Wohin im Herbst zum Wandern? Das Bergzeit Magazin-Team stellt seine Lieblings-Wanderziele am Alpenrand vor: Heuberg, Wank, Dietrichshorn und die Herzogstand-Heimgarten-Runde.

1. Wanderung/Laufrunde Herzogstand und Heimgarten

Magazinbild-ArnoldArnold mag es beim Sport schnell und weit. Am liebsten ist er mit einem Paar seiner vielen Laufschuhe in den Bergen unterwegs. Die Berge südlich von München sind dabei sein Heim-Revier. So kommt es immer wieder zu Aktionen, bei denen ihn seine Kollegen montags im Büro etwas entgeistert anschauen und nur noch fragen „und das bist du alles gelaufen?“

Zugegeben: Herzogstand und Heimgarten sind bei Trailrunnern schon lange kein Geheimtipp mehr. Wenn man die beiden Voralpenberge jedoch von der richtigen Seite (und vor allem zur richtigen Tageszeit!!) angeht, ergibt sich eine streckenweise einsame, aussichtsreiche und vor allem abwechslungsreiche Laufrunde, die keine Wünsche offen lässt.

Der frühe Vogel fängt den Wurm: so kann man den Betrieb am Gipfelgrat meiden. | Foto: Arnold Zimprich
Der frühe Vogel fängt den Wurm: so kann man den Betrieb am Gipfelgrat meiden. | Foto: Arnold Zimprich

Von einem kleinen Wanderparkplatz bei Schlehdorf geht es zunächst über Fahrwege zum Rauteck und, am Rauchköpfl vorbei, steil hinauf zum Gipfel des Heimgarten. Nun folgt der wohl schönste Teil der Runde: die Belaufung des Verbindungsgrats hinüber zum Herzogstand – aufregende Tiefblicke inklusive! Der Grat ist nie schwierig, hier und da helfen Seilversicherungen bei der Passage. Für Trailrunning-Profis sind diese eher Luxus als notwendig. Vom Herzogstand genießt man noch einmal den traumhaften Fernblick, ehe es über den bequemen Reitweg hinab Richtung Kesselberghöhe geht. Auf 1.142 Metern (siehe GPS-Track) folgt man jedoch dem sogenannten Pionierweg nach links und läuft den mitunter spektakulären Kehrenpfad, der tief eingeschnittene Bachgräben quert, wieder hinab Richtung Ausgangspunkt.

Tipp: Am Verbindungsgrat zwischen den Gipfeln kann an Wochenenden sehr viel Betrieb herrschen. Von daher lohnt es sich früh aufzustehen (im Oktober ist ein Start mit Stirnlampe gegen sechs Uhr empfehlenswert) – oder die Runde unter der Woche zu drehen. Am Pionierweg ist man zu dieser Tageszeit häufig alleine unterwegs, auch der Pfad am Rauchköpfl vorbei ist vergleichsweise selten begangen. Der Autor dieser Zeilen war an den Bergen stets zum Sonnenaufgang unterwegs.

Eckdaten zur Tour auf Heimgarten und Herzogstand

  • Start und Endpunkt: Wanderparkplatz bei Schlehdorf am Kochelsee
  • Routenverlauf: Aufstieg: Rauteck – Rauchköpfl – Heimgarten(1785) – Herzogstand (1720) Abstieg: bis kurz vors Herzogstandhaus, dann Reitweg weiter – Schlehdorfer Alm – Pionierweg bis Ausgangspunkt in Schlehdorf
  • Höhenmeter: 1.350
  • Strecke: knapp 20 Kilometer
  • Dauer: Je nach Trainingszustand insgesamt ca. 2,5 – 3,5 Stunden (im Lauftempo); ca. 8 Stunden (Gehtempo)
  • EinkehrHeimgartenhütte (geöffnet bis zum dritten Sonntag im Oktober) oder Herzogstandhaus (geöffnet bis 15.11. und ab 26.12. zu den Winteröffnungszeiten)
  • Ausrüstung: Normale Trailrunning- oder Wander-Ausrüstung
  • Wanderführer und Karte: Kompass Karte Walchensee – Kochelsee – Sylvenstein (WK06)

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2. Herbstwanderung rund um das Dietrichshorn

Das Bergzeit Magazin stellt sich vor: Judith HackingerFür Judith ist Wandern besonders im Herbst der beste Ausgleich zum Alltag, wobei sie es in den Bergen eher gemütlich angeht. Meist ist sie mit Mann und Kind in ihrer Heimat, dem Salzburger Saalachtal, unterwegs und pickt sich aus dem hiesigen Tourenangebot die Schmankerl heraus. Um die kleine Tochter und den sportlichen Ehemann am Berg unter einen Hut zu bringen, sind die Touren der Hackingers in der Regel familienfreundlich mit Zusatzoption.

