Trampen ist ein einfaches und praktisches Mittel des Reisens. Aber wie ist es genau mit dem Trampen in Deutschland, Tschechien, Polen, England, Dänemark, Schweden, Österreich, Italien und den USA? Sind Tramper dort gern mitgenommene Gäste?

Funktioniert Trampen heute überhaupt noch?

Die Sonne lacht, ich stehe am Straßenrand. 50 Kilometer habe ich heute schon per Anhalter zurückgelegt, nun halte ich in Stuttgart mein Schild in die Höhe. Ich will nach Sonthofen trampen, doch auf meinem Schild stehen die Etappenziele: Ulm – Memmingen – Kempten. Nach etwa zehn Minuten hält eine ältere Dame. „Ich fahre bis nach Sonthofen,“ sagt sie. Ich kann es kaum fassen. Wie wahrscheinlich ist es in einer Stadt wie Stuttgart spontan jemanden zu finden, der in die gleiche, über 200 Kilometer entfernte Kleinstadt will?

Doch damit nicht genug. In Kempten meint meine Fahrerin plötzlich, dass ihr der Rücken weh tut. Sie fragt, ob ich nicht weiterfahren möchte. Das habe ich noch nie erlebt! Ich nehme das Angebot gerne an und kutschiere mich als Tramper selbst nach Sonthofen. Wieder mal bestätigt sich: Jede Anhaltertour bringt neue Ereignisse und Geschichten. Und genau die sind es, die mich immer wieder neu begeistern – obwohl Trampen für mich zur Gewohnheit geworden ist.

Funktioniert das Trampen heute überhaupt noch? | Foto: Benny Moose
Funktioniert das Trampen heute überhaupt noch? | Foto: Benny Moose

Meine Erfahrung zeigt: Trampen funktioniert also heutzutage noch super, vor allem wenn man ein paar grundlegende Punkte beachtet. Wie sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, mitgenommen zu werden, könnt Ihr im Artikel „Acht Tipps zum Trampen: So geht Reisen per Anhalter“ nachlesen.

Trampen international: Welche Länder sind „gut“?

Aber in welchen Ländern klappt es nach den angewandten Tipps am besten? Was für Besonderheiten sind jeweils vor Ort gegeben? Die folgenden Tipps zum Trampen in Deutschland, Tschechien, Polen, England, Dänemark, Schweden, Österreich, Italien und den USA basieren auf meinen persönlichen Erfahrungen und können unter Umständen völlig anders wahrgenommen oder erlebt werden. Ein ganzes Land kann man sowieso nie über einen Kamm scheren, denn oft unterliegt die „Tramperfreundlichkeit“ regionalen Schwankungen. Sehr gerne könnt Ihr daher Eure eigenen Erfahrungen über die Kommentare unten ergänzen!

Trampen in Deutschland

Kommen wir zunächst zu Deutschland. Hier lässt es sich wunderbar per Anhalter fahren, egal ob kurze oder lange Strecken. Ein Vorteil, auf den Du keinen Einfluss hast, trifft auf mich noch zu: Junge Menschen werden leichter mitgenommen, da die Leute Verständnis für Deine Abenteuerlust und Deine begrenzten finanziellen Mittel haben. Wenn Du älter aussiehst, ist das nicht immer der Fall. Solange Du allerdings freundlich und ordentlich bist, wirst Du mit Sicherheit mitgenommen.

Auf langen Strecken klappt es besonders gut, wenn man auf Raststätten und an Tankstellen Leute anspricht. Unter der Woche sind viele Menschen unterwegs, die im Außendienst tätig sind und daher viele Kilometer alleine zurücklegen müssen. Meistens dürfen sie aus versicherungstechnischen Gründen niemand mitnehmen. Häufig nehmen sie einen Tramper trotzdem gerne mit. Wenn Euch aber jemand entgegnet, dass er das nicht darf, bitte nicht wundern und auch nicht aufdrängen.

Weil Trampen in Deutschland nicht mehr so üblich ist – noch vor wenigen Jahrzehnten waren hierzulande vorallem junge Leute sehr viel per Daumentaxi unterwegs –  wirst Du teilweise auf große Bewunderung und Unglauben stoßen. Es werden ab und an Mädchen an Dir vorbeifahren, winken und lachen. Sie trauen sich zwar nicht Dich mitzunehmen, aber Du hast ihnen eine riesen Freude gemacht. Ist doch auch was wert.

Trampen in Tschechien und Polen

In Tschechien und Polen hingegen ist es normal per Anhalter zu fahren. | Foto: Benny Moose
In Tschechien und Polen hingegen ist es normal per Anhalter zu fahren. | Foto: Benny Moose

In Tschechien und Polen ist es normal per Anhalter zu fahren. Trampen ist bekannt und gesellschaftlich akzeptiert – daraus folgt logischer Weise eine kurze Wartezeit. Die Autobahnauffahrten an den großen Städten teilt man sich dann schon mal mit drei bis sechs anderen Trampern. Mitgenommen wird man der Reihe nach, bzw. je nach Ziel. Trotz des großen Andrangs bleibt die Wartezeit überschaubar.

Probleme beim Trampen in Polen und Tschechien kann es eher auf sprachlicher Ebene geben. Gerade ältere Menschen sind der deutschen Sprache nur selten mächtig. Anders als bei der jungen Bevölkerung ist auch Englisch bei Senioren so gut wie gar keine Hilfe. Daher ist die Fahrt teilweise etwas stiller und die Kommunikation läuft mehr über das Schild. Da aber auch eine große Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit üblich ist, bedarf es am Ende gar nicht vieler Worte. So bin ich schon zwei Stunden mit einem Mann durch eine traumhaft schöne Winterlandschaft gefahren und habe dabei nur fünf Sätze mit ihm gewechselt. Den anderen verstanden hat dabei keiner von uns beiden.

