• Seit 1999 online
  • Powered by 350 Bergsportler
  • Am Puls der Berge
Und es hat doch Tritte

Five Ten Anasazi Lace-up im Test: Pink ist zurück

7 Minuten Lesezeit
Der Five Ten Anasazi Lace-up ist ein Kletterschuh mit Kultstatus. Seit kurzem ist "der Pink" als Neuauflage erhältlich. Martin Hanke machte den Test, ob die Legende des beliebten Klassikers trotz Änderungen weiter geht.

„The Pink“ ist zurück! Ich stehe mit einem breiten Grinsen auf der ISPO in München, als ich die Neuauflage des Five Ten Anasazi Lace-up alias „The Pink“ freudig in den Händen halte. Erinnerungen kommen auf, zum Beispiel wie ich den Kletterschuh mit der speziellen Farbe das erste Mal an heimischen und auch italienischen Fels setzte. Das war vor mehr als 16 Jahren. Damals dachte ich mir: Ok, so geht das also auch, das mit dem Stehen.

Five Ten Anasazi Lace Up Test | Foto: Archiv Martin Hanke
Der erste Five Ten Anasazi Lace-up – ein Kultschuh der seinesgleichen sucht. | Foto: Archiv Hanke

Als mir mein Kletterfreund den Rat gab, die Schuhe und besonders deren Spitzen mit ein wenig Spucke sauberzureiben bis diese quietschen, war das der Start meiner bis heute anhaltenden Kletterfreuden mit den Stealth-Gummis der Schuhschmiede Five Ten. Mit dem Anasazi Lace-up fing ich an, mich in Touren zu trauen, die mich vorher einfach ratlos im Seil baumeln ließen. Der Kletterschuh begleitete mich in anspruchsvollste Touren und ich lernte auch meinen Füßen – und nicht nur meinen Armen – zu vertrauen. Ich gebe es also zu: Ich bin ein befangener Tester, aber deswegen vielleicht umso kritischer – wir werden sehen.

Der „Pink“ ist zurück

„Ja!“, werden vor allem die Frauen und Mädels schreien, aber das hat wahrscheinlich nichts mit dem Kletterschuh an sich zu tun, sondern eher mit der Farbe des Klassikers: Pink. Für mich zählen vor allem die Werte, die im neuen Five Ten Anasazi Lace-up stecken: 4,3 Millimeter Five Ten Stealth C4-Sohle, Schnürverschluss, Kantenstabilität, Passform, Komfort und Präzision in einem!

Besonders die Präzision und Stabilität am Fels in plattigem Gelände haben den Kletterschuh wie keinen zweiten zu einer Legende aufleben lassen. Es kursieren an die hundert Geschichten schwerer Alpinkletter- und Sportkletterroutenbegehungen im elften Grad, die mit dem Five Ten Anasazi Lace-up geklettert wurden. An der ein oder anderen wird sicherlich etwas dran sein.

Five Ten Anasazi Lace Up Test | Foto: Five Ten
„Trust your feet, not your hands“ – der legendäre Slogan für den Anasazi Lace-up und seinen Stealth C4 Gummi. | Quelle: Five Ten

Seinerzeit gab es ein Poster von Five Ten mit dem Slogan „… und es hat doch Tritte“ oder „trust your feet, not your hands“. Darauf abgebildet war ein Kletterer, der mit beiden Hände hinter dem Rücken, im  sogenannten No Hand Rest, in der steilen Platte des Alpenklassikers Silbergeier stand. Bei dem Poster musste man wirklich zweimal hinschauen – natürlich trug auch er den Anasazi Lace-up. Five Ten konnte sich auf den gefragten Schuh einiges einbilden und jeder noch so übertriebene Slogan war schlicht und einfach wahr. Eine Weile holte sich also der legendär gewordene Five Ten Anasazi Lace-up die schwierigsten Touren, und das ist bis heute so geblieben.

Über die Jahre folgte in der Produkt-Evolution auf die ersten Modelle in der Farbe Pink der grüne Anasazi Verde. Nach weiß (Anasazi Blanco) ist nun eben wieder Pink an der Reihe. Der Leisten, die Kantenstabilität und die Performance sind bei allen Varianten durchgehend gleich geblieben: Der Anasazi Verde zeigte sich von seiner besten Seite, auch wenn manche meinen, die Performance hätte ein wenig nachgelassen. Der Blanco wiederum gefiel den Anhängern des ersten und einzig wahren Five Ten Anasazi Lace-up am besten.

Ich selbst konnte Unterschiede zwischen dem Verde und dem Blanco nur im Minimalbereich feststellen. Die Ferse wurde mit jeder Auflage ergonomischer gestaltet, was mich persönlich wenig betraf, da ich nie Probleme mit der Passform und auch nicht mit der Hookperfomance der Schuhe hatte. Ich verwende Kletterschuhe dieser Bauart ausschließlich in senkrechtem oder leicht überhängendem Plattengelände, die meist ohne Hookpassagen daherkommen.

Five Ten Anaszi Lace-up im Test: Optik und Verarbeitung

Die klassische Schnürschuhoptik für den schmalen Fuß ist beim Anasazi Lace-up natürlich nicht wegzudenken und selbstverständlich geblieben. Die Schnürung gehört zu den besten, die es auf dem Kletterschuhmarkt gibt: Präziser, genauer und dosierter kann man einen Schuh wohl nicht an den Fuß anpassen – leider auch nicht langwieriger. Wer also in den Genuss der Vorteile des Anasazi Lace-up kommen möchte, muss einfach ein wenig Zeit am Fels mitbringen. Performance und Passform sind es in jedem Fall wert!

Saubere Verarbeitung, stabile Schnürsenkel und ein Sohlenschliff der seinesgleichen sucht, gehören zur Standardausstattung des Five Ten Anasazi Lace-up. Die Verklebung des Fersengummis sowie die Nähte in Futter und Obermaterial sind sehr sauber und robust gefertigt. Die Anziehschlaufen sind dort, wo sie hingehören, und tun zuverlässig ihren Dienst, ohne einem die Finger beim Anziehen abzuschnüren.

Die Front bleibt, das Heck wurde gepimpt

Anasazi Lace Up vs anasazi Lace up | Foto: Martin Hanke
Vorne ein altes Modell des Anasazi Lace-up mit steilem Einstieg und der typischen Ferse. Dahinter der neue „the pink“ mit überarbeiteter Ferse.

Die Front, oder besser die Spitze, bleibt auch bei der neuen Version des Five Ten Anasazi Lace-up wie gewohnt, nur das Heck, also der Hook, wurde verändert. Die aktuelle Konstruktion überzeugt beim ersten Anziehen. Die eigentlich so typisch gewordene Luft an der Ferse ist einem sehr gut passenden Vakuum-Fit mit nicht ganz so steilem Einstieg gewichen. Der berühmte – und vor allem bewährte – Stealth C4-Gummi ist immer noch die Basis des Kletterschuhs und verleiht dem Anasazi Lace-up nicht nur seine typische Performance, sondern auch den unschlagbaren Grip. Sohlendicke und Kantenstabilität sind geblieben, nur vom Gefühl kommt mir der neue Pinkie ein wenig sensibler bzw. weicher vor. Die volle Leistenpower bringt er noch, auch wenn die kompromisslose Stabilität und Unterstützung der großen Zehe ein wenig abgenommen hat.

Gefühlsduselei: Sensibler und vielseitiger

Für mein Gefühl hat der neue Pink ein wenig an seiner Härte und vielleicht sogar seiner Spannung eingebüßt. Dafür ist er vielseitiger geworden. Für mich ist und bleibt der Five Ten Anasazi Lace-up die erste Wahl in Kalksteingebieten und plattigem Kalksteingelände, auch wenn ich mir wünsche die Konzentration der Kräfte in der Spitze wäre geblieben wie beim alten Modell. Das liegt meiner Vermutung nach an der etwas weniger steilen Fersenkonstruktion, die sonst für ordentlich Schub der Zehen in die Spitzen gesorgt hat.

Aber die aktuelle Konstruktion hat sicher auch ihre Vorteile in etwas weniger einseitigem Plattengelände. Für den Überhang mit fiesen Hook- und Toehook-Einlagen ist der neue Pink nach wie vor nicht die richtige Begleitung. Dafür gibt es im Sortiment der amerikanischen Kletterschuhschmiede Five Ten andere Spezialisten, wie zum Beispiel den Five Ten Team oder den Five Ten Arrowhead. Für Überhänge, Hooks und komplexes „Klammern“ und „Saugen“ beim Bouldern fehlen dem Anasazi Lace Up nach wie vor eine Reihe von Eigenschaften wie Downturn, Gummikappe und extreme Asymmetrie. Es ist und bleibt ein Schuh für die senkrechte bis leicht überhängende Tänzelei im Fels á la Altmühltal-, Kochel-, oder Verdonschluchtkletterei.

Test-Fazit zum Five Ten Anasazi Lace-up: Kultstatus anerkannt!

Anasazi Lace Up vs anasazi Lace up | Foto: Martin Hanke
Diese Kante steht überall am Fels: Der Five Ten Steath C4-Gummi sorgt für beste Reibungswerte auf kleinsten Tritten

Die Anhänger des ersten Five Ten Anasazi Lace-up werden sich vermutlich nur die Ferse ansehen und beim ersten Anziehen wie immer zufrieden mit ihrer angestammten Größe am Fels anzutreffen sein. Darauf kann man sich bei Five Ten verlassen: Wer einmal die passende Größe bei durchlaufenden Five-Ten-Kletterschuhmodellen gefunden hat, kann in der Regel dabei bleiben.

Der Expertenschuh für die noch so kleinen Trittchen und Strukturen im Senkrechten ist der neue Anasazi Lace-up nicht mehr so ganz. Dennoch gehört er mit Sicherheit immer noch zu den besten Kletterschuhen für kniffliges, technisches Gelände mit kleinen Tritten. In meiner Reihe der Anasazi Lace-ups verlässt er nicht seinen Platz und wird weiterhin in seinem angestammten Terrain eingesetzt: Kalkstein, Plattenkletterei und abschüssige Tritte in der Senkrechten. Durch die kleinen Veränderungen spürt man jetzt noch mehr, wo man wie steht. Und wenn doch einmal ein Hook dazwischenkommt, dann ist man mit dem neuen Pink auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Wer bisher beim Anziehen Probleme durch den steilen Einstieg hatte, der sollte sich den neuen Kletterschuh noch einmal genauer anschauen und probieren. Vielleicht geht es ihm ja so wie mir vor 16 Jahren.

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Unsere Top Outdoor Kategorien


Bergzeit Magazin - Dein Blog für Bergsport & Outdoor

Willkommen im Bergzeit Magazin! Hier findest Du Produkttests, Tourentipps, Pflegeanleitungen und Tipps aus der Outdoor-Szene. Von A wie Alpspitze bis Z wie Zwischensicherung. Das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins liefert zusammen mit vielen externen Autoren und Bergsport-Experten kompetente Beiträge zu allen wichtigen Berg- und Outdoorthemen sowie aktuelles Branchen- und Hintergrundwissen.