Das Dietrichshorn (1.542 Meter) im Salzburger Saalachtal fällt einem schon bei der Anreise zum Talort Unken ins Auge. Weder gewaltig hoch, noch besonders mächtig thront der bewaldete Felskopf wie ein perfekter, kleiner Hügel auf dem Rücken der Unkenberger Mähder hoch über dem Ort. Dass der Anblick täuscht, wissen all jene, die das Dietrichshorn als Klettergebiet oder Bergtour mit (sehr) kurzer Klettersteigpassage kennen. Für die vorgestellte Herbstwanderung lassen wir den Gipfel – und damit sämtliche Schwierigkeiten – als mögliche, sportliche Variante rechter Hand liegen und wandern gemütlich im Uhrzeigersinn um das Dietrichshorn herum.

Ein bisschen "Ahornboden" auf den Unkenberger Mädern. Besonders Anfang Oktober zeigen sich die Bäume im farbenfrohen Gewand. |Foto: Judith Hackinger
Ein bisschen „Ahornboden“ auf den Unkenberger Mädern. Besonders Anfang Oktober zeigen sich die Bäume im farbenfrohen Gewand. | Foto: Judith Hackinger

Vom Wanderparkplatz am Unkenberg folgt man einem markierten Steig (Weg Nr. 6), der die Forststraße (alternativer Aufstieg) abkürzt und in der Direttissima zur Abzweigung Thällernalm führt. Weiter links auf der Forststraße bis zum Almsattel der Thällernalm samt Wegweiser. Über einen kurzen Abstecher gelangt man hier auf den aussichtsreichen Thällerer Kogel (1.337 Meter, Vorsicht Steilabbruch!), der sich für eine Rast anbietet. Wieder zurück auf dem Sattel führt rechts der Steig über das Dietrichshorn steil in den Wald hinauf. Für die Rundtour folgt man jedoch dem Wanderweg Nr. 6a auf der Dietrichshorn-Südseite in Richtung Astenalm. Hier gelangt man zurück auf die Forststraße (Weg Nr. 6). Weiter rechts geht es nun ein paar Meter hinauf ehe hinter einer Rastbank der Steig über das Dietrichshorn einmündet. Auf der Forststraße geht es nun sanft abwärts bis rechts ein alter Almweg die Fahrstraße über die herrlichen Wiesen abkürzt. Besonders im Oktober sorgen hier ein paar farbenprächtige Bergahorne für eine stimmungsvolle Foto- und Piknikkulisse. Am Ende des Almweges wieder rechts bis man die Runde an der Abzweigung zur Thällernalm schließt. Von hier verläuft der Abstieg zum Parkplatz über die Aufstiegsroute oder über die Forststraße.

Variante: Sportlich unausgelastete Begleiter kann man ab der Thällernalm auch ÜBER das Dietrichshorn schicken, um sie auf den Unkenberger Mähdern wieder zu treffen. Als eigenständige Bergtour wird diese Variante aufgrund der nordseitigen Klettesteigpassage in der Regel gegen den Uhrzeigersinn gewandert. Der kurze Klettersteig erfordert grundlegende Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Für Kinder und Ungeübte ist eine Sicherung angebracht. Aufgrund des sehr steilen Geländes ist auch am Steig zur Thällernalm Vorsicht geboten.

Eckdaten zur Tour rund um das Dietrichshorn

  • Anfahrt: Ab Autobahn A8, Anschlussstelle Siegsdorf über B306 nach Inzell. Weiter auf der B305 bis Schneizelreuth. An der B21 nach rechts Richtung Lofer. Kurz nach dem Südende der Ortsumfahrung Unken (Achbergtunnel) rechts in Richtung Heutal / Unkenberg. Nach der Durchfahrt durch ein Sägewerksgelände links am Unkenbach entlang bis zur Abzweigung Unkenberg. Weiter bis zum Wanderparkplatz (923 Meter) ca. 200 Meter oberhalb des letzten Gehöfts.
  • Start- und Endpunkt: Parkplatz oberhalb des Dax-Gehöfts am Unkenberg
  • Routenverlauf: Parkplatz Unkenberg – Abzweig Thällernalm – Thällernalm/Thällerer Kogel – Astenalm – Unkenberger Mähder – Abzweig Thällernalm – Parkplatz Unkenberg
  • Schwierigkeit: leicht (Variante Dietrichshorn: mittel, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich!)
  • Kondition: leicht
  • Höhenmeter: ca. 526
  • Dauer: 3 Stunden
  • Einkehr: Unterwegs keine, ab Astenalm Abstecher zur Kechtalm am Schwarzeck (ca. 30 Minuten, 170 Hm) möglich. Gasthof Dietrichshorn am Unkenberg und weitere Gasthöfe in Unken.
  • Ausrüstung: Normale Wanderausrüstung
  • Wanderführer & Karte: Kompass-Karte Salzburger Saalachtal

