wir es mit Ski von der Nordseite. Angeblich der schönste, ganz sicher aber der längste Anstieg auf den Großvenediger.

Wenig steil zieht die Route hier über das Obersulzbachkees und bietet Tourengehern viel Zeit, das schöne Panorama zu genießen.

Florian Hairer

Wenig steil zieht die Route hier über das Obersulzbachkees und bietet Tourengehern viel Zeit, das schöne Panorama zu genießen.


Erste Etappe: Durch das Obersulzbachtal zur Kürsingerhütte

Die Tour beginnt je nach Verhältnissen am Hopffeldboden oder – wenn die Straße im Frühjahr schneefrei ist – mit einer Hüttentaxifahrt bis zur Postalm oder der Talstation der Materialseilbahn der Kürsingerhütte. Für uns kamen beide Möglichkeiten nicht in Betracht, ab dem Parkplatz Steinbruch in Sulzau war durchgängige Schneedecke. So sparten wir uns und unserer klammen Studentenkasse das Geld für das Taxi und mussten die Ski zumindest nicht tragen.

Wie schon Anfangs erwähnt, ist der Aufstieg zur Kürsingerhütte durch das Obersulzbachtal vor allem eines: schön! Sogar sehr schön und weil er so unglaublich lang ist, hat man viel Zeit diese Schönheit zu genießen. Fast 20 Kilometer und 1.700 Höhenmeter schleppt man sich und seine Ausrüstung immer Richtung Großen Geiger am Talende. Vorbei an den Almen und der Materialseilbahn der Kürsingerhütte hinauf in den Kessel unter der Kürsingerhütte. Dort konnten wir noch die traurigen Überreste der Türkischen Zeltstadt – dem einst so stolzen Eisbruch des Obersulzbachkees – bewundern. Nur ein paar Jahre später, bei einer Skidurchquerung der Krimmler Tauern, war sie schon komplett verschwunden. An ihrer Stelle ist heute ein 40 Meter tiefer Gletschersee, den es nun bei dieser Tour zu überqueren gilt. Ein eindrucksvolles Beispiel für den Klimawandel und an allen Alpengletschern zu beobachten.

Egal wie schön oder lang so ein Aufstieg ist, irgendwann ist auch er zu Ende und so konnten wir auf der Hütte eine gekühlte Hopfenkaltschale und das Bergsteigeressen genießen, bevor wir uns früh im Lager verkrochen, schließlich sollte der nächste Tag auch noch lang werden.

Zweite Etappe: Der Gipfelaufstieg

Der gefrorene Schnee knirschte unter meinen Skiern, der Schnee glitzerte im Lichtkegel meiner Stirnlampe, jeder Schritt brachte uns unserem Ziel näher. Doch bis dorthin war es noch weit. Langsam dämmerte es und während wir das Obersulzbachkees hinaufstiegen, konnten wir endlich auf die Stirnlampen verzichten. Kurz vor dem Zwischensulzbachtörl, die Sonne war inzwischen aufgegangen, wandten wir uns nach Süden, in Richtung der Venedigerscharte. Hier ist das einzige steilere Stück der Tour. Aber immer noch flach genug, so dass wir weiter am Seil aufstiegen.

Auch wenn der Venediger eine eher leichte Skihochtour ist, spaltig ist er alle mal. Das mussten in den letzten Jahren einige Alpinisten ziemlich bitter erfahren. Wenn man die Venedigerscharte erreicht hat, dann folgt man dem Rücken nach Westen bis man den Vorgipfel erreicht. Von hier ist es nur noch ein kurzer, etwas ausgesetzter Schneegrat zum eigentlichen Gipfel. Das stand zumindest in unserer Tourenbeschreibung – sehen konnten wir davon nichts, dicke Wolken hüllten uns ein. Vielleicht ist es an so einem Grat ja auch besser, nicht zu sehen wie tief es hinunter geht. Und so standen wir da, am höchsten Gipfel Salzburgs und dem fünfthöchsten Österreichs, mit einer Sicht von wenigen Metern.

