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Die Top 5 in Südamerika

Skitouren in Chile und Argentinien: Von Ushuaia bis Santiago

Von Lea Hartl
8 Minuten Lesezeit
Während bei uns der Sommer einheizt, herrschen in den chilenischen und argentinischen Anden von Juni bis Oktober optimale Bedingungen für Skitouren. Freeriderin Lea Hartl stellt fünf Skitouren-Klassiker aus Südamerika vor.

Von den Tropen bis nach Feuerland prägen die Anden die Westküste des südamerikanischen Kontinents. Mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 7.500 Kilometern sind sie das längste Gebirge der Welt. Verzichtet man auf den tropischen Teil ganz im Norden und Expeditionen ins Hochgebirge von Peru und Bolivien, bleiben weite Teile Chiles und Argentiniens als potentielle Skitourenziele. Von Süden nach Norden sind hier fünf Skitouren-Klassiker des Südhemisphärenwinters vorgestellt, die natürlich rein subjektiv ausgewählt wurden und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Allgemeine Hinweise für Skitouren in Chile und Argentinien

Auf Vulkane und Gletscher: Wer dem hiesigen Sommer entfliehen will oder ungeduldig auf den Winter wartet, findet in Chile und Argentinien von Juni bis Oktober zahlreiche attraktive Skitouren-Möglichkeiten. | Foto: Lea Hartl
Auf Vulkane und Gletscher: Wer dem hiesigen Sommer entfliehen will oder ungeduldig auf den Winter wartet, findet in Chile und Argentinien von Juni bis Oktober zahlreiche attraktive Skitouren-Möglichkeiten. | Foto: Lea Hartl

Wer Skitouren in Chile und Argentinien unternehmen möchte, dem stellt sich zunächst die logistische Herausforderung, die eigene Skitourenausrüstung auf die Südhalbkugel zu transportieren. Die meisten Fluglinien verlangen eine Pauschalgebühr für die Mitnahme von Skigepäck, sofern zusätzlich ein weiteres Gepäckstück aufgegeben wird. Südamerikanische Leihausrüstung ist schwer zu finden und nicht zu empfehlen. Wer die Ski nicht wieder mitnehmen möchte, kann sie an Secondhand-Ausrüstungsshops oder oft auch an private Interessenten verkaufen.

Informationen zur Wetter- und Lawinenlage sowie die organisierte Bergrettung sind in den chilenischen und argentinischen Anden nicht mit in den Alpen üblichen Standards vergleichbar. Wer sich dem nicht gewachsen fühlt, sollte für seine Skitouren in Chile und Argentinien die Dienste eines Bergführers in Anspruch nehmen (zum Beispiel von Andescross).

Skitour #1: Cerro & Glaciar Martial (Ushuaia, Argentinien)

Talort/Ausgangspunkt:
Von Ushuaia mit dem (erschwinglichen) Taxi zum Parkplatz am Martial-Sessellift.

Skitouren in Chile und Argentinien: Glaciar Martial, Ushuaia
Eine der Rinnen in der Umgebung des Martial-Gletschers. Von oben hat man eine grandiose Aussicht auf Ushuaia und den Beagle-Kanal sowie die chilenischen Inseln auf der anderen Seite des Kanals. | Foto: Lea Hartl

Route:
Entweder mit dem Lift oder mit Fellen über die kurze Skipiste zum Café am Liftausstieg. Von hier zunächst flach talaufwärts den meist vorhandenen Spuren folgen, bis man die letzten Bäume passiert hat. Das Hauptskitourengelände ist vollständig einsehbar. Meist wird im weitläufigen Gletscherkessel bis zu einer kleinen Scharte aufgestiegen, es sind aber viele andere Varianten möglich. Dem Geländeverlauf folgend eine logische Aufstiegslinie zum gewünschten Zielpunkt wählen. Abfahrt wie Aufstieg. Von unten gesehen rechts neben dem Gletscherkessel gibt es auf beiden Seiten eines Felskammes einige steilere Rinnen.

Charakter:
Unkomplizierte, relativ kurze Tagestour, beliebig erweiterbar.

Ausrüstung:
Normale Skitourenausrüstung, ggf. Harscheisen/Steigeisen. Der kleine Gletscher ist in der Regel unproblematisch. Früh in der Saison oder für die Gipfel von unten betrachtet linkerhand ist eventuell Gletscherausrüstung sinnvoll.

Jahreszeit:
Juli bis September

Karte/Informationen:
Karten in Ushuaia erhältlich. Im Ort gibt es ein Büro der örtlichen Club Andino Sektion, sowie einige Bergführerbüros, wo man sonstige Informationen einholen kann.

