Kletterbürsten, Boulderbürsten oder auch Griffbürsten - die Putzteufel beim Klettern haben viele Namen. Um im Gewirr von Begriffen, Borsten und Bürstenformen die passende zu finden, hat sich Thomas Lindinger einige Modelle genauer angesehen.
Welche Bürste taugt wofür. Thomas Lindinger hat sich ein Set und fünf Einzelbürsten verschiedener Hersteller genauer angeschaut.
Welche Bürste taugt wofür? Thomas Lindinger hat sich ein Set und fünf Einzelbürsten verschiedener Hersteller genauer angeschaut.

Wer eine Boulderbürste braucht, wird kaum ein Problem haben fündig zu werden. Schließlich ist die Bürstenabteilung im Kletterladen oft größer als die im Drogeriemarkt um die Ecke. Vielmehr bleibt bei all dem Angebot die Frage, welche Boulderbürste die richtige ist. Um überhaupt eine Wahl treffen zu können, muss man sich zunächst bewusst werden wofür man die Bürste vorrangig verwenden will. Wie so oft bei Outdoor-Equipment gilt: Das Einsatzgebiet beschränkt die Auswahl. Jede Borsten- bzw. Bürstenform hat ihre Vor- und Nachteile und damit verbundene Spezialeinsatzgebiete. Geprüft und getestet wurden deshalb Naturhaar und Nylon-Bürsten der Hersteller Black Diamond, Mantle, AustriAlpin und Bergzeit – allesamt vertreten im Bergzeit Griffbürsten-Sortiment.

Mantle Boulderbürste Test
Feinstes Naturhaar: Die Mantle Nature Boulderbrush kommt mit ihren schräg geschnittenen Borsten tief in die Felsstruktur hinein. | Foto: Thomas Lindinger

Bürsten & Borsten: Naturhaar vs. Nylon

Im direkten Borstenvergleich schneidet die natürliche Variante besser ab. Meiner Meinung nach sind Boulderbürsten mit Naturhaar das Beste, das der Kletterbürstenmarkt hergiebt. Anders als die Nylonbürsten beseitigen sie nämlich nicht NUR Schmutz, sondern können Chalk in den Griff massieren und haben eine trocknende Wirkung. Allerdings ist auch Naturhaarbürste nicht gleich Naturhaarbürste. In der Regel sind die Naturborsten aus Schnweineborsten hergestellt. Die Borsten haben die gute Eigenschaft steif, flexibel und durch die raue Oberfläche extrem abrasiv zu sein.

Unterschiede gibt es bei der Härte der Borsten, der Borstenform sowie bei Form und Material des Griffes. Mehr dazu findet Ihr bei den Einzelbeschreibungen der getesteten Boulderbürsten.

Eine bekannte Schwachstelle von Griffbürsten ist allgemein der Bürstengriff. Manchmal bricht dieser, bevor die Borsten abgenutzt sind. Dieser Aspekt wurde beim Testen der Boulderbürsten speziell ins Auge gefasst. In der Regel brechen Bürsten, die aus flexiblem Kunststoff gefertigt wurden, weniger oft.

Das Allround-Paket: Black Diamond Necessaire Bürstenkit

Black Diamond Necessaire Bürstenkit im TestVorweg: Wer sich nicht entscheiden kann (z.B. am Anfang der Bouldersaison), wofür er seine Bürste/n braucht, der ist mit dem „Necessaire Bürstenkit“ von Black Diamond bestens versorgt. Es beinhaltet eine kleine recht harte Nylonbürste, eine große auch recht harte Bürste und eine sanfte Naturhaarbürste. Die beiden letzten ergänzen sich dabei ideal. Mit der großen Boulderbürste aus dem Black Diamond-Kit kann man gut groben Schmutz von Slopern, Volumen und auch von Crashpads entfernen. Die leicht gebogene Naturhaarbürste ist ideal für Leisten und kleine Griffe oder Tritte. Wegen ihrer gebogenen Form kommt man problemlos an die zu putzende Fläche. Super ist diese Bürste auch beim Einsatz am Fels: lange nicht verwendete und folglich vom Chalk befreite Griffe, werden mit ein- oder zweimal putzen super griffig. Die Bürste massiert das Chalk regelrecht in die Poren des Fels ein.