Erst beim dritten Versuch - über die Nordseite - gelang es Bergzeit Autor Florian, den Gipfel des Großvenediger zu erreichen.

Florian Hairer

Erst beim dritten Versuch – über die Nordseite – gelang es Bergzeit Autor Florian, den Gipfel des Großvenediger zu erreichen.


Der Großvenediger-Gipfel: Erst die Hälfte geschafft!

Das Wetter sah leider nicht wirklich nach Besserung aus und so entschieden wir uns, nicht auf die berühmte Fernsicht auf dem Gipfel zu warten – schließlich hatten wir ja noch einen langen Rückweg vor uns. Um diesen so angenehm und schnell wie möglich zu gestalten, hatten wir uns ja entschieden, die Tour im Frühjahr und als Skitour zu unternehmen.

Der große Vorteil so einer Tour sind die Ski und die hoffentlich guten Bedingungen in den idealen Skihängen. Der Nachteil sind die Ski, schlechten Schneebedingungen und die müden Beine wegen des zweitägigen Aufstiegs. Wobei die Hänge von der Venedigerscharte ein Traum waren, die Sicht war wieder gut – nur der Gipfel hing den ganzen Tag in den Wolken – und die Schneequalität ließ sich am besten mit schönem nordseitigem Frühlingspulver beschreiben.

Am Ende mussten wir uns leider trotzdem noch mal durch Bruchharsch und später grundlosen Sulz über das Obersulzbachkees hinunter und das Sulzbachtal hinaus quälen. Wobei, es heißt ja nicht um sonst: Lieber schlecht gefahren, als gut gegangen! Wahre Worte bei einem Tal mit fast 20 Kilometern Länge. Auf jeden Fall hatten wir uns einen Einkehrschwung in der Postalm redlich verdient.

Der restliche Weg zu unserem Auto am Steinbruch war dann Forststraße hinausschießen und am Auto abschwingen. So dürfen Touren für mich immer enden.

Fazit: Schöne Skitour & müde Beine

Und was von der Skitour auf den Großvenediger blieb? Neben müden Beinen, eine wunderbare Erinnerung mit einem guten Freund durch die bizarre Gletscherwelt, eines des am großflächigsten vergletscherten Berges der Ostalpen gestiegen zu sein.

Wenn Du die Tour auch gerne machen möchtest, dann findest Du nachfolgend ein paar Eckpunkte und Informationen zur Tour.

Eckdaten: Skitour Großvenediger via Kürsingerhütte

  • Beste Zeit: Anfang März – Ende Mai (vor März hat nur der Winterraum offen)
  • Anreise: Von Süddeutschland kommend über die Autobahn bis Kufstein Süd und weiter auf der Bundesstraße nach Kitzbühl, über den Pass Thurn, nach Mittersill und weiter nach Neukirchen am Großvenediger.
  • Stützpunkt: Kürsingerhütte (2548 m) – am besten online reservieren.
  • Aufstieg zum Stützpunkt (Gehzeit):
    –> Parkplatz Steinbruch (7 Stunden)
    –> Parkplatz Hopffeldboden (6 Stunden)
    –> Im Frühjahr je nach Schneelage mit dem Taxi bis zur Materialseilbahn (3 Stunden)
  • Aufstieg vom Stützpunkt aus: 5-6 Stunden, 1.200 Hm, 6 km

Benötigte Ausrüstung: Skihochtourenausrüstung, also neben Tourenski und Lawinenausrüstung auch Gurt, Seil, Karabiner, Schlingen, Steigeisen, Pickel usw. In unserer Packliste Skihochtouren findest Du noch einmal alles, was Du für dieses Abenteuer brauchst.

Für eine unberührte Abfahrt nimmt man doch so einiges in Kauf.

Florian Hairer

Für eine unberührte Abfahrt nimmt man doch so einiges in Kauf.


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Skitourenausrüstung bei Bergzeit

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