Skitour #2: Rund ums Refugio Frey (Bariloche, Argentinien)

Hüttenzustieg:
Vom Skigebietsparkplatz geht ein markierter, unschwieriger Fußweg auf die Hütte, der auch im Winter benutzt wird, nach Neuschnee aber unter Umständen nicht ganz einfach zu finden ist. Der Weg quert zunächst in etwas Auf und Ab am Hangfuß entlang, bevor man ins Valle Van Titter einbiegt und Höhe gewinnt. Wer lieber eine Liftkarte kauft, als den doch etwas zähen Talzustieg zu absolvieren, kann mit ein wenig Stapferei an verschiedenen Stellen aus dem Skigebiet in das Valle Van Titter abfahren (etwa in der Nähe des Nubes-Lifts oder aus dem La Laguna-Variantengelände) und steigt anschließend noch kurz zur Hütte auf.

Rund um die beliebte Skitourenhütte Refugio Frey bei Bariloche laden zahlreiche Skitouren zum Aufstieg ein.
Rund um die beliebte Skitourenhütte Refugio Frey bei Bariloche laden zahlreiche Skitouren zum Aufstieg ein.

Gelände:
Viele der beliebten Varianten in unmittelbarer Nähe der Hütte sind von der Stube aus einsehbar. Das Gelände zeichnet sich durch viele, unterschiedlich steile und enge Rinnen aus, die großteils nicht mehr als 500 Höhenmeter über der Hütte enden. Für einen längeren Tag lassen sich mehrere Aufstiege kombinieren, oder man sucht sich ein „klassisches“ Gipfelziel in einem der Nebentäler.

Charakter:
Urige Skitourenhütte mit verspieltem Gelände, für argentinische Verhältnisse unkompliziert zu erreichen.

Ausrüstung:
Normale Skitourenausrüstung, Schlafsack (Decken nicht vorhanden). Ggf. Harscheisen/Steigeisen empfehlenswert. Die Hütte ist im Winter in der Regel bewirtschaftet und es wird gut gekocht.

Jahreszeit:
Juli bis September/Oktober

Karte/Informationen:
Im Büro des Club Andino in Bariloche gibt es Karten und Informationen zum Zustand des Talszustiegs und der Hütte.

Skitour #3: Vulkan Villarica (Pucón, Chile)

Talort/Ausgangspunkt:
Von Pucón oder Villarica mit dem Auto/Taxi/Hoteltransfer zum Skigebiet Villarica- Pucón.

Der schneebedeckte Vulkan Villarica in Chile lädt förmlich zu einer Skitouren-Begehung ein. | Foto: Lea Hartl
Der schneebedeckte Vulkan Villarica in Chile lädt förmlich zu einer Skitouren-Begehung ein. | Foto: Lea Hartl

Route:
Der Piste folgen bis zum höchsten Punkt des Skigebiets. Man kann natürlich auch mit dem Lift fahren, Einzelfahrten gibt es leider nicht. Dem steiler werdenden Gelände folgen bis zu einer gut sichtbaren Gebäuderuine, weiter durch offenes Gelände und über einen breiten Rücken Richtung Vulkankrater des Villarica.

Charakter:
Parade-Skitour auf einen aktiven Vulkan, inklusive stinkend rauchendem Krater. Der Villarica ist auch bei nicht-skifahrenden Touristen beliebt, man sollte sich nicht über geführte Gruppen wundern, die die Abfahrt mit Plastikschlitten absolvieren. Rund 1.600 Höhenmeter.

Ausrüstung:
Normale Skitourenausrüstung, Harscheisen oder Steigeisen empfehlenswert, weitere Ausrüstung je nach CONAF-Vorschriften (siehe unten). Durch die exponierte Lage ist der Schnee oft hart.

Jahreszeit:
September, Oktober

Karte/Informationen:
Der Vulkan befindet sich im Villarica Nationalpark. Am Eingang zum Park befindet sich ein Büro der CONAF (Chilenische Nationalparkbehörde). Hier muss man Eintritt bezahlen und sich registrieren. Wer auf den Gipfel will, muss geeignete Ausrüstung vorweisen, inklusive Helm, Steigeisen und Pickel. Am besten vorher in Pucón informieren, was von den Behörden verlangt wird. Weitere praktische Informationen zum Vulkan Villarica gibt es hier.

Skitour #4: Vulkan Lanín (Argentinien)

Skitouren in Chile und Argentinien: Aufstieg auf den Lanín | Foto: Lea Hartl
Die Aufstiegsroute auf den Lanín führt über die deutlich ausgeprägte Moräne in einer langgezogenen Rechtskurve auf den Rücken. Dort, wo die Verlängerung der Moräne auf den Rücken trifft, befinden sich Biwakschachteln für eine Zwischenübernachtung. | Foto: Lea Hartl

Talort/Ausgangspunkt:
San Martin de los Andes oder Junin de los Andes. Mit Auto oder Bus zur Gendarmeria (Grenzpolizei) Station Tromen, kurz vor dem Grenzübergang zu Chile.