Trampen in England

England ist eine Geschichte für sich. Die Menschen sind sehr höflich, teilweise geradezu gezwungen. Wenn man jemand direkt um etwas bittet, kann er es fast gar nicht ausschlagen. Wenn Du aber am Straßenrand stehst und wartest, dass jemand von sich aus anhält, kannst Du mitunter sehr lange warten. Die Menschen fahren vorbei, ohne Dich anzuschauen. Sie tun so, als würde niemand am Straßenrand stehen. Daher ist es in England fast schon nötig Autofahrer an Tankstellen oder Rasthöfen direkt anzusprechen. Vermutlich wirst Du oft zu hören bekommen, dass die Person woanders hinfährt, obwohl es keinen anderen Weg gibt. Dennoch wirst Du auch hier Deine Mitfahrgelegenheit finden. Je größer die Stadt, desto schwieriger wird’s.

Trampen in Dänemark

Dänen sind sehr freundlich und offen. Hier wirst Du von Jung und Alt, von Mann und Frau mitgenommen. Dir wird Hilfe und Unterstützung angeboten. Eher schwierig ist es meiner Erfahrung nach jemand zu finden, der auf lange Strecke zum selben Ziel will. Daher kann es passieren, dass Du besonders oft umsteigen musst. Aber, das kann man auch als Chance sehen, möglichst viele Menschen kennen zu lernen.

Trampen in Schweden

Schweden sind sehr freundlich, sehr hilfsbereit und sehr offen. | Foto: Benny Moose
Schweden sind sehr freundlich, sehr hilfsbereit und sehr offen. | Foto: Benny Moose

Bei den Schweden verhält es sich mit dem Trampen ähnlich wie bei den Dänen. Sie sind freundlich, sehr hilfsbereit und offen. Hier wird man auch mal aufgenommen und darf auf Nachfrage das Zelt im Garten aufschlagen. Je nördlicher Du kommst und je abgelegener Du von der Autobahn bist, desto weniger Menschen fahren an Dir vorbei. 15 Minuten Wartezeit, bis überhaupt ein Auto kommt, sind üblich. Dafür wird man dann meistens auch mitgenommen. Im Norden sind die Leute auf die Hilfe der Anderen angewiesen, daher ist es hier üblich sich zu helfen. Zudem ist man in Schweden Backpacker gewöhnt. Die fahren zwar nicht alle per Anhalter, haben aber alle ein Ziel: Schwedens Natur und Menschen kennen zu lernen. Und das unterstützen die Schweden gerne.

Trampen in Österreich

In Österreich verhält es sich ähnlich wie in Deutschland. Nur die Berge bieten eine noch schönere Atmosphäre. Wenn Du hier mit dickem Rucksack stehst, wirst Du schnell und gern mitgenommen.

Trampen in Italien

Auch hier bieten im Norden die Berge eine herrliche Atmosphäre. An den Autobahnen gestaltet es sich aufgrund der Mautstationen allerdings eher schwierig einen geeigneten Platz zum Trampen zu finden. Meist steht man gefühlt schon auf der Autobahn, die Fahrer bemerken einen zu spät, können schlecht halten und auch nicht schnell die Spur wechseln. Insgesamt haben die Italiener eine gelassene Mentalität und zeigen große Gastfreundschaft.

Wartezeiten beim Trampen in Europa

Die Wartzeitangaben sind ungefähre Durchschnittsangaben, so wie ich sie beim Trampen in Europa erlebt habe. Glück und Pech kann man immer haben. Man kann überall mal über eine Stunde stehen und überall mal nach fünf Minuten mitgenommen werden.

Land Wartezeit
Deutschland 5-20 min
Tschechien/Polen 15 min
England 1-2 h
Dänemark 20 min
Schweden 30 min
Österreich 20 min
Italien 25 min

Blick über den großen Teich: Trampen in den USA

Die USA kann man nicht über einen Kamm scheren, schließlich sind sie um einiges größer als Europa. Generell sind die Amerikaner auch Fremden gegenüber sehr freundlich und offen. Taucht der Fremde aber aus dem Nirgendwo auf, dann sind sie sehr skeptisch. In manchen Staaten ist es auch verboten jemand mitzunehmen. Daher gestaltet sich Trampen teilweise sehr schwierig, wobei ich von Ort zu Ort unterschiedlichste Erfahrungen gemacht habe.

Schweiz, Kroatien, Norwegen – wer von Euch hat Erfahrungen mit dem Trampen in weiteren Ländern? Schreibt uns Eure Erfahrungen unten in das Kommentarfeld!

Dieses Mal war nicht erfolgreich? Biwacksäcke bei Bergzeit:

Mehr zum Thema Trampen und Reisen im Bergzeit Magazin

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
Sortiert nach:   neueste | älteste | beste Bewertung
Benny Moose
Nach meiner Anhaltertour zum Nordkapp kann ich meine Erfahrungen nun noch um zwei weitere Länder erweitern, Finnland und Norwegen. Im Norden Finnlands gestaltet sich Trampen eher schwierig, man wartet relativ lange und die Menschen sprechen kaum Englisch. Dafür sind sie aber sehr freundlich wenn sie einen mal mitgenommen haben, sodass wir letztendlich sogar 3 Tage bei Finnen gewohnt haben. In Norwegen klappt das Trampen hervorragend. Nette Menschen, kurze Wartezeiten und hilfsbereite Menschen mit sehr guten Englischkenntnissen. Natürlich haben wir auch dort mal länger und mal kürzer gewartet. Aber insgesamt ein voller Erfolg. Also den Norden kann ich zum Trampen, Wandern… Read more »
wpDiscuz