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3. Familienwandern auf den Heuberg

4Stefan mag Berge am liebsten steil und felsig. Mit seinem Nachwuchs ist er aber auch viel ohne Seil oder Crashpad unterwegs, bei Familienwanderungen. Ein wenig Felskontakt kann dann aber schon mit dabei sein. Es schadet ja nichts, wenn auch der Nachwuchs frühzeitig seine Kletterleidenschaft entdeckt. 

Der Heuberg ist ein klassisches Wanderziel im Inntal. Er zieht an schönen Frühlings- oder Herbsttagen Scharen von Wanderern an – aber das hat seinen Grund. Wer sich und seinen Nachwuchs bis aufs Almwiesen-Plateau der Heubergalmen (auch Daffnerwaldalm genannt) motiviert hat, wird mit einem wunderbaren Sonnenplatzerl belohnt. Schafft man es dann sogar noch auf Heuberg- oder Wasserwand-Gipfel, kann man noch eine grandiose Aussicht drauflegen.

Blick auf Wasserwand (rechts) und Kitzstein (links) beim Aufstieg zu den Daffnerwaldalmen. | Foto: Stefan Rehm
Blick auf Wasserwand (rechts) und Kitzstein (links) beim Aufstieg zu den Daffnerwaldalmen. | Foto: Stefan Rehm

Vom Parkplatz Duftbräu oder Schweibern geht es am Duftbräu vorbei (Achtung: Spielplatz und Esel können für Verzögerung sorgen) über den Bierlehrpfad wunderschön am Fluderbach entlang in Richtung Heuberg bergan. Nach etwa einer Stunde erreicht man die Almwiesen der Heubergalmen. Von hier kann man die letzten gut 200 Höhenmeter angehen. Über den steilen Wiesenhang geht es zur Scharte zwischen Heuberg und Wasserwand. Je nach Können kann man entweder über den kurzen Klettersteig die Wasserwand erklimmen (Achtung, sehr ausgesetzt und gefährlich; für Kinder nur mit Sicherung zu empfehlen) oder den nahen Heuberggipfel.

Der Abstieg führt zurück zu den Heubergalmen. Von dort folgt man der Fahrstraße in Richtung Norden hinunter. Nach einigen asphaltierten Kehren zweigt der Weg zum Parkplatz Schweiber rechts ab.

Hinweis: nach Regenfällen ist sowohl die Passage vor den Heubergalmen als auch der Gipfelhang zum Heuberg eine unangenehme Schlammschlacht, auch einige Tage nach Regenfällen. Dann sollte man sich überlegen, ob man sich das wirklich antun will.

Eckdaten zur Tour auf den Heuberg

  • Start- und Endpunkt: Parkplatz Schweiber oder Duftbräu am Samerberg
  • Routenverlauf: Aufstieg: Schweibern (752 Meter) – Duftbräu (793 Meter) – Daffnerwaldalm (1050 Meter) – Heuberg oder Wasserwand (1338/1367 Meter). Abstieg: Daffnerwaldalmen/Deindlalm (Meter) – Fahrstraße zum Parkplatz in Schweibern
  • Schwierigkeitsgrad: leicht (ausgenommen Wasserwand-Gipfel)
  • Kondition: leicht
  • Höhenmeter: ca. 588
  • Dauer: Aufstieg ca. 2 Stunden, Abstieg ca. 1-1,5 Stunden
  • Einkehr: Heubergalmen = Lagler Hütte (im Winter Donnerstag bis Sonntag geöffnet) oder Deindlalm (von Ende Oktober bis Mitte Mai Dienstag bis Samstag sowie feiertags geöffnet)
  • Ausrüstung: normale Wanderausrüstung
  • Wanderführer und Karte: AV-Karte Chiemgauer Alpen Ost (BY 17)

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4. Bergtour auf den Wank bei Garmisch

1Franziska liebt das Wandern und das Reisen – oder beides gleichzeitig. Am Wochenende ist sie am liebsten in den Bergen der Garmischer Ecke unterwegs. Was für sie eine richtig gute Tour ausmacht? Ein schöner Weg, mit toller Aussicht und als i-Tüpfelchen eine urige Alm zum Einkehren. Deshalb war sie schon vier Mal am Wank – obwohl sie sonst nach dem Motto wandert: „Es gibt einfach zu viele interessante Gipfel, um einen Berg mehrfach zu besteigen“.

Der Wank im Estergebirge wartet mit grandiosem Gipfelpanorama von Karwendel bis Zugspitze auf. Stolze 1.780 Meter ist der Hausberg von Partenkirchen hoch. Die mittelschwere Tour startet vom Parkplatz der Wankbahn-Talstation, zweieinhalb Stunden dauert der sonnige Aufstieg über Eckenhütte und Mittelstation. In der Schlucht vor der Gamshütte ist es noch angenehm kühl, dann geht es über eine große Almwiese und später in Serpentinen durch Wald und Latschen bis zur Bergstation. Oben angekommen lohnt sich ein Abstecher zum etwas unterhalb gelegenen Rücken des Roßwank – die Aussicht auf Karwendel und Wettersteingebirge ist von hier einmalig. Außerdem geht es hier deutlich ruhiger zu als auf dem Wank-Gipfel. Im Sommer teilt man sich den Roßwank mit Pferden und Kühen.

Wer dem eifrigen Gipfelbetrieb am Wank entfliehen will, genießt das Zugspitzpanorama vom grasigen Rücken des Rosswank. | Foto: Franziska v. Treuberg
Wer dem eifrigen Gipfelbetrieb am Wank entfliehen will, genießt das Zugspitzpanorama vom grasigen Rücken des Rosswank. | Foto: Franziska v. Treuberg

Wer wenig Zeit hat, wandert anschließend zurück zur Bergstation und nimmt die Wankbahn nach unten (Achtung: über die aktuellen Betriebszeiten informieren). Fitte Wanderer steigen vom Roßwank zunächst in östlicher Richtung, dann nach Norden durch den romantischen Kaltwassergraben zur Esterbergalm ab – mein Einkehrtipp! Von hier führt ein steiler Fahrweg hinab nach Partenkirchen (Achtung Knieschmerzen). Insgesamt dauert die Tour dann fünf bis sechs Stunden.

Variante: Natürlich kann man den Wank auch umrunden (von Partenkirchen über Pfeifferalm, Gschwandtnerbauer, Abstecher zum Roßwank, Kaltwassergraben und Esterbergalm zurück nach Partenkirchen) bzw. vom Gipfel auf direktem Weg zur Esterbergalm absteigen und den sanfteren (aber dafür längeren) Rückweg über den Gschwandtnerbauer rund um die Südseite des Wanks wählen.

Eckdaten zur Tour auf den Wank:

  • Start- und Endpunkt: Parkplatz oberhalb der Wankbahn-Talstation im Garmischer Ortsteil Partenkirchen. Anfahrt mit dem PKW über A95 München-Garmisch, kurz nach Ortseingang links halten und Ausschilderung folgen (Wankbahnstr. 2). Bei Anreise mit dem Zug: Buslinie 4/5 vom Bahnhof Garmisch-Partenkirchen bis zur Wankbahn (falls in Betrieb) oder Sebastianskirche (Partenkirchen) und von hier den Wanderschildern zum Wank folgen.
  • Routenverlauf: Aufstieg: Wankbahn-Talstation (810 Meter) – Kirche St. Anton – Gamshütte (937 Meter) – Eckenhütte (1.061 Meter, unbewirtschaftet) – Wankhaus (1.780 Meter). Abstieg: Roßwank (1.688 Meter) – Abzweig Gschwandtner Bauer (hier links durch Kaltwassergraben) – Esterbergalm (1.264 Meter) – Wankbahn-Talstation. Eine kürzere Abstiegsalternative führt direkt vom Wankgipfel nach Norden hinunter zur Esterbergalm.
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Kondition: mittel
  • Höhenmeter: ca. 970
  • Dauer: Aufstieg ca. 2,5 Stunden, Abstieg über Roßwank und Esterbergalm ca. 3 Stunden
  • Einkehr: Gamshütte (ganzjährig, Montag Ruhetag), Wankhaus (täglich, kein Ruhetag), Esterbergalm (nahezu ganzjährig, Mittwoch Ruhetag)
  • Ausrüstung: normale Wanderausrüstung
  • Wanderführer und Karte: AV-Karte BY9 Estergebirge – Herzogstand – Wank

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