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Für großartige, hochalpine Skitourentage im späten Frühjahr müssen es nicht immer die Westalpen sein. Wer sich ins Schnalstal aufmacht und tollen Firn zu schätzen weiß, der ist rund um die Weißkugel gut aufgehoben - selbst bei zeitweise miesem Wetter!

Ende April sollte man sich bereits in höhere alpine Gefilde begeben, um noch die letzten, genussvollen Skitouren der Saison erleben zu können. Zahlreiche solcher Ziele liegen in den Westalpen, am Alpenhauptkamm wie an der Südseite. Wenn dann jedoch die Wetteraussichten im Südwesten der Alpen derart miserabel sind, stellt sich eigentlich nur noch die Frage: Absagen oder ausweichen und schauen, was geht? Wir entscheiden uns für letzteres, checken die Bedigungen in den südlichen Ötztaler Alpen rund um die Weißkugel und landen letztendlich einen Volltreffer. Similaun, Fineilspitze, Weißkugel und Langtauferer Spitze mit perfekten Firnabfahrten kombiniert – das war das finale furioso der vergangenen Saison.

Perfekter Firn auf einer der letzten Abfahrten der Saison.
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Perfekter Firn auf einer der letzten Abfahrten der Saison.

Ötztaler Alpen: Hohe Gipfel und große Gletscher

Wir folgen zwar nicht der klassischen Venter Runde – das Tal ist bereits nahezu schneefrei -, wählen jedoch eine Variante davon, die kaum weniger spannend, gipfel- und abwechslungsreich ist. Einige der höchsten und bekanntesten Erhebungen der Ostalpen stehen dabei auf unserem Tourenprogramm. Zunächst drücken von Süden schwere Wolken an den Hauptkamm, entsprechend wenig aussichtsreich ist unser Weg von der Bergstation der Schnalstaler Gletscherbahnen zur Similaunhütte. Mit Nullsicht, aber zum Glück auch mit GPS-Gerät, finden wir die richtige Route über das Hauslabjoch und die Ötzi-Fundstelle zur Hütte, die auf 3.019 Meter am Niederjoch gelegen ist, genau an der Grenze zwischen Italien und Österreich.

Am nächsten Tag steht die relativ kurze Tour auf den Similaun an, nach 600 Höhenmetern Gletscheranstieg ist man bereits am Ziel. Das letzte Stück ab ca. 3.460 Meter lässt sich besser ohne Ski gehen. Für die Abfahrt wählen wir die längere Variante über den Niederjochferner. Butterweicher Firn entschädigt uns für die dicke Hochnebelsuppe um uns herum, so dass wir einen Teil des Hangs gleich noch ein zweites Mal unter die Felle nehmen, um danach bis zur Martin-Busch-Hütte (2.501 Meter) abzufahren – respektive zu schieben und zu tragen. Frühjahresskittour eben!

Pause am Ötzi-Denkmal

Natürliche Schneeskulpturen. Baumeister: Der Wind.
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Natürliche Schneeskulpturen. Baumeister: Der Wind.

Regen und Donnerhall lassen die Motivation zwar nicht gerade steigen, doch der sprichwörtliche helle Streifen am Horizont weitet sich im Laufe des folgenden Vormittags immer weiter aus. Bereits auf halber Strecke zum Hauslabjoch kommen wir ordentlich ins Schwitzen. Frühjahresskitour eben! Nach der kurzen Steilstufe zum Tisenjoch legen wir noch eine Rast am Ötzi-Denkmal (3.210 Meter) ein und bald schon sind wir am Skidepot der Fineilspitze. Fantastische Tiefblicke rechts und links des ausgesetzten, teils überwächteten Nordost-Grates erwarten den, der schwindelfrei ist und sich auf den Weg zum Gipfelkreuz (3.516 Meter) macht.

Über eine Firnschneide auf den Gipfel der Fineilspitze

Kleine Karawane am Gipfel der Weißkugel.
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Kleine Karawane am Gipfel der Weißkugel.

Guter Stapfschnee erleichtert das Vorankommen auf der schmalen Firnschneide und die Rückkehr zum Depot. Über den Hochjochferner fahren wir in Richtung Rifugio Bellavista ab. Die Spalten sind über den Winter gut eingeschneit, so dass wir nicht am Seil fahren bzw. gehen müssen. Unter frühlingshafter „Gluthitze“ und mit müden Beinen bringen wir noch den letzten Gegenanstieg durch das Gletscherskigebiet hinter uns. Die Bellavista, eine sehr komfortable und schöne Schutzhütte (mit Sauna!), soll nun für drei Nächte unser Basecamp sein. Den „Einstand“ begießen wir auf der Sonnenterrasse mit lecker Radler und noch leckerem Tiramisu. Vor allem in kulinarischer Hinsicht merkt man hier, dass wir uns in Italien befinden.