Route:
Dem beschilderten Weg ein Stück durch den Wald folgen, bis man den unmittelbaren Fuß des Vulkans Lanín erreicht. Hier je nach Schneelage und Präferenz über einen Moränenrücken oder direkter (Sommerweg: Camino de Mulas) auf die deutliche Schulter rechterhand aufsteigen. Hier befinden sich im Abstand von wenigen hundert Metern zwei Biwakschachteln, wo übernachtet werden kann (Achtung: Außer einem Blechdach und einem Betonfußboden gibt es hier nichts.) Am nächsten Tag der logischen Linie auf den Gipfel folgen. Vergletscherte Bereiche lassen sich leicht vermeiden. Die letzten Höhenmeter sind etwas steiler und oft mit Anraum überzogen. Abfahrt grob wie Aufstieg.

Charakter:
Lange, alpine Firntour. Der Lanín überragt mit seinen gut 3.700 Metern die nähere Umgebung um etwa einen Kilometer. Demenstprechend ist die Aussicht grandios, d

er Berg aber sehr wetteranfällig und der Schnee oft hart. Firnverhältnisse sind erst im südamerikanischen Frühjahr zu erwarten. Es sind insgesamt etwa 2.600 Höhenmeter zu überwinden, Übernachtung in oder bei den Biwakschachteln auf etwa halber Strecke ist empfehlenswert.

Ausrüstung:
Normale Skitourenausrüstung, Steigeisen, Pickel, Biwakausrüstung. Weiteres Material je nach Vorschriften (siehe unten).

Jahreszeit:
September bis November

Karte/Informationen:
Der Lanín befindet sich in einem Nationalpark, Permits für Besteigungen werden theoretisch von der Nationalparkbehörde in San Martin, in Junin, oder von der Gendarmeria in Tromen vergeben. Die Nationalpark-Rangerstation in Tromen ist im Winter nicht immer besetzt, falls aber jemand da ist, wird die Ausrüstung kontrolliert: Mitzuführen sind unter anderem ein Kocher und ein VHF-Funkgerät, welches in San Martin oder Junin ausgeliehen werden kann. Weitere praktische Informationen zum Vulkan Lanín gibt es hier.

Der Lanín ist auch von der chilenischen Seite aus zugänglich, hier werden Besteigungen durch die CONAF-Behörden reguliert. Anforderungen bezüglich Ausrüstung und Schwierigkeit der Route sind ähnlich wie auf der argentinischen Seite, Biwakschachteln gibt es nicht.

Skitour #5: Cajon del Maipo (Santiago, Chile)

Beim Aufstieg in einer der vielen namenlosen Flanken im vorderen Bereich des Cajon de Maipo. Die Bergkette im Hintergrund zieht sich das Tal hinauf bis zum 4.674 Meter hohen Cerro Morado, von dem im Bild nur ein kleines Gratstück zu sehen ist. | Foto: Lea Hartl
Beim Aufstieg in einer der vielen namenlosen Flanken im vorderen Bereich des Cajon del Maipo. Die Bergkette im Hintergrund zieht sich das Tal hinauf bis zum 4.674 Meter hohen Cerro Morado, von dem im Bild nur ein kleines Gratstück zu sehen ist. | Foto: Lea Hartl

Talort/Ausgangspunkt:
Santiago und Umgebung. Mit dem Auto über San José de Maipo nach Baños Morales.

Route:
Von Baños Morales (1.850 Meter) aus nach Norden das Tal hinauf in das von CONAF betreute „Monumento natural El Morado“. Das Tal zieht sich über rund acht Kilometer relativ flach bis zum Fuß des beeindruckenden Cerro El Morado (4.647 Meter). Auf beiden Talseiten findet sich ansprechendes und meist relativ steiles Skitourengelände. Die höheren Gipfel im hinteren Teil des Tals erfordern viel Kondition oder eine Übernachtung, weiter vorne gibt es weniger prominente Gipfel, aber ebenfalls schönes Gelände.

Charakter:
Viele Möglichkeiten für schöne Tagestouren in einem Naherholungsgebiet von Santiago. Touren in Schwierigkeit und Länge beliebig erweiterbar.

Ausrüstung:
Normale Skitourenausrüstung, Sonstiges je nach Vorhaben.

Jahreszeit:
August bis Oktober

Karte/Informationen:
Am Weg befindet sich ein CONAF-Büro, wo man sich registriert und eine kleine Eintrittsgebühr bezahlt. Karten in Santiago erhältlich.

Fotogalerie zu den Top 5 Skitouren in Chile und Argentinien

Alles rund um das Thema Skitour und Lawinensicherheit:

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