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Scharf im Eis

Eisgeräte schleifen – was gibt es zu beachten?

5 Minuten Lesezeit
Das Schleifen der Eisgeräte gehört zu den Hausaufgaben jedes Steileis-Fans. Eiskletterer Uwe Daniel aus dem Bergzeit-Kletterteam erklärt, wie man das Material optimal pflegt und gibt Tipps zur korrekten Aufbewahrung der Pickel.

Eisgeräte und Eispickel sind die Arbeitstiere des Bergsteigers. Kaum ein Ausrüstungsgegenstand bekommt den Berg-Kontakt ähnlich direkt zu spüren – von den Steigeisen einmal abgesehen. Die regelmäßige Pflege und eine sorgfältige Aufbewahrung belohnt das Eis-Werkzeug – je nach Benutzungsintensität – mit einem langen Produktleben.

Pickel und Eisgeräte schleifen – wann ist das notwendig?

Mit der richtigen Technik ist das Schleifen von Eisgeräten keine allzu große Herausforderung. | Foto: Andreas Burger
Mit der richtigen Technik ist das Schleifen von Eisgeräten keine allzu große Herausforderung. | Foto: Andreas Burger

Es macht gar nichts, wenn an Eisgeräten und Eispickeln der Lack abplatzt und das Markenlogo nicht mehr zu erkennen ist. Schließlich sind Eisgeräte (und Eispickel) Gebrauchsgegenstände, die nicht geschont, sondern benutzt werden möchten! Wenn Du also an Deinem Eisgerät vor dem Saisonstart Flugrost findest, empfehle ich zu dessen Beseitigung nicht Sandpapier, sondern eine Eistour, bei der das Eisgerät mal wieder ins Eis gehauen wird! Sobald also das Wichtigste – die Benutzung des Materials – erledigt ist, geht es an die Pflege der Ausrüstung und gegebenenfalls an das Schleifen der Eishaue.

Besonders bei Hochtouren und Kletterei im kombinierten Gelände lässt sich der Felskontakt für Pickel und Steigeisen kaum vermeiden. Die Haue wird mit der Zeit stumpf und rundet sich ab. Wo einst Kanten waren, sorgen Rundungen für einen immer schlechter werdenden Halt. In Folge „zieht“ das Eisgerät nicht mehr so leicht ins Eis, wie der Profi sagt.

Spätestens bei immer größer werdender Sprengwirkung und steigender Schlaganzahl ist es an der Zeit, die Eishaue nachzuschleifen. Wie bei vielen anderen Dingen gibt es beim Eisgeräte schleifen allerdings ein „zu viel“ und ein „zu wenig“  – der goldene Mittelweg ist also gefragt!

Schleifen von Eisgerät und Steigeisen – so geht’s

Zunächst einmal wäre die Frage zu klären, wie wichtig das Schleifen von Eisgeräten eigentlich ist. Man könnte doch eigentlich annehmen, dass die Ausrüstung inzwischen ein Qualitätsniveau erreicht hat, bei dem keine Pflege mehr nötig ist. Ich persönlich würde die Wichtigkeit des Schleifens irgendwo zwischen dem Nachfüllen von Blasenpflastern im Erste Hilfe-Set und dem vorsorglichem Austausch einer älteren Bandschlinge verorten.

Es lautet also die Devise: so viel wie nötig und so wenig wie möglich abschleifen! Schließlich wächst die Pickelhaue nicht nach und alle Metallspäne, die man abschleift, sind unwiderbringlich verloren. Spätestens, wenn die Spitze der Eishaue ihrem Namen nicht mehr gerecht wird, ist es allerdings an der Zeit, zur Feile zu greifen.

Eisgerät schleifen in vier Schritten. | Foto: austrialpin
Eisgerät schleifen in vier Schritten. | Foto: austrialpin

So wird die Pickelhaue wieder scharf

(Nummerierte Aufzählung – stimmt mit den Nummern im Bild rechts überein)

  1. Das Eisgerät/der Pickel wird auf einem Tisch auf Hauenspitze und Schaft gestellt. Der Winkel zwischen Hauenspitze und Tischplatte sollte nach dem Feilen in etwa dem Winkel im Bild entsprechen.
  2. Die Oberseite der Haue wird mit einem scharfen Grat versehen. Dadurch kann das Eisgerät leichter aus dem Eis gezogen werden. Bei einem Hochtourenpickel muss die Oberseite der Haue nicht messerscharf sein, da sonst die Handschuhe Schaden nehmen.
  3. Die Zähne an der unteren Seite der Haue werden etwas angeschliffen. Dabei ist darauf zu achten, dass in der Mitte eines jeden Zahns eine ebene Fläche bleibt. Für die Zahnzwischenräume sollte eine passende Metall-Rundfeile verwendet werden.
  4. Die Spitze der Haue wird im gleichen Winkel wie die Oberseite gefeilt und an einem Zahn der Unterseite ausgerichtet (exakt so, dass der erste Zahnbogen an der Unterseite vollständig ist).

Aufbewahrung der Eisausrüstung

Genauso wichtig – wenn nicht wichtiger – wie das Schleifen von Eisgeräten ist die korrekte Aufbewahrung der Eisausrüstung. Nach jeder Tour mit Eisgeräten, Pickel, Steigeisen oder Eisschrauben empfehle ich daher folgende Schritte:

  1. Eisgerät/Pickel und Steigeisen auf einer Zeitung auf Zimmertemperatur bringen und mit Rostschutz einsprühen. Achtung: Speiseöle sind als Rostschutz ungeeignet, da diese Wasser enthalten!

    Damit die Eisgeräte einwandfrei funktionieren, sollte auf Abnutzungserscheinungen geachtet werden - und eventuell seine Eisgeräte schleifen. | Foto: Uwe Daniel
    Damit die Eisgeräte einwandfrei funktionieren, sollte auf Abnutzungserscheinungen geachtet werden – und eventuell seine Eisgeräte schleifen. | Foto: Uwe Daniel

  2. Bei Eisschrauben sollte der Rostschutz auch an der Innenseite der Schraube angewendet werden. Dazu am besten ein Stück Zellstoff mit Rostschutz einsprühen und diesen mit einem Holzstäbchen durch die komplette Schraube schieben. Das mache ich selbst dann, wenn die Schraube gar nicht benutzt wurde!
  3. Teleskopstöcke werden in ihre Einzelteile zerlegt, damit die Feuchtigkeit im Inneren entweichen kann. Achtung: Viele Hersteller warnen vor dieser Maßnahme. Mit etwas handwerklichem Geschick ist sie jedoch kein Problem.
  4. Sichtkontrolle sämtlicher Ausrüstungsgegenstände und – wenn notwendig – sofortige Reparatur. Der nächste Alpenausflug kommt manchmal spontan!
  5. Zur Aufbewahrung und zum Schutz beim Transport kann die Haue mit dem Axe Protector geschützt werden. Falls Sie die Oberseite der Eishaue sehr scharf geschliffen haben, schützt auch ein einfaches Stück Gartenschlauch.

Tipp: Wenn man die Haue des neu gekauften Eispickels/Eisgeräts von allen Seiten fotografiert, ist beim späteren Feilen stets eine „Originalvorlage“ zur Hand. Besonders wichtig ist das Profilfoto von der Seite – Schaftende und Hauenspitze auf einer Linie/Tischplatte, um den Winkel der Hauenspitze erkennen zu können!

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