Aufstieg zur Weißkugel

Das landschaftlich grandiose Paradeziel von diesem Stützpunkt aus ist natürlich die Weißkugel (3.739 Meter). Der Tag verspricht wieder wechselhaft zu werden, so dass wir den Teufelsegg-Lift zur Hilfe nehmen, um etwas Zeit zu sparen. Ein kurzer, steiler Aufstieg zum Sattel zwischen dem Hinteren Eis (3.270 Meter) und dem Egg (3.219 Meter) folgt, bevor wir auf den riesigen, flachen, geradezu „epischen“ Hintereisferner abfahren. Gemütlich und immer die schöne Weißkugel vor Augen, geht es bis zum Hintereisjoch dahin.

Zwischen uns und dem Skidepot liegt noch das steile Matscherwandl, das wir mit den Ski am Rucksack begehen. Für manche war am Skidepot Schluss, wir steigen jedoch in zwei kleinen Seilschaften mit 2-3 Leuten über den ausgesetzten Südgrat über leichte Blockkletterei bis zum Gipfel. Durch Firn und rötlichen Schnee – die Südströmung hatte Saharasand bis an den Alpenhauptkamm getragen – geht es schließlich entlang der Aufstiegsroute wieder auf den Hintereisferner hinab und zurück zur Bella Vista.

Skitourengehen wie aus dem Bilderbuch

Winzig klein fühlt man sich auf dem Hintereisferner in Richtung Weißkugel.
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Winzig klein fühlt man sich auf dem Hintereisferner in Richtung Weißkugel.

Bereits an diesem Tag haben wir das letzte Gipfelziel der Woche in den Blick gefasst, die Langtaufererspitze (3.529 Meter). Wir steigen von der Hütte zum „Hinteren Eis“ auf und fahren wieder auf den Hintereisferner ab. Nun beginnt meditatives Skitourengehen wie aus dem Bilderbuch: kaum Steigung, die Abstände zwischen den Gruppenmitgliedern werden dennoch größer, jeder ist mit seinen Gedanken allein inmitten dieser riesigen, schneebedeckten Eislandschaft. Wir nähern uns dem schönen Skiberg mit perfekt geneigten Hängen, nur die allerletzten Meter geht man zu Fuß. Abfahrt und Rückkehr zu Hütte sind bereits bekannt, so dass wir voll und ganz die fantastische Landschaft um uns herum genießen können. „Alles richtig gemacht“, diesen Satz denkt jeder für sich nicht nur ein Mal an diesen Tagen.

Gipfel, Firn und Tiramisu

Licht und Schatten wechseln ständig.
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Licht und Schatten wechseln ständig.

Am Tag der Heimreise steuern wir keinen Gipfel mehr an, sondern fahren bei Sonnenschein und perfekten Bedingungen noch einige Varianten im Skigebiet. Nachts hatte es gefroren, im Laufe des Vormittags firnt daher die Schneeoberfläche auf und wenn ein Kollege mit 150 Skitagen im Jahr sagt, das sei einer der besten Tage überhaupt gewesen, dann kann man wirklich sagen: „Alles richtig gemacht“.


Infos zur Tourenwoche in den Ötztalern

Voraussetzungen: Für alle beschriebenen Touren sind eine komplette Gletscher-/Skihochtourenausrüstung, alpine Erfahrung, Schwindelfreiheit, sehr gute Kondition und lawinenkundliches Beurteilungsvermögen unerlässlich. An der Weißkugel, der Fineilspitze und der Langtaufererspitze müssen kurze, aber einfache Kletterstellen bewältigt werden (I-II).

Kartenmaterial: AV-Karte Nr. 30/2 Ötztaler Alpen – Weißkugel 1:25.000

Talort sowie Ausgangs- und Endpunkt der Tourenwoche ist Kurzras im Schnalstal (Südtirol). Das Auto kann an der Talstation der Schnalstaler Gletscherbahnen stehen gelassen werden. Über die Talabfahrt ist die Rückkehr zum Ausgangspunkt auch noch spät im Frühjahr problemlos möglich.

Stützpunkte

Similaunhütte (3.019 Meter, privat)
bewirtschaftet ab Mitte März bis Anfang Mai
T +39 (0) 473 669711
T +43 (0) 676 507 45 01
Mobil: 0043 (0) 676 507 450 2
www.vent-hotel-post.com
info@similaunhuette.com

Martin-Busch-Hütte (2.501 Meter, DAV)
bewirtschaftet von Anfang März bis Anfang Mai
T +43 (0) 5254 8130
www.hotel-vent.at
info@hotel-vent.at

Schöne-Aussicht/Bella Vista (2.846 Meter, privat)
bewirtschaftet von Ende November bis Mitte Mai
T +39 (0) 473 662140
www.schoeneaussicht.it
info@schoeneaussicht.it

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Julia Gebauer

... lebt seit 2008 im Allgäu und erschließt sich nach und nach die Feinheiten des dortigen Dialekts. Sobald Schnee liegt, ist Julia am liebsten mit Ski und Fellen in den (umliegenden) Bergen unterwegs. Ebenso im Sommer, dann ist sie aber auch gerne für die ein oder andere Hochtour zu haben. Für die große Kamera muss am/im Rucksack eigentlich immer noch Platz sein. Dann gilt es auch mal, innezuhalten und IHN einzufangen, diesen wunderbaren Moment, den es nur in den Bergen gibt. Pfeil Alle Artikel von Julia Gebauer