Fünf Boulderbürsten im Test

1: Die Bergzeit Griffbürste

Bergzeit Griffbürste im TestDie hauseigene Boulderbürste von Bergzeit ist mit Abstand die kostengünstigste Kandidatin im Testfeld. Trotzdem hat der kleine Preis definitiv keinen Einfluss auf ihre Fähigkeiten. Die Bergzeit Bürste hat eine verhältnismäßig kleine Bürstenfläche, weshalb man etwas länger mit dem Putzen beschäftigt ist. Auch der Verschleiß der Borsten ist etwas höher. Dafür sind die Haare sehr dicht angeordnet, robust und besonders gründlich beim Entfernen von Chalkresten und Schmutz. Die Bürste eliminiert auch Gummireste prima und „trocknet“ Griffe und Tritte beim Putzen. Der kleine Bürstenkopf erreicht auch Stellen an denen andere Bürsten wegen ihrer Größe Scheitern – zum Beispiel Löcher, Sanduhren, Ecken und ähnliches.  Der Griff der Bergzeit Bürste ist – fast wie bei Dr. Best – flexibel und verspricht daher lange zu halten.

2: Die Mantle Nature Boulderbrush

Mantle Nature Boulderbrush im TestDie Mantle Nature Boulderbrush ist die wohl außergewöhnlichste Bürste im Test. Das hat zwei Gründe: Zum einen bietet sie zusätzlich zur normalen Bürstenfläche noch einen weiteren Bürstenkopf, mit kurzen und dadurch härteren Borsten. Zum anderen sind die Haare der Mantle Nature Boulderbrush abgeschrägt, damit man erstens tief in der Struktur putzen und zweitens die ganze Bandbreite der Borsten nutzen kann. Die Vorderseite der Bürste eignet sich optimal zum Putzen von tiefen und zugleich schmalen Griffen, die Hinterseite zum Entfernen von Gummiresten, Moos oder anderem groben Dreck wie z.B. alte Ticks oder Kalkrückstände nach Regenzeiten. Eine weitere Besonderheit dieser Bürste ist der Griff selbst. Der besteht nämlich aus Holz und ist deswegen super stabil. Das Problem, dass die Bürste am Hals wegen zu viel Druck abbricht, kann bei der Mantle Nature Boulderbrush nicht mal mit roher Gewalt erzwungen werden. Ich hab’s getestet!

mantle

3 & 4: Die Ergo Bürste von Mantle

Die Ergo Bürste von Mantle gibt es sowohl als Naturhaar- als auch als Nylonbürste. Egal für welche Variante man sich entscheidet, die Borsten sind eher hart und fühlen sich nicht angenehm an. Die Nylonausführung ist vergleichbar mit der kleinen roten Bürste aus dem Black-Diamond-Set. Beide Varianten der Ergo Bürste eignen sich vorrangig dazu, alte Chalkschichten zu beseitigen, aber nicht wirklich, um einen Griff schön griffig und sauber zu bekommen. Die Naturhaarbürste schneidet hier im direkten Vergleich noch etwas besser ab, als die Nylonbürste. Gut gemacht ist der verstärkte Hals der Bürste, um zu verhindern, dass der Kunststoff bricht. Auch die Schnur mit der man die Bürste gut am Gurt befestigen kann, ist ein praktisches Feature.

AustriAlpin Boulderbrüste Test

5: AustriAlpin Boulderbürste

Wer regelmäßig zum Bouldern geht, MUSS diese Bürste besitzen. Die Borsten der AustriAlpin Boulderbürste sind perfekt und sie liegt gut in der Hand. Um sie zu verstauen braucht man zwar ein großes Chalkbag, aber das sollte jeder Boulderer ohnehin haben. Genauso wie bei der großen Bürste aus dem Black Diamond Necessaire Kit sind die Haupteinsatzgebiete der Boulderbürste große Flächen. Sloper und Volumen lassen sich damit wunderbar putzen. Weil die Borsten im Vergleich zur Black-Diamond-Variante weicher sind, kommt man tiefer zwischen die Körnung (z.B. von Volumen oder Slopern im Sandstein) und reinigt den Griff bis in die tiefste Pore.

Mehr zum Thema Boulden im Bergzeit Magazin:

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