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Welche ist die Beste?

Boulderbürsten im Vergleich: Was können sie?

5 Minuten Lesezeit
Welche Boulderbürsten eignen sich für welche Art von Griffen oder Tritten? Bergzeit Autor Stefan Rehm nahm für uns drei Naturhaar- und eine Zahnbürste mit an den Fels und hat den Vergleichstest angestellt.

Boulderer und Kletterer bürsten ja oft fleißig an ihren Griffen herum. Vielleicht hast Du Dich schon immer gefragt: Was soll das bringen? Und macht das wirklich einen Unterschied, ob ich dafür eine spezielle Boulderbürste oder eine Zahnbürste verwende?

Genau das habe ich mich auch gefragt – und ja: Natürlich ist das vollkommen subjektiv. Die Reibungswissenschaften sind allerdings ein höchst spezielles Fach und jeder der einmal in etwas abgegriffeneren Gebieten wie Kochel, Sparchen oder der berühmten Pommeswand unterwegs war, weiß ein Lied davon zu singen.

Wer in viel begangenen Kletter- und Boulder-Routen unterwegs ist lernt saubere, regelmäßig gebürstete Griffe sehr zu schätzen.

Stefan Rehm

Wer in viel begangenen Kletter- und Boulder-Routen unterwegs ist lernt saubere, regelmäßig gebürstete Griffe sehr zu schätzen.


Also nahm ich mir für meinen Boulderbürsten-Vergleichstest vor, auch die folgenden zwei Fragen zu beantworten: 1. Warum wird gebürstet? 2. Steigert Bürsten die Performance?

Naturborsten vs. Nylon

Hier im Test wurden insbesondere Modelle mit Naturborsten getestet. Meiner Meinung nach ist das das Beste, was man derzeit verwenden kann. Sie beseitigen den Schmutz besonders effektiv und sorgen für richtig gute Reibung.

Allerdings ist auch Naturhaarbürste nicht gleich Naturhaarbürste. In der Regel sind die Naturborsten aus Schweineborsten hergestellt. Die Borsten haben die gute Eigenschaft steif, flexibel und durch die raue Oberfläche extrem wirkungsvoll zu sein. Es gibt unterschiedliche Härten zur Auswahl. Ich persönlich bevorzuge hier Boulderbürsten aus Naturmaterialien, wenn sich damit etwas Plastik vermeiden lässt …

Naturmaterialien sind nicht nur unter Nachhaltigkeitsaspekten interessant für Boulderbürsten.

Stefan Rehm

Naturmaterialien sind nicht nur unter Nachhaltigkeitsaspekten interessant für Boulderbürsten.


Bürsten ist eine Frage des Anstands

Entschuldigung, dass ich hier kurz grundsätzlich werde. Aber es gibt zwei Gründe, weshalb Du regelmäßig bürsten solltest.

  • Erstens weil sich sonst Feuchtigkeit in den Griffen sammelt. In der Boulderhalle passiert das durch den Handschweiß der Boulderer, am Fels durch die Luftfeuchtigkeit.
  • Zweitens ist das Bürsten gerade dann besonders wichtig, wenn ein Boulder oder eine Route viel geklettert wird. Sonst sammelt sich dort am Ende eine so dicke Chalkschicht, die unmöglich wieder zu beseitigen ist. Wenn aber jede*r ein bisserl bürstet ist es kein Problem.
Erst bürsten ...

Stefan Rehm

Erst bürsten …


... dann bouldern

Stefan Rehm

… dann bouldern


So, soviel vom Moralonkel. Damit zur nächsten Frage:

Der Boulderbürsten-Vergleichstest: Wie gut funktioniert welche Bürste?

Dazu gibt es folgende Untersuchungsszenarien:

  • Befestigungsmöglichkeit am Chalkbag
  • Bürsten an verschiedenen Grifformen
  • Preis-Leistung
  • Öko-Bonus-Wertung

Das Teilnehmerfeld besteht aus diesen Bürsten:

  • Dr. Best (grün)
  • Red Chili „Dirty Hairy“ aus Wildschweinborsten
  • Black Diamond Bouldering Brush aus Wildschweinborsten
  • Chillaz Climbingbürste aus Rosshaar
Die Zahnbürste ist die Referenz aus dem Alltag. Ob sie auch für Bouldergriffe in Frage kommt?

Stefan Rehm

Die Zahnbürste ist die Referenz aus dem Alltag. Ob sie auch für Bouldergriffe in Frage kommt?


Bürsten mit Naturhaaren und Holzgriff sind dagegen die etwas teurere Variante. Lohnt sich der Aufpreis?

Stefan Rehm

Bürsten mit Naturhaaren und Holzgriff sind dagegen die etwas teurere Variante. Lohnt sich der Aufpreis?


Befestigung am Chalkbag

Dieses Thema ist insbesondere für Seilkletterer relevant. Denn Boulderer packen ihre Bürste einfach in ein Netzteil am Rand des Boulderbags und fertig. Hauptproblem ist hier, dass man die Bürste nach dem Bürsten irgendwo hinwirft und dann nicht mehr so schnell findet.

Seilkletterer hingegen befestigen in vielen Fällen die Bürste in einer kleinen Lasche direkt am Chalkbag. Und diese Lasche kann in Kombination mit einer unpassenden Bürste für eine recht kurze gemeinsame Zeit mit der gemeinsamen Bürste sorgen. Vorneweg: hier ist Hairy … von Red Chilli etwas außer Konkurrenz. Er muss mit einem Karabiner am Gurt befestigt werden.

  • Lange schmale Befestigung: In den langen schmalen Befestigungen ist die Black Diamond Bürste eindeutig Sieger. Hier geht die Bürste nicht so leicht verloren, sie passt einfach perfekt! Der bunte Chillaz Silikonstöpsel ist hier etwas hinderlich.
  • Kleines Gummiband: eine per se anfällige Form des Transports. Auch hier ist die Black Diamond Bürste Sieger, weil sie den schmalsten Griff hat und am leichtesten ist. Die Chillaz Bürste kommt hier nur auf ein befriedigend, weil der Griff unten etwas breit ist.

Verlierer ist übrigens in beiden Fällen Dr. Best. Was das Zahnfleisch schützt, ist einfach unpraktisch zum Einfädeln.

Die Black Diamond Bürste passt gut an einen Chalkbag

Stefan Rehm

Die Black Diamond Bürste passt gut an einen Chalkbag


Stefan Rehm

Boulder-Bürsten an verschiedenen Grifformen

Hier gibt es zwei Disziplinen: Einerseits die Reinigungswirkung an abgegriffenen, schmierig-chalkigem Fels. Andererseits die Kraft in einem neu eingebohrtem Projekt.

Hier bin ich bei einem perfektem Untersuchungsumfeld: in Kochel. Schnell ist klar, dass die Boulderbürsten ganz verschiedene Stärken haben.

Breite Flächen lassen sich mit der breiten

Stefan Rehm

Breite Flächen lassen sich mit der breiten „Dirty Hairy“ gut reinigen


Schmale Griffe lassen sich dagegen mit etwas kleineren Bürsten besser reinigen.

Stefan Rehm

Schmale Griffe lassen sich dagegen mit etwas kleineren Bürsten besser reinigen.


Dr. Best

Leider der Verlierer im Test. Der Chalk löst sich hier deutlich schlechter als bei Naturborsten. Am Chalkbag lässt sich die Bürste auch nicht richtig befestigen. Und auch in der Öko-Wertung sind die Plastikgriff und Nylonborsten ziemlich weit abgeschlagen. Sorry, Dr. Best, Du darfst weiter im Zahnputzbecher bleiben …

Dirty Hairy von Red Chili

Dirty Hairy kümmert sich hingebungsvoll um große Flächen. Sloper reinigt er ganz wunderbar, mit kleinen Leisten tut er sich dagegen schwer. Und auch das hinterste Eck einer kleinen Leiste – quasi der Zahnzwischenraum des Kletterns, (*harhar*) – kommt er nur schwer. Für Sloper und größere Flächen ist er aber unschlagbar. Aufgrund der großen Fläche und der Voll-Öko-Ausstattung die teuerste Bürste im Test.

Black Diamond Bouldering Brush

Die Black Diamond Bouldering Brush sei allen Routenkletterern empfohlen. Sie sitzt super in der Chalkbag Befestigung. Wermutstropfen ist der Griff aus Plastik. Das gibt erstens Abzug in der Style und Öko-Wertung, zweitens sind Plastikgriffe anfälliger dafür zu brechen. Wer sich das einmal anschauen will, suche einmal nach „my broken Lapis brush“. Bisher ist das in meinem Test aber noch nicht passiert. Falls Du hier Erfahrungen hast, schreib das doch unten in die Kommentare.

Preislich liegt die Bouldering Brush von BD mit knapp acht Euro im selben Preissegment wie die Chillaz Boulderbürste.

Chillaz Boulderbürste

Hierbei handelt es sich um den Allrounder, quasi das Basismodell. Okay für die Chalkbaghalterung, Top auf kleinen, verwinkelten Leisten. Durch die Verwendung von Holz sollte der Griff die Borsten überleben. Der Sinn des Silikoncaps am Ende erschließt sich mir nicht. Okay, ist bunt. Aber sonst? Meine Vermutung ist, dass damit ein Spiel eingebaut ist. Man versucht die Bürste so auf den Boden oder die Wand zu werfern, dass man sie danach wieder auffangen kann. Ich habe das noch nicht geschafft.

Dir fehlt hier noch eine Bürste?

Welche Boulderbürste sollte Stefan noch unbedingt testen? Schreib uns doch in die Kommentare und Stefan nimmt sie mit an den Fels!

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