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Perfekte Pyramide

Hochtour auf das Große Wiesbachhorn (3.564 Meter) 

4 Minuten Lesezeit
Oberhalb der Kapruner Stauseen (Hohe Tauern) steht es, das Große Wiesbachhorn. Wie eine perfekte Pyramide ragt es in den Himmel und wird oft als Rivale zum Großglockner gesehen, eignet sich aber auch als Hochtour für Einsteiger. Die hier beschriebene Route über das Heinrich-Schwaiger-Haus bietet Dir viel Abwechslung und eine wunderschöne Landschaft.

Das Große Wiesbachhorn ist eine sehr empfehlenswerte Bergtour für all jene, die das erste Mal die Luft über 3.500 Metern schnuppern wollen. Dank des hohen Startpunktes auf 2.040 Metern können konditionsstarke Bergsteiger die Tour auch als Tagestour angehen, aber auch eine Übernachtung auf dem Heinrich-Schwaiger-Haus auf einer Aussichtskanzel über den türkisfarbenen Stauseen ist ein wunderbares Erlebnis. Ich habe nur normale Bergausrüstung benötigt, je nach Bedingungen und persönlichem Befinden können aber auch Klettersteigset, Steigeisen und Pickel eingesetzt werden. 

  • Charakter: Schöne Gipfelpyramide mit Großglockner-Blick und hochgelegenem Ausgangspunkt 
  • Höhenmeter: 1.550 Meter 
  • Schwierigkeit: II (UIAA), kurzer Klettersteig B 
  • Ausrüstung: Je nach Bedingungen und eigenem Befinden Steigeisen, Pickel, Klettersteigset 
  • Stützpunkt: Heinrich-Schwaiger-Haus (2.802 Meter) 
Das Große Wiesbachhorn rosa-rot eingefärbt.

Thomas Herdieckerhoff

Das Große Wiesbachhorn rosa-rot eingefärbt.


Gemütlicher Start auf 2.802 Metern

Schon die Anfahrt von Kaprun zum Startpunkt der Tour ist bei dieser Hochtour etwas Besonderes. Wir parken im kostenlosen Parkhaus der Kapruner Stauseen, wo wir zunächst in einen Bus umsteigen. Dieser bringt uns zur Talstation eines kuriosen Schrägwandaufzuges. Auf einer großen, offenen Plattform stehend, fahren wir hier steil den Berg hinauf. Oben wartet bereits der nächste Bus und bringt uns zum Ausgangspunkt, auf die Staumauer des Mooserbodens (2.040 Meter). Mit Blick auf das intensive Türkis des Stausees laufen wir auf der Mauer zur Ostseite des Sees. Schon von Weitem sieht man die zahlreichen Spitzkehren, die sich die steile Bergflanke hinaufziehen.

Schnell haben wir die vielen Touristen am Stausee hinter uns gelassen und erarbeiten uns die ersten Höhenmeter über den beiden Stauseen. Unser Tagespensum ist heute sehr entspannt, da wir nur etwa 800 Höhenmeter zum Heinrich-Schwaiger-Haus (2.802 Meter) zu bewältigen haben. Ohne Schwierigkeiten erreichen wir die Hütte, am Ende über einige Altschneefelder, denn es ist erst der 28. Juni – der Eröffnungstag des Heinrich-Schwaiger-Hauses. Am Abend genießen wir auf der Terrasse die Sonne und den genialen Ausblick auf die Stauseen und das Kitzsteinhorn. 

In der leichten Dämmerung geht es über Schneefelder hoch zum Gipfel des Großen Wiesbachhorns.

Thomas Herdieckerhoff

In der leichten Dämmerung geht es über Schneefelder hoch zum Gipfel des Großen Wiesbachhorns.


Langsam wird es wärmer und die Sonne kommt richtig raus.

Thomas Herdieckerhoff

Langsam wird es wärmer und die Sonne kommt richtig raus.


Hoch hinaus auf 3.564 Meter

Unsere erbarmungslos frühe Aufstehzeit ist 2:30 Uhr. Wenn man schon mal so hoch übernachtet, kann man es sich doch nicht entgehen lassen den Sonnenaufgang vom Gipfel zu sehen, denken wir uns. Nur ist der Sonnenaufgang eben um den längsten Tag des Jahres herum schon gegen fünf Uhr. Also stapfen wir um kurz vor drei Uhr los in die absolute Dunkelheit. Unsere Stirnlampen leuchten uns den Weg über ein kurzes Schneefeld zum Einstieg eines Klettersteigs. Die interessanteste Passage kommt gleich zu Beginn, ein versicherter Kamin, der uns steil aber einfach (B) auf den Unteren Fochezkopf (3.022 Meter) bringt.

Sobald wir den Oberen Fochezkopf (3.159 Meter) erreichen, liegt der Kaindlgrat vor uns. Ehemals ein beeindruckender Firngrat, ist hier nun sogar schon so früh in der Saison lediglich ein „Grätchen“ übrig und ich spare es mir die Steigeisen auszupacken. Trotzdem macht es Spaß, den gut gespurten Grat entlangzulaufen. Danach geht es über die aperen Ränder des Kaindlkees in Richtung des Südwestgrats vom Großen Wiesbachhorn. Langsam erscheint erstes Licht am Himmel und wir können schemenhaft die Landschaft um uns herum erkennen. Jetzt steilt es auf. Gehgelände wechselt sich mit leichten Kletterstellen ab. Diese Art von Terrain macht mir richtig Spaß – wenn man die Arme und Hände zur Hilfe nehmen kann, um sich von Fels zu Fels nach oben zu ziehen und zu schieben, kommt man kraftsparend voran. Da werden trotz der kurzen Nacht und der etwas dünneren Luft die Schritte leichtfüßig. Zusätzlich motiviert die sagenhafte Stimmung in der Blauen Stunde und die Silhouette des Gipfelkreuzes, die nun in unser Blickfeld rückt.

Was für ein traumhafter Sonnenaufgang!

Thomas Herdieckerhoff

Was für ein traumhafter Sonnenaufgang!


Das Gipfelglück steht den beiden ins Gesicht geschrieben.

Thomas Herdieckerhoff

Das Gipfelglück steht den beiden ins Gesicht geschrieben.


Gipfelglück und Abstieg

Über einen leichten Schneegrat erreichen wir schließlich gut gelaunt den Gipfel des Großen Wiesbachhorns. Der morgendliche Wind pfeift uns um die Ohren, als wir uns umarmen. Wenig später kommt die Sonne über den Horizont und wirft ihre Strahlen im Osten durch den Morgendunst über die zahlreichen Gipfelketten des Salzburger Landes. Ein wahres Vergnügen hier oben zu stehen. Im Süden und Westen erwachen Großglockner, Großvenediger und Kitzsteinhorn aus der Nachtruhe. 

Der Abstieg geht über dieselbe Route. Am Kaindlgrat angekommen, laufe ich diesmal aus Abstiegssicht links des Grates auf Schuttgelände, was aufgrund des zurückgegangenen Schnees auch problemlos möglich ist (wahrscheinlich aber nicht immer). Nach einer kurzen Pause auf der Hütte nehmen wir gleich den Rest des Abstiegs in Angriff, erreichen so wieder den Mooserboden-Stausee und mithilfe der Busse und des Schrägwandaufzuges Lärchfeld, den Ausgangspunkt. 

Und schon geht's über den Kaindlgrat wieder runter ins Tal.

Thomas Herdieckerhoff

Und schon geht’s über den Kaindlgrat wieder runter ins Tal.


Mehr Hochtouren-Tipps für Einsteiger findest Du